Pressemitteilung 31 - 2017

Das erste Heimatfrühstück in der Kunststiftung

Donnerstag,
21. September 2017
 

Zur Auftaktveranstaltung des Sonderförderprogramms HEIMATSTIPENDIUM der Kunst­stiftung des Landes Sachsen-Anhalt sind gestern die Stipendiat*en erstmals mit den Leiter*innen der teilnehmenden Museen und Sammlungen zusammengekommen. An einer großen Tafel in den Ausstellungsräumen der Stiftung trafen sich alle Akteure des Förderprogramms zu einem HEIMAT-Frühstück mit regionalen Speisen. Für die Stipendiat*innen und Vertreter*innen der ausgewählten Einrichtungen war es eine Begegnung voller Spannung und Freude. Nachdem die Museumsleiter*innen mit Geschichten aus der Region und zu den musealen Schätzen die Neugier aller weckten, lüfteten die Stipendiat*innen ihr geplantes künstlerisches Projekt, das in den nächsten zwölf Monaten an der gewählten Einrichtung umgesetzt wird und auf die Sammlungen mit zeitgenössischen Werken reagiert wird.
Begleitend zum Förderprogramm werden unterschiedliche Veranstaltungsformate entwickelt, um gezielt die Öffentlichkeit für die Museen und die künstlerische Arbeit der Stipendiat*innen zu gewinnen. So sollen auch neue Gäste an diese spannenden Orte gelockt werden und die Neugier der heimischen Bevölkerung für die Häuser aufs Neue entfacht werden. „Wir hoffen ein Stück weit zum Wegbereiter zu werden, für Formate mit Potenzial zum Nachahmen im ländlichen Raum, um zugleich den Museen und ihrer Region eine kulturelle Aufwertung zu geben. Wir setzen bei diesem Förderprojekt auf Begegnungen, deren Kraft nicht planbar ist, aber genau darin liegen ihre Stärken.“, so die Stiftungsdirektorin Manon Bursian.

Folgende künstlerischen Vorhaben haben die Stipendiat*innen im Rahmen des „Heimat­stipendiums“ an den acht ausgewählten musealen Einrichtungen des Landes Sachsen-Anhalt geplant:

Christine Bergmann – Harzmuseum Wernigerode

Die Schwerpunkte der künstlerischen Tätigkeit von Christine Bergmann, die an der Burg Gie­bichenstein diplomiert hat, bilden Malerei sowie baugebundene Kunst. Überdies engagiert sie sich aktiv im Berufsverband Bildender Künstler Sachsen-Anhalt als 2. Vorsitzende. Einen beträchtlichen Raum in ihrem künstlerischen Schaffen nimmt die baugebundene Kunst ein. In diesen Projekten arbeitete sie unter anderem mit dem Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, dem Perthes-Forum Gotha sowie mittleren bis kleinen Museen und Archiven zusam­men. Die hierbei gesammelte Erfahrung, dass die intensive Auseinandersetzung mit einem Museum unerwartete Einblicke und Schätze zu Tage fördert, führte die Künstlerin zu einem partizipativen Konzept für das „Heimatstipendium“ im Harzmuseum Wernigerode. Gemein­sam mit Mitarbeitern und Freunden des Museums möchte sie eine ästhetische Intervention erarbeiten. Außerdem bietet ihre figürliche Malerei, geprägt durch eine starke Farbigkeit, Anknüpfungspunkte an die umfangreiche Sammlung von Heimat- und Landschaftsmalerei des Museums, denn auch Christine Bergmanns Arbeiten widmen sich dem Menschen als Teil einer Gemeinschaft, der in Szenerien wie dem „Interieur“, „Garten“ oder „Wald“ verortet ist.

Xenia Fink – Museum Haldensleben

Xenia Fink setzt sich in ihrer künstlerischen Praxis – Arbeiten auf Papier, Installation und Animation – bildnerisch und mittels Text mit Narration auseinander. Die Zeichnung dient ihr dabei als zentrales Medium. Die Künstlerin wird ein installatives Ausstellungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Mu­seum Haldensleben erarbeiten, welches einen Teilnachlass von Jacob und Wilhelm Grimm besitzt. Der Zettelkasten als Organisations- und Forschungswerkzeug der Brüder Grimm sowie anderer Literaten und Denker ist der Ausgangspunkt ihres Vorhabens. Die Möglichkeit nicht-hierarchischer Ordnung , also Elemente in beliebig neue Sequenzen bringen zu können, möchte Fink auf die museale Präsentation selbst übertragen. In einer Installation, die verschiedene Medien, Formate sowie ursprüngliche Ausstellungsstücke kombiniert, möchte sie die einzelnen Elemente miteinander kommunizieren und erzählerische Momente entste­hen lassen, die Erinnerung und Vorstellung in Frage stellen.

Friederike von Hellermann – Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen Universi­tät Halle

Die in Halle lebende Künstlerin Friederike von Hellermann studierte am London College of Printing, der Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig und anschließend an der Burg Giebichenstein in Halle Buchkunst. Im Rahmen des „Heimatstipendiums“ möchte sie im ZNS die Grenze zwischen Wissenschaft und Kunst untersuchen. Anfänglich wird sie sich hierzu auf einen besonderen Bereich der Sammlung, die Vogeleier, konzentrieren. Es soll eine Art Enzyklopädie des Eies entstehen, in der es um das Ei in all seinen Facetten geht, um seine Bedeutung in Kunst- und Kultur­geschichte. Sie möchte ein Ordnungssystem erschaffen, bei dem das Medium des Buches selbst der Korpus ist. Die Objekte werden nicht in Vitrinen oder Schubladen nebeneinander gelegt, sondern auf den Seiten eines Buches. Friederike von Hellermann wird, begleitend zu ihrer Recherche, einen Blog führen und ihren Instagram Account nutzen, um in regelmäßigen Abständen Bilder zu veröffentlichen. Ziel ist es, das nach außen zu bringen, was die zoologi­sche Sammlung der Universität Halle so besonders macht. Gemeinsam mit dem Leiter der Zoologischen Sammlung, Dr. Frank Steinheimer, möchte sie einmal im Monat eine Führung geben.

Margit Jäschke – Museum Aschersleben

Die Künstlerin Margit Jäschke, deren Arbeitsschwerpunkte in den Bereichen Schmuck, Objekt und Installationen liegen, wird im Museum Aschersleben zu dem Thema „Sammeln“ arbeiten. Dazu konstatiert sie: „Sammeln ist das Auswählen, Zusammentragen und Aufbe­wahren von Objekten, die einen subjektiven Wert haben. Die Neigung dazu ist so alt wie die Menschheit.“ Ihre künstlerische Bearbeitung ist verbunden mit Fragen wie: „Was heißt sam­meln? Hat es auch mit Welterfahrung zu tun? Widersetzt man sich mittels Sammeln nicht auch der sich verflüchtigenden Zeit? Bekommt der Gegenstand dadurch, dass er gesammelt wird, eine andere Bedeutung?“ Im Rahmen des „Heimatstipendiums“ möchte sie den Faden der Sammlung aufnehmen, fortführend neue Objekte konzipieren und eine eigene Sammlung in Korrespondenz zur museumseigenen entstehen lassen.

Marie-Luise Meyer und Oliver Scharfbier – Mansfeld-Museum Hettstedt  

Im Mansfeld-Museum, das sich im Humboldtschloss in Hettstedt/Burgörner in Hettstedt befindet, werden sich Marie-Luise Meyer (Halle/Saale) und Oliver Scharfbier (Magdeburg) als Künstlerduo mit den Sammlungen und der Geschichte des Hauses sowie der Region befassen. Hierbei offeriert sich ein breites Themenfeld: die Vita der Caroline von Humboldt, die Architektur des Schlosses sowie die Geschichte des Bergbaus. Die Absolventin der Burg Giebichenstein mit dem Arbeitsschwerpunkt Keramik und der Alumni der Kunsthochschule Kassel, der in den Bereichen Skulptur und Installation arbeitet, möchten unter dem Titel „Ortung und Identität“ das noch nicht öffentliche Archiv des Mansfeld-Museums studieren. Mit künstlerischen Mitteln soll aus der 800jährigen Geschichte des Mansfelder Bergbaus das ans Licht geholt werden, was an identitätsstiftenden Momenten noch vorhanden ist. Für diese „Ortung“ von verschütteter Erinnerung, möchten die Stipendiaten gemeinsam mit den Hettstedter Bürger herausfinden, was deren „Identität“ heute ausmacht. Neben der gemeinsamen Arbeit und Realisierung einer Ausstellung mit Begleitprogramm, wollen die Stipendiaten jeweils eigene künstlerische Arbeiten in den Bereichen Plastik, Skulptur und Performance umsetzen.

Rebekka Rauschhardt – Freilichtmuseum Diesdorf

Das Schaffen der Künstlerin Rebekka Rauschhardt umfasst neben Malerei und textilen Objekten baugebundene Kunst und Skulptur. Darüber hinaus ist sie in ihrer Wahlheimat Halle (Saale), an deren Kunsthochschule sie studierte, als Initiatorin einer Plattform für junge Künstler aktiv und im Vorstand eines Vereins tätig, der Kunst-Projekte im Rahmen der jährlichen Händel-Festspiele realisiert. Im Freilichtmuseum in Diesdorf, dem nördlichsten der acht teilnehmenden Museen, möchte Rebekka Rauschhardt im Rahmen des „Heimatstipendiums“ Skulpturen schaffen. Unter dem Titel „1 2 3 4 Eckstein …“ werden Figuren und deren Attribute im wahrsten Sinne des Wortes „spielerisch“ mit den Bewohnern der Region und den Besuchern des Museums entwickelt und von der Künstlerin in Stein umgesetzt. Bei gemeinsamen Aktionen auf dem Museums­gelände werden die Ebenen „verstecken – suchen – finden“ mit dem Fokus auf technische Errungenschaften der Menschheitsgeschichte und Gerätschaften im Wandel der Zeit er­forscht. Das Gelände des Freilichtmuseums Diesdorf wird zu einem Spielfeld für Entdecker.

Matthias Ritzmann – Spengler-Museum Sangerhausen

Im Rahmen des „Heimatstipendiums“ möchte sich der freischaffende Fotograf Matthias Ritz­mann mit der Sammlung des Spengler-Museum Sangerhausen sowie dem Leben von Gustav Adolf Spengler auseinandersetzen. Das Nebeneinander der Objekte und Fundstücke ist eine Art fragmentarischer Collage, die neue Assoziationsräume eröffnet und Betrachtende in ein Paralleluniversum entführt. Vermittelt über die Persönlichkeit und das Werk Spenglers sollen Kontakte zu den Menschen vor Ort (z. B. über Schulklassen und Vereine) geknüpft werden. Es ist angedacht, Samm­ler*innen in einer Ausstellung („SPENGLER und DU!“ – Arbeitstitel) die Möglichkeit zu geben, ihre private Sammelleidenschaft, z. B. von Briefmarken, Überraschungseiern oder Kanarien­vögeln, öffentlich zu zeigen. Zudem ist es geplant, neben den Objekten, auch Portraits der Teilnehmenden zu präsentieren sowie Interviewausschnitte mit diesen.

Luzia Werner – Museum Schloss Bernburg

Die Künstlerin Luzia Werner, die nach einer Holzbildhauerausbildung ihr Malereistudium in Bonn, an der Burg Giebichenstein in Halle (Saale) und in Linz absolviert hat, will sich mit den Sammlungen des Museums Schloss Bernburg befassen und aus verschiedenen Perspektiven ein Thema bearbeiten, zu dem ein jeder Bezug hat: dem Tod. Sich mit ihm auseinander­zusetzen, dazu sollen die entstehenden Arbeiten Impulse geben. Museale Sammlungs­objekte, wie Urnen, Schmetterlinge, Vögel, Haarbilder, Zeichnungen, Totenkronen oder Gedichte, die meist im Archiv des Museums verborgen sind, will Luzia Werner hervorholen und eigenen künstlerischen Arbeiten gegenüberstellen. Aus diesem Dialog soll am Ende eine vielseitige, interessante Ausstellung hervorgehen.

 

 

21. September 2017

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