Dirk Heidicke

Autor

Arbeitsstipendium
April – Juni 2007

Bruder Johannes

Martin Luther – Johannes Tetzel: zwei der wichtigsten Gegenspieler während der Reformation. Auf der einen Seite die radikale moralische Instanz, auf der anderen der erfolgreiche Verführer, Verkäufer und Moderator. In der Komödie wird die Verführbarkeit des Menschen durch die Verheißung von Sicherheit und Glück geschildert in einer Zeit des Epochenwechsels vom Mittelalter zur Neuzeit – einer Zeit der großen Verunsicherungen, von Brüchen in zahlreichen Biographien. Ähnlich ist es gegenwärtig in den westlichen Gesellschaften im Zeitalter von Hartz IV, Globalisierung und Klimawandel. Stellt man Luther und Tetzel einander aus heutiger Sicht gegenüber, ist wohl davon auszugehen, dass Tetzel in einer Mediengesellschaft die wesentlich bessere Figur machen würde. Der von ihm gebotene Ablass ist auch heute noch ein Verkaufsschlager. Wer würde also gewählt: Der unbequeme Luther oder der bequeme Tetzel? Das Stück setzt nicht auf vordergründige Aktualisierung – diesen Widerstreit muss jeder in sich selbst austragen.

 

Vita


 

1964 geboren in Magdeburg | ab 1986 Beleuchter am Theater in Magdeburg | seit 1989 zahlreiche Hörspiele, Dramen und Filme u. a. für den mdr, das Magdeburger sowie das Berner Theater | 1992 Förderpreis Kinderhörspieltage Bensheim sowie Stipendium des Literarischen Colloquiums, Berlin | 1993 Aufenthaltsstipendium in der Villa Casa Baldi, Olevano Romano/Italien sowie 1999 im Kunstverein Röderhof | lebt seit 1992 als freier Autor in Magdeburg