Anna-Katharina Tretter

Grafikerin, Modedesignerin

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Arbeitsstipendium
Oktober 2010 – März 2011

Horror Vacui / Amor Infiniti

Im zweiten Teil ihres Stipendiums arbeitete Anna-Katharina Tretter zu Otto von Guerickes These zu den Magdeburger Halbkugeln. Otto von Guericke, der an das kopernikanische Sonnensystem glaubte, war sehr an der Natur des Weltraums interessiert. Befand sich zwischen Gestirnen „wirbelnder Äther“ oder war dort nichts? Von Guericke konnte die Existenz des Vakuums beweisen und es in seinem Experiment der Magdeburger Halbkugeln vor Augen führen.
Neben den unvoreingenommenen Experimenten von Guerickes war die Künstlerin außerdem von der dieser Epoche eignen Auffassung der Kugelform fasziniert: Das im 17. Jahrhundert populäre Motiv des „Homo Bulla“ (der Mensch als Seifenblase), das die Flüchtigkeit der Zeit und die Kürze des Lebens symbolisierte. Von dieser Idee ausgehend arbeitete die Künstlerin an der Abwandlung von Mustern: der Form des Kreises, der Kugel und deren Segmente, die sie in unterschiedliche Druckwerke und textile Arbeiten einfließen ließ.

 

Arbeitsstipendium
Oktober 2009 – März 2010

Samples

Die Künstlerin erlernte während ihres Stipendiums in Grimbergen (Belgien) bei dem Grafiker Filip Le Roy die Grundlagen des "Non-toxic Intaglio", eine aus Amerika stammende, weitgehend ungiftige Weiterentwicklung der Kupferradierung. Die neue Technik ermöglicht es, stark toxische Materialien wie Säuren, Lacke und Druckfarben sowie Sekundärmaterialien wie Reinigungs- und Lösungsmittel durch umwelt- und gesundheitsfreundlichere Stoffe zu ersetzen. So werden klassische Techniken wie Vernis mou, Vernis dur und Aquatinta mit neuen Produkten durchgeführt, die herkömmlichen Druckfarben auf Ölbasis werden durch solche auf Acrylbasis ersetzt. Die Photopolymertechnik erlaubt es, digitale Bilder auf die Kupferplatte zu übertragen. Ein lichtempfindlicher Film (Photopolymerfilm) wird hierbei auf das Kupfer aufgetragen, belichtet und entwickelt. Die Übertragung des Bildes auf das Kupfer ist bei der konventionellen Radierung eine langwierige Prozedur – hier wird sie durch die Belichtungstechnik auf wenige Minuten abgekürzt; Änderungen und Korrekturen sind einfacher und erlauben eine viel größere künstlerische Freiheit, spontanes Arbeiten und Experimentieren.

Anna Katharina Tretter wandte verschiedene Techniken wie Vernis mou, Vernis dur, Aquatinta und Photopolymer sowie deren Kombinationen an.

Inhaltlich wählte die Künstlerin, inspiriert durch ihren Auslandsaufenthalt, das Thema Fremdsein. Es entstanden längsrechteckige Grafiken, die mit fein getönten Linienstrukturen überzogen sind – abstrahierte Wanderungen durch unbekannte Städte, bei denen sich Eindrücke überlagern, einander verwischen, manches stärker hervortritt, anderes wieder dem Vergessen anheim fällt. So erscheint der fremde Ort als etwas, das zwar wieder und wieder begangen und erkundet werden kann, der aber nichtsdestotrotz stets entschlüpft und sich nicht fassen lässt.

 

Vita


 

1978 geboren in Kirchdorf (Österreich) | 1998–2000 Ausbildung in der Glasfachschule für Kunsthandwerk und Design, Kramsach/Tirol | 2000–2006 Arbeit in den Glasmalereien Geyling/Wien und Stift Schlierbach | 2000-2002 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Wien | 2002–2008 Studium an der Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle, Studiengang Modedesign | 2005 Kostümassistenz bei Constantin Film, München | 2005 Studienaufenthalt in Murmansk/Russland | 2006 Teilnahme am Drapierworkshop bei Takeshi Kondo, München | 2007 Praktikum bei Romy Smits, Antwerpen, und ad!dictlab, Brüssel | 2009 Einzelausstellungen in der Villa der HDK Halle sowie in der Galerie Noch besser leben Leipzig | 2010 Einzelausstellung in der Landesvertretung von Sachsen-Anhalt in Brüssel sowie Einzelausstellung im Ausstellungsraum Milagros de Maria in Brüssel, Teilnahme am Parcours de St. Gilles/Brüssel