Ein neuer Sarg für Königin Editha

Wettbewerb zur Gestaltung eines Sarges für die Grablege der Königin Editha

 

Aus Anlass des 800. Jahrestages der Grundsteinlegung des Magdeburger Domes 2009 fanden dort umfangreiche archäologische Grabungen statt. Dabei wurde auch ein Sarg mit den Gebeinen der im Jahr 946 gestorbenen Königin Editha geborgen. Die sterblichen Überreste der Gemahlin Ottos des Großen sollten nach Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchungen wieder am Fundort niedergelegt werden. Doch der vorgefundene Bleisarg konnte aus konservatorischen Gründen nicht wieder verwendet werden. Aus diesem Anlass lobte die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt einen einstufigen, beschränkten Wettbewerb zur Neugestaltung eines Sarges aus. Das Kunstwerk sollte in zurückhaltender und künstlerisch anspruchsvoller Form Editha Respekt zollen und zugleich dem historischen Geschehen ein Zeugnis unserer Zeit hinzufügen. Dazu eingeladen, sich mit Entwürfen am Wettbewerb zu beteiligen, wurden die Künstlerinnen und Künstler Annerose Bekker, Marc Fromm, Claudia Klinkert, Friedemann Knappe, Cathleen Meier, Christine Matthias, Jan Thomas, Kornelia Thümmel und Dagmar Varady.

Am 15. Januar 2010 wurde der Wettbewerb entschieden: Die vom Kuratorium der Kunststiftung beauftragte Jury – bestehend aus Dr. Annabelle Görgen-Lammers, Kunsthistorikerin an der Hamburger Kunsthalle, Professor Dr. Jan-Hendrik Olbertz, damaliger Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt und Dr. Anne Schaich, Kunsthistorikerin an der Technischen Universität Dresden – erklärte die in Dresden lebende Bildhauerin Kornelia Thümmel zur Siegerin.

Durch Fördermittel der "Kloster Bergesche Stiftung" konnte der Siegerentwurf umgesetzt und die Gebeine der Königin im Oktober 2010 wieder am Fundort, im Sandsteinsarkophag im Umgangschor des Magdeburger Doms, beigelegt wurden. In einer Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Magdeburg waren vom 22. Oktober 2010 bis zum 9. Januar 2011 alle Wettbewerbsbeiträge zu sehen. Die Präsentation wurde durch eine Zuwendung der "Kloster Bergesche Stiftung" unterstützt.

Der von Kornelia Thümmel entworfene Sarg, der sich aus unregelmäßigen Drei- und Vierecken zusammensetzt, spielt auf die Form eines Bergkristalls an – das Mineral symbolisiert geistige Reinheit und damit die Frömmigkeit Edithas, für die sie gerühmt wurde. Zwölf Wochen lang arbeiteten ein Titanspezialist und ein Silberschmied unter Anleitung der Künstlerin. Der so entstandene Körper, bestehend aus 18 zusammengeschweißten Titanplatten, wurde mit Silberblech versehen, in das die Inschrift eingetrieben ist. Wegen seiner zeitgenössischen Form steht dieser Sarg zu dem ihm umschließenden Sandsteinsarkophag klar im Kontrast.

Die Jury unter dem Vorsitz von Dr. Annabelle Görgen-Lammers begründet ihre Entscheidung folgendermaßen: „Kornelia Thümmels Entwurf stellt in Form und Materialität auf zeitgemäße Weise eine Spannung her zu dem bestehenden gotischen Sandsteinsarkophag. Gestaltet wurde ein polygonaler Sarg, der in seiner komplexen Form auf einen Bergkristall mit seiner christlichen Ikonographie anspielt. Das konservatorisch unbedenkliche Material Titan wird mit Silberfeinblech ummantelt und mit der erläuternden Inschrift versehen. Die schlichte und zugleich edle Oberflächengestaltung ist dem Sarg einer Königin angemessen. Der Entwurf überzeugte die Jury mit seiner originellen künstlerischen Idee, der konzeptionellen Schlüssigkeit und Realisierbarkeit. Er zollt der Vergangenheit Respekt, ist in zeitgenössischer Weise gestaltet und auf die Zukunft gerichtet.“

Die Entwürfe von Anne Rose Bekker und Christine Matthias wurden mit dem 2. und 3. Preis ausgezeichnet.

Kornelia Thümmel, 1971 in Leipzig geboren, studierte von 2001 bis 2006 an der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle Bildhauerei und war hier bis 2008 Meisterschülerin bei Prof. Bernd Göbel. Sie lebt und arbeitet in Dresden.