„Ton-Räume“ im Kloster Chorin

Renée Reichenbach, Keramikerin und Stipendiatin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, stellt Gegenstände und Gefäße im Kloster Chorin aus
19. September bis 2. November 2020
Die Keramikkünstlerin hat während ihres Arbeitsstipendiums Raumkonzepte mit keramischen Installationen im Kloster Chorin in Brandenburg erarbeitet. Thematisch griff die Künstlerin auf Ideen aus den vergangenen Jahren zurück, an denen sie konzeptionell weiter gearbeitet hat. Dazu zählen Signa, Säulen, Elfenbeinarbeiten und Fliesenbilder. Die Ausstellung besteht aus einer Kombination von vorhandenen Werkgruppen und Einzelarbeiten sowie neu geschaffenen Werken, die für eine strenge Installation mit Gefäßobjekten, die in regelmäßiger Anordnung den Raum bestimmen sollen, angefertigt wurden. Die einzelnen Gefäßskulpturen weisen, indem sie alle aus demselben Grundkörper erwachsen, eine enge formale Verwandtschaft auf. Für den immer wieder als Ausgangspunkt genutzten Grundkörper hat sich die Künstlerin nach eigenen Entwürfen eine Gipsform herstellen lassen. Zeitgleich begann sie mit Überlegungen zur Farbigkeit der Objekte und fertigte dazu eine Reihe von kleinen, Beispiel gebenden Keramikfliesen an. Ihre Intention war es, den vordergründig als Gefäße wahrzunehmenden Gegenständen im Raum eine Anmutung von plastischen Objekten jenseits einer Zweckgebundenheit zu verleihen. Die Gefäßidee diente lediglich als Ausgangspunkt und Inspiration.
Das Kloster Chorin, eine ehemalige gotische Zisterzienserabtei im brandenburgischen Landkreis Barnim, wurde 1258 von askanischen Markgrafen gegründet. Nach jahrhundertelangem Verfall wurde es unter der Leitung von Karl Friedrich Schinkel teilweise rekonstruiert. Heute ist das Zisterzienserkloster Chorin ein die Backsteingotik typisch repräsentierendes Baudenkmal. Seit zehn Jahren finden regelmäßig Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst statt. Dabei dienen die historischen Räume des ehemaligen Infirmariums, des Kranken- und Gästehauses der Mönche, als Rahmen und geben den Arbeiten eine besondere Atmosphäre.
Ausstellung „Ton-Räume“
Renée Reichenbach
Kloster Chorin
19. September 2020 bis 2. November 2020
Eintritt zur Ausstellung und zur Klosteranlage 6 Euro / erm. 3,50 Euro
www.kloster-chorin.org
www.renee-reichenbach.de
www.kunststiftung-sachsen-anhalt.de/stipendiat/renee-reichenbach/

 

Szenen eines fremden Alltags

Der von der Kunststiftung im Rahmen des Kurzfilmprogramms wage-mutig geförderte aninimierte Dokumentarfilm „Conversation from another world“ von Yves Paradis gewinnt den KONTAKT-Pitchingpreis des MDM Nachwuchstages. Dazu gratulieren die Kunststiftung und Rainer Robra, Staatsminister und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, ganz herzlich!
Beim 16. MDM Nachwuchstag KONTAKT am 09. September hat Yves Paradis den KONTAKT-Pitchingpreis in Höhe von 3.000 Euro für seinen animierten Dokumentarkurzfilm „Conversation from another world“ gewonnen. Der Film wurde von der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen des Kurzfilmprogramms wage-mutig gefördert.
Der aus Québec stammende und jetzt in Halle (Saale) lebende selbständige Illustrator und Animator Yves Paradis reflektiert in dem Filmprojekt seine eigenen Erfahrungen über den Integrationsprozess in einem fremden Land und das Erlernen einer neuen Sprache. Der 12minütige Animationsfilm basiert auf den eigenen Erfahrungen des Autors. Er erzählt die Geschichte einer Fremden, die vor kurzem in eine neue Welt gezogen ist. Noch kann sie die Konversationen der Bewohner nur durch nonverbale Signale verstehen, da ihr die Sprache fremd ist. Die Bewohner und die Umgebung wirken auf sie wie abstrakte Formen. Mit jedem neuen Gespräch gehen neue Orte und Charaktere einher. Die Hauptfigur beginnt die Sprache zu verstehen, und mit jeder neuen Lernphase werden die Figuren und die Umgebungen klarer und weniger fremd. Auch die Sprache klingt nun vertrauter. Die Hauptfigur selbst passt besser zu den Bewohnern dieser Welt und fällt weniger auf. Doch es bleibt noch immer etwas Abstraktes zurück. Der Zuschauer soll sich in die Lage der Fremden hineinversetzen können. Daher ist die Sprache, die gesprochen wird, eine Phantasiesprache, welche Einflüsse aus dem Deutschen und dem Lateinischen aufweist. Zum Ende des Films kann auch der Zuschauer die Sprache verstehen. Die Intension des Films ist es zu zeigen, wie Sprache von jemandem wahrgenommen wird, der kein Muttersprachler ist. Für einen Fremden, der nach sozialer Integration sucht, sind Sprachkenntnisse eine komplexe Barriere, deren Überwindung Anstrengung, Zeit und Unterstützung erfordert.

 

Der Jury zur Vergabe des Förderpreises gehörten Susanne Aßmann (Filmemacherin), Thomas Beyer (MDR), Tanja Georgieva-Waldhauer (Produzentin, Elemag Pictures), Franka Sachse (Filmemacherin/Bauhaus-Universität Weimar) und Jörg Schneider (ZDF – Das kleine Fernsehspiel) an.
Insgesamt präsentierten 14 mitteldeutsche Talente beim MDM Nachwuchstag 2020 neun Filmprojekte vor fast 100 anwesenden Filmschaffenden im Kaisersaal in Erfurt.

Yves Paradis gewinnt Filmpreis

Wir gratulieren! Beim 16. MDM Nachwuchstag KONTAKT am 09. September hat Yves Paradis den KONTAKT-Pitchingpreis in Höhe von 3.000 Euro für seinen animierten Dokumentarkurzfilm „Conversation from another world“ gewonnen. Das Projekt wurde von der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen des Kurzfilmprogramms wage-mutig gefördert.

 

Der aus Québec stammende und jetzt in Halle (Saale) lebende selbständige Illustrator und Animator Yves Paradis reflektiert in dem Filmprojekt seine eigenen Erfahrungen über den Integrationsprozess in einem fremden Land und das Erlernen einer neuen Sprache. Der 12minütige Animationsfilm basiert auf den eigenen Erfahrungen des Autors.  Er erzählt die Geschichte einer Fremden, die vor kurzem in eine neue Welt gezogen ist. Noch kann sie die Konversationen der Bewohner nur durch nonverbale Signale verstehen, da ihr die Sprache fremd ist. Die Bewohner und die Umgebung wirken auf sie wie abstrakte Formen. Mit jedem neuen Gespräch gehen neue Orte und Charaktere einher. Die Hauptfigur beginnt die Sprache zu verstehen, und mit jeder neuen Lernphase werden die Figuren und die Umgebungen klarer und weniger fremd. Auch die Sprache klingt nun vertrauter. Die Hauptfigur selbst passt besser zu den Bewohnern dieser Welt und fällt weniger auf. Doch es bleibt noch immer etwas Abstraktes zurück. Der Zuschauer soll sich in die Lage der Fremden hineinversetzen können. Daher ist die Sprache, die gesprochen wird, eine Phantasiesprache, welche Einflüsse aus dem Deutschen und dem Lateinischen aufweist. Zum Ende des Films kann auch der Zuschauer die Sprache verstehen. Die Intension des Films ist es zu zeigen, wie Sprache von jemandem wahrgenommen wird, der kein Muttersprachler ist. Für einen Fremden, der nach sozialer Integration sucht, sind Sprachkenntnisse eine komplexe Barriere, deren Überwindung Anstrengung, Zeit und Unterstützung erfordert.

 

 

Der Jury zur Vergabe des Förderpreises gehörten Susanne Aßmann (Filmemacherin), Thomas Beyer (MDR), Tanja Georgieva-Waldhauer (Produzentin, Elemag Pictures), Franka Sachse (Filmemacherin/Bauhaus-Universität Weimar) und Jörg Schneider (ZDF – Das kleine Fernsehspiel) an.

 

Insgesamt präsentierten 14 mitteldeutsche Talente beim MDM Nachwuchstag 2020 neun Filmprojekte vor fast 100 anwesenden Filmschaffenden im Kaisersaal in Erfurt.

Kooperationspartner: Villa Romana in Florenz

Die Villa Romana wurde 1905 von dem deutschen Maler Max Klinger, dessen Werk 2007 anlässlich seines 150. Geburtstags mit zahlreichen Ausstellungen (u.a. Museum der Bildenden Künste Leipzig, Kunsthalle Hamburg, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe) geehrt und neu bewertet wurde, ins Leben gerufen.

Max Klinger erwarb mit Unterstützung eines kunstliebenden Freundeskreises die klassizistische Villa Romana in der Via Senese in Florenz, um Künstlern eine großzügige Wirkungsstätte zu geben. Im selben Jahr initiierte der Deutsche Künstlerbund den Villa Romana-Preis, um Künstlern unabhängig von staatlicher Förderung und Ausbildung in Florenz ein Forum künstlerischer Produktion zu ermöglichen. Seit den 20er Jahren unterstützt die Deutsche Bank die Villa Romana als Hauptsponsor.

Der Villa Romana-Preis ist der älteste deutsche Kunstpreis. Seit 1905 wird er jährlich an vier (in den Anfängen an drei) junge Künstler verliehen. Er ist mit einem mehrmonatigen Arbeitsaufenthalt im Künstlerhaus Villa Romana, einem freien Atelier sowie einem monatlichen Stipendium verbunden. Seine Bestimmung ist es, herausragenden jungen Künstlern die Gelegenheit zu geben, sich während eines längeren Aufenthalts in Florenz auf die Entwicklung ihres künstlerischen Werks zu konzentrieren.

Die Geschichte des Villa Romana-Preises ist seit mehr als 100 Jahren mit bedeutenden Künstlern verbunden. Vor dem ersten Weltkrieg waren u.a. Max Beckmann, Käthe Kollwitz, Ernst Barlach, Max Pechstein und Georg Kolbe in der Villa zu Gast. Oft wurde der Villa Romana-Preis am Beginn einer Karriere verliehen und hat so moderne Kunstgeschichte mit geschrieben.

Während des Nationalsozialismus unterstand die Villa dem Reichspropaganda-Ministerium und wurde 1944 von den Alliierten konfisziert. 1954 initiierte Bundespräsident Theodor Heuss die Wiederbelebung des Villa Romana-Vereins. 1958 wurde das Künstlerhaus wieder eröffnet. Seitdem haben zahlreiche namhafte Künstler und Künstlerinnen wie Georg Baselitz, Anna Oppermann, Markus Lüpertz, Horst Antes, Christiane Möbus, Michael Buthe, Katharina Grosse oder Amelie von Wulffen als Preisträger in der Villa Romana gearbeitet und zum Ansehen der Institution beigetragen (Quelle: www.villaromana.org).

Der Naumburger Dom

Sachsen-Anhalt besitzt mit die höchste Dichte an UNESCO-Welterbestätten in Deutschland, erst 2018 kam eine weitere hinzu: der Naumburger Dom. Völlig zu Recht, ist der Bau doch eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler des europäischen Hochmittelalters.

Eines der Alleinstellungsmerkmale des Doms sind die beiden erhaltenen Lettner, die die Chöre räumlich vom Kirchenschiff trennen. Einer der beiden, der den Ostchor vom Langhaus trennt, ist der älteste erhaltene deutsche Hallenlettner, entstanden um 1230.  Eine besondere Faszination übt jedoch der Westchor mit dem berühmten, aufwendig gestalteten Lettner aus. Mit seinen Passionsreliefs und der Kreuzigungsgruppe im Portal zählt er zu den Hauptwerken des sogenannten Naumburger Meisters. Im Chor selbst finden sich die zwölf Stifterfiguren aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Arbeiten des namentlich unbekannten Meisters zeichnen sich durch ihre naturalistische Darstellung, ihre Gestik und Mimik aus; jede der Figuren ist einzigartig. Zur „schönsten Frau des Mittelalters“ gar hat es die Stifterfigur Uta gebracht. Dem Bildhauer – und vermutlich auch Architekten – übrigens ist die Ausstellung „Weg und Werke des Naumburger Meisters“ in der Domklausur gewidmet.

Sehenswert ist noch eine ganze Menge mehr im Naumburger Dom: die romanische Krypta mit einem Kruzifix aus dem 12. Jahrhundert zum Beispiel. Oder die romanische Elisabethkapelle mit der vermutlich ältesten Steinfigur der Heiligen Elisabeth von Thüringen, deren Leben auf den modernen Glasfenstern von Neo Rauch regelrecht beleuchtet wird. Im Domschatzgewölbe wiederum finden sich mehr als 30 Kostbarkeiten aus dem Mittelalter und der Renaissance wie die einzigartige Naumburger Pietà oder der von Lucas Cranach geschaffene Altarflügel. Die zwei Rundfenster des Gewölbes, gestaltet vom zeitgenössischen Glaskünstler Günter Grohs, nehmen die Thematik der Pietà auf.

Die Bauarbeiten des spätromanisch-frühgotischen Doms begannen um 1210. Zuvor bereits hatte es einen Vorgängerbau gegeben, der mit der Verlegung des Bischofssitzes von Zeitz nach Naumburg um 1028 begonnen wurde und aus dem noch die Krypta als mittlerer Raum der Kryptenanlage stammt. Ihr Vorraum und der Altarraum sind im Zuge des zweiten Dombaus entstanden. Die vier Türme sind in ihren quadratischen Untergeschossen spätromanisch. Das oberste der Turmgeschosse ist mit gotischem Maßwerk verziert und damit ein Hinweis auf den Wiederaufbau nach dem Brand im 16. Jahrhundert. In diese Zeit werden auch die Kupferhauben auf den Osttürmen mit den zweigeschossigen Laternen datiert. An die Ursprungszeit der Romanik wiederum erinnern die aus jener Zeit erhaltenen Baumformen im östlichen und nördlichen Teil des Kreuzganges.

Von hohem künstlerischem Wert sind die Glasmalereien in den Fenstern, die zum Teil aus der Bauzeit des Chores stammen. Sie zeigen die klugen und törichten Jungfrauen, die Tugenden und Propheten, während die Passion, Marienszenen, Apostel und Propheten auf ebenfalls sehr qualitätsvollen Scheiben aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts dargestellt sind. Eine Kuriosität findet sich an der Nordseite des Ostchores: zwei schachspielende Affen in einem Kapitell.

Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen über den Naumburger Dom, aber dafür ist an dieser Stelle schlicht nicht genug Raum. Daher an dieser Stelle nur noch folgender Hinweis: Besuchen Sie diese Stätte des Weltkulturerbes! Und planen Sie Zeit dafür ein!

 

ÖFFNUNGSZEITEN

März bis Oktober: Mo bis Sa 9.00 – 18.00 Uhr, So/Kirchl. Feiert. 11.00 – 18.00 Uhr

November bis Februar:   Mo bis Sa 10.00 – 16.00 Uhr, So/kirchl. Feiert. 12.00 – 16.00 Uhr

 

Einschränkungen im Dom aufgrund von Gottesdiensten, Konzerten und Trauungen.

Gottesdienst sonntags und an kirchlichen Feiertagen von 10.00 – 12.00 Uhr.

 

KONTAKT

Besucherservice Naumburger Dom

Domplatz 16/17 | 06618 Naumburg

Tel. (03445) 23 01-133 oder -120 | E-Mail: fuehrung@naumburger-dom.de

Der Naumburger Dom ist Eigentum der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz, einer Stiftung öffentlichen Rechts. Vereinigte Domstifter |Domplatz 19 |06618 Naumburg

 

www.naumburger-dom.de

Zyklus „Zelt“ I und II, Opus XIV

Max Klinger galt als Meister und Erneuerer der Druckgrafik. Im Jahr 1906 überstieg das öffentliche Interesse an seinem grafischen Werk sogar dasjenige von Dürer und Rembrandt (Statistiken der Graphischen Sammlung in München). Sowohl inhaltlich als auch stilistisch bewegte sich Klinger zwischen Tradition und Moderne. Traditionell war zum Beispiel die Verwendung der Auqatinta-Technik, damals in Deutschland fast schon vergessen. Dabei wird Asphalt- und Kolophonstaub auf eine Kupferplatte aufgeschmolzen und diese anschließend geätzt. Außerdem arbeitete er mit Strichätzung, Kupferstich und Schabkunst.

Unter dem Begriff „Griffelkunst“ fasste Klinger Zeichnung und Grafik zusammen; sie nahm eine besondere Stellung in seinem Werk ein. Bereits 1879, im Alter von 22 Jahren, hatte er begonnen, Radierungen nach eigenen Zeichnungen zu gestalten und in Zyklen zu bündeln. 14 davon mit etwa 300 Grafiken und 150 Einzelblätter und Exlibris hat er hinterlassen. In seinen Mappenwerken folgten die einzelnen Blätter einem gemeinsamen Thema oder erzählten eine Geschichte.

Sein „Zelt“-Zyklus, die Nummer XIV, besteht aus zwei Teilen mit insgesamt 46 Blättern. Von 1911 bis 1916 arbeitete Klinger daran, u. a. im „Radierhäuschen“ auf seinem Weinberg in Großjena. Ein Märchen wollte er erzählen, von dem er am Anfang der Arbeit selbst noch nicht wusste, wie es ausgehen würde. Ob er das Ende, nachdem er die letzte Platte fertiggestellt und das Märchen auserzählt hatte, wusste, muss leider im Dunkeln bleiben. Denn so ganz klar wird die Geschichte nicht, weder in ihrer Struktur noch im Inhalt: Eine junge Frau erlebt darin allerhand Abenteuer, grausame, fantastische, chaotische. Begehrt von Tieren und Menschen, jungen und alten beiderlei Geschlechts, zeigt Klinger sie in unterschiedlichsten Landschaften. In der Wüste, im Gebirge, an Wassern. Fabelwesen spielen eine Rolle, auch Zauberer. Ein roter Faden ist kaum ersichtlich, vielmehr werden viele kleine Geschichten erzählt. Grausam und zärtlich, sinnlich und verstörend muten die Grafiken an.

Dementsprechend gespalten war die öffentliche Meinung zu dem Werk. Seine künstlerische Meisterschaft lobten die einen, seine Einfachheit in Technik und Inhalt kritisierten die anderen. Bis heute wird „Zelt“ in der Rezeption des Künstlers stiefmütterlich behandelt, kaum ausgestellt und selten besprochen. Auch in Naumburg wird die Reihe, obwohl im Besitz des Museumsverein Naumburg e. V., erstmalig zu sehen sein.

 

Der Zyklus „Zelt“ ist zu sehen im Oberlandesgericht Naumburg, Domplatz 10

MO—DO 9—16 UHR, FR 9—12 UHR

Eintritt frei

Max Klinger (1857-1920)

„Enorm talentvoll ist er“, befand der Komponist Johannes Brahms über seinen Künstlerfreund Max Klinger. Nach dessen Tod am 4. Juli 1920 wurde er auf seinem Weinberg in Großjena beigesetzt – die Trauerfeier glich einem Staatsbegräbnis, so viele Gäste waren erschienen. Viele Reden wurden gehalten, Käthe Kollwitz zum Beispiel erzählte von ihrer tiefen Bewunderung für Klingers „Griffelkunst“. Dabei war der Maler, Bildhauer, Zeichner und Grafiker da schon nicht unumstritten. 1920 schrieb der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe: „Er wusste viel von dem und jenem, […], aber er hatte keine blasse Ahnung von den Äquivalenten. Kein Künstler. Ein Zwischending, ein Ersatz, ein Kunstgewerbler.“ Aber es gab auch andere Stimmen, siehe Brahms Zitat oder Käthe Kollwitz‘ Bewunderung. Als er 1902 die monumentale Großplastik „Beethoven“ aus Bronze und Marmor für die Ausstellung der Wiener Secession vollendete, stand er auf der Höhe seines Ruhmes, wurde gar zum nationalen Mythos verklärt. Zur Jahrhundertwende war er eine zentrale Gestalt der Kunstszene Europas. Der Bewunderer Auguste Rodins hatte da nicht nur zahlreiche Skulpturen – vor allem Denkmäler und Porträtbüsten etwa von Nietzsche, Franz List, Johannes Brahms oder Richard Wagner – geschaffen sowie technisch brillante, naturalistische und sozialkritische Radierungen oder seine grafischen Zyklen. Nackte Körper waren zum wichtigsten Motiv seiner Gemälde geworden; vor allem aber war Klinger ein Revolutionär. Kümmerte sich nicht um Konventionen, machte sich gar der „Gotteslästerung“ schuldig, indem er – nur zum Beispiel – einen splitternackten Jesus in seiner „Kreuzigung“ malte (und dessen Genitalien später auf Druck zwischenzeitlich übermalte).

Nach seinem Tod, 63 Jahre war Klinger alt, aber wurde immer weniger von ihm gesprochen. Die Nationalsozialisten versuchten noch, ihn für ihre eigene Interpretation zu nutzen. Danach dann schwand das allgemeine Interesse rapide, zu seinem 100 Geburtstag war er schon fast vergessen. Heute aber erfährt er wieder die Würdigung, die er mit seinem streitbaren, großartigen, phantasievollen Oeuvre verdient hat.

 

Vita

  • 1857        18. Februar: Geburt Max Klingers als Sohn des Seifensieders Louis         Klinger und dessen Frau Auguste in Plagwitz bei Leipzig
  • 1873         Realschulabschluss
  • 1874         Studium an der Kunstschule in Karlsruhe
  • 1875         Besuch der Kunstakademie in Berlin
  • 1876/77    Freiwilliger Militärdienst
  • 1878         Teilnahme an der 52. Ausstellung der Königlichen Akademie in Berlin mit dem Gemälde „Die Spaziergänger“

Erster Radierzyklus „Radierte Skizzen“

  • 1882/83    Das erste plastische Werk – eine Porträtbüste Schillers – entsteht
  • 1883         Auftrag für 14 Wandbilder für die Villa Albers in Berlin

Ausstellung des sozialkritischen Radierzyklus‘ „Dramen“ in München, Paris und  Berlin

  • 1883–1886  Aufenthalt in Paris.
  • 1884–1889  Weitere Radierzyklen: „Ein Leben“ (1884), „Eine Liebe“ (1887) und „Vom Tode I“  (1889)
  • 1887          Teilnahme an der 59. Ausstellung der Akademie der Künste mit dem Monumentalgemälde „Parisurteil“.
  • 1888–1893 Aufenthalt in Italien.
  • 1891           Ausstellung der Gemälde „Die Blaue Stunde“ und „Pietà“ in Paris
  • 1893           Umzug nach Leipzig

Skandal um „Kreuzigung“ in Dresden, da Klingers Jesus nackt darstellt ist

  • 1894           Mitglied der Akademie der Künste in Berlin

Radierzyklus „Brahmsphantasien“ entsteht

  • ab 1896     Arbeit an „Die griechische Geisteswelt“ für die Aula der Universität in Leipzig
  • 1897         Teilnahme an der Kunstausstellung in Leipzig mit dem                   Monumentalgemälde „Christus im Olymp“

Ernennung zum Professor an der Akademie der grafischen Künste in Leipzig

Mitglied der „Wiener Secession“

  • ab 1899    Konzentration auf plastische Arbeiten
  • 1902          Vollendung seines umstrittenen Hauptwerkes, der Beethoven-Plastik, für „Wiener Secession“
  • 1903          Ernennung zum Vizepräsidenten des Deutschen Künstlerbunds neben Max Liebermann
  • 1905           Einrichtung des Künstlerhauses für junge Stipendiaten, die Villa Romana in Florenz, im Auftrag des Künstlerbundes
  • 1909           Verstärkte Hinwendung zur Grafik

Nach fast 20 Jahren Vollendung des Radierzyklus‘ „Vom Tode II“

  • 1915           Abschluss der grafischen Zyklen mit „Zelt“
  • 1920           4. Juli: Tod mit 63 Jahren in Großjena

 

Inspiriert von der „Griffelkunst“ – Barbara Wege, Dom

Unter dem Begriff „Griffelkunst“ fasste Klinger Zeichnung und Grafik zusammen; sie nahm eine besondere Stellung in seinem Werk ein. Die Arbeiten mit diesen Medien erlaubten Klinger am ehesten einen eigenen Blick auf seine Themen – Leben und Tod mit all ihren Facetten; Erlebnisse und Erfahrungen ließen sich in seinen Augen in schwarz-weiß am besten wiedergeben. Die seinerzeit innovative konzeptionelle und technische Umsetzung vor allem in seinen Radierungen beeinflusste u. a. das Werk Käthe Kollwitz‘ stark.

Barbara Wege setzt sich als Grafikerin ebenso mit dem zeichnerischen Werk Max Klingers und der Bedeutung der „Griffelkunst“ auseinander. Und auch bei ihr war die Idee des „Lebenszyklus“ ausschlaggebend für die noch unabgeschlossene Reihe von großen, hochformatigen Zeichnungen und kleineren Querformaten mit dem Titel „Landscapes of Life“, die sie für die Ausstellung schuf. Dabei überträgt Barbara Wege die Idee der Lebensstationen/Jahreszeiten und ihrer jeweiligen psycho-physischen Energien auf Landschaftsräume. In ihren ungeheuer feinteilig ziselierten Zeichnungen – realisiert mit feinsten Tusche- und Bleistiften auf Aquarellkarton – mit farbigen Aquarellierungen entstehen phantastisch-abstrakte Räume, die motivisch dem See und dem Sumpf, den Bergen, der Wüste und – im einzigen bisher realisierten Großformat – dem Fluss zuzuordnen sind. Diese Landschaftsräume versteht sie als Metaphern für die großen Themenbereiche Leben, Liebe, Erotik und Tod, die auch Max Klinger beschäftigten. Der Zeichnungszyklus ist im Vorraum der Krypta installiert und nimmt Bezug auf den sakralen Ort.

 

Vita

Barbara Wege wurde 1980 in Halle (Saale) geboren und wuchs in Querfurt auf. Nach dem Studium der Psychologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem Erlangen des Vordiploms studierte sie von 2005–2010 an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Malerei und Grafik und diplomierte 2010 ebenda. An der DIU Dresden erlangte sie überdies nach einem Studium in Kulturmanagement von 2012–2016 einen Master-Abschluss. Sie erhielt Arbeits- und Aufenthaltsstipendien für das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf durch die Kunststiftung Sachsen-Anhalt sowie durch das Land Schleswig-Holstein und der GEDOK Lübeck. 2012 war sie für den Eb-Dietzsch-Kunstpreis für Malerei nominiert.

www.barbarawege.de

Inspiriert von den Mappenwerken – Ilko Koestler, Dom

Klinger ließ seine Druckgraphik in Form von Mappenwerken erscheinen, in denen die einzelnen Blätter ein gemeinsames Thema haben oder eine Geschichte erzählen. Die Umschläge der Mappen tragen Titel und weitere Angaben, das Inhaltsverzeichnis enthält die Titel der einzelnen Blätter. Klinger gab diesen Mappenwerken Opus-Nummern, wie in der Musik üblich; „Eva und die Zukunft“ zum Beispiel trägt die Nummer III.

Ilko Koestler ist Grafiker und bezieht sich in seiner Buchproduktion auf die Mappenwerke Max Klingers und deren oft fragmentierte Narration. Sein originalgrafisches Buch in limitierter Auflage enthält zwölf Lithographien sowie Textzitate verschiedener Quellen (von Notizen seines Sohns bis hin zu Zitaten Thomas Bernhards). Weder auf der Bild- noch auf der Textebene wird eine einzige Geschichte erzählt, vielmehr mischen sich biografische Zeitlagen, urbane und landschaftliche Szenen mit medialen oder fiktiven Elementen. Ilko Koestler betitelt sein Werk mit „PARADiSE, Schwarz-Blaue Stunden – Eine Selbstbefragung in 12 Bildern“. Es erscheint wie der Lebenszyklus einer ungeordneten Welt, die von kurzen Wortfetzen wie „ME“ oder „Flash“ oder „Freiheit“ perforiert wird. Weder der Realismus noch der Symbolismus eines Max Klingers spiegeln sich in diesen Bildwelten, vielmehr eine filmisch-expressive Imagination, die Lebenswirklichkeiten in einen Kontext stellen will. Ilko Koestler ist aber nicht nur Grafiker, sondern auch Landschaftsarchitekt. Er deponiert das Buch nicht nur als kostbares Werk in einer der Vitrinen der Turmschatzkammer und legt die Lithographien besucherfreundlich auch als Einzelblätter in Vitrinen im Kreuzgang aus, sondern präsentiert ebenso die jeweils dreifarbigen Zinkplatten für jede Druckseite  im Kreuzhof. Der Produktionsprozess des Buchobjekts wird somit selbst als eine seiner „Baustellen“ vorgeführt.

 

Vita

Ilko Koestler wurde 1978 in Halle (Saale) geboren. Nach einem Studium der Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität Berlin kehrte er 2012 zurück nach Halle für ein Aufbaustudium sowie anschließendem Meisterschülerstudium im Fach Grafik an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. 2015 wurde er als Preisträger der Leipziger Buchmesse in der Sektion Marktplatz Druckgrafik gewürdigt. Im Jahr seines Abschlusses an der Burg 2016 erhielt er ein Auslandsstipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt und des International Studio & Curatorial Program für New York. 2018 folgte ein Arbeitsstipendium der Kunststiftung und der Kloster Bergesche Stiftung. 2015 war er Preisträger der Leipziger Buchmesse Marktplatz Druckgrafik; 2020 erzielt er den 11. Nordhäuser Grafikpreis der Ilsetraut Glock-Grabe Stiftung.

www.ilko-koestler.de

 

Inspiriert von „Christus im Olymp“ – Yorgos Sapountzis, Dom

„Christus im Olymp“ (1893–1896), Museum der Bildenden Künste, Leipzig

Das monumentale Raumbild „Christus im Olymp“ (1893-1896) löste schon bei seiner Präsentation auf der 3. Secessions-Ausstellung in Wien 1899 heftigste Kontroversen (von „anbetend in die Knie sinken“ bis „Effecthascherei ärgster Sorte“) aus. Mit der Verbindung der drei Gattungen Malerei, Plastik und Architektur zu einer Einheit nimmt es eine Sonderstellung unter Klingers Werken  ein. Mit dem dreiteiligen Gemälde mit hölzernem Rahmenwerk, Marmorsockel und zwei Marmorskulpturen thematisierte Klinger eine Versöhnung von heidnisch-antiken und christlichen Werten.

Yorgos Sapountzis interessiert die kühne inhaltlich-kulturelle Dimension dieses Werks: nämlich dass Klinger hier die griechische Götterwelt mit der christlichen Ikonographie zusammenführte. Er will dieser Vision nichts hinzufügen, sondern sie in die Gegenwart überführen: Er druckt das pathetische, altarhafte Gemälde Klingers auf Stoff und hängt diesen auf eine banale Holzwand, die zur Zeit einen Teil des Ostchores dem Blick entzieht. Yorgos Sapountzis, in Griechenland aufgewachsen, widmet sich in seinen Skulpturen, Installationen und Performances stets der Frage, wie kollektive Vergangenheit im öffentlichen Raum sichtbar wird, wie Vergangenheit neu belebt werden kann, wie harte Ablagen (zum Beispiel in Form von Skulpturen) heute sowohl mental wie physisch wieder bewegt/belebt werden können. Oft ist der Ausgangspunkt seiner Arbeiten das gegebene Archiv vor Ort: Denkmäler im Alltag. Mit seinen Interventionen aktiviert Sapountzis eine erstarrte und neutralisierte Geschichte mit Handlungs-Energien und macht sie einer öffentlichen Wahrnehmung und Nutzung zugänglich – nicht mit dem Pathos eines Max Klingers, sondern mit unseren alltäglichen Möglichkeiten. Vor dem Bild-Tuch an der Bretterwand posiert eine billige Schaufensterpuppe, eingehüllt in das Klingersche Motiv der westlichen Götterwelt. High und low, Warenwelten und Kulturräume vereinen sich in dieser Figur inmitten der vielen tausend Besucher des UNESCO-Weltkulturerbes.

 

Vita

Yorgos Sapountzis wurde 1976 in Athen (Griechenland) geboren. Er studierte an der Universität der Künste in Berlin. 2016/2017 lehrte er als Gastprofessor an der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg. Neben zahlreichen Einzelausstellungen und Performances in Europa war er 2017 im Rahmen der Ausstellung „ANTIDORON. Die Sammlung des EMST“ an der documenta 14 in Kassel beteiligt. 2017 nahm er an der zentralen Ausstellung „Viva Arte Viva“ der 57. Biennale von Venedig teil, im selben Jahr auch an „PRODUKTION. made in germany drei“ in der Kestner Gesellschaft, im Kunstverein Hannover und im Sprengel Museum Hannover. 2012 wurde Yorgos Sapountzis mit dem Villa Romana-Preis ausgezeichnet.

https://www.villaromana.org/front_content.php?idart=371

 

Inspiriert von „Die blaue Stunde“ und von Elsa Asenijeff – Mariechen Danz, Dom und Klinger-Haus

„Die blaue Stunde“, 1890, Öl, Sammlung des Museums für Bildende Künste Leipzig

Drei nackte Frauen liegen, sitzen, stehen auf einer Felsgruppe vor dem Meer. Im Dämmerlicht, der „blauen Stunde“. Ein nicht sichtbares Feuer beleuchtet ihre Körper, hüllt sie in ein oranges Licht. Der weibliche Körper, ohne geschichtlichen oder mythologischen Hintergrund, nackt und eingebettet in die Umgebung. Dieser unverfangene Blick auf den menschlichen Körper war ein wichtiges künstlerisches Anliegen des Malers; diese freie Aktkomposition eines seiner zentralen Werke.

 

Während der – verführerische oder vergewaltigte – Frauenkörper für Klinger zeitlebens ein vor allem durch die Macht der Erotik gewaltig aufgeladenes Motiv war, steht bei Mariechen Danz der informierte Körper im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit. Es geht ihr um das Verhältnis von menschlicher Innen- und Außenwelt – das Verorten von Wissenssystemen, Geschichte, Politik, Kultur und Sozialisation durch Ablagerung im Körper. In der Krypta des Naumburger Doms steht eines ihrer zentralen Werke, die Skulptur „WOMB TOMB“: ein lebensgroßer, geschlechtsloser, aufgebahrter thermodynamischer Körper, in dem Herz, Lungenflügel und Darm als Organe aufscheinen. Es ist – ganz entgegen der üblichen Ausstellungsregeln – ein Körper/Werk zum Anfassen. Durch Berührung und Veränderung der Raumtemperatur werden inliegende organische Mikrostrukturen sichtbar, und es verändern sich die Farbigkeiten des Leibes. „WOMB TOMB“ vereint den Anfang und das Ende des menschlichen Lebens (Gebärmutter und Tod) und sucht nach Austausch mit den Lebenden. Es ist zugleich ein Körper, in den biologische und geologische Abläufe eingeschrieben sind, kulturelle Zuordnungen und technologische Entwicklungen. In den Vitrinen des Domschatzgewölbes im Untergeschoss ruhen – neben der Johannesschale aus dem 13. Jahrhundert, einer Votivgabe gegen Kopf- und Halskrankheiten – einzelne glühende Organe. Halbedelsteine sind in das transparente Kunstharz eingeschlossen und geben ihnen die Eigenschaft von Fossilien. Mariechen Danz kartografiert Körper wie Landschaften und deren anhaltenden Wandel.

 

Elsa Asenijeff, Schriftstellerin und langjährige Lebensgefährtin Klingers

Die geborene Elsa Maria Packeny lernte Klinger vermutlich 1897 in Leipzig kennen. Die damals 30jährige, studierte Philosophin und Psychologin, war eine eigenständige Persönlichkeit, sie war Frauenrechtlerin und Intellektuelle, Mutter, Ehefrau und Geliebte. Klinger hat sie mehrfach dargestellt – so ist beispielsweise ein Kinderporträt von ihr aus Elfenbein im Thron von Beethoven zu finden. Die Familie Klingers schätzte die Beziehung der beiden nicht sonderlich – umso mehr genoss er den Rückzugsort auf seinem Weinberg in Großjena, wo auch Elsa Asenijeff ihr eigenes Refugium hatte. Nachdem Klinger Gertrud Bock kennengelernt hatte, nahmen die Streitigkeiten zwischen den Partnern, die eine gemeinsame Tochter hatten, immer mehr zu. 1914 verließ Elsa Asenijeff das Haus, wurde aber weiterhin von Klinger unterstützt. Nach Klingers Tod fehlte dieser Schutz – ein Entmündigungsverfahren und die Zwangseinweisung in die Nervenklinik Leipzig wegen des Verdachts auf Schizophrenie folgten. Bis zu ihrem Tod 1941 lebte sie in verschiedenen Heil- und Pflegeanstalten.

Im Klinger-Haus nimmt Mariechen Danz mit bedruckten Körper-Kostümen Bezug auf einen wissensgeprägten weiblichen Körper, den der Elsa Asenijeff. Mariechen Danz verwendet ihre mit eigenen Zeichnungen auf Seide bedruckten Kostüme meist in ihren Performances. Die Stoffe tragen eine Fülle von fragmentierten Zeichen, die aus verschiedenen Lebens-, Erfahrungs- und Wissensbereichen stammen. Mariechen Danz interessiert sich für die subjektiven Möglichkeiten und Grenzen dieser Austauschprozesse, für jene unausgesprochene Zone zwischen Vernunft und Emotion – die auch für Elsa Asenijeff ein Ausgangspunkt ihrer poetischen Sprache gewesen sein mag.

 

Vita

Mariechen Danz wurde 1980 in Dublin (Irland) geboren. Sie studierte an der Universität der Künste in Berlin, an der Gerrit Rietveld Academy in Amsterdam und am California Institute of the Arts, Valencia, USA. Sie lebt in Berlin. In den vergangenen zehn Jahren nahm sie an zahlreichen internationalen Ausstellungen teil, so 2011 an „based in Berlin“; 2016 an „Polyphonies“ im Centre Pompidou, Paris; 2018 an „Blind Faith: Zeitgenössische Kunst zwischen Intuition und Reflexion“ im Haus der Kunst, München; 2018 an „Agora on The High Line“, New York. 2019 war sie zur 16. Biennale in Istanbul eingeladen, 2017 beteiligte sie sich mit einer großen Rauminstallation an der zentralen Ausstellung »Viva Arte Viva« der 57. Biennale von Venedig. 2013 wurde Mariechen Danz mit dem Villa Romana-Preis ausgezeichnet.

https://www.villaromana.org/front_content.php?idart=485

Das Oberlandesgericht Naumburg

Der Bau des Oberlandesgerichtes Naumburg nimmt unter den zahlreichen deutschen Gerichtsgebäuden eine Sonderstellung ein. Allein schon wegen seiner Lage auf dem sogenannten Georgenberg über dem Saaletal: Dort errichteten um 1010 die Markgrafen von Meißen ihre „Neue Burg“, von der sich der Name Naumburg ableitet. 700 Jahre lang stand sie dort und diente unter anderem als Unterkunft des Zeitzer Bischofs und der Dompröbste.

1817 begann der Staat Preußen, der das Grundstück zuvor gekauft hatte, mit dem Bau des ersten Oberlandesgerichtes, das etwa 100 Jahre lang genutzt wurde. Als zu klein erwies es sich dann, als der Gerichtsbezirk erweitert wurde und die Anforderungen aufgrund der sogenannten Reichsjustizgesetze wuchsen. Das Gebäude wurde abgerissen und durch einen Neubau ersetzt – in dieser Zeit der Baumaßnahmen von 1913 bis 1917 amtierte das Oberlandesgericht vorübergehend in einem späteren Schulgebäude. Die Bauleitung für das neue Gerichtsgebäude wurde dem Regierungsbaumeister Fritz Hoßfeld übertragen. Nach Informationen des Naumburger Tageblatts vom 11. November 1917 habe Hoßfeld bewusst „das kalt abweisende das einer Richterstätte im Volksbewußtsein noch immer anhafte“ auflösen wollen in eine „leichte, einladende Anmut“. So zeigt allein der Eingangsbereich mit seinem hellen, freundlichen Treppenhaus eine deutliche Abkehr von der häufig monumentalen, fast erdrückenden Justizarchitektur vergangener Zeiten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, bis 1992, diente das Gebäude dann als russische Kommandatur, wurde teilweise umgestaltet und war für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nach seiner Rückgabe wurde es saniertn, und dabei wurden Veränderungen aufgrund der militärischen Nutzung wieder rückgängig gemacht. Obwohl viele der ursprünglichen Einbauten wie Fenster oder Türen ersetzt werden mussten, gelang es, einige Räume weitestgehend originalgetreu wiederherzustellen: den Großen Sitzungssaal, die Senatssitzungsräume, die Bibliothek und das Präsidentenzimmer. Von den historischen Kunstwerken ist nichts mehr vorhanden. Sie wurden teilweise ersetzt: Im Großen Sitzungssaal sind nun statt der alten Wappen textile Arbeiten von Christiane Werner und Katja Poßner aus Halle zu sehen, und im Innenhof steht statt der einstigen Justitia die Marmorskulptur eines Mannes, der eine schwere Last auf den Schultern trägt, gefertigt vom Bildhauer Michael Weihe aus Brehna.

Eigentlich hatte die Stadt Naumburg anlässlich des Neubaus im Jahr 1917 einen Brunnen von Max Klinger spendieren wollen. Dazu kam es aufgrund der Kriegswirren nicht, allerdings existieren Modelle des Entwurfs, zu finden u. a. im Museum für Bildende Künste Leipzig oder im Kunstmuseum Moritzburg in Halle. Der damalige Oberbürgermeister Naumburgs Curt Becker nahm 1992 die Sanierung zum Anlass, durch die Sammlung von Spenden den Bau des Klinger-Werkes zu realisieren. 1998 wurde der „Abundantia“-Brunnen im Zugangsbereich des Gerichtsgebäudes festlich eingeweiht, flankiert von einer dezenten Tafel mit den Namen der Spender.

 

https://olg.sachsen-anhalt.de/oberlandesgericht/geschichte-des-hauses/

Max-Klinger-Haus, Großjena

Anregung und Entspannung zugleich fand Max Klinger während der letzten 17 Jahre seines Lebens auf seinem Weinberg in Großjena. Das kann nicht verwundern angesichts der malerischen Landschaft am Zusammenfluss von Saale und Unstrut in nicht ferner Nachbarschaft der Domstadt Naumburg – beides eine lohnenswerte Beigabe bei einem Besuch des Klingerschen Wohnhauses, seiner Radierwerkstatt und der Grabstätte. Die Dauerausstellung des Klinger-Hauses vermittelt einen sehr umfassenden Eindruck von Leben und Werk des Künstlers, gekrönt von ihren Glanzstücken: den von Klinger selbst entworfenen und geformten Kachelöfen. Ergänzt wird die Schau durch wechselnde Sonderausstellungen; vom 12. September bis zum 31. Oktober 2020 ist hier das im Rahmen von „Druck und Hingabe: eine Widmung an Max Klinger“ entstandene textile Kunstwerk von Mariechen Danz zu sehen.

Den Weinberg nebst historischem Weinberghaus kaufte Max Klinger 1903, zusätzlich pachtete er das obere Haus, einen ehemaligen Schafstall. Den ließ er wenige Jahre später erheblich erweitern, um für sich und seine langjährige Gefährtin Elsa Asenijeff ein präsentables Wochenendhaus mit Veranda zu haben. Der Umbau wurde 1914 beendet, Klinger zog ein. Immer öfter verbrachte er seine Zeit hier statt in Leipzig. In seinem „Radierstübchen“, dem unteren Haus auf dem Weinberg, entstanden in den Jahren bis zu seinem Tod zahlreiche Radierungen, darunter der Zyklus „Das Zelt“, und viele Exlibris. Zeichnungen, Aquarelle und Ölbilder hat der Künstler ebenfalls hier begonnen.

Großjena zog den Künstler aber noch aus zwei weiteren Gründen an: Da war zum einen der Wein, rot und weiß, produziert mit Hilfe eines einheimischen Künstlers. Zum anderen aber war da Gertrud Bock. Die damals 17jährige hatte er 1910 kennengelernt; sie stand ihm Modell und wurde zum ständigen Gast in Großjena. Die ohnehin schon als „schwierig“ wahrgenommene Else Asenijeff reagierte zunehmend eifersüchtig, zum endgütligen Bruch zwischen beiden kam es 1916.

1919 erlitt Max Klinger zunächst einen Unfall und danach einen Schlaganfall; fortan war er auf der rechten Seite gelähmt. Er zog nun endgültig nach Großjena und heiratete Gertrud Bock. Trotz der starken körperlichen Einschränkungen arbeitete Klinger weiterhin an seinen Ofenkacheln, nun mit der linken Hand. Am 4. Juli 1920 starb er in Großjena, am 8. wurde er beerdigt.

Die Gestaltung seines Grabes gab die Witwe Klingers dem Leipziger Bildhauer und Freund Johannes Hartmann in Auftrag. Auf Wunsch Klingers wurde die Bronze „Der Athlet“ hinter dem Grabmal aufgestellt. Hartmann schuf außerdem zwei Pfeiler mit den Porträts von Klinger selbst und von Getrud Bock – sie wachen am Eingang der Grabanlage.

 

Der Weinberg nebst dem Wohnhaus, die Radierwerkstatt und das Grab in Großjena können besichtigt werden:

Blütengrund 3 | 06618 Naumburg-Großjena | Tel.: 03445 – 230823 oder 703503

Öffnungszeiten 2020:

  1. April bis 1. November- Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr, Montag Ruhetag

An Feiertagen wie Ostermontag und Pfingstmontag etc. geöffnet.

Eintritt: 4,00 Euro / ermäßigt 3,00 Euro – Kinder und Schüler frei

Gruppen (ab 10 Personen):  p. P. 3,00 Euro

Führungen: zuzgl. 40 Euro (nur auf Voranmeldung)

 

https://mv-naumburg.de/klingerhaus

Glaswettbewerb ist gestartet

Wettbewerb „Weltkulturerbe trifft auf Immaterielles Kulturerbe“ in der Glasmanufaktur Harzkristall in Derenburg ist gestartet – Kulturstaatssekretär Dr. Gunnar Schellenberger besuchte Künstlerinnen und Künstler

 

 

Der Glaskunstwettbewerb „Weltkulturerbe trifft auf Immaterielles Kulturerbe“, initiiert von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt in Kooperation mit dem Land, ist gestartet! In einem Einführungs-Workshop, der vom renommierten Glaskunstmeister Peter Kuchinke geleitet wird, setzen sich die Künstler zum Teil erstmals mit dem Werkstoff auseinander. Peter Kuchinke, geboren 1963 in Ingelheim, wurde in Berlin und in Schweden zum Glasmacher ausgebildet und dann zum Meister und Glasschmelzer im italienischen Murano. In Schweden und Dänermark war er viele Jahre als selbständiger Glasmachermeister tätig. Eine Lehrtätigkeit hatte er an der Dänischen Hochschule für Design sowie an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle inne.

 

Die fünf zum Wettbewerb eingeladenen Künstlerinnen und Künstler Aneta Koutná, Johannes Nagel, Sebastian Richter, Judith Runge und Julia Schleicher sollen sich zu ihrem Objekt vom gesamten Welterbe in Sachsen-Anhalt inspirieren lassen und den Welterbe­gedanken reflektieren. Entstehen soll ein handwerklich-technisch realisierbares, hochwertiges und vor allem benutzbares Alltagsobjekt aus Glas, das in den Museumsshops vermarktet werden kann.

 

Die erarbeiteten Entwürfe werden in einem zweiten Workshop im Oktober umgesetzt. Eine Jury kürt den 1. Platz, das Preisgeld beträgt 5000 Euro. Das Land Sachsen-Anhalt wird den Siegerentwurf produzieren lassen. Zu einem späteren Termin werden die Wettbewerbsbeiträge in Ausstellungen zu sehen sein.

 

Die Direktorin der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt, Manon Bursian, zeigte sich nach ihrem Besuch am ersten Tag des Workshops begeistert: „Wenn ein tausend Jahre altes Handwerk auf den Mut, die Phantasie und das Wagnis der zeitgenössischen Kunst trifft, dann kann Beeindruckendes entstehen. Wir können uns glücklich schätzen, dass die Firma Harzkristall den fünf Künstlern eine Aktualisierung von zeitgenössischen Gebrauchsgegenständen aus Glas ermöglicht.“

 

Am Mittwoch, 2. September, stattete der Staatssekretär für Kultur Sachsen-Anhalt, Dr. Gunnar Schellenberger, den Künstlerinnen und Künstlern in der Glasmanufaktur einen Besuch ab.

 

 

 

4. September 2020

Kunststiftung Sachsen-Anhalt

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Anja Falgowski

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Halles Kultur zeigt Flagge

Auftakt der Demokratiekampagne des Museumsnetzwerkes Halle

Stadtweite Banneraktion, Veranstaltungsreihe und Auftaktveranstaltung am 3. September 2020

Zum Begleitprogramm gelangen Sie hier.

 

Das Museumsnetzwerk Halle tritt gemeinsam mit weiteren Akteuren der Stadt mit einer Demokratiekampagne an die Öffentlichkeit. Flagge zeigen schon seit 2016 stadtweit Banner mit der unmissverständlichen Botschaft aus dem Artikel 1 des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ab September startet eine begleitende Veranstaltungsreihe, die die fundamentale Bedeutung demokratischer Grundwerte in unterschiedlichen Facetten und für verschiedene Lebens- und Gesellschaftsbereiche beleuchtet. Mit Vorträgen, Gesprächen, Festen u.v.m. möchte sie Dialog ermöglichen, Fragen aufwerfen sowie Persönlichkeiten vorstellen, die sich für Demokratie und Menschenrechte engagieren bzw. dies in der Vergangenheit taten.

 

Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen: »Hintergrund der Kampagne ist die Wahrnehmung, dass sich das politische Klima im Land verändert hat und die öffentlichen Auseinandersetzungen an Schärfe zugenommen haben. Die menschenverachtenden Töne, die sich inzwischen in die gesellschaftlichen Debatten mischen, bereiten den Boden für Diskriminierung und rechte Gewalt. Das ist nicht hinnehmbar. Diskussionen sind notwendig und willkommen, aber sie dürfen nicht den Kanon der demokratischen Grundwerte verlassen, die im Grundgesetz festgeschrieben sind und die unsere Gesellschaft zusammenhalten.«

 

Kultureinrichtungen stehen in der Verantwortung, sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einzusetzen, denn erst durch die Rahmenbedingungen unserer demokratischen Gesellschaftsordnung wird auch die freie Entfaltung kultureller und künstlerischer Arbeit ermöglicht. Museen entwickeln sich mehr und mehr zu Diskursorten aktueller gesellschaftlicher Debatten. Sie beziehen Position für die Werte, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Dazu zählt auch die Freiheit von Kunst und Kultur, die gleichzeitig ein Auftrag ist, in den heutigen politischen Auseinandersetzungen nicht abseits zu stehen.

 

Die Auftaktveranstaltung findet am Donnerstag, 3. September 2020, um 19 Uhr im Stadthaus am Markt statt. Georg M. Oswald, Rechtsanwalt und Romancier, lädt Bürgerinnen und Bürger ein, über unsere Grundrechte zu reden. Jane Unger, Direktorin des Stadtmuseums Halle und Organisatorin der Auftaktveranstaltung: »Menschen werden frei geboren. Seit Menschen zusammenleben, haben sie eigenständig Regeln ausgehandelt, wie sie dies tun. Das Grundgesetz formuliert diese aus, aber es ist in einer Sprache geschrieben, die nicht dazu einlädt, sich näher mit ihm zu befassen. Dabei steckt schon im ersten Satz »Die Würde des Menschen ist unantastbar« ein ganzes Menschenbild. Einfach gesagt: Jeder Mensch ist wertvoll. Jeder Mensch muss gut behandelt werden. Der Staat muss die Würde jedes Menschen beachten und schützen, egal ob er arm oder reich, alt oder jung ist, wo er herkommt, egal welche Religion er hat. Bereits der zweite Satz garantiert jedem Menschen das Recht auf Freiheit, also unabhängig vom Staat so zu leben, wir er möchte. Und er sagt etwas über die Grenze eigener Freiheit aus: Ich darf andere nicht verletzen oder gegen Gesetze verstoßen. Vieles, was wir heute erleben, zeigt, dass diese Regeln nicht selbstverständlich sind und deshalb lohnt es sich, über sie zu reden.«

 

Die Demokratiekampagne des Museumsnetzwerkes Halle wird von allen Mitgliedern und den beteiligten Partnern getragen sowie vom Netzwerk HALLIANZ für Vielfalt und Toleranz unterstützt. Weitere Statements der beteiligten Partner der Kampagne:

 

Dr. Frank D. Steinheimer, Leiter des Zentralmagazins Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Martin-Luther-Universität: »Der freie Geist der Aufklärung in Forschung und Kunst hat unsere Universität jahrhundertelang geprägt und ermöglicht noch heute unsere Forschungsleistungen und Kreativität. Ohne eine diverse Forschungskultur, ohne Input von außen, ohne auch anders denkende Menschen ist Innovation nicht möglich. Fehlende Freiheit und fehlende Toleranz führt zur Stagnation.«

 

Die Stiftung Händel-Haus weist gemäß § 2 des Grundgesetzes auf das Recht der freien Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und der des Mitmenschen hin. Clemens Birnbaum, Direktor: »Mit diesem humanistischen Recht wird jedem Einzelnen die Möglichkeit gegeben, in freier Entscheidung sein Leben zu gestalten, sofern dies – ein sehr wichtiger Zusatz – nicht auf Lasten der Mitmenschen geht. In der Biografie Händels, der selbst bestimmte, als Komponist tätig zu werden, und der ebenso für sich entschied, zunächst nach Italien und später nach England zu gehen, um sich dort weiterzubilden, zu arbeiten und zu leben, spiegelt sich dieses Freiheitsrecht exemplarisch wider. Möglicherweise ging er deshalb auch nach England, weil dieses Land im Vergleich zu anderen, zentralistisch und absolutistisch regierten Staaten weit mehr Entfaltungsmöglichkeiten bot. Händel nutzte dies. «

 

Matthias Rataiczyk, Leiter der Kunsthalle »Talstrasse« e.V.: »Die Ausstellungsprojekte der Kunsthalle »Talstrasse« stehen seit 25 Jahren für Meinungsfreiheit und insbesondere für die Freiheit der Kunst, wie auch für interkulturellen Dialog und Toleranz. So war es uns eine große Freude und wichtiges Anliegen uns an der von den Franckeschen Stiftungen initiierten Demokratiekampagne zu beteiligen. Mit unseren Statements machen wir deutlich, dass wir als fester Bestandteil der halleschen Kulturlandschaft an der gesellschaftlichen Debatte teilnehmen.«

 

Thomas Bauer-Friedrich, Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Halle: »Vor dem Hintergrund der Herausforderungen an die Zivilgesellschaften weltweit, den Ereignissen des 9. Oktober 2019 in unserer Stadt und Angriffen auf die Freiheit der Kunst ist es mir wichtig, dass sich auch das Kunstmuseum Moritzburg als Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt an der gemeinsamen Aktion der halleschen Kultureinrichtungen beteiligt. Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, zum Nachdenken anzuregen und in einen offenen Dialog mit allen Teilen unserer Gesellschaft zu treten.«

 

Michael Viebig, Leiter der Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale): »Wie kein anderer Ort in unserer Stadt symbolisiert der „Rote Ochse“ die Verweigerung von Menschenrechten gegenüber all jenen, die den politischen Zielen der jeweiligen Regierungen im Wege standen: Zuchthaus- und Todesstrafen in der Nazizeit, Internierungs- und Urteilspraxis sowjetischer Militärtribunale, Untersuchungshaftgründe und -methoden des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Die Gedenkstätte zeigt, wohin die Abwesenheit von Demokratie führt und wie wichtig es ist, für ihren Fortbestand zu kämpfen.«

 

Manon Bursian, Direktorin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt: »Die Freiheit der Kunst muss unantastbar bleiben! Der zunehmend raue Ton in der Gesellschaft und der Versuch der Einflussnahme auf künstlerische Arbeit besorgt uns und bestärkt uns zugleich darin, für diese Freiheit zu kämpfen! Sie ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Arbeit Kunstschaffender und kultureller Institutionen. Diese Freiheit, im Denken und im Gestalten, sollte nicht immer wieder auf‘s Neue erkämpft werden müssen. Sie muss selbstverständlich sein!«

 

Prof. Dieter Hofmann, Rektor der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle: »Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle wendet sich gegen extremes Gedankengut, Demokratiefeindlichkeit und Diskriminierung jeglicher Art. Ein wichtiges Bildungsziel unserer Hochschule ist es, Menschen eine Haltung zu vermitteln, die es ermöglicht, gesellschaftliche Situationen zu deuten, um mit künstlerischen und gestalterischen Mitteln in den demokratischen Diskurs eingreifen zu können. Nicht selten sind GestalterInnen und KünstlerInnen besondere Seismografen für gesellschaftliche Entwicklungen. Die Bildung dieser Fähigkeit ist wesentlich für die BURG, um als Institution in die Gesellschaft hineinzuwirken.«

 

Karen Leonhardt und Christine Sattler, Geschäftsführerinnen der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V.: »Wir machen uns für eine Stadt stark, in der alle Menschen auf der Basis der Menschenrechte gut und solidarisch zusammenleben können. Wie das praktisch gelingen kann, zeigen täglich tausende Menschen mit ihrem Engagement! Als Freiwilligen-Agentur sind wir überzeugt, dass durch Ehrenamt und Engagement Menschen verbunden werden und Zusammenhalt gestärkt wird. Hier wird Demokratie »im Kleinen« gelebt, konkrete Beteiligung möglich, Austausch und gegenseitiger Perspektivwechsel gefördert. Wir ermutigen dazu, sich einzubringen und die Menschenrechte hier vor Ort mit Leben zu füllen.«

 

Das Museumsnetzwerk Halle, gegründet im September 2016, versteht sich als Forum für einen offenen Austausch zu Fragen der Kulturarbeit in der Stadt Halle sowie als Plattform eines freien, kreativen Gedankenaustauschs, in dem Projekte von lokaler und überregionaler Strahlkraft vorgestellt, diskutiert und gemeinsam entwickelt werden.

 

Museale Partner im Netzwerk sind

> das Beatles-Museum

> die Franckeschen Stiftungen

> die Gedenkstätte Roter Ochse Halle (Saale)

> das Hallesche Salinemuseum e. V.

> das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

> die Kunsthalle »Talstrasse«

> das Landesmuseum für Vorgeschichte

> das Stadtmuseum Halle

> die Stiftung Händel-Haus Halle

> die Zentrale Kustodie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

> das Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Martin-Luther-Universität   Halle-Wittenberg

 

Partner der Initiative »Halles Kultur zeigt Flagge« sind

> die Bühnen Halle

> das Diakoniewerk Halle

> die Freiwilligen-Agentur Halle-Saalekreis

> die Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle

> die Kunststiftung Sachsen-Anhalt

 

Zum 100. Todestag Max Klingers: Vier zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler präsentieren ihre eigene Sicht auf das Werk des Malers, Grafikers und Bildhauers

Am 12. September 2020 öffnet das Ausstellungsprojekt „Druck und Hingabe: eine Widmung an Max Klinger“, initiiert von der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt und der Villa Romana (Florenz).
Der Bildhauer, Maler und Grafiker Max Klinger war und ist bis heute eine starke und unergründete Künstlerpersönlichkeit. Anlässlich seines 100. Todestages initiierte die Kunststiftung Sachsen-Anhalt in Kooperation mit der Villa Romana in Florenz das Projekt „Druck und Hingabe: eine Widmung an Max Klinger“. Die Künstlerinnen und Künstler Mariechen Danz, Ilko Koestler, Yorgos Sapountzis und Barbara Wege erhielten für das Projekt ein achtmonatiges Stipendium, um sich mit dem facettenreichen Schaffen Klingers auseinanderzusetzen und die Impulse in die eigene künstlerische Arbeit einfließen zu lassen. Die so entstandenen Werke – Skulpturen, Grafiken, Objekte und Zeichnungen – werden an verschiedenen Orten wie der Krypta oder dem Ostchor im Naumburger Dom präsentiert.
„Bei dieser besonderen Ausstellung trifft außergewöhnliche zeitgenössische Kunst, die inspiriert ist von einem Künstler, der an der Unstrut in Großjena seinen Wohn- und Schaffenssitz hatte, auf Kunst des 13. Jahrhunderts – eine einzigartige und spannende Kombination“, betont der Stiftsdirektor der Vereinigten Domstifter, Dr. Holger Kunde.
Zwei der beteiligten Künstlerinnen und Künstler – Mariechen Danz und Yorgos Sapountzis – sind Max Klinger erstmals in der Villa Romana in Florenz begegnet, jenem bis heute lebendigen Künstlerhaus, das Max Klinger 1905 für den dann gegründeten Villa Romana-Verein erwarb, um hier vielversprechenden jungen Kollegen einen Freiraum für die künstlerische Entwicklung zu bieten. Barbara Wege und Ilko Koestler sind indes gebürtige Hallenser und so mit dem Erbe Max Klingers groß geworden.
In Korrespondenz zu den aktuellen Positionen wird im nahe gelegenen Sitz des Oberlandesgerichts Sachsen-Anhalt, dessen Vorplatz Klingers „Abundantia“-Brunnen schmückt, sein letzter Radierzyklus gezeigt. Damit sind zum ersten Mal in Naumburg die 46 Radierungen des „Zelt“-Zyklus aus der Sammlung des Stadtmuseums Naumburg (eine Dauerleihgabe des Museumsvereins Naumburg e. V.) vollständig zu sehen.
Die dritte Station der Ausstellung findet sich im Max-Klinger-Haus in Großjena. Im Ambiente des Landhauses Klingers und im Rahmen der dortigen Dauerausstellung zu seinem Leben und Werk erinnert Mariechen Danz mit einer Textilarbeit an seine langjährige Lebensgefährtin Elsa Asenijeff.
Der Ausstellungsparcour wurde kuratiert von Angelika Stepken, Leiterin der Villa Romana in Florenz.
Ausstellungen vom 12. September – 31. Oktober 2020
Naumburger Dom
Domplatz 16/17
06618 Naumburg
Mo–Sa 9–18 Uhr
So/Kirchl. Feiertag 11–18 Uhr
Eintritt: 7,50 € / erm. 5,50 € / Schüler 3,00 €
Oberlandesgericht Naumburg
Domplatz 10
06618 Naumburg
Mo–Do 9–16 Uhr
Fr 9–12 Uhr
Eintritt frei
Max-Klinger-Haus
Blütengrund 3
06618 Naumburg
Di–So 10–17 Uhr
Eintritt: 4,00 € / erm. 3,00 € / Kinder & Schüler frei
www.kunststiftung-sachsen-anhalt.de/
www.naumburger-dom.de/
www.mv-naumburg.de/klingerhaus/
www.villaromana.org/

Glas mit Tiefgang: Kunststiftung initiiert in Kooperation mit dem Land Sachsen-Anhalt Glaswettbewerb in Derenburg

„Weltkulturerbe trifft auf Immaterielles Kulturerbe“ in der Glasmanufaktur Harzkristall in Derenburg
Die manuelle Fertigung von mundgeblasenem Hohl- und Flachglas wurde 2015 in die UNESCO-Liste „Immaterielles Kulturerbe“ aufge­nommen. Eben diese Kunst steht im Fokus des Wettbewerbes, den das Land Sachsen-Anhalt in Kooperation mit der Kunststiftung Sachsen-Anhalt veranstaltet. Die fünf zum Wettbewerb eingeladenen Künstler sollen sich zu ihrem Objekt vom gesamten Welterbe in Sachsen-Anhalt inspirieren lassen und den Welterbe­gedanken reflektieren. Entstehen soll ein handwerklich-technisch realisierbares, hochwertiges und vor allem benutzbares Alltagsobjekt aus Glas, das in den Museumsshops vermarktet werden kann.
Sachsen-Anhalt ist das Bundesland, wo sich fast die größte Dichte von Welterbestätten befindet: das Bauhaus Dessau, die Altstadt, Stiftskirche und das Schloss Quedlinburg, das Gartenreich Dessau-Wörlitz, die Luthergedenkstätten Wittenberg und Eisleben sowie der Naumburger Dom. Zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählen außerdem die Himmels­scheibe von Nebra und die frühen Schriften der Reformationsbewegung. Auch Land­schaften in Sachsen-Anhalt sind bei der UNESCO aufgeführt: das Biosphärenreservat Mittelelbe als Teil des länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservates Flussland­schaft Elbe sowie sachsen-anhaltische Teile des Harzes im UNESCO-Geopark Harz – Braunschweiger Land – Ostfalen.
Ein Einführungs-Workshop für Aneta Koutná, Johannes Nagel, Sebastian Richter, Judith Runge und Julia Schleicher findet vom 31. August bis zum 2. September statt. Spannend dürfte für die Künstlerinnen und Künstler der Umgang mit dem Werkstoff Glas sein, kommen sie doch bis auf Aneta Koutná und Sebastian Richter aus den Bereichen Bildhauerei und Keramik.
Unter der Anleitung des international renommierten Glasmachers Peter Kuchinke aus Schweden werden die erarbeiteten Entwürfe in einem zweiten Workshop im Oktober umgesetzt. Eine Jury kürt den 1. Platz, das Preisgeld beträgt 5000 Euro. Das Land Sachsen-Anhalt wird den Siegerentwurf produzieren lassen. Zu einem späteren Termin werden die Wettbewerbsbeiträge in Ausstellungen zu sehen sein.
In der Jury sind vertreten: Manon Bursian, Direktorin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt; Ingolf Kern, Direktor der Abteilung Medien und Kommunikation der Stiftung Preußischer Kulturbesitz; Dr. Wita Noack, Museumsleiterin des Mies van der Rohe-Hauses in Berlin; Prof. Barbara Schmidt, Professorin an der Weißensee Kunsthochschule Berlin und Designerin bei KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH, und Dr. Gunnar Schellenberger, Staatssekretär für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt.

Neuer Stiftungsrat der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt bestellt

Die Landesregierung hat auf der Grundlage des Gesetzes über die Errichtung der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt vom 20.10.2004 die fünf Mitglieder aus Kunst, Kultur und Wirtschaft für den Stiftungsrat der Kunststiftung bestellt.

Der Stiftungsratsvorsitzende, Staats- und Kulturminister Rainer Robra: „Die Stiftung ist ein wichtiger Teil unserer Kulturförderung. Seit vielen Jahren sendet sie positive Impulse in die Region und weit über die Landesgrenzen hinaus. Ich danke den neuen Mitgliedern des Stiftungsrates für ihre Bereitschaft, sich ehrenamtlich für Kunst- und Kultur in Sachsen-Anhalt zu engagieren. Mein Dank gilt auch den ausgeschiedenen Mitgliedern, die sich über Jahre für die Entwicklung der Kunststiftung engagiert haben.“

Die neuen Mitglieder sind:

  • Romy Roolf, Geschäftsführerin Motion-Works Halle
  • Dr. Katja Wildermuth, Programmdirektorin MDR
  • Dr. Jürgen Fox, Vorstandsvorsitzender der Saalesparkasse
  • Folkert Uhde, Intendant der Köthener Bachfesttage und Initiator des TRAFO-Projekts in Köthen

Zum zweiten Mal berufen wurde

  • Dr. Annabelle Görgen-Lammers, Wissenschaftlerin und Kuratorin Hamburger Kunsthalle

Der Stiftungsrat entscheidet über alle Fragen von grundsätzlicher Bedeutung. Entscheidungen zur Förderung von Projekten trifft der Stiftungsrat, soweit er dies nicht dem Vorstand übertragen hat. Der Beirat wird dabei einbezogen. Der Stiftungsrat beschließt des Weiteren den Haushaltsplan und die Satzung der Stiftung. Zudem überwacht der Stiftungsrat die Ausführung seiner Beschlüsse durch den Vorstand sowie dessen Geschäftsführung.

Dem Stiftungsrat gehören zehn Mitglieder an, darunter die fünf von der Landesregierung bestellten Vertreter aus den Bereichen Kunst, Kultur und Wirtschaft. Sie werden für die Dauer von drei Jahren bestellt. Wiederbestellungen sind möglich.

Die Kunststiftung fördert die zeitgenössische Kunst in Sachsen-Anhalt durch die Vergabe von Stipendien und Projektfördermitteln. Sie unterstützt Künstler dabei, ihre Arbeit national und international zur Geltung zu bringen. Dazu kooperiert die Stiftung mit renommierten Institutionen und Gastkuratoren. Im Rahmen von Wettbewerben und Ausstellungen fördert die Kunststiftung den Kontakt der Gegenwartskunst in Sachsen-Anhalt zu ihrem Publikum.

Franca Bartholomäi und Tobias Gellscheid erhalten Lucas-Cranach-Preis 2020


Franca Bartholomäi und Tobias Gellscheid, beide Stipendiaten der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, haben den 8. Internationalen Lucas-Cranach-Preis 2020 erhalten. Den 1. Preis belegt Franca Bartholomäi für ihren Holzschnitt „Irrlichter“. Die Jury begründet ihre Entscheidung mit der brillant umgesetzten Komposition des Werkes: „In ihren Bildwelten verschmilzt sie das spielerisch-traumhafte Narrativ mit harten Schwarz-Weiß-Kontrasten zu spannungsvollen Stimmungsbildern“. Der 2. Platz wird Tobias Gellscheid zugesprochen für „Dusk I“. Der Holzstich – eine Technik, die im Gegensatz zum Holzschnitt eine hohe Detailgenauigkeit ermöglicht – zeigt eine Landschaft. In der, so die Jury, habe Tobias Gellscheid das Potenzial durch hohe Präzision und feinste Tonabstufung voll ausgelotet.An dem Wettbewerb haben in diesem Jahr fast einhundert Künstlerinnen und Künstler teilgenommen, 60 von ihnen werden an der Auswahl-Ausstellung beteiligt sein. Der Lucas-Cranach-Preis ist ein internationaler Kunstpreis der Stadt Kronach, der Geburtsstadt von Lucas Cranach dem Älteren. Für den Künstler war der Holzschnitt ein wichtiges Ausdrucksmittel; seine Themenvielfalt sollte sich in den Wettbewerbsbeiträgen spiegeln. Der Preis wird seit 1992 vergeben. Initiator war auch in diesem Jahr Ingo Cesaro, der den Vorsitz im Verein „Regionale Kunstförderung Kronach e. V.“ führt.Franca Bartholomäi (geb. 1975 in Hohenmölsen) aus Halle (Saale) studierte von 1994 bis 2003 Malerei und Grafik an der  Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle u.a. bei Professor Thomas Rug. Seit ihrem Diplomabschluss ist sie als freischaffende Künstlerin tätig und hat seit 2010 einen Lehrauftrag für Holzschnitt inne. Sie zählt zu den profiliertesten zeitgenössischen Druckgrafikerinnen Deutschlands und kann auf zahlreiche Ausstellungen und Auszeichnungen im In- und Ausland verweisen.Tobias Gellscheid (1983 in Pößneck) lebt in Halle (Saale). Nach der Ausbildung zum Holzbildhauer studierte er von 2009 bis 2015 an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bei Professor Thomas Rug und Franca Bartholomäi. Er ist freischaffender Künstler und arbeitet als künstlerischer Mitarbeiter am Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege Halle und dem Landestheater Neustrelitz.Die Preise werden am 1. September um 14 Uhr im Beisein der Jurymitglieder und der Sponsoren übergeben. An diesem Tag, bereits um 9 Uhr, öffnet die Ausstellung auf der Festung Rosenberg in Kronach; aufgrund der coronabedingten Einschränkungen ohne offizielle Eröffnungsfeier. Die Schau ist bis zum 31. Oktober 2020 täglich außer montags von 9 bis 16 Uhr zu sehen. Der Ausstellungskatalog erscheint im Verlag NEUE CRANACH PRESSE KRONACH und enthält u.a. ein Grußwort des Bayerischen Staatsministers für Wissenschaft und Kunst, Herrn Bernd Sibler.
 

 

 

 

 

 

Kunst kommt zu Ihnen nach Haus

Liebe Künstlerinnen und Künstler, liebe Leserinnen und  liebe Leser,

die Ausstellung „Geschmeide“ ist seit drei Wochen geschlossen, und jeden Morgen, wenn ich durch die menschenleere Räume laufe, finde ich es schade, dass diese wunderbare Inszenierung  nicht besucht werden kann. Unser aktueller Newsletter bezieht sich nun ganz auf „Geschmeide“, unsere Stipendiatenausstellung, die wir Ihnen mit den herausragenden Positionen virtuell vorstellen.

Wer Kinder zu Hause zu betreuen hat, versucht im Moment wahrscheinlich, einen Spagat zwischen Kunstproduktion, Hausunterricht und Unterhaltung zu meistern. Die Schmuckkünstler Mareen Alburg-Duncker und Bernhard Elsässer werden Ihnen die Zeit mit einigen heiteren Gestaltungsideen für Kinder verkürzen.

Wie es Künstlerinnen und Künstlern  im Moment geht und wie sie mit der Krise zurechtkommen, fragen wir diese Woche die beiden Bildhauer Julia Schleicher und Marc Fromm.

Nützliche Hinweise für Soforthilfen werden Sie ab jetzt in jedem Newsletter finden. Die Kunststiftung bleibt für Sie auch in Krisenzeiten arbeitsfähig. Posteingänge werden bearbeitet, und wir sind für Sie immer vormittags telefonisch sowie per E-Mail rund um die Uhr erreichbar. In den vergangenen Tagen haben uns viele Anfragen von Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie Kulturinstitutionen zu den Folgen von Absagen, zu durch die Kunststiftung geförderten Veranstaltungen und Vorhaben erreicht. Rufen Sie uns bitte immer an, wir werden für jeden Einzelfall eine Lösung finden.

 

Herzliche Grüße + bleiben Sie heiter und gesund!

Ihre Manon Bursian

30. März 2020

Kunststiftung Sachsen-Anhalt

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Altar im Licht – Kirchenfenster von Günther Grohs in Wernigerode

Die Kunst: Günter Grohs, Absolvent der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, war bereits in mehr als 180 Kirchen, Privathäusern und öffentlichen Gebäuden an glaskünstlerischen Projekten beteiligt. Für die Kirche St. Johannis in Wernigerode schuf er zehn Chorfenster, die nicht nur einen ästhetischen Zweck erfüllen, sondern auch einen konservatorischen. Das Hauptanliegen der neuen Gestaltung der Kirchenfenster in der Kirche St. Johannis in Wernigerode war es nämlich, den Lichteinfall so zu mindern, dass dennoch eine Atmosphäre geschaffen wird, die den vierflügeligen gotischen Schnitzaltar aus dem Jahr 1415 in seiner vollen Pracht erleuchtet. Die dezente Gestaltung des Glases nimmt wirkungsvoll die goldene Farbigkeit des Altars auf und macht – nach vielen Jahren störenden Lichtnebels aufgrund der desolaten schmuck- und farblos verglasten Fenster – nun die reichen plastischen und farbig gefassten Schnitzereien des Altars wieder sichtbar.

www.guenter-grohs.de

Die Kirche: Die evangelische St. Johanniskirche ist die älteste erhaltene Kirche in Wernigerode, erbaut Ende des 13. Jahrhunderts und mehrfach umgebaut und restauriert mit einigen wertvollen historischen Ausstattungsstücken: Der vierflügelige Schnitzaltar im Chorraum oder der achteckige Taufstein von 1569 mit einem Porträt Martin Luthers, die Kanzel aus der Zeit um 1600 oder die 500 Jahre alte Skulptur Johannes des Täufers. Aus der Entstehungszeit sind der Westturm und das südliche Querhaus erhalten. Achtung: Die Kirche ist nur von dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 12 Uhr geöffnet, für Gruppen können allerdings zusätzliche Zeiten vereinbart werden nach Absprache mit dem Gemeindebüro.

www.wernigerode-tourismus.de/sehen/kirchen/st-johanniskirche/

Wernigerode: Der Platz an dieser Stelle reicht nicht aus, um Wernigerode zu beschreiben, daher sollen einige Stichpunkte genügen: – sogenannte bunte Stadt am Harz –  urkundlich erstmals 1121 erwähnt – Stadtkern überwiegend aus Fachwerkhäusern – neugotisches Schloss – gotisches Fachwerk-Rathaus – Harzer Schmalspurbahn – Museen und Galerien – Parks und der Harz. Kurz zusammengefasst: Wer noch nicht in Wernigerode war, ist selber schuld. Ach ja, natürlich ist es auch bis zum UNESCO-Welterbe Quedlinburg nicht weit. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema…

www.wernigerode.de/

Kunst im Vorbeigehen – DRIVE THRU GALLERY – Aschersleben

Die Kunst: Ideal in Corona-Zeiten ist die DRIVE THRU GALLERY in Aschersleben – eine Installation verschiedener Kunstwerke entlang der Hauptverkehrsader, die mitten durch die Stadt führt. Aufgrund der Fülle und Vielfalt der Kunstwerke können hier nur einige wenige genannt werden. Fensteröffnungen, ausgefüllt mit Fotografien zum Beispiel; die Stargazer, eine Reihung „blinder“ Starenkästen, die nachts durch Diskokugeln im Gehäuse leuchten; das „Wandelhaus“, unterschiedlich hohe, farbige und willkürlich aufgestellte Stelen, die zusammen eine „Wand“ mit dem virtuellen Bild von Stuhl, Tisch und Fester zeigen. Die neuesten Werke sind drei großformatige Bilder des Künstlers Klaus Moritz (Foto) aus Aschersleben aus dem Lithographiezyklus „Paul Greene“ an der Fassade eines unbewohnten Hauses.

www.aschersleben.de/cms/index.php?id=174

Die Galerie: Die DRIVE TRU GALLERY entstand im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2010. Die Stadt Aschersleben wird umringt von der Bundesstraße, hochfrequentiert von Fahrzeugen. Leerstand entlang der Schneise ist die Folge, und den nutzt die Galerie: Baulücken werden mit künstlerischen Installationen oder temporären Interventionen geschlossen; großformatige Bilder, Fotografien, Installationen, kreative Sichtschutzwände ermöglichen nun Kunstgenuss aus dem Auto heraus.

www.drivethrugalleryasl.wordpress.com/drive-thru/

Aschersleben: Die älteste Stadt Sachsen-Anhalts am Nordrand des Harzes, vermutlich erstmals urkundlich erwähnt im 8. Jahrhundert, verfügt über eine sehr gut erhaltene Stadtbefestigungsanlage und eine weitgehend intakte Innenstadt aus dem Mittelalter. Sehenswert sind zahlreiche Bauwerke wie die St.-Stephani-Kirche, die Malzmühle oder das Rathaus, Türme und Parks – in Aschersleben fand vor zehn Jahren die Landesgartenschau statt. Das Kriminalpanoptikum im ehemaligen städtischen Gefängnis kann besucht werden; ein besonderes Highlight für Kunstliebhaber dürfte aber die Grafikstiftung Neo Rauch sein.

www.aschersleben-tourimus.de

 

Subtil – Olaf Nicolai im neuen Meisterhaus Gropius Dessau

Die Kunst: Der international erfolgreiche Konzeptkünstler Olaf Nicolai hat die Innenwände des Nachbaus der im 2. Weltkrieg zerstörten Gebäude von Walter Gropius und László Moholy-Nagy gestaltet. In seiner Arbeit „Le pigment de la lumière“, der Gestaltung der sogenannten „Artefakte“, greift Olaf Nicolai die in der Architektur der Neuen Meisterhäuser angelegte Dialektik von Tradition und Erneuerung auf. Nicolai gliedert seine Konstruktion in verschiedene Segmente, so dass ein abstraktes Bild aus Rechtecken und Quadraten entsteht. Jedes Segment enthält eine eigene Oberfläche, die durch einfallendes Licht und Raumtiefe ein sehr differenziertes Spektrum monochromer Flächen entstehen lässt. Ein subtiles Spiel von Brechungen und Schattenwirkungen. Mit seiner Arbeit knüpft Olaf Nicolai künstlerisch an die radikalen Fragestellungen von László Moholy-Nagy zum Thema Licht an.

www.kunststiftung-sachsen-anhalt.de/presse/pressemitteilung-14-2014/

 

Die neuen Meisterhäuser: Nachdem die Meisterhäuser nach dem Wegzug ihrer Bewohner 1932 zunächst stark umgebaut wurden, zerstörte im März 1945 ein Bombenangriff das Haus Gropius und das Haus Moholy-Nagy vollkommen. Auf das Fundament des Gropius-Hauses wurde 1956 ein Einfamilienhaus mit Satteldach. Nach langen und quälenden Diskussionen wurde an dessen Stelle ein Nachbau durch das Berliner Architekturbüro BFM verwirklicht, das jedoch kein historischer Wiederaufbau sein soll. Seit 2014 ergänzt das somit eigenständige Haus das Ensemble der Meisterhäuser.

https://www.bauhaus-dessau.de/de/architektur/bauhausbauten/meisterhaeuser.html

 

Dessau-Rosslau: Die Stadt Dessau inmitten einer ausgedehnten Auenlandschaft wurde im zweiten Weltkrieg zu 80 Prozent zerstört, entsprechend wenig historische Bausubstanz ist noch zu finden. ABER: Die Highlights, die es gibt, sind eine Reise wert! Da wären natürlich die Bauhaus-Stätten mit Museum, Meisterhäusern – beides Weltkulturerbe-, Kornhaus und der Siedlung Törten und weiteren in der Stadt verstreuten Gebäuden. Dann ist da das Gartenreich Dessau-Wörlitz – Weltkulturerbe! Es gibt das Schloss und die Parkanlage Luisium und die Anhaltische Gemäldegalerie. Das größte Theater Sachsen-Anhalts steht hier und das Hugo-Junckers-Technikmuseum. Und dann fließt da noch die Elbe, an deren Ufern es sich entspannen lässt.

www.tourismus.dessau-rosslau.de/startseite/

Stilisierte Haube – Christiane Budig und Bert Hafermalz in Elbingerode

Die Kunst – Die Metallskulptur „Give me a shelter“ von Christiane Budig und Bert Hafermalz entstand auf dem Gelände des Diakonissenhauses Elbingerode als eine von vielen künstlerischen Interventionen der Kunststiftung im Rahmen des 100jährigen Bauhausjubiläums. Beide Künstler beziehen sich auf Walter Gropius und sein Vorwort für das „bauhausbuch 12“, in dem er schrieb: „das ziel des bauhauses ist eben kein ›stil‹, kein system, dogma oder kanon, kein rezept und keine mode! es wird lebendig sein, solange es nicht an der form hängt, sondern hinter der wandelbaren form das fluidum des lebens selbst sucht!“ Die Skulptur ist eine stilisierte Haube. In ihr verschmelzen vorhandene runde Bauelemente des Bauhauses mit der Bestimmung des Gebäudes zu einer Einheit. Gleichzeitig wird die Bauhausarchitektur in verzerrter Form gespiegelt, es entstehen neue ungewohnte Perspektiven durch vorübergehende Betrachter.

www.kunststiftung-sachsen-anhalt.de/allgemein/ein-ort-der-moderne-im-spiegel-der-gegenwart-entdecken-kunststiftung-mit-bauhausprojekt-in-elbingerode/

 

Das Diakonissenhaus: Anfang der 1930er Jahre vom jungen Architekten Godehard Schwethelm erbaut. Das damals hochmoderne Haus zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen des Neuen Bauens. Der Hauptteil besteht aus fünf Geschossen, ein Seitenflügel über zwei, beide mit blassem Klinker verblendet. Das Ensemble mit seiner schlichten Fassade und runden Elementen besticht durch klare Linien und Strukturen. Neben für die damalige Zeit ausgesprochen modernen Einbauten wie Fahrstuhl, Telefonzelle, Wandschränken und Geschirrspüler wurde im Diakonissenhaus etwas in Deutschland einzigartiges geschaffen: ein Schwimmbad mit Bäderabteilung unter dem Kirchsaal, das auch heute noch nutzbar ist.

Das 1932–34 erbaute Zentrum für evangelische Diakonie und Mission dient nach wie vor Wohn- und Krankenpflegezwecken und kann besichtigt werden.

www.mutterhaus-elbingerode.de/

 

Der Ort: Elbingerode liegt geschützt am Übergang der Hochebene des Unterharzes zum bergigen Oberharz. Der staatlich anerkannte Kurort auf fast 500 Metern Höhe fand vor 800 Jahren erstmals Erwähnung. Er bietet einige Ausflugsmöglichkeiten: Wander- und Radwege natürlich, Teiche und ein Naturbad. Von dort aus können Schaubergwerke oder die Rübeländer Tropfsteinhöhle besucht werden. Der kleine Touristenort bietet viele Übernachtungsmöglichkeiten; eine ganz besondere dürfte das Gästehaus Tanne auf dem Gelände des Diakonissen-Mutterhauses sein.

https://www.harzinfo.de/urlaubsorte/elbingerode/

Urban Art, haushoch – Die Freiraumgalerie in Halle

Die Kunst: Streetart, um diesen Oberbegriff zu bemühen, findet sich in einem einst tristen Altbau-Viertel Halle Freiimfelde hinter dem Bahnhof. Mehr als 70 Wandgemälde sind allein dort auf engem Raum zu finden, weitere  sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Die Freiraumgalerie hinterlässt ihre Graffiti-Spuren – mit großformatigen, bunten, phantasievollen Wandgemälden, teils haushoch. Ein von Pflanzen umschlungener gelber Astronaut zum Beispiel oder ein Bär, der in geometrische Muster zerfällt. Oder Tiere. Formen. Körperteile. Abstraktes. Buntes. Zwei Stunden kann man gut einplanen, um all die Fassadenbilder zu bewundern allein in diesem Wohnviertel. Wer seine Kreise noch ausweiten möchte, findet weitere Streetart am Bahnhof oder im Stadtteil Neustadt. Besonderes Merkmal bei der Entstehung dieses einzigartigen Projektes ist, dass neben dem Team der Freiraumgalerie, bestehend aus Stadtplanern, Künstlern und Pädagogen, auch  national und international anerkannte Graffiti-Künstler auch ambitionierte Hallenser mitgeplant und –gestaltet haben. Zum Nachschlagen gibt es auch einen Bildband, dessen Produktion von der Kunststiftung unterstützt wurde.

www.kunststiftung-sachsen-anhalt.de/news/all-you-can-paint/

 

Die Galerie: Die „Freiraumgalerie – Kollektiv für Raumentwicklung“ entstand  2012 zum Zweck der kreativen Stadtentwicklung und Umgestaltung von urbanen Räumen. Seit 2018 zählt  das Team zu den 100 innovativsten Preisträgern des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“. Urban Art auf riesigen Wänden wird in dieser „Straßen-Galerie“ gestaltet und präsentiert, in einem einstmals tristen Stadtviertel mit hohem Leerstand und kaum vorhandener sozialer Infrastruktur.   Dabei realisieren die Macher nicht nur Graffiti als klassische Facette der Street Art, sondern auch architekturbezogene Kunst und Ensemble-Gestaltungen.

www.freiraumgalerie.com/urban-art/

 

Halle (Saale): Auch Kulturhauptstadt des Landes genannt mit vielfältiger Kunst- und Kulturszene, auch dank der Kunsthochschule Burg Giebichenstein. 1200 Jahre alt, im Krieg kaum zerstört und daher über eine erkleckliche Anzahl historischer Bausubstanz verfügend. Geburtsstadt Händels, das Händel-Haus kann besucht werden. Die Moritzburg beherbergt das Kunstmuseum des Landes und da Landesmuseum für Vorgeschichte die weltberühmte Himmelsscheibe von Nebra; die Franckeschen Stiftungen als weltweit einzigartiges Beispiel sozialer und pädagogischer Zweckarchitektur aus der Renaissance können besichtigt werden. Es gibt lauschige Plätze an der Saale oder im Stadtwald. Die lebendige Kulturszene in der wachsenden Stadt – auch dank der zunehmenden Zahl von Studenten an der Martin-Luther-Universität – sorgt zudem für inspirierende Unterhaltung; so gibt es in der Stadt allein drei Programmkinos, ein Fünf–Sparten-Theater und mehrere freie Theater.

www.halle-tourismus.de

 

Auch Neo Rauch ist dabei – Margit Jäschke im Museum Aschersleben

Die Kunst: Margit Jäschke war fasziniert von der Schmidt’schen Sammlung mit ihren etwa 13000 Fossilien und Mollusken. In eine Art Mitmach-Aktion forderte sie im Rahmen des Heimatstipendiums Besucher des Museums auf, einzelne Ausstellungsstücke – oder eine Interpretation davon – zu zeichnen. Einige der so entstandenen Grafiken übertrug die Künstlerin auf 30 x 30 Zentimeter große Messingplatten. Diese wurden zur dauerhaften Präsentation im Boden des Arkadenganges im Museumshof eingelassen – ein Geschenk an das Museum, das dessen Schätze nach Außen trägt. Zwei der Platten zeigen übrigens Motive von Neo Rauch und Rosa Loy. Der geborene Aschersleber und seine Frau hatten sich an der Aktion beteiligt.

www.margit-jaeschke.de

Das Museum: Das Städtische Museum Aschersleben stellt Objekte der Stadt- und Regionalgeschichte aus. Es teilt sich das Haus mit der Freimaurerloge „Zu den drei Kleeblättern“. Deren Freimaurertempel, der einzige in Deutschland der Öffentlichkeit zugängliche Tempel, kann während eines Museumsbesuchs besichtigt werden. Im Museum selbst ist vor allem die Paläontologische Studiensammlung von Prof. Dr. Martin Schmidt, die 2011 in den UNESCO Geopark aufgenommen wurde und zu den bedeutendsten ihrer Art in Deutschland zählt, unbedingt sehenswert.

https://www.museum.de/museen/staedtisches-museum-aschersleben.de

Aschersleben: Die älteste Stadt Sachsen-Anhalts am Nordrand des Harzes, vermutlich erstmals urkundlich erwähnt im 8. Jahrhundert, verfügt über eine sehr gut erhaltene Stadtbefestigungsanlage und eine weitgehend intakte Innenstadt aus dem Mittelalter. Sehenswert sind zahlreiche Bauwerke wie die St.-Stephani-Kirche, die Malzmühle oder das Rathaus, Türme und Parks – in Aschersleben fand vor zehn Jahren die Landesgartenschau statt. Das Kriminalpanoptikum im ehemaligen städtischen Gefängnis kann besucht werden; ein besonderes Highlight für Kunstliebhaber dürfte aber die Grafikstiftung Neo Rauch sein.

www.aschersleben-tourimus.de

Versteckspiel im Garten – Rebekka Rauschhardt im Freilichtmuseum Diesdorf

Die Kunst: Fünf Skulpturen aus sächsischem Sandstein hat Rebekka Rauschhardt im Rahmen des Heimatstipendiums in ihrem temporären Freiluftatelier mit Blick auf ein Feld und die Bockwindmühle gemeißelt, gehämmert und poliert. Kinder beim Versteckspiel stellen sie dar, ein jedes zeigt die für ein Spiel typischen Emotionen und hat außerdem ein bestimmtes Objekt bei sich. Tatti eine Puppe, Gunnar ein Ofenrohr; Jean trägt ein Telefon, Enrique einen Staubsauer. Und Lilly freut sich über ihren Indianerschmuck. Die steinernen Figuren verstecken sich auf dem Museumsgelände und laden zum Suchen und Finden ein.

www.kunststiftung-sachsen-anhalt.de/stipendiat/rebekka-rauschhardt/?stipendiatenansicht=bild/

 

Das Museum: Das Freilichtmuseum Diesdorf in der Altmark ist eines der ältesten volkskundlichen Freilichtmuseen  Deutschlands. Die hier verorteten Häuser sind allesamt andernorts abgebaut und an dieser Stelle wieder errichtet worden. Den Sammlungsschwerpunkt bilden regionaltypische Fachwerkbauten, die ausgestattet sind mit historischen Einrichtungs- und Arbeitsgegenständen, die Kultur und Lebensweise der Menschen in der Altmark zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert zeigen. Die Vielfältigkeit der altmärkischen Haus- und Hoflandschaft wird repräsentiert durch Bauernhäuser, Speicher, Schmiede, Bockwindmühle, Taubenturm, Backhaus und Dorfschule.

www.museen-altmarkkreis.de/freilichtmuseum-diesdorf/

 

Der Ort: Diesdorf, ein kleiner Flecken in der romantischen Altmark, wurde 1112 erstmals urkundlich erwähnt. Er ist geprägt von Wohnhäusern aus dem 18. bis 20. Jahrhundert in Fachwerk- und Backsteinbauweise; sehenswert ist besonders der idyllische Ortskern. Diesdorf liegt an der Straße der Romanik und am Fahrradweg Altmark-Rundkurs. Interessant sind, neben dem Freilichtmuseum mit den Bauernhäusern und den historischen Gärten, die spätromanische Klosterkirche und der Hünengrab-Wanderweg.

http://www.diesdorf.de/

Goldener Fingerabruck für Grablege Albrechts des Bären

Margit Jäschke, Stipendiatin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, hat den Wettbewerb um die künstlerische Neugestaltung der Grablege von Albrecht dem Bären im Ballenstedter Schloss gewonnen. Mit ihrer Arbeit, einem goldenen Fingerabdruck, konnte sie die Jury überzeugen. Der Abdruck wird zukünftig in der Grablege zu sehen sein. Den Wettbewerb hatte die Stadt Ballenstedt veranstaltet.
Den Hintergrund für diesen Wettbewerb bildet eine gußeiserne Grabplatte mit den Maßen 105 x 95 Zentimeter und dem Spruch „Markgraf Albrecht der Bär – Der Wegbereiter ins deutsche Ostland“. Sein Verfasser, Paul-Schultze-Naumburg, ein Architekt und glühender Anhänger des Nationalsozialismus, hatte in den Jahren 1937/38 die Grablege von Albrecht im Ballenstedter Schloss grundlegend umgebaut. Diese Umgestaltung diente der Instrumentalisierung der historischen Person Albrecht des Bären. Zwar war diese nicht so stark ausgeprägt wie beispielsweise bei Heinrich I. (Quedlinburg), Heinrich dem Löwen (Braunschweig) oder Otto dem Großen. Allerdings kann die Gruft in Ballenstedt als eine Nachahmung der Ereignisse im benachbarten Quedlinburg betrachtet werden, wo zuvor das Grab Heinrich I. umgestaltet wurde. In Ballenstedt sollten die Jungen der NAPOLA, auf dem naheliegenden großen Ziegenberg gelegen, am Grab Albrechts den Eid auf Hitler schwören.
Eingebettet war dieser Kunstwettbewerb in das Projekt „museale Erweiterung und Modernisierung des Ballenstedter Schlosses“, Anknüpfungspunkt hierfür ist der 850. Todestag von Albrecht. Ursprünglich sollte im November 2020 diese neue Ausstellung eröffnet werden, coronabedingt wurde sie nun in den Mai 2021 verschoben.
Die besagte Grabplatte wird zukünftig im Vorraum der Grablege das zentrale Exponat dieser Ausstellung bilden, die sich historisch-kritisch neben Albrecht und Schultze-Naumburg auch mit der Baugeschichte des Bauwerks befasst. „Wir ließen den an dem Kunstwettbewerb beteiligten Künstlern freie Hand bei der Konzeption, wiesen allerdings ausdrücklich darauf hin, dass das Umfeld eine Grablege ist und daher auch angemessen behandelt werden müsse. Wir hatten es auch darauf abgesehen, der mittelalterlichen Person Albrecht dem Bären ein Stück seiner Würde zurückzugeben, die er durch die Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten verloren hatte,“ so Christian Mühldorfer-Vogt, der zuständige Kulturamtsleiter der Stadt Ballenstedt.
Parallel hierzu erfolgt im Rahmen dieses Projektes eine zeitgemäße Präsentation der romanischen Krypta: Auf der Grundlage von Augmented Reality wird den Besuchern ein virtueller Rundgang durch die Krypta angeboten. Dies eignet sich bestens dafür, die verschiedenen Bauabschnitte der heute stark überformten Anlage nachvollziehbar darzustellen. Die Krypta geht zurück auf Urgroßvater von Albrecht dem Bären, Graf Esico (* um 990/1000 – † nach 1059), der vermutlich 1043 auf dem Ballenstedter Schlossberg ein Kollegiatsstift gründete, für welches sich die Grafen von Ballenstedt die Rechte zur Nutzung des Stiftes als Eigenkloster und Grablege sichern konnten. 1123 wurde dieses durch Albrecht den Bären (*1100 – †1170) und seinem Vater Otto dem Reichen (*um 1070 – †1123) in ein Benediktinerkloster umgewandelt. Von dieser Klosterkirche sind heute nur noch zwei Bauteile vorhanden: die romanische Krypta sowie ein quadratischer Kapellenraum, die Nikolaikapelle, die auf die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert ist und von den Westtürmen der alten Klosterkirche umgeben ist. In dieser Kapelle wird das Grab Albrecht des Bären vermutet.

Neue Stipendienprogramme für Kunstschaffende

Kulturschaffende aus Sachsen-Anhalt können ab sofort für das Stipendienprogramm „Kultur ans Netz“ Anträge bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt (IB) stellen. Mit dem Programm gewährt das Land für das Erstellen einer künstlerischen Leistung einen nicht rückzahlbaren Zuschuss in Höhe von 1.000 Euro monatlich, für die Dauer von bis zu drei Monaten. Die Anträge können bis zum 31. August 2020 per Onlineverfahren bei der IB gestellt werden.
Das 6 Millionen Euro umfassende Stipendienprogramm „Kultur ans Netz“ richtet sich an Künstlerinnen und Künstler, die hauptberuflich in den Sparten Musik, Bildende Kunst, Medienkunst, Darstellende Kunst, Literatur und intermedialen Kunstformen tätig sind. Gefördert werden Projekte und Maßnahmen von freiberuflich tätigen Kulturschaffenden, die im Zuge der Einschränkungen zur Bewältigung der Corona-Pandemie ihren künstlerischen Tätigkeiten nicht nachgehen konnten.
Zuwendungsvoraussetzungen sind ein Hauptwohnsitz in Sachsen-Anhalt sowie eine Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse (KSK). Sollte keine Mitgliedschaft in der KSK bestehen, so ist alternativ ein Nachweis einer freiberuflichen künstlerischen Tätigkeit in Sachsen-Anhalt durch geeignete Unterlagen zu erbringen. Zu den einzureichenden Unterlagen zählt u.a. ein Kurzkonzept, aus dem das künstlerische Vorhaben hervorgeht. Eine Auswahl der künstlerischen Arbeit, die im Rahmen des Stipendienprogramms entsteht, wird gegen Ende des Jahres auf der Website der Landesregierung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
„Die Corona-Krise darf nicht zu einer dauerhaften Krise in der Kultur führen. Mit der Soforthilfe haben wir schnell reagiert, um die finanziellen Einbußen der Kulturschaffenden im Land aufzufangen, nun bieten wir der Kulturszene stabile finanzielle Rahmenbedingungen. ‚Kultur ans Netz‘ soll neue Impulse für Kulturaktivitäten in Sachsen-Anhalt setzen. Wir entlasten freischaffende Künstlerinnen und Künstler und ermöglichen es ihnen, sich wieder auf ihren künstlerischen Schaffensprozess zu konzentrieren“, so Staats- und Kulturminister Rainer Robra.
Weitere Informationen zu der Online-Antragsstellung können der Website der Investitionsbank Sachsen-Anhalt: https://www.ib-sachsen-anhalt.de/unternehmen/kreativ-sein/kultur-ans-netz/ entnommen werden. Informationen sind auch zu finden unter www.sachsen-anhalt.de, in den sozialen Medien über Twitter, Facebook, Youtube und über die Messenger-Dienste Notify und Telegram.
 

Ein weiteres Förderprogramm, „NEUSTART KULTUR„, wurde von der Stiftung Kunstfonds aufgelegt. Im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien initiierten Hilfspakets schreibt die Stiftung zusätzlich zu ihren laufenden Förderprogrammen das Sonderförderprogramm 20/21 aus. Bis zu 9 Millionen Euro stehen zur Verfügung.
Das Programm richtet sich an bildende Künstler sowie kunstvermittelnde Einrichtungen, Akteure und Initiativen des Kunstbetriebs. Es gibt drei verschiedene Antragsmöglichkeiten mit den Fristen 6., 10. und 14. August, nachzulesen unter: https://www.kunstfonds.de/bewerbung/sonderfoerderprogramm-2021/.

 

Noch ein wichiger Hinweis: Es ist ratsam, dass sich Künstlerinnen und Künstler, die sich am 1. Juli 2020 bei der Kunststiftung Sachsen-Anhalt auf eine Förderung beworben haben, NICHT mit demselben Arbeitsvorhaben für die Stipendienprogramme bewerben! Eine Doppelförderung für beide Programme ist nach positivem Bescheid gemäß den Richtlinien der Kunststiftung ausgeschlossen.

Blüthgen reloaded: neues Buch, historischer Autor

Startschuss für das HEIMATSTIPENDIUM#2 der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt im KULTURQUADRAT Schloss Zörbig: Am Donnerstag, 23. Juli 2020, um 13 Uhr wird im Beisein der Direktorin der Kunststiftung, Manon Bursian, der Nachlass von Victor Blüthgen (1844 – 1920) in den Räumen des Museums Zörbig, Am Schloss 10, vorgestellt. Die ca. 20 Kisten enthalten Dokumente und persönliche Gegenstände aus dem Besitz des in Zörbig geborenen Kinderbuchautors und Journalisten und seiner Frau, der Schriftstellerin und Malerin Clara Eysell-Kilburger. Der Nachlass bildet die Grundlage für die nun beginnende Arbeit der Illustratorin Lucie Göpfert. Sie wird sich im Rahmen des HEIMATSTIPENDIUMs ein Jahr intensiv mit Blüthgens Werk beschäftigen. Im Ergebnis des Projekts soll ein Kinderbuch entstehen, in dem Blüthgens Texte für heutige Kinder neu aufbereitet und illustriert werden.
Victor Blüthgen war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Star: Geboren 1844 in Zörbig (Kreis Anhalt-Bitterfeld), besuchte er als Schüler die Franckeschen Stiftungen in Halle und studierte danach an der dortigen Universität. Später wurde er Zeitungsredakteur in Krefeld und Autor der Zeitschrift „Die Gartenlaube“ in Leipzig. In der sächsischen Metropole publizierte er auch seinen ersten Roman und wurde einer der populärsten Schriftsteller für Kinder und Jugendliche der wilhelminischen Zeit. Gemeinsam mit seiner damals ebenfalls viel gelesenen zweiten Ehefrau Clara verbrachte Blüthgen seine letzten Lebensjahre in Berlin und Bad Freienwalde.
Der Nachlass des Paars fand 1934 durch die Bemühungen des damaligen Museumsleiters Otto Schmidt seinen Weg nach Zörbig, wo er größtenteils ungesichtet blieb. Weil das Geld für eine fachgerechte Restaurierung und Lagerung fehlte, wurden die Quellen in den 1990er Jahren übergangsweise in Gurkenkisten verpackt und in die Regale des Museumsarchivs einsortiert. Was ursprünglich als Provisorium gedacht war, überdauerte bis in die heutige Zeit. „Nun soll der Nachlass endlich professionell aufgearbeitet, verpackt und später ins Stadtarchiv überführt werden“, sagt der kommissarische Museumsleiter Stefan Auert-Watzik. Neben vielen privaten Fotos finden sich darin diverse Manuskripte, zwei selbstgeschriebene Opern, Tagebücher sowie filigran gezeichnete Naturstudien aus der Feder seiner Frau Clara. – Und vielleicht auch noch die eine oder andere unverhoffte Überraschung.
„Blüthgen hat seiner Geburtsstadt zeitlebens emotional die Treue gehalten und ist für Zörbig nach wie vor eine wichtige Persönlichkeit. Deshalb wollen wir, dass Blüthgen im Stadtraum und im Museum besser sichtbar wird“, sagt Historiker Auert-Watzik.
Das von der Kunststiftung des Landes initiierte HEIMATSTIPENDIUM ist bestens dazu geeignet, dieses Ziel zu erreichen. Die hallesche Künstlerin Lucie Göpfert ist unter einer Vielzahl von Bewerbern als Stipendiatin für den Standort Zörbig ausgewählt worden. Auch, weil sie mit ihrem nachhaltigen und vielversprechenden Konzept überzeugen konnte. „Mit Victor Blüthgen durch das Jahr“, so der Arbeitstitel eines Buchs, das sie auf Grundlage von Blüthgens Werk erarbeiten wird. Die Texte des vor 100 Jahren gestorbenen Autors sollen dabei behutsam modernisiert und neu illustriert werden.
„Ich freue mich riesig auf das Projekt“, sagt Lucie Göpfert. Die 37-Jährige ist Absolventin der Hochschule für Kunst und Design in Halle und hat bereits mehrere Kinderbücher erarbeitet. Sie ist zuversichtlich, für das spätere Manuskript auch einen Verlag zu finden. „Die Texte von Blüthgen haben viele Bezüge zur Natur und zur Tierwelt und passen durchaus in die Lebenswelt heutiger Kinder“, sagt sie.
Neben der Arbeit am Kinderbuch ist angedacht, dass die Hallenserin außerdem die Freitreppe des Zörbiger Kindergartens neu gestaltet. Geplant ist es, dort Motive anzubringen, die ebenfalls an Blüthgen erinnern.
Medienvertreter sind zur Vorstellung des Nachlasses herzlich eingeladen.

 

Ansprechpartner bei Rückfragen:
Kuratorin Dr. Ines Janet Engelmann
heimat@kunststiftung-sachsen-anhalt.de
Ines Godazgar (Pressearbeit)
Tel.: 01573–2063687
Mail: ines.godazgar@t-online.de
Stadt Zörbig
KULTURQUADRAT Schloss Zörbig I Museum
Am Schloss 10 I 06780 Zörbig I 034956 25605
Kommissarischer Museumsleiter
Stefan Auert-Watzik
museum@stadt-zoerbig.de
http://www.kulturquadrat-schloss-zoerbig.de
Lucie Göpfert
Mail: lucie.goepfert@googlemail.com
web: www.luciegoepfert.de

Stiftungsrat beruft Manon Bursian für weitere fünf Jahre an die Spitze der Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Einstimmig entschied der Stiftungsrat bei seiner Sitzung am 13.Juli 2020,  Amtsinhaberin Manon Bursian erneut für eine fünfjährige Amtszeit als Direktorin und Vorstand der Stiftung zu berufen. Der Stiftungsrat folgte damit nach eingehender Diskussion im Ergebnis dem Votum der zur Durchführung des Bewerbungsverfahrens beauftragten externen Anwaltskanzlei. Die Stelle war bundesweit ausgeschrieben.

Die Mitglieder des Stiftungsrats betonten die Breite der Qualifikationen und Erfahrungen, die Frau Bursian nicht zuletzt auf Grund eines berufsbegleitend abgeschlossenen wissenschaftlichen Studiums in dieses Amt mitbringe, und würdigten die herausragende Bilanz der Arbeit der Stiftung in den zurückliegenden Jahren unter ihrer Leitung. Stiftungsratsvorsitzender Rainer Robra dazu: „Die jüngeren Erfolge der Arbeit der Kunststiftung, etwa das Heimatstipendium, die unverändert hohe Zahl von Arbeitsstipendien für bildende Künstler oder die Kooperationen mit Kultureinrichtungen und Unternehmen des Kunstgewerbes in Sachsen-Anhalt, die selbst während der Beschränkungen des Corona-Lockdowns noch Ausstellungen und Tagungsformate ermöglichten, beeindrucken. Hier ist Beachtliches aufgebaut worden.“ Der Stiftung sei mit der Kontinuität der Leitung auch eine anhaltend erfolgreiche Arbeit sehr zu wünschen.

Robra wies zugleich auf das starke Bewerberfeld hin. „Die Entscheidung des Stiftungsrats ist deshalb ausdrücklich ein Votum für Manon Bursian, nicht gegen die übrigen Kandidaten.“

Manon Bursian war erstmals zum 1. August 2005 zum Vorstand der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt berufen worden. Die neue Amtszeit beginnt am 1. August 2020.

2020

Bisherige Förderentscheidungen:

Projektförderungen:

Bildende und Angewandte Kunst:

  • Sebastian Gerstengarbe: Publikationszuschuss zum Ausstellungskatalog „DIE ZUKUNFT IST DAS NEUE DING“
  • Frank Borisch, Publikationszuschuss
  • Anja Warzecha: Zuschuss zu „Wo meine Wiege stand – Ein Projekt mit Senioren“
  • Forum Gestaltung e. V.: Zuschuss zur Ausstellung „Marieke von Diemen. EINE VASE IST KEINE VASE IST EINE VASE“
  • Julia Fenske: Zuschuss zu „Ein Stadtteilporträt von Halle-Neustadt anhand von Gruppenfotos“
  • Evangelische Kirchengemeinde Nutha: Zuschuss zum Vorhaben „Neuherstellung der Prinzipalstücke (Taufstele, Altar, Ambo) der Kirche durch den Künstler Gerlach Bente“
  • Inken Hemsen: Zuschuss zur Doppelausstellung von Inken Hemsen und Sidsel Ladegaard „Lauf. Setup“

Darstellende Kunst und Film:

  • Puppentheater Magdeburg: Zuschuss zum Stadtraum-Kunstprojekt „Das schönste Land der Welt“
  • Kulturrevier Harz e. V.: Zuschuss zur Produktion „UN/E1NS – Internationale Tanzproduktion für das Theaternatur-Festival 2020“

Literatur:

  • Förderverein der Schriftsteller e. V.: Zuschuss zu den Autorenlesungen des Projektes „Zwischen Erbe und Kult – UNESCO-Welterbestätten im Spiegel literarischer Erkundungen“

Interdisziplinäre Vorhaben und Virtual Realitiy:

  • Projektschmiede Dessau e. V.: Finanzierung der temporären zeitgenössischen Galerie „Kunstpromenaden 2020 – FREIELEMENT“
  • Stephan Kloß: Zuschuss zur App & VR-Anwendung „Geometric Poetry VR (Prototyp)“

wage-mutig Kurzfilmförderung:

  • Sfumato Bewegtbild: Produktionskostenzuschuss „Über Land und Straße“

frei-raum Ausstellungs- und Galerieförderung:

  • Kunstverein Röderhof e. V.: Zuschuss zum Ausstellungsprojekt „Die letzte Chance – Wald“
  • Maik Ronz: Zuschuss um Ausstellungsprojekt „AIR Southpark“
  • Paul Scherzer: Zuschuss für die „Galerie für zeitgenössische Kunst“

Stipendien:

Arbeitsstipendien:

  • Dietrich Eichmann (Musik)
  • Tobias Gembalski, (Animationsfilm)
  • Lew Hohmann (Dokumentarfilm)
  • Matthias Jügler (Literatur)
  • Doris Lomott (Literatur)
  • Katja Neubert (Plastik)
  • Thi Binh Minh Nguyen(Kunstvermittlung/Multimedia)
  • Magdalena Orland (Design)
  • Susanne Ostwald (Design)
  • Gunther Schumann (Medienkunst)
  • Romy Seidel (Animationsfilm)
  • Olaf Ulbricht (Animationsfilm)
  • Richard Welz (Fotografie)

Aufenthaltsstipendium Ahrenshoop 2020:

  • Sarah Schuschkleb

Stipendiaten des Sonderprogramms „Heimatstipendium#2“:

  • Mareen Alburg Duncker
  • Nora Mona Bach
  • Etienne Dietzel
  • Annette Funke
  • Lucie Göpfert
  • Julia Himmelmann
  • Thomas Jeschner
  • Petra Reichenbach
  • Julia Rückert
  • Julia Schleicher

 

„Druck und Hingabe“ – Widmung an Max Klinger in Naumburg

Max Klinger war und ist bis heute eine starke und unergründete Künstlerfigur. Anlässlich seines 100. Todestags am 4. Juli initiierte die Kunststiftung Sachsen-Anhalt das Ausstellungsprojekt „Druck und Hingabe“: Vier zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler erhielten ein achtmonatiges Stipendium von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt und der Villa Romana in Florenz, um sich mit diesem sehr speziellen Vorläufer auseinander zu setzen. Die so entstandenen Werke von Mariechen Danz, Ilko Koestler, Yorgos Sapountzis und Barbara Wege werden coronabedingt mit zweimonatiger Verspätung ab 11. September im spätromanischen Naumburger Dom und im Klinger-Haus ausgestellt. Im 2. Stock des benachbarten Oberlandesgerichts wird, neben dem Modell des „Abundantia“-Brunnens von Max Klinger, zum ersten Mal in Naumburg dessen umfangreicher Druckzyklus „Das Zelt“ mit 46 Blättern aus dem Besitz des Stadtmuseums präsentiert.
 

 

 

 

 

 

Unser neuer Katalog „Heimat sammeln“ ist erschienen

Aller fünf Jahre zieht die Kunststiftung Bilanz mit einem Katalog. Der nunmehr  dritte heißt „Heimat sammeln“ und beleuchtet die Jahre 2014–2019.  Auf reich bebilderten 224 Seiten finden sich diesmal neben den Werken der Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Arbeits- und Auslandsstipendien auch die Ergebnisse der Initiativprojekte der Kunststiftung: HEIMATSTIPENDIUM, kinder-leicht, Beautiful Mind – Ein Schmuckstück für Cranach, Plötzlich 10! – Die Aktionen zum Jubiläum sowie die Projekte anlässlich des Bauhaus-Jubiläums. Das Blättern im Katalog zeigt die ganze Breite der Förderungen in sämtlichen Kunstgenres, macht Freude und zeigt, was für unterschiedliche und innovative Arbeiten in Sachsen-Anhalt die Kreativen hervorbringen. Der Katalog ist in der Stiftung erhältlich.

 

 

Leuchtende Farbigkeit – Christine Bergmann

19 Bilder in leuchtender Farbigkeit sind nach dem zweimonatigen Aufenthalt Christine Bergmanns in Tharangambadi, der „Stadt der singenden Wellen“, entstanden. Hochformate zumeist, ein eher fremdes Format für die Malerin. Die Bilder sind beeindruckend in ihrer Intensität; da ist zum einen die umwerfende Farbigkeit – blau, gelb, grün, pink -, die das so häufig beschriebene Bunte des Landes widerspiegelt. Zum anderen sind da die Porträts, deren Anziehung sich der Betrachter kaum entziehen kann. Mädchen vor allem, in Schuluniform, das Haar zu Zöpfen geflochten, verziert mit bunten Schleifen. Je nach Klassenstufe übrigens in einer anderen Farbe… Eine Frau mit einer Kuh am Tempel, Kinder am Strand; Kinder aus dem Workshop, den Christine Bergmann in Tharangambadi veranstaltet hat; Menschen, denen sie begegnet ist auf ihrer Reise. Bei längerer Betrachtung offenbaren die Bilder immer mehr Details; bestechend geradezu ist die Offenheit, mit der die Protagonisten aus ihnen herausschauen.

Dabei hat Christine Bergmann bei diesen Arbeiten konsequent fortgeführt, was essentiell für die Wirkung ihrer Malerei ist: stark leuchtende Farbgründe, die den gesamten Charakter ihres Bildes vorprägen und von denen weite Teile nach der Erarbeitung kontrastreicher Deck- bzw. Malschichten erhalten bleiben.

Christine Bergmanns Aufenthalt in Indien war eine intensive Reiseerfahrung, geprägt von vielen Begegnungen, Gesprächen und unerwarteten Einblicken in die südindische Kultur und Gesellschaft sowie sehr unterschiedliche Gesellschaftskreise, von Dorfbewohnern über die indische Mittelschicht bis hin zu Künstlern und Kulturschaffenden. Immer mit der Kamera bewaffnet, hat sie über 2000 Schnappschüsse aufgenommen. Im Sinne einer künstlerischen „Betriebsspionage“ besuchte Christine Bergmann die ortsansässige Mädchenschule in Tharangambadi mit 1500 Schülerinnen – die nun das Hauptthema ihrer Bilder sind.

Bei diesem für sie neuen Thema fiel der Künstlerin auf, dass dunkelhäutige Menschen im Kanon der Malerei ein eher seltenes Sujet sind. In Indien, erklärte man ihr, wird traditionell und alternativ eine bestimmte Farbe, zum Beispiel blau, statt der naturalistischen Hauptfarbe verwendet. Dieser malerischen Herausforderung, für die es vor allem im europäischen Kontext kaum Vorbilder gibt, hat sich Christine Bergmann erfolgreich gestellt.

Auch mit dem Klima musste die Malerin zurechtkommen. Intensive Sonne, Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit, Starkregen. Erst vor Ort wurde ihr bewusst, dass im Prinzip nur bestimmte traditionelle Techniken bzw. Materialien, beispielsweise Textilkunst, Färberei oder Steinmetzarbeiten, den Herausforderungen des Klimas gewachsen sind. Das Arbeiten mit Papier, aber auch die von Christine Bergmann verwendete Leimfarbe für Leinwandmalerei, erwies sich für die klimatischen Bedingungen in Südindien als ungeeignet. Diese Arbeiten waren ihr erst in Halle möglich. Ausgangspunkt bildeten die zahlreichen Fotos, die in der Ausstellung auf Monitoren gesondert gezeigt werden.

 

 

 Vita Christine Bergmann

1976 in Dessau geboren | 1996 Abitur in Bremen | 1996 – 2003 Studium der Malerei und Textilen Künste an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle | 2003 freie Mitarbeiterin der Fachklasse Malerei/Textile Künste der HKD Halle mit Lehrtätigkeit Kunst am Bau | seit 2000 Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen u. a. in Halle, Leipzig, Merseburg, Magdeburg sowie zahlreiche realisierte Projekte Kunst am Bau | 2009/2010 Aufenthalt im Atelierprogram „Pilotenkueche“, Baumwoll-Spinnerei, Leipzig | 2010 Erster Platz des Wettbewerbs Kunst am Bau für das Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Magdeburg | 2011 Erster Platz im Wettbewerbsverfahren Kunst am Bau für das Carnot-Gebäude, Otto-von-Guericke-Universität, Magdeburg und Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreis „Bauwerk des Jahres“ | 2019 Erster Platz des Wettbewerbs Kunst am Bau Bundesministerium für Gesundheit Berlin | seit 2019 Mitglied im Beirat für Stadtgestaltung der Stadt Dessau | lebt und arbeitet in Halle (Saale)

„Tharangambadi Reports“ – ein Künstlerbuch

Im Verlag der Franckeschen Stiftungen sind Stefan Schwarzers „Tharangambadi Reports“ erschienen. Das Künstlerbuch vereinigt in Indien angefertigte Zeichnungen und Tagebuchtexte in einer Collage mit ausgewählten Briefen, Berichten und Kupferstichen aus den „Halleschen Berichten“ aus dem 18. Jahrhundert sowie Interviews mit den Einwohnern. Thematisch widmet er sich dabei zwei Feldern: zum einen den Menschen, zum anderen ihren Häusern. Diese fand er besonders interessant, weil sie stark an Religionen ausgerichtet sind – Kreidezeichnungen auf dem Boden vor den Eingängen der Behausungen hinduistischer Bewohner zum Beispiel oder mit Gottheiten verzierte Fassaden. Starke Kontraste prägen die Architektur, die Häuser sind sehr bunt, mitunter nur bruchstückhaft gebaut. Stefan Schwarzer hat sie gezeichnet aus verschiedenen Perspektiven, hat sie nach seiner Wahrnehmung künstlerisch verarbeitet. Er hat die Bewohner befragt, nach ihrer Lebensweise, nach dem Erbauer ihres Hauses. Ganz ähnlich wie der Missionar Bartholomäus Ziegenbalg interessierte sich der Künstler für ihren Alltag und für ihre ganz persönliche Geschichte.

Stefan Schwarzer macht mit seinem Buch das alte Tranquebar lebendig, gleichzeitig holt er das heutige Tharangambadi in unser Bewusstsein. Samt dem Missionar Bartholomäus Ziegenbalg. Denn während heute in Deutschland kaum jemand diesen Namen kennt, ist er in Südindien nahezu allgegenwärtig. Die Stadt, hat Stefan Schwarzer erfahren, ist geprägt von Ziegenbalg, es gibt Monumente und Statuen; der Missionar ist eine Art Volksheld, selbst unter Hindus und Muslimen. Das Buch „Tharangambadi-Reports“ dürfte also auch für die Einwohner Indiens selbst interessant sein, eine Übersetzung des Werkes ist geplant.

 

THARANGAMBADI REPORTS; Künstlerbuch von Stefan Schwarzer; 128 Seiten; Verlag der Franckeschen Stiftungen Halle; Preis: 12 Euro; ISBN: 978-3-939922-62-9

Monumentales Wandbild – Stefan Schwarzer

Gut 300 Jahre nach Bartholomäus Ziegenbalg begab sich auch Stefan Schwarzer im Oktober 2019 auf die mehrwöchige Spurensuche in Tharangambadi. Ausgehend von den einstigen Orten der Mission, suchte der Hallenser Künstler den Dialog mit den heute dort lebenden Menschen. Im Wechselspiel zwischen seinen eigenen täglichen Erlebnissen, dem Austausch mit den Einwohnern Tharangambadis und den Halleschen Berichten entstand ein eigener, moderner Diskurs, den die Ausstellung wiedergibt. Zu sehen sind ein Teil der in dieser Zeit entstandenen Zeichnungen. Kurzinterviews, Fotografien, Tagebucheinträge und Beispiele aus dem durch den Autor ins Leben gerufene Mail-Art-Projekt „200 Postcards for Halle“.

Zwei Räume der Ausstellung nehmen seine Arbeiten ein. Der erste ist hinduistischen Tempeln gewidmet.  In ihnen fand er Ruhe, genoss die meditative Atmosphäre, hörte nichts als den Wind und konnte sich in der Symbolik und Farbenwelt der Ornamente verlieren. Drei großformatige Buntstiftzeichnungen voller dieser Zeichen sind vor Ort entstanden; das größte Bild – „Sri Ranganathaswamy Tempel, 240 mal 370 Zentimeter groß – hat der Zeichner erst in Halle angefertigt. Jede seiner Zeichnungen hat eine andere Formensprache, verrät einen anderen Umgang mit dem jeweiligen Ort, an dem sie entstanden sind. Eine „Reise für die Augen“, wie es der Künstler nennt, sind die Bilder für den Betrachter; sie sind Porträts der Orte, aber auch Zeitreisen durch sie hindurch.

Den zweiten Raum, „Tamil Houses“, bildet eine Rotunde, ohne oben und unten, nur Fläche. Die Arbeiten, die darauf zu sehen sind, müssen „erlaufen“ werden – ganz so, wie sie entstanden sind. Orte, Ornamente, Gebäude hat Stefan Schwarzer in Indien auf der Straße festgehalten, hat sie verfremdet oder collagiert. Er war nach seiner Ankunft schnell von der bunten Vielfalt der Architektur begeistert und zeichnete jeden Tag ein Haus. Für die Ausstellung entwickelte Stefan Schwarzer aus Fragmenten seiner Zeichnungen ein Buntstiftwandbild und kombinierte dieses mit ausgewählten Bildern von seiner Reise. Zwei Wochen hat er daran gearbeitet; das Temporäre des umfassenden Werkes ist ihm bewusst. Es wird – nach Ablauf der Ausstellung – verschwinden und nie wieder zu sehen sein.

Seine Wahrnehmungen vor Ort, die Umstände in Indien – 35 Grad im Schatten, die Gerüche, die Intensität, die Menschen – haben sich auf die Zeichnungen Stefan Schwarzers übertragen. Ihre Farbigkeit beeindruckt. Aber da ist noch mehr: Zwischen den feinen Strichen und bunten Flächen sind verwirrende Stempel zu sehen. Schwarzer entdeckte in der Ausstellung im Ziegenbalg-Haus eine historische Druckerpresse mit riesigen Holzlettern. Damit bearbeitete er sein aus Deutschland mitgebrachtes Material, auf dem er später die Zeichnungen anfertigte.

 

Vita Stefan Schwarzer

1984 in Leipzig geboren | 2005 Arbeiten im öffentlichen Raum; Gründung Atelier Nawrotzki in Leipzig; Schulische Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten | 2007 Arbeit als Videoperformer | 2008 Studium Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Studiengang: Malerei / Grafik) | 2011 Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes | 2012 Gastsemester, Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart (Studiengang: Bildhauerei Fachgebiet: Video/Performance/Installation) | 2013 Auslandsstudium am Instituto Superior de Arte, Havanna | Ausstellungen u.a. in Berlin, Chemnitz, Havanna | lebt und arbeitet in Halle (Saale)

 

Reise durch Raum und Zeit – Hallesche Künstler auf Spurensuche in Indien

Ausstellung:
„Mission Ziegenbalg – Christine Bergmann und Stefan Schwarzer auf Spurensuche in Tharangambadi“; 3. Juli 2020 bis 16. August 2020, dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr, Historisches Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen, Franckeplatz 1, 06110 Halle

 

Den Missionar Bartholomäus Ziegenbalg kennen in Deutschland nur wenige, obgleich er einen wahren Fundus an Wissen hinterlassen hat: Die „Halleschen Berichte“, 188 an der Zahl und vollständig archiviert in den Franckeschen Stiftungen, berichten vom Leben in Indien; Tagebucheintragungen finden sich darin, Abhandlungen, statistischte Größen, Briefe, Nachrufe. Vor 300 Jahren reiste der Missionar, ein Student August Hermann Franckes, nach Südindien. In den 13 Jahren, die er im damaligen Tranquebar bis zu seinem Tod verbrachte, übersetzte er das Neue Testament und Teile des Alten ins Tamilische, sorgte für den Druck der „Tranquebar-Bibel“ auf einer halleschen Druckmaschine; er gründete Schulen für Jungen und Mädchen, ein Kinderheim und die erste evangelisch-lutherisch-tamilische Gemeinde. Auch der Bau der Kirche „Neu-Jerusalem“ ist ihm zu verdanken. Kein Wunder also, dass der Missionar auch im heutigen Tharangambadi wohlbekannt ist: Der Ort ist geprägt von ihm, Monumente und Statuen erinnern an ihn. In Indien ist er eine Art Volksheld, auch unter Hindus und Muslimen.
Die beiden Künstler Christine Bergmann und Stefan Schwarzer aus Halle sind im vergangenen Jahr für zwei Monate nach Tharangambadi gereist, um Ziegenbalg an der Stätte seines Wirkens nachzuspüren und ihre Erfahrungen künstlerisch zu verarbeiten. Christine Bergmann bereiste kulturelle Stätten und besuchte die Mädchenschule mit 1500 Schülerinnen – Porträts von Kindern sind denn auch der Schwerpunkt in ihren Malereien. 19 zumeist hochformatige Bilder in leuchtender Farbigkeit sind nach ihrer Reise entstanden – in Indien selbst konnte sie mit Papier und den von ihr bevorzugten Leimfarben nicht arbeiten, die klimatischen Bedingungen wie Hitze und Luftfeuchtigkeit sprachen dagegen. Entstanden sind stattdessen mehr als 2000 Fotografien, nach denen sie arbeitete und die zusammen mit den Malereien in der Ausstellung gezeigt werden.
Stefan Schwarzer wiederum hatte es vor allem die Architektur angetan. Tempel und Wohnhäuser in ihrer Farbigkeit, mit reicher Ornamentik, Symbolik und Farbenwelt zeichnete er mit Buntstiften nach, verfremdete und collagierte. Seine Arbeiten sind zum Teil vor Ort entstanden, andere in Halle. Ebenso wie Bartholomäus Ziegenbalg kam Stefan Schwarzer aber auch mit den Einwohnern ins Gespräch und befragte sie analog zu den Niederschriften des Missionars nach ihrem Leben. Die kurzen Interviews und viele seiner Zeichnungen sind in dem Künstlerbuch „Tharangambadi Reports“ im Verlag der Franckeschen Stiftungen erschienen. In der aktuellen Ausstellung werden die Zeichnungen des Künstlers gezeigt. Im „Hindu Temple“ genannten Teil besticht eine Fülle an Ornamentik, Farben und Formen, die er in einem langen, meditativen Prozess gzeichnet hat. In „Tamil Houses“ wiederum hat Schwarzer aus Fragmenten seiner Zeichnungen ein riesiges Buntstiftwandbild entwickelt und dieses kombiniert mit ausgewählten Zeichnungen seiner Reise.
Im Begleitprogramm zur Ausstellung werden Christine Bergmann am 8. Juli und Stefan Schwarzer am 15. Juli, jeweils 18 Uhr, im Artist-Talk mit der Kuratorin des Ziegenbalg-Museums in Tharangambadi über ihre Erlebnisse in Indien sprechen.
Im Rahmen des Ausstellungsbesuches können auch der Indienschrank, die Kunst- und Naturalienkammer sowie das Francke- und das Pietismuskabinett angeschaut werden.
Der Aufenthalt der beiden halleschen Künstler in Südindien wurde ermöglicht durch ein Arbeitsstipendium, das die Kunststiftung Sachsen-Anhalt in Kooperation mit den Franckeschen Stiftungen und dem Ziegenbalghaus Tharangambadi erstmals vergeben hat.

Harald Döring – Malerei und Zeichnung

Die hohe Kunst der Zeichnung, das unbekannte Frühwerk, aber auch ausgewählte Hauptwerke des Künstlers werden in der Ausstellung „Harald Döring – Malerei, Zeichnung“ ab dem 24. Juni in den Räumen der Kunststiftung Sachsen-Anhalt am Neuwerk 11 in Halle zu sehen sein. Insbesondere die meisten der Zeichnungen sind noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt worden. Die Schau wurde kuratiert von dem Grafiker Lutz Grumbach und dem Maler Rolf Müller. Beide haben Harald Döring an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein kennengelernt und planten seit vielen Jahren, sein unterschätztes Werk zu würdigen und, indem sie chronologisch vorgingen, die Entwicklung des Künstlers aufzuzeigen. Nun ist es soweit: Wegen der Corona-Maßnahmen muss zwar auf eine feierliche Eröffnung verzichtet werden, aber am 24. Juni laden die beiden Künstlerkollegen von 10 bis 18 Uhr herzlich in die Ausstellung und in den Garten der Kunststiftung ein.
Begleitend zur Ausstellung und ebenfalls gefördert durch die Kunststiftung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der auf 168 Seiten weitaus mehr Bilder zeigt als die Ausstellung selbst. Er kann, zu einem ermäßigten Preis, entweder bei einem Besuch der Schau direkt oder unter www.coq-art.eu erworben werden.
Die Ausstellung ist bis zum 5. Juli 2020 immer mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Eintritt: 3 Euro/1 Euro.
 

 

 

Der früh verstorbene Maler Harald Döring war lange Jahre Bürger der Stadt Halle. Er gehörte mit seiner ganz eigenen Sicht auf die Wirklichkeit zu den aussichtsreichsten Künstlern der 70-er und 80-er Jahre. Mit Erfolg wurden seine Stillleben, Landschaften, Porträts und Gruppenbilder im nationalen Rahmen, aber auch international mit Erfolg gezeigt und besonders geehrt. Sie sind auch heute noch aktuelle Zeugnisse künstlerischer Auseinandersetzung mit Spannungsfeldern im persönlichen und gesellschaftlichen Umfeld. In einer mehr und mehr gespaltenen Gesellschaft verdient Dörings Werk Dank seiner analytisch-psychologischen Sichtweise und Eigenständigkeit, ins aktuelle Bewusstsein gerückt zu werden. Die Ausstellung zeigt nicht nur ausgewählte Hauptwerke des Künstlers, sondern wegen ihrer besonderen Qualität auch das völlig unbekannte Frühwerk und die hohe Kunst der Zeichnung des Malers Harald Döring. Er schrieb: „Die Begabung zeigt sich weniger in der handwerklichen Geschicklichkeit, sie offenbart sich in dem Niveau der gedanklichen Erschließung einer künstlerisch gestellten Problematik. So bin ich für eine intelligenzintensive Kunst, die höchste, ins gesellschaftliche Bewusstsein eingebundene Subjektivität und größtmögliche Originalität des Malers aufweist und die dem Rezipienten weiten Raum für geistige Bewegung und Phantasie im Bild gestattet. Angelpunkt jeder künstlerischen Qualität bleibt der Ideengehalt. Es darf nicht sein, dass sich ein Künstler ein Thema ohne Umweltbezug aussucht.“

 

 

1941 am 29. Mai in Neudorf (Pommern) geboren. Sohn eines Landwirts. 1946 Umsiedlung der Familie nach Löderburg im Kreis Staßfurt. 1947–1955 Besuch der Grundschule. 1955–1958 Lehre als Saatzüchter. 1958–1961 Besuch der Arbeiter- und Bauern-Fakultät in Rostock. 1961–1965 Studium am Institut für Kunsterziehung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. 1964 Einzelausstellung innerhalb des Institutes für Kunsterziehung. Antrag auf Hochschulwechsel mit Unterstützung durch Fritz Cremer und Willi Sitte. 1965–1969 Studium der Malerei an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein bei Lothar Zitzmann und Willi Sitte. Es entstehen Gruppenbildnisse und Stillleben wie „Kartoffelkraut und Gemüse“. Einflüsse von Willi Sitte, daneben von Ronald Paris. 1969 –1971 Freischaffend als Maler in Halle. Entwicklungsaufträge für die Chemische Industrie Buna/Leuna. Auseinandersetzung mit der Malerei Francis Bacons. 1971–1974 Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR bei Walter Womacka. 1972/1973 Studienaufenthalt in der Sowjetunion, Ausstellungen in Prag, Bratislava, Tallinn, Tbilissi, Wolgograd, Kiew, Leningrad und Moskau. Begegnung in den Museen von Moskau und Leningrad mit französischer Malerei der Moderne (Manet, Renoir). Ab 1975 lebt und arbeitet Döring auch in Langenstein (Harz). 1975/1976 Ausstellungen in St. Omer und Lille, Stockholm und Oslo. 1979 Einzelausstellung in der Staatlichen Galerie Moritzburg Halle (34 Bilder, 4 Zeichnungen). Ausstellung „Kunst aus der DDR. Bezirk Halle“ im Kunstverein Hannover. 1981 Ausstellung „Malerei und Grafik aus der Deutschen Demokratischen Republik“ in der Wiener Secession. 1983 Ausstellung „Elf Maler aus der DDR“ in der Kunstakademie Stockholm. 1986 Ausstellung in der Burg-Galerie Halle. Am 21. Dezember 1997 in Halberstadt gestorben.

Ein Getriebener

„Die Bilder von Harald Döring hatte ich lange Zeit nicht gesehen, und so stellte sich mir die Frage, was gute Kunst eigentlich ausmacht, was sind die Kriterien? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht.

Es sind verschiedene Kriterien, die immer auch mit Erfahrungen und Neigungen ihres Schöpfers wie dessen Gegenüber, also dem Betrachter, zu tun haben. E i n Kriterium ist ganz sicher die Zeitbezogenheit des Werkes, seine Authentizität, die aber über die jeweilige Zeit hinaus Gültigkeit behält, behalten kann – und interessant bleibt.

Das Gesamtwerk von Harald Döring ist ein erneuter Beweis dafür, dass auch oder gerade innerhalb der eingeschränkten Möglichkeiten, in einem Staat wie der DDR, sehr wohl gute und nachhaltige Kunst entstehen konnte – abseits der „Diktatur des Proletariats“ und des staatlich erwarteten „sozialistischen Realismus“. Das bedeutet für Dörings Schaffen: Sieht man sein Oeuvre, hauptsächlich in den 1970er Jahren entstanden, mit heutigen Augen, mit historischem Abstand, haben seine Arbeiten nichts an Aussagekraft und an Aktualität verloren. Die Grundverhältnisse der Menschen zueinander und zur Natur sind unzulänglich geblieben – gemessen an allen bisherigen Utopien und Menschheitsidealen –, die Unachtsamkeit gegenüber der Umwelt stürzt die Menschheit zunehmend in Katastrophen.

Diese Atmosphäre, verbunden mit seiner eigenwilligen verwischten Farbgebung und distanzierten Formsprache, machen das Besondere in Dörings Werk aus. Man fühlt sich in einen Bann gezogen, dem man entfliehen will, der einen aber immer wieder einholt. …

… Die kulturpolitischen Debatten liefen schon damals an der Lebenswelt des Künstlers vorbei. Er war ein Getriebener, der nur seinem inneren eigenen Auftrag folgte, und dieser Auftrag entsprach dem Identitätsgefüge seiner Werke. Es ging ihm ständig um Grenzzustände zwischen Leben und Tod, Gewalt und Sehnsucht. Das eine brach immer neu aus ihm heraus, das andere – eine Erfüllung von Lebenswünschen, der Zustand eines gelungenen, gar geglückten Daseins – wurde nie erreicht. Die künstlerische Intensität schwankte somit beständig zwischen Schrecklichem und Erhabenem. Was blieb, war eine große Einsamkeit. …

Gabriele Muschter, Berlin

(aus: Katalog: Harald Döring, Malerei und Zeichnungen, 168 Seiten)

Vita

1941 am 29. Mai in Neudorf (Pommern) geboren. Sohn eines Landwirts.│ 1946 Umsiedlung der Familie nach Löderburg im Kreis Staßfurt.│ 1947–1955 Besuch der Grundschule. │1955–1958 Lehre als Saatzüchter.│ 1958–1961
Besuch der Arbeiter- und Bauern-Fakultät in Rostock. │1961–1965 Studium am Institut für Kunsterziehung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.│ 1964 Einzelausstellung innerhalb des Institutes für Kunsterziehung. Antrag
auf Hochschulwechsel mit Unterstützung durch Fritz Cremer und Willi Sitte. │1965–1969 Studium der Malerei an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein bei Lothar Zitzmann und Willi Sitte. Es entstehen Gruppenbildnisse und Stillleben mit Kartoffelkraut und Gemüse. Einflüsse von Willi Sitte, daneben von Ronald Paris. │ 1969–1971 Freischaffend als Maler in Halle. Entwicklungsaufträge für die Chemische Industrie Buna/
Leuna. Auseinandersetzung mit der Malerei Francis Bacons. │1971–1974 Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR bei Walter Womacka. │1972/1973 Studienaufenthalt in der Sowjetunion, Ausstellungen in Prag, Bratislava, Tallinn, Tbilissi, Wolgograd, Kiew, Leningrad und Moskau. Begegnung in den Museen von Moskau und Leningrad mit französischer Malerei der Moderne (Manet, Renoir). │Ab 1975 lebt und arbeitet Döring auch in Langenstein (Harz). │1975/1976 Ausstellungen in St. Omer und Lille, Stockholm und Oslo. │1979 Einzelausstellung in der Staatlichen Galerie
Moritzburg Halle (34 Bilder, 4 Zeichnungen). Ausstellung „Kunst aus der DDR. Bezirk Halle“ im Kunstverein Hannover. │
1981 Ausstellung „Malerei und Grafik aus der Deutschen Demokratischen Republik“ in der Wiener Secession. │1983
Ausstellung „Elf Maler aus der DDR“ in der Kunstakademie Stockholm. │1986 Ausstellung in der Burg-Galerie Halle.│Am 21. Dezember 1997 in Halberstadt gestorben.

„Ungewöhnlich für einen Künstler“ – Interview mit Lutz Grumbach und Rolf Müller

Der Grafiker Lutz Grumbach und der Maler Rolf Müller haben die Ausstellung „Harald Döring – Malerei, Zeichnungen“ möglich gemacht. Eineinhalb Jahre lang beschäftigte sie diese Aufgabe; sie sichteten eine Vielzahl an Werken Dörings, von denen sie einige selbst noch nicht kannten. Sie wählten aus, reisten umher, organisierten Transporte und wandten sich so ihrem 1997 verstorbenen Künstlerkollegen noch einmal intensiv zu.

 

Kunststiftung: Warum haben Sie jetzt, 23 Jahre nach Dörings Tod, diese Ausstellung in Angriff genommen?

R. Müller: Geplant hatten wir sie schon sehr lange. Wir wollten diesen großartigen Künstler würdigen, seiner Qualität entsprechend, was unserer Meinung nach bisher zu wenig passiert ist. Und wir sind Harald Döring durch Freundschaft, Gemeinschaft und das gemeinsame Studium verbunden. Jetzt haben wir durch die Kunststiftung die Gelegenheit zur Ausstellung und zur Erarbeitung des umfangreichen Kataloges bekommen.

 

Wo haben Sie seine Bilder gefunden?

L. Grumbach: Wir besitzen beide viele Bilder von Döring. Dann haben wir zwei Brüder von Harald Döring gefunden, die heute bei Lübeck leben und frühe Bilder von ihm besitzen und die wir selbst nicht kannten. Neun davon sind in der Ausstellung zu sehen.

R. Müller: Wir sind den beiden sehr dankbar für ihr Vertrauen. Immerhin kannten sie uns nicht und haben uns trotzdem die Bilder geliehen.

L. Grumbach: Die meisten der ausgestellten Arbeiten stammen aus Privatbesitz.

 

Wie haben Sie Harald Döring kennengelernt?

R. Müller: Ich war mit ihm zusammen Student bei Willi Sitte, kennengelernt habe ich ihn bei der Aufnahmeprüfung 1965.

L. Grumbach: Zu dieser Zeit hatte ich nur noch ein Jahr zu studieren. Aber als er sich um den Platz bei Willi Sitte bewarb, rief der mich  zu sich und zeigte mir zehn von Dörings Bewerbungsbildern. So habe ich von ihm erfahren.

 

Waren Sie befreundet?

R. Müller: Nach dem Studium nicht mehr. Wir waren menschlich zu verschieden. Außerdem bin ich in Halle geblieben, Döring ging nach Berlin.

L. Grumbach: Wir waren bis zum Schluss befreundet; er hatte so viele Vorschläge und Ideen!

 

Was war er für ein Mensch?

L. Grumbach: Er war ein Maler mit einer sehr hohen Bildung, einem großen Kunstverständnis und großem Wissen. Fast ungewöhnlich für einen Künstler. Er war konsequent in seiner Haltung und hat sein Künstlerleben bis zum Schluss gelebt. Ein kluger, wissbegieriger, exaltierter und hochgebildeter Mann.

 

Welchen Zeitraum umfassen die von Ihnen in Ausstellung und Katalog erfassten Werke?

Aus den frühen Jahren, den 60ern, bis wenige Jahre vor seinem Tod. Das letzte der Bilder stammt von 1992. Danach sind zwar noch Bilder entstanden, aber die haben wir nicht gefunden. Es gibt kein Werksverzeichnis von ihm.

 

Wann wurde Harald Döring das letzte Mal ausgestellt?

R. Müller: Die letzten Personalausstellungen fanden 1986 in der Staatlichen Galerie Moritzburg Halle – Galerie Roter Turm, im Staatlichen Museum Schwerin und in der Burggalerie Halle – statt.

Keine Kompromisse

Die Leinwand markiert eine Grenze, einen harten Schnitt. Auf der einen Seite die Eltern, umschlungen als Einheit erkennbar. Auf der anderen Seite der Künstler, abgewandt. Auf dem Tisch neben ihm aber steht nur eine Tasse, Malereiutensilien fehlen. Er blickt in die Richtung, in die auch seine Eltern schauen. Überlegt er noch, wohin er sich wenden soll, Kunst oder Familie? Sucht er das Motiv, das seine Eltern betrachten? Die große leere Fläche hinter den Protagonisten ist in Brauntönen gehalten; die markante Leinwand aber scheint zu schimmern, verheißungsvoll. Gewinnen oder verlieren – das ist hier die Frage. Das Bild „Problem Eltern“, entstanden 1973/74, zeigt, was Harald Döring beschäftigt hat und was er immer wieder malte: die Beziehung der Menschen – häufig bei Paaren – zueinander. Ein zweiter Schwerpunkt seiner Kunst war die Natur, der er sich besonders nach seinem Rückzug in die Einsamkeit, nach Langenstein, zuwandte.

Die Entwicklung seines gesamten Schaffens wird eindrucksvoll deutlich in der Ausstellung „Harald Döring – Malerei, Zeichnung“, und genau das war das Ziel der beiden Künstlerkollegen Lutz Grumbach und Rolf Müller, die die Schau organisiert und kuratiert haben. Zu sehen sind 42 Bilder und etwa 30 Zeichnungen, die noch nie öffentlich gezeigt wurden. Dabei hat Harald Döring immer auch gezeichnet – intensiv ist er auf die porträtierten Personen zugegangen; der Betrachter sieht fast in einen Spiegel und erkennt doch Dörings Sicht.

Bekannt und geschätzt wurde er aber für seine Malerei; er wurde im In- und Ausland viel gezeigt, malte Auftragswerke. Dabei hat er es sich nicht leicht gemacht, er war nie angepasst, fertigte keine politischen Bilder. Kompromisse mit dem Staat gab es für ihn nicht. Dafür musste er zahlen: Die gewünschte Lehrtätigkeit wurde ihm nie gestattet.

Geprägt wurde Harald Döring sicher durch seinen Lehrer Willi Sitte. Aber auch durch Manet, Goya und noch viel mehr Francis Bacon, die er studierte und deren Vorbild in seinen Werken erkennbar ist, in „Der Sohn“ zum Beispiel oder eben in „Problem Eltern“. Aber Harald Döring ist feiner vorgegangen, sein Blick geht nach innen. Die große Attitüde war seine Sache nicht.

Heute sind viele seiner Bilder vergessen, darunter auch sehr gute. In Leuna ist noch eines seiner Auftragsbilder zu finden, im Kunstmuseum Moritzburg das Werk „Problem Eltern“. Weitere Werke finden sich in Privatbesitz, im Kunstmuseum in Schwerin, in Frankfurt/Oder, im DDR-Kunst-Archiv Beeskow und in einigen anderen Museen. Ein Werksverzeichnis existiert nicht. Lutz Grumbach und Rolf Müller haben eineinhalb Jahre lang Werke zusammengetragen; was sich ausleihen ließ, ist in der Ausstellung zu sehen. Die Auswahl umfasst die gesamte Schaffenszeit Dörings und seine Sujets: Landschaften, Menschen, seine wundervollen Stillleben.

Noch viel mehr Harald Döring ist zu sehen in dem hochwertigen Katalog mit fast 100 chronologisch geordneten Arbeiten auf 168 Seiten; die Entwicklung des Künstlers kann hier sogar noch besser nachvollzogen werden. Der Band erscheint parallel zur Ausstellung und wurde von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt gefördert. Umrahmt werden die Abbildungen mit Texten von Rolf Müller (Halle), Gabriele Muschter (Berlin), Kornelia Röder (Schwerin), Lisa Jürß (Schwaan), Gerhard Wünscher (Halle)  und Rüdiger Giebler (Halle).

 

Der Katalog kann unter coq-art.eu bestellt werden zum Preis von 35 Euro. Preiswerter ist er in der Ausstellung zu erwerben. Sie ist vom 24. Juni bis zum 5. Juli mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Die Stofflichkeit der Dinge – Interview mit Bärbel Schlüter

Hatten Sie sich vor dem Projekt schon einmal mit dem Thema Textilien befasst?

Die Stofflichkeit der Dinge, die Untersuchung von Materialität, das Ausloten von Innen-/Außen-Bezügen sind Aspekte meiner künstlerischen Arbeit. Mich interessieren Gesten des Machens wie das Knoten, Schnüren, Schichten, Legen, Stellen, Fallenlassen. Historische Textilien sind erstmals der Anlass für ein künstlerisches Vorhaben.

Sie haben sich den Inventar-Karten sehr ausführlich gewidmet?

Die kleine Gruppe der Quasten sind 1892 von Wilhelm von Bode angeschafft worden. Seither lagern sie im Depot und waren für ein Publikum nicht öffentlich zugänglich. Einen Einblick in das Eigenleben der jeweiligen Quaste als Museumsstück geben die Notizen und Fotografien der Inventarkarten. Die verschiedenen Fotografien, die über die Zeit von mehreren Personen zur Identifizierung des Gegenstands angefertigt wurden, bilden ab und geben zugleich das Sammlungsstück zu sehen. Dieses Wechselspiel von sachlicher Reproduktion und subjektiver Fotografie habe ich in meinen Arbeiten aufgegriffen.

Warum haben Sie 3D-Drucke angefertigt?

Im Rahmen von Museumsausstellungen wurden einst historische Quasten als Ausstattungstücke neben Kunstwerken gezeigt (z. B. als Beschwerung von dicken Kordeln und Seilen, die zur Verspannung von historische Teppichen auf Museumswänden verwendet wurden) oder als Anschauungstücke einer Mustersammlung, die zur Nachahmung anregen sollten. In der Skulpturen-Serie greife ich das Thema der Reproduktion von musealen Sammlungsstücken auf, allerdings wird die Knotenstruktur verwandelt durch die Übertragung in ein festes Material und die zirka zweifache Vergrößerung. Vor dem Hintergrund historischer Ausstellungen interessiert mich, die Präsenz der Quasten ins Spiel zu bringen. Deren jeweiliges Abbild zeigt die Quaste im Zustand der Lagerung, und zwar als Liegende.

Sie sind eigentlich Bildhauerin – wie kam es zu Ihrer Beteiligung an dieser Ausstellung?

Bezugspunkte meiner künstlerischen Arbeiten sind Beobachtungen zu Zusammenhängen von Objekt und Umraum und zum Potential von Übergangsräumen wie beispielsweise Korridore, Keller, Bahnhöfe. Das Museumsdepot wird heute im wissenschaftlichen Diskurs als Möglichkeitsraum verhandelt; diese Frage aus der Nähe zu betrachten, hat mich gereizt. Teil des Projektes waren regelmäßige Treffen im Kulturhistorischen Museum, das Textilmagazin war in mehrfacher Hinsicht der Ort der Begegnung und (Ver-)Handlungsraum.

 

Bärbel Schlüter studierte Freie Kunst, Kunstpädagogik und Kunstwissenschaft und arbeitet an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. In ihren künstlerischen Arbeiten sowie kunstwissenschaftlichen Untersuchungen hinterfragt sie das Verhältnis von Objekt und Umgebung und die Wechselwirkung von Installation, Raum, Ort und Publikum. Ein Schwerpunkt bildet die Aufmerksamkeit für Potentialitäten von Zwischenräumen, ausgestellt in Installationen für Kellerräume (Galerie 13 Hannover, Galerie Signum Heidelberg) oder mit Fassaden (Allgemeiner Konsumverein Hannover, Kunsthalle Lingen). 2013 promovierte sie zum Thema der künstlerischen Interventionen mit der Dissertationsschrift „Im Raum der Fassade: temporäre Installationen“. Die Künstlerin arbeitet seit 2001 vielfach in interdisziplinären Kontexten: als künstlerische Mitarbeiterin an der Fakultät für Architektur und Landschaft der Leibniz Universität Hannover, als Gastwissenschaftlerin am Institut für Kunst und Gestaltung der TU Wien , als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstwissenschaft an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK), als Co-Organisatorin der Tagung „Muster im Transfer“ an der HBK Braunschweig und als Fellow des Workshops „Kunst und Wissenschaft in Bewegung“ der VolkswagenStiftung. Seit 2015 verwaltet sie die Professur Freie Kunst mit dem Schwerpunkt Kunstvermittlung an der HBK Braunschweig. www.atelierhaus-hannover/baerbel-schlueter.de

 

Das Kulturhistorische Museum Magdeburg

Als das Kaiser Friedrich–Museum Magdeburg 1906 seine Tore öffnete, war es das erste größere kommunale Museum in der damaligen preußischen Provinz Sachsen. Als Architekt hatte die Stadt den renommierten Österreichischen Architekten Friedrich Ohmann (1858-1927) gewonnen, der bereits mit einem Museumsneubau in Böhmen große Beachtung gefunden hatte. Den Gründungsdirektor Theodor Volbehr (1862-1931) hatte man aus dem führenden kulturhistorischen Museum der Zeit, dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, nach Magdeburg geholt. Er konnte sein Museumskonzept mit Sammlungen umsetzen, die bereits von dem Magdeburger Kunst- und Kunstgewerbeverein begonnen worden waren und für die der Berliner Generaldirektor Wilhelm von Bode höchstselbst auf einer Reise nach Italien und Frankreich Zukäufe im Auftrag von Oberbürgermeister Bötticher (1826-1895) getätigt hatte.

Die Ansprüche, die an Theodor Volbehr gestellt wurden und die er an sich selbst hatte, waren hoch. Die Magdeburger sollten Gelegenheit erhalten, sich in ihrem Museum Einblicke in die Kunst- und Kulturgeschichte Europas zu verschaffen und Verständnis für die Kunst der Gegenwart zu entwickeln. Um einen zentralen Saal, in der die Magdeburger Stadtgeschichte thematisiert wurde, sollte in Epochenräumen die Kulturgeschichte des Wohnens vom Mittelalter bis zur damaligen Jetztzeit gezeigt werden. Eine Gemälde- und eine Skulpturengalerie führten die Geschichte der Kunst von der Antike bis in die Moderne vor Augen.

 

Heute, in der Zeit des Reisens, hat sich die Aufgabe des Museums gewandelt. Nicht die Welt, oder zumindest Europa, soll in Magdeburg erfahrbar gemacht werden, sondern gezeigt wird vor allem die Geschichte Magdeburgs in ihren europäischen und internationalen Bezügen. Gemeinsam mit dem Museum für Naturkunde bildet das Kulturhistorische Museum heute ein Zweispartenhaus in dem historischen Museumsbau.

 

Doch die historischen Kunstsammlungen haben nach wie vor eine große Bedeutung für das Museum, auch wenn der Zweite Weltkrieg schmerzliche Wunden vor allem in die Gemäldesammlung gerissen hat. Für die Mitarbeiter des Museums war es daher eine große Freude, als die Künstlerinnen Juliane Laitzsch und Bärbel Schlüter den Wunsch äußerten, Objekte aus der Textilsammlung mit ca. 1.200 Textilien, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts europaweit gesammelt wurden, aus der Nähe zu betrachten und diesen Erkenntnisprozess in ihren künstlerischen Arbeiten sichtbar zu machen.

 

 

 

 

Ausstellung zu Ehren Harald Dörings

Der früh verstorbene Maler Harald Döring war lange Jahre Bürger der Stadt Halle. Er gehörte mit seiner ganz eigenen Sicht auf die Wirklichkeit zu den aussichtsreichsten Künstlern der 70-er und 80-er Jahre. Mit Erfolg wurden seine Stillleben, Landschaften, Porträts und Gruppenbilder im nationalen Rahmen, aber auch international mit Erfolg gezeigt und besonders geehrt. Sie sind auch heute noch aktuelle Zeugnisse künstlerischer Auseinandersetzung mit Spannungsfeldern im persönlichen und gesellschaftlichen Umfeld. In einer mehr und mehr gespaltenen Gesellschaft verdient Dörings Werk Dank seiner analytisch-psychologischen Sichtweise und Eigenständigkeit, ins aktuelle Bewusstsein gerückt zu werden. Die Ausstellung zeigt nicht nur ausgewählte Hauptwerke des Künstlers, sondern wegen ihrer besonderen Qualität auch das völlig unbekannte Frühwerk und die hohe Kunst der Zeichnung des Malers Harald Döring.

 

Harald Döring 1941 am 29. Mai in Neudorf (Pommern) geboren. Sohn eines Landwirts. 1946 Umsiedlung der Familie nach Löderburg im Kreis Staßfurt. 1947–1955 Besuch der Grundschule. 1955–1958 Lehre als Saatzüchter. 1958–1961 Besuch der Arbeiter- und Bauern-Fakultät in Rostock. 1961–1965 Studium am Institut für Kunsterziehung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. 1964 Einzelausstellung innerhalb des Institutes für Kunsterziehung. Antrag auf Hochschulwechsel mit Unterstützung durch Fritz Cremer und Willi Sitte. 1965–1969 Studium der Malerei an der Hochschule für Industrieelle Formgestaltung Halle Burg Giebichenstein bei Lothar Zitzmann und Willi Sitte. Es entstehen Gruppenbildnisse und Stillleben mit Kartoffelkraut und Gemüse. Einflüsse von Willi Sitte, daneben von Ronald Paris. 1969–1971 Freischaffend als Maler in Halle. Entwicklungsaufträge für die Chemische Industrie Buna/Leuna. Auseinandersetzung mit der Malerei Francis Bacons. 1971–1974 Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR bei Walter Womacka. 1972/1973 Studienaufenthalt in der Sowjetunion, Ausstellungen in Prag, Bratislava, Tallinn, Tbilissi, Wolgograd, Kiew, Leningrad und Moskau. Begegnung in den Museen von Moskau und Leningrad mit französischer Malerei der Moderne (Manet, Renoir). Ab 1975 lebt und arbeitet Döring auch in Langenstein (Harz). 1975/1976 Ausstellungen in St. Omer und Lille, Stockholm und Oslo. 1979 Einzelausstellung in der Staatlichen Galerie Moritzburg Halle (34 Bilder, 4 Zeichnungen). Ausstellung „Kunst aus der DDR. Bezirk Halle“ im Kunstverein Hannover. 1981 Ausstellung „Malerei und Grafik aus der Deutschen Demokratischen Republik“ in der Wiener Secession. 1983 Ausstellung „Elf Maler aus der DDR“ in der Kunstakademie Stockholm. 1986 Ausstellung in der Burg-Galerie Halle. Am 21. Dezember 1997 in Halberstadt gestorben.

Harald Döring zu Ehren

Der Maler und Zeichner Harald Döring (1941–1997) wird mit einer Werkschau von seinen Künstlerkollegen Rolf Müller und Lutz Grumbach in unseren Räumen am Neuwerk 11 gewürdigt. Der früh verstorbene Döring war lange Jahre Bürger der Stadt Halle. Er gehörte mit seiner ganz eigenen Sicht auf die Wirklichkeit zu den aussichtsreichsten Künstlern der 70-er und 80-er Jahre. Die Ausstellung mit Arbeiten aus allen Schaffensphasen wird vom 24. Juni bis 5. Juli 2020 zu sehen sein.

 

 

 

 

 

 

Die Stofflichkeit der Dinge – Interview mit Bärbel Schlüter

Hatten Sie sich vor dem Projekt schon einmal mit dem Thema Textilien befasst?

Die Stofflichkeit der Dinge, die Untersuchung von Materialität, das Ausloten von Innen-/Außen-Bezügen sind Aspekte meiner künstlerischen Arbeit. Mich interessieren Gesten des Machens wie das Knoten, Schnüren, Schichten, Legen, Stellen, Fallenlassen. Historische Textilien sind erstmals der Anlass für ein künstlerisches Vorhaben.

Sie haben sich den Inventar-Karten sehr ausführlich gewidmet?

Die kleine Gruppe der Quasten sind 1892 von Wilhelm von Bode angeschafft worden. Seither lagern sie im Depot und waren für ein Publikum nicht öffentlich zugänglich. Einen Einblick in das Eigenleben der jeweiligen Quaste als Museumsstück geben die Notizen und Fotografien der Inventarkarten. Die verschiedenen Fotografien, die über die Zeit von mehreren Personen zur Identifizierung des Gegenstands angefertigt wurden, bilden ab und geben zugleich das Sammlungsstück zu sehen. Dieses Wechselspiel von sachlicher Reproduktion und subjektiver Fotografie habe ich in meinen Arbeiten aufgegriffen.

Warum haben Sie 3D-Drucke angefertigt?

Im Rahmen von Museumsausstellungen wurden einst historische Quasten als Ausstattungstücke neben Kunstwerken gezeigt (z. B. als Beschwerung von dicken Kordeln und Seilen, die zur Verspannung von historische Teppichen auf Museumswänden verwendet wurden) oder als Anschauungstücke einer Mustersammlung, die zur Nachahmung anregen sollten. In der Skulpturen-Serie greife ich das Thema der Reproduktion von musealen Sammlungsstücken auf, allerdings wird die Knotenstruktur verwandelt durch die Übertragung in ein festes Material und die zirka zweifache Vergrößerung. Vor dem Hintergrund historischer Ausstellungen interessiert mich, die Präsenz der Quasten ins Spiel zu bringen. Deren jeweiliges Abbild zeigt die Quaste im Zustand der Lagerung, und zwar als Liegende.

Sie sind eigentlich Bildhauerin – wie kam es zu Ihrer Beteiligung an dieser Ausstellung?

Bezugspunkte meiner künstlerischen Arbeiten sind Beobachtungen zu Zusammenhängen von Objekt und Umraum und zum Potential von Übergangsräumen wie beispielsweise Korridore, Keller, Bahnhöfe. Das Museumsdepot wird heute im wissenschaftlichen Diskurs als Möglichkeitsraum verhandelt; diese Frage aus der Nähe zu betrachten, hat mich gereizt. Teil des Projektes waren regelmäßige Treffen im Kulturhistorischen Museum, das Textilmagazin war in mehrfacher Hinsicht der Ort der Begegnung und (Ver-)Handlungsraum.

 

Bärbel Schlüter studierte Freie Kunst, Kunstpädagogik und Kunstwissenschaft und arbeitet an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. In ihren künstlerischen Arbeiten sowie kunstwissenschaftlichen Untersuchungen hinterfragt sie das Verhältnis von Objekt und Umgebung und die Wechselwirkung von Installation, Raum, Ort und Publikum. Ein Schwerpunkt bildet die Aufmerksamkeit für Potentialitäten von Zwischenräumen, ausgestellt in Installationen für Kellerräume (Galerie 13 Hannover, Galerie Signum Heidelberg) oder mit Fassaden (Allgemeiner Konsumverein Hannover, Kunsthalle Lingen). 2013 promovierte sie zum Thema der künstlerischen Interventionen mit der Dissertationsschrift „Im Raum der Fassade: temporäre Installationen“. Die Künstlerin arbeitet seit 2001 vielfach in interdisziplinären Kontexten: als künstlerische Mitarbeiterin an der Fakultät für Architektur und Landschaft der Leibniz Universität Hannover, als Gastwissenschaftlerin am Institut für Kunst und Gestaltung der TU Wien , als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstwissenschaft an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK), als Co-Organisatorin der Tagung „Muster im Transfer“ an der HBK Braunschweig und als Fellow des Workshops „Kunst und Wissenschaft in Bewegung“ der VolkswagenStiftung. Seit 2015 verwaltet sie die Professur Freie Kunst mit dem Schwerpunkt Kunstvermittlung an der HBK Braunschweig. www.atelierhaus-hannover/baerbel-schlueter.de

 

Auf den Spuren der Geschichte – Interview mit Juliane Laitzsch

Frau Laitzsch, wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Kulturhistorischen Museum in Magdeburg?

 

Ich hatte mich vorher noch nie mit spätantiken Textilien befasst. Vor etwa 10 Jahren schon bekam ich das Angebot, mir die Textiliensammlung des Museums anzuschauen. Als ich die Fragmente sah, konnte ich mir nicht vorstellen, dass es einst prächtige Stoffe waren. Ich habe dann zusammen  mit Bärbel Schlüter und zwei Wissenschaftlerinnen ein größeres Projekt über die Sammlung geplant. Daraus wurde zwar nichts, aber das Projekt war bereits so weit fortgeschritten, dass es in Zusammenarbeit mit dem Museum zur Planung der Ausstellung kam. Inzwischen habe ich so viel Material – viel mehr, als jetzt in Magdeburg gezeigt werden kann -, dass daraus ein Dissertationsvorhaben entstanden ist. Die Ausstellung ist ein Teil davon. 

 

Wie sind Sie an die Arbeit herangegangen?

Ich kam zunächst aus dem Staunen nicht heraus, was ich da eigentlich sehe. Und das, worüber ich staune, zeichne ich. Die Fragmente der Stoffe stammen aus der Spätantike. Die Anordnung der Stofffragmente in sechs Holzrahmen stammt aus dem 19. Jahrhundert. Ich war eine Woche in Magdeburg und konnte mir die Stücke genau angesehen und habe dabei festgestellt, dass die einzelnen Rahmen entgegen dem ersten Eindruck in ihrer Machart doch unterschiedlich waren. Das hat mich gewundert und war wieder ein Anlass zu zeichnen.

 

Sie haben einzelne Ausschnitte aus den Fragmenten stark vergrößert gezeichnet. Wie sind Sie dafür vorgegangen?

Ich habe zunächst kleinere Formate gezeichnet, aber die hätten die Ausstellung in Magdeburg in den großen Räumen nicht getragen. Ein Teil dieser Bilder wird demnächst in Taiwan ausgestellt. Für Magdeburg habe ich die Details jeweils doppelt gezeichnet, ausgehend von Fotografien aus jeweils leicht veränderter Perspektive, und die Zeichnungen dann nebeneinander gestellt. Ich versuche damit, den Moment, bevor wir uns ein Bild von den Dingen machen, den Moment, in dem wir noch nicht wissen, was wir sehen, zu umtanzen. So sind auch die Text-Zeichnungen entstanden: Manche erzählen über die Stoffe, manche sind Zitate von Zitaten, die sich widersprechen. Hinter meiner Textauswahl steht die Frage: Woher weiß ich, was ich weiß?

 

Sie waren im Rahmen eines Aufenthaltsstipendiums der Kunststiftung in Kairo. Wo haben Sie dort weitere Teile der koptischen Stoffe gefunden?

 

In drei Museen: dem Koptischen, dem Ägyptischen und dem Textilmuseum. In der Magdeburger Ausstellung sind Fotos zu sehen, die auf die Museen in Kairo verweisen. Dort wurde auch bestätigt, dass es sich bei den Textilien zum großen Teil um Mumienverhüllungen handelt. Es war sehr wichtig für mich, die Stücke nicht nur in Büchern zu sehen, sondern auch in ihrer ursprünglichen, mir fremden Umgebung. So konnte ich ein Raumgefühl entwickeln.

 

 

Sie haben in Ihren Teil der Ausstellung ein Bild von Eugen Bracht integriert und sein Atelier gezeichnet. Warum dieser Künstler?

Es gibt eine lange Tradition von Künstlern, nach Ägypten zu reisen. Heute wird das im Zuge der Postkolonialismus-Debatte kritisch gesehen. In diesem Zusammenhang wollte ich auch mein eigenes Tun reflektieren. Für Eugen Bracht habe ich mich entschieden, weil sein Bild Teil der Sammlung des KHM ist. Er  passte gut, weil er bei seiner Arbeit ähnlich vorgegangen ist wie ich. Über Fotos und Skizzen, die später im Atelier ausgearbeitet werden.  So bin ich auch auf die Aufnahmen seines Ateliers gestoßen. Dessen textile Verhüllung fand ich faszinierend, für einen Maler, der Weite und mächtige Landschaften malt. Und mir gefällt auch, dass Eugen Bracht ein anerkannter Hobby-Paläontologe war mit Ehrendoktorwürde. Er hat die Spuren von Geschichte in der Landschaft gesucht. 

 

Juliane Laitzsch studierte in Bremen und Berlin Bildhauerei. Ihr Hauptmedium ist die Zeichnung. Ausgehend von einem Interesse für das Werden und Vergehen, für den Verfall und die Frage, wie eine Auseinandersetzung mit einem Objekt aus einer „anderen“ Zeit möglich ist, befasst sie sich mit historischen Objekten. Die Zeichnung dient ihr hierbei als ein Medium der Annäherung und Verlangsamung. Dabei gilt ihre Aufmerksamkeit dem Prozess des Zeichnens, seiner Eigendynamik, seinen Rhythmen, Resonanzen und Rückkoppelungen.

Zeichnungen von Juliane Laitzsch befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen. Sie war u.a. Stipendiatin des Berliner Senats, des Landes Mecklenburg-Vorpommern und der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt. Juliane Laitzsch lebt und arbeitet in Carlow. www.julianelaitzsch.de

Bildteppich zierte einst einen Herrscherpalast

Wer die großartigen Ausstellungen der Arbeiten von Bärbel Schlüter und Juliane Laitzsch zu koptischen Stofffragmenten sowie Knoten und Quasten aus der Zeit der Renaissance anschauen möchte, durchschreitet zunächst einen Raum der Dauerausstellung, die den historischen Kunstsammlungen gewidmet ist. Beschäftigen sich die beiden Künstlerinnen mit einigen der kleinsten textilen Sammlungsobjekte, so werden in diesem Saal mit zwei wandfüllenden Bildteppichen einige der größten und repräsentativsten Textilien der Sammlung präsentiert.

Einer davon ist Vertumnus und Pomona, Bildwirkerei, Wolle und Seide, durchwirkt mit Gold- und Silberfäden

358 cm x 400 cm

Brüssel, 1. Drittel 17. Jh.

Zeichen der Bildwirker Jan Raes I. (1610-1634) und Jakob Geubels

 

Der Bildteppich stellt eine der Verwandlungsszenen dar, die der antike Autor Ovid in seinen Metamorphosen, Buch 14, Vers 623 bis 771 schildert. Zu sehen sind die Baumnymphe Pomona und der Gott der Jahreszeiten und Wandlungen Vertumnus in einem von Arkaden gegliederten Garten. Da Pomona sich ausschließlich der Gartenarbeit widmete und an Männern kein Interesse zeigte, näherte sich der verliebte Vertumnus ihr in unterschiedlichen Gestalten, um ihr bei der Gartenarbeit zu helfen. In seiner wahren Gestalt kann er sie schließlich für sich gewinnen.

 

In der Zeit der Renaissance brach in Europa eine neue Gartenleidenschaft aus. Zahlreiche Zierpflanzen wie die Tulpen, die einen wahren Tulpenboom auslösten, aber auch Gladiolen, Platanen und auch der Flieder wurden im 16. Jahrhundert in Europa eingeführt und von Königen und Fürsten gesammelt. Kein Wunder, dass sich Teppichserien zu der Erzählung Ovids von Pomona und Vertumnus großer Beliebtheit erfreuten, konnte man durch sie doch einen ganzen Saal wie einen Garten erscheinen lassen. 1548 erwarb die Statthalterin der Niederlande Maria von Österreich, die Schwester Kaiser Karls V., einen solchen Zyklus bei den renommierten Brüsseler Bildwirkern. Im Kunsthistorischen Museum in Wien hat sich eine Serie von neun Bildteppichen zu den Verwandlungen des Vertumnus und der Jahreszeiten aus dem Besitz der Habsburger erhalten. Weitere unvollständige Wiederholungen derselben Bildfolge befinden sich im Nationalen Patrimonium Spaniens in Madrid. Sie sind mit unserem Magdeburger Teppich eng verwandt, der sicher auch ursprünglich zu einem Zyklus gehörte. Betrachtet man ihn aus der Nähe, so sieht man an den reifen Früchten und Weintrauben, dass er für die Jahreszeit des Spätsommers stand.

 

Zu Recht war der erste Direktor des Museums, Theodor Volbehr, stolz, dass er 1913 diesen kostbaren Bildteppich, wie er einst Herrscherpaläste zierte, aufgrund der großzügigen Finanzierung durch die Magdeburger Unternehmerin und Mäzenin Selma Rudolph (1853-1931) für das Haus erwerben konnte.

Aus der Nähe betrachtet von Juliane Laitzsch und Bärbel Schlüter

In drei angrenzenden Räumen ist die Ausstellung „Aus der Nähe betrachtet“ im Kulturhistorischen Museum Magdeburg untergebracht. Im Zentrum, einem abgedunkelten Raum, sind Teile der Textiliensammlung des Museums zu sehen, die Ausgangsobjekte für die Betrachtungen der Künstlerinnen. Davon ausgehend, öffnet sich nach zwei Seiten je ein lichtdurchfluteter Saal; und darin nun sind die Werke der beiden Künstlerinnen zu sehen, die sich auf ganz unterschiedliche, überraschende Weise den historischen Stoffen genähert haben.

Die künstlerische Intervention Bärbel Schlüters widmet sich einer kleinen Gruppe von 16 Quasten aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die Künstlerin, die häufig installativ arbeitet, hat dabei vor allem die Aufbewahrung der Stücke interessiert. Wie sind sie untergebracht? Woher stammen sie? Was hat sie als Sammlungsobjekte interessant gemacht? Bärbel Schlüter eröffnet diesen Blickwinkel, indem sie die Inventarkarten des Museums zeigt; diese enthalten nicht nur Notizen, sondern auch detailgetreue Abbildungen der Objekte – wichtig schließlich für ihre Wiedererkennbarkeit.

Ästhetisch am interessantesten sind die großen Tableaus, auf denen die textilen Schmuckstücke aus der Renaissance in ihrer alltäglichen Umgebung gezeigt werden. In einen Kokon aus Seidenpapier eingehüllt, seit Jahrzehnten verborgen und nun plötzlich in Licht getaucht liegen sie dort, ein nahezu anrührendes Bild. Einige der Quasten zeigt Bärbel Schlüter noch einmal auf großformatigen Abzügen und ermöglicht so einen genauen Blick nicht nur auf die Stücke selbst, sondern schärft ihn auch für das Kunsthandwerk – für die kleinen Knoten und Schlingen, die Farbigkeit und die Stoffe. Ein Blick, der beim bloßen Betrachten der recht kleinen Originale so kaum möglich wäre.

Wiederum eine ganz andere, neue Präsentationsform ist Bärbel Schlüter gelungen, indem sie einige der Quasten mit dem 3D-Drucker in zweifacher Vergrößerung reproduziert hat. Wie verblasste Korallen muten die Stücke an, perlmuttern schimmernd liegen sie in den Vitrinen und sind kaum wiederzuerkennen.

 

Einem anderen Teil der Textiliensammlung des Museums, koptischen Stoffen, hat sich Juliane Laitzsch gewidmet. Die Bildhauerin, Stipendiatin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt und schon lange von Textilien fasziniert, hat sich den antiken Stücken von vielen Seiten genähert. Da wären zum einen die stark vergrößerten Zeichnungen einzelner Fragmente, Muster, auch Fehlstellen in den Originalen. Juliane Laitzsch hat sie auf Baumwollstoff gezeichnet und durch die Sichtbarmachung winzigster Details eine „Schule des Sehens“ eröffnet. Was sehe ich da eigentlich? Auf der Suche nach der Antwort hat die Künstlerin auch die Rückseiten der Rahmen aus dem 19. Jahrhundert, in denen die antiken Stoffstücke mosaikartig angeordnet sind, betrachtet. Und dabei festgestellt, dass entgegen der ersten Wahrnehmung ein jeder unterschiedlich ist.

Der Unterschiedlichkeit nicht nur der Stoffe selbst, sondern auch ihrer Betrachtung und Beschreibung hat sich Juliane Laitzsch in einer weiteren Bildserie gewidmet. Aussagen von Wissenschaftlern hat sie dort einander gegenübergestellt, deren Widersprüchlichkeit sie faszinierten.

Wiederum einen neuen Blick eröffnet die Künstlerin mit der Integration des Ölbildes „Der Berg Sinai“ von Eugen Bracht (1842-1921), einem Landschaftsmaler, der selbst zweimal in Ägypten war und wie Juliane Laitzsch auch seine Bilder im Atelier gemalt hat. Jenes Atelier selbst hat die Künstlerin ebenfalls gezeichnet, nach Fotos. Faszinierend daran: die Fülle der Textilien im Raum. Teppiche, Decken und lange Vorhänge und daran: Quasten.

Im Rahmen eines Arbeitsstipendiums der Kunststiftung war Juliane Laitzsch in Vorbereitung des Projektes in Kairo, um zu sehen, was die Magdeburger Textilien mit ihrer Herkunft verbindet. Fotografien der Stoffe aus dem Koptischen Museum hat sie in die Ausstellung integriert.

 

Für die Schau im Magdeburger Kulturhistorischen Museum hätte es keinen besseren Titel als „Aus der Nähe betrachtet“ geben können. Vielleicht noch „neu betrachtet“. Oder „anders“. Allein die  originalen Textilien, die bislang der Öffentlichkeit noch nie präsentiert wurden, sind faszinierend. Die Herangehensweise der beiden Künstlerinnen an das Projekt, ihre Auseinandersetzung mit dieser Form des Kunsthandwerks aber ist fesselnd.

Kunst aus Stoff, so noch nie gezeigt

Niemand weiß, wer die kunstvollen Quasten hergestellt hat. Frauen aus Italien, so wird vermutet, deren Namen nicht überliefert sind. Auch ist nicht bekannt, ob es Mustervorlagen für ihre Herstellung gab oder ob die Technik von Mund zu Mund, von Generation zu Generation weitergegeben wurde. In Heimarbeit wurden die Quasten hergestellt, möglicherweise in Venedig, im 16. Jahrhundert. Die aus Kordelfäden geflochtenen und geknoteten Bündel waren einst begehrte Verzierungen von Kleidungsstücken und Wohntextilien. Sie befinden sich in der Textilsammlung des Kulturhistorischen Museums Magdeburg. Den Eintragungen im Inventarbuch lässt sich entnehmen, dass ein Großteil von ihnen 1892 von Wilhelm von Bode anlässlich des Aufbaus einer städtischen Kunstgewerbesammlung in Magdeburg erworben wurde. Seit ihrem Eingang in die Sammlung des Museums lagern sie im Depot und waren nicht für ein Publikum zugängig.

 

16 von ihnen sind in der Ausstellung „Aus der Nähe betrachtet“ nun im Museum zu sehen. Kleine Leinenquasten vorwiegend, einst als Schmuckstücke an der Kleidung getragen. Im Magdeburger Rathaus ist als Leihgabe des Museums ein Bild von Otto von Guericke zu sehen, der an seinem Hemd eben solche Quasten trägt!

 

Die Stücke sind allesamt geknotet, aus Baumwolle und Leinen. Ihre Farben sind meist verblasst. Manche von ihnen wurden kombiniert mit Stücken kunstvoll bestickten Seidenstoffes. Die größeren unter den Quasten, möglicherweise als Züge an Vorhängen oder Klingeln genutzt, enthalten einen Holzkern oder Spiralen mit Metalleinlagen. Keine Quaste gleicht bei genauem Hinschauen wirklich einer anderen, allesamt aber sind sie kleine Kunstwerke.

 

Zur 1200 Exponate umfassenden Textilsammlung des Kulturhistorischen Museum gehören außerdem 63 aus Ägypten stammende spätantike Stofffragmente aus dem 4. bis 6. Jahrhundert. Sie sind die ältesten Stücke der Sammlung. Im 19. Jahrhundert wurden in Nordafrika große Wüsten-Gräberfelder, die Mumien aus dem 3. bis 8. Jahrhundert beherbergten, entdeckt. Im Rahmen von „wissenschaftlichen“ Grabungen wurden von den gefundenen Textilien meist nur die Zierelemente mitgenommen und diese häufig noch mehrfach geteilt und so auf den Kunstmarkt gebracht Die Fragmente aus dem Besitz des Museums in Magdeburg sind vergleichsweise klein und sehr verschieden. Sie sind in sechs unscheinbaren, 29 mal 39 Zentimetern großen Holzrahmen dicht und zum Teil überlappend montiert. Die Montagen wurden 1889 direkt vom Kunsthändler, Sammler und Archäologen Robert Forrer angekauft und seitdem nicht verändert.

 

Die koptischen Stoffreste muten in ihrer Anordnung an wie kleine Mosaike. Auch ihre Farben sind weitestgehend verblasst oder verändert, ihre Gestaltung aber ist gut zu erkennen. Figürliche Abbildungen sind darauf oder Buchstaben. Wozu die Stoffstücke einst gehörten, kann nur vermutet werden. Ein Teil, einst purpurfarben, war dem Anschein nach Teil einer Tunika.  Andere Stücke dienten möglicherweise als Mumienverhüllungen.

 

Die Quasten und die koptischen Stoffreste sind Teil der Ausstellung „Aus der Nähe betrachtet“. Sie werden präsentiert im mittleren von drei Räumen. Die Künstlerinnen Bärbel Schlüter und Juliane Laitzsch haben sich den bisher noch nicht der Öffentlichkeit präsentierten Stücken auf ganz unterschiedliche Weise genähert. In den beiden benachbarten Räumen stößt der Betrachter wieder auf sie – in ganz unerwarteter Weise.

 

 

6. Jahresablesung, digital

Mit einem ganz neuen Format präsentiert die Kunststiftung Sachsen-Anhalt ihre nächste Veranstaltung: Die „Jahresablesung“, nunmehr die sechste dieser Veranstaltungsreihe, wird im Livestream übertragen.  Am 28. Mai um  19 Uhr werden sechs Stipendiaten aus noch unveröffentlichten Romanen, herzerwärmende  Gedichte oder fesselnde Erzählungen vorlesen, die im Rahmen von Arbeitsstipendien der Kunststiftung entstanden sind. Mit dabei sind Susanne Wiermann, Matthias Jügler Klaus-Rüdiger MaiWahid Nader, Marco Organo und André Schinkel. Moderiert wird die Veranstaltung von der MDR-Kulturredakteurin Anne Sailer. Die Direktorin der Kunststiftung, Manon Bursian, wird einleitende Worte sprechen, und per Video schaltet sich der Vorsitzende des Stiftungsrates und Kulturstaatsminister Sachsen-Anhalts, Rainer Robra, zu.

Aufgrund der aktuellen Kontaktbeschränkungen wird die Veranstaltung auf digitaler Bühne stattfinden, der entsprechende Link ist hier und auf der Homepage der Kunststiftung zu finden. Ebenfalls wegen der geltenden Einschränkungen werden die Schriftsteller, die nicht in Halle leben, per Video zugeschaltet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

19. Mai 2020
Kunststiftung Sachsen-Anhalt
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André Schinkel – Der Nachtigallschlag

Als Güntherson erwachte, war alles unverändert. Seit Wochen die Schwebe. Lediglich der Himmel schien ihm etwas heller als sonst.

Mühsam raffte sich Güntherson hoch, überlegte, ob er den Tag, der ein Mittag war, mit Kaffee beginnen möchte oder mit dem, womit er in der Nacht aufgehört hatte: Longdrinks aus seinen schwindenden Wein- und Spirituosenvorräten, mit Eis und Limone passend, auch weniger passend garniert.

Er entschied sich, als er den Rest des üblen Brands vom Vorabend in die dunkle Filterbrühe laufen ließ, für einen Zwischenweg – auch wenn er jeden ›Morgen‹ so tat, als würde er sich die Frage wieder und wieder stellen, hatte er es doch eben wieder auch und genauso gemacht, und es schüttelte ihn.

Nun durfte der restliche Tag kommen.

Außer den sich entfernenden Sirenen und dem Hubschraubergeräusch – das er noch vom kein halbes Jahr zurückliegenden Anschlag in seiner Straße kannte – lag die Stadt still und schien seit Langem schon die Luft anzuhalten. Aber just das sollte sie nicht, wenn man den unaufhörlich wispernden Sondersendungen im Radio und in den Netzen Glauben schenken mochte: Irgendwann wäre kein Raum mehr, sie zu beatmen, so schallte es langsam im abklingenden elektrischen Stimmengewirr nach. Die Angst, die Ruhe, das Neue, die plötzliche Unmöglichkeit der einfachsten Dinge hatten sich nicht nur in Güntherson seltsam vermischt.

Und dieses Miteinander-vermengt-Sein, es klang in ihm, seiner ihm lange leer und still vorkommenden Behausung lange noch nach. Jeden Abend, bevor er begann, sich seine abenteuerlichen Longdrinks zu mixen, zündete er eine Kerze an im westlichen Erker seiner Wohnung, es war – neben den Sternen, Orion und die Plejaden, viele Nächte seine einzige Unterhaltung. So hatte er viele Stunden verbracht, unfähig, zu denken, zu notieren und am Plot seines brachliegenden Romans zu bauen; wofür er nun Zeit gehabt hätte, was ihm aber schlichtweg nicht von der Hand ging. Was hätte er sonst für diese Zeit gegeben. Aber das sollte sich ändern, sagte er, noch leis, und seine Gedanken redeten nun lauter davon.

Täglich, wenn der sanfte Kater verrauscht war, suchte er sich zu erinnern. Seit die Überlebenshilfen eingetroffen waren, sah er auch das ihn direkt Umgebende wieder klarer. Seiner anfänglichen Zögerung, hinauszugehen, war nun die allfällige Maskierung gewichen. Die Wege schienen unter diesem seltsamen Stoffatem weiter; und seiner sowieso zögerliche Anteilnahme an der Welt hatte sich zunächst noch einmal verlangsamt. Das Trinken und Warten und Hinaussehen, hatte er sich über Wochen gesagt, es möge ihm genügen. Kaum erinnerte er sich. Erinnern. Das war, als noch ein Rest Hoffnung bestand. Nur immer Ludmilla hatte er geschrieben, nicht wissend, ob, hoffend, daß sie seine Briefe erreichten.

Es war ihm wichtig geblieben; er hatte sie in dieser Krise verloren: ihre Schwebe hatte sich durch diese alles greifende Krise geklärt. Auch heute, wenngleich es erst auf den Nachmittag zuging, setzte er sich und schrieb an Ludmilla. Sie antwortete ihm nicht, nicht mehr, aber er antwortete ihr jeden Tag.

Still. Ohne Vorwurf. Und erzählte ihr, wovon er hörte, in den wenigen Telefonaten, die ihn erreichten. Die Natur erholte sich, er hörte von Schmätzern, Schwarzkehlchen und Wiedehopfen, die vor der Stadt brüteten, wieder brüten sollten. Und dem Pirolpaar, das auf dem Nordfriedhof eingezogen war.

Pirole, um diese Zeit, inmitten der Stadt. Wenn das kein Zeichen war. Vor seinem Fenster sangen die Amseln, immerhin, als wäre nichts geschehen. Die Mauersegler waren aus dem Süden zurück und schrillten über die Dächer. Und zum Fluß hin, stellte er sich vor, sangen die Nachtigallhähne.

Im weiteren Umland der Kuckuck, wie er versuchte, in wenigen Wochen die Nester der anderen Gefiederlinge zu füllen. Und er? Wenn er so an Ludmilla schrieb, war er dann nicht selbst auch ein Nachtigallhahn?

Wahrscheinlich. Bei den Briefen hatte ihn mehr und mehr eine traurige, aber doch eine Art andere Ruhe überkommen als die, die ihn nun schon Wochen umgab. Als nun die Anfrage kam, sich an einem Abend, mit aller Vorsicht, zu treffen, wußte er, es würde vielleicht sein letzter Brief an Ludmilla sein.

Vielleicht wäre nun anderes wichtig.

Er setzte den Stift ab, betrachtete die Seiten mit seiner Schrift, legte sie in ein Kuvert und ließ es auf dem Schreibtisch liegen.

An diesem Abend würde Güntherson, bei aller Vorsicht, nicht allein sein müssen, sagte er und wunderte sich, wie er sich mit Namen ansprach. Einmal noch hatte er mit Ludmilla gesprochen, still, ohne Vorwurf.

Nun zog er sich an und sah durch das Fenster auf die noch helle Straße, wiegte den Kopf über das maskierte Treiben, atmete durch und versah sich selbst mit dem von nun an obligatorischen Gesichtsputz.

Dann ging er los. Sein benutztes Leben ließ er in der Spüle seiner Küche zurück. Es würde, wenn er wiederkäme, immer noch da sein.

 

 

Marco Organo – Der Fehler im System

Heute hab ich einen sehr guten Freund besucht.

– Im Moment und schon seit Wochen ein Satz, den man eher selten hört, aber trotz Virus ist es ja wieder möglich. –

 

Es war allerdings nicht nur der freundschaftlichen Sehnsucht wegen. Er musste Nadelbäume fällen lassen und wir haben gemeinsam Holz gespalten. Auf dem Rückweg wollte ich nachsehen, ob mein Lieblingsgrafitto noch an der Wand eines Nebengebäudes der Anatomie am Steintor zu finden ist. Es fragt ganz schlicht:

 

Wo ist der Fehler im System?

å                æ

Hier oder        Hier?

 

 

Zugegeben, eher allgemein gehalten, lässt sich dafür aber auf fast jede Situation münzen, also warum nicht auf die aktuelle?

 

Nach zwei Wochen „Leben“ zwischen den eigenen vier Wänden und dem Kiez-Penny inklusive leicht gravitätischem „Danke!“ beim Bezahlen an der Kasse habe ich überhaupt das Reileck mal wieder gesehen. Ich habe mich einfach brav an die Beschränkungsregeln gehalten, bis ich auf die galoppierende Verdorrung bei gleichzeitig wachsenden Selbstzweifeln keine Lust mehr hatte. Natürlich habe ich viel mit Freunden und Familie telefoniert, der Osterbesuch bei den Eltern war auch möglich, im Dichterkreis haben wir neue Texte per Videokonferenz besprochen, aber es war einfach nicht dasselbe…

Keine Aufträge, keine Öffnungszeiten, keine Bühnen, kein Publikum, Existenzen am Abgrund, hustende Jogger, argwöhnische Blicke…

Und jetzt? Politisch verschiedenfarbig in die Welt schielende Rotten, die sich das Bastelmaterial für ihre Meinungspappe vom Amazon-Lieferanten auf die Türschwelle stellen lassen, um dann gegen leider doch vernünftige Anstrengungen gegen die Verbreitung des Virus zu pöbeln und gegen Journalisten zu prügeln.

Ich habe einfach nicht allzu oft Nachrichten gehört, gelesen oder gesehen und glaube also nicht, dass Bill Gates das Virus aus dem Urin der weltbeherrschenden Reptiloiden gezüchtet und per Drohne über Wuhan abgeworfen hat.

 

Jetzt isses so, dass auch die Literaturnacht gestreamt wird. Ich freu mich drauf und bin auf das, was die MitstipendiatInnen zu bieten haben, gespannt und hoffe, dass einmeterfuffzig nicht das neue nah ist.

Bis dahin einfach öfter Hände waschen:

 

Hände

 

Ich stehe im Bad,

schaue in den Spiegel:

die Ringe unter den Augen

sind dunkel und tief.

 

Die Seife aus Honig und Milch

hat genauso tiefe Risse,

und ich fang‘ an zu murmeln:

„Es ist nicht meine Schuld!“

 

Ich wasche und wasche.

Seife die Finger sehr

gründlich ein und frage

nicht wen, sondern „Was

 

habe ich heute schon

berührt?“ Murmel weiter:

„Noch nicht, noch nicht,

immer noch nicht…“

 

Wirklich sauber.

 

 

und lieber mit Whiskey als mit Chlorix gurgeln.

 

Matthias Jügler – Ein Kleingärtner

Im November vergangenen Jahres habe ich mir zusammen mit Susann einen Garten angeschafft. Meine Idee war das nicht gewesen, aber weil Susann so vehement darauf bestanden hatte, habe ich schließlich eingewilligt – unter der Bedingung, dass ich keinen Finger rühren muss und der Garten für mich ausschließlich Ort zum Schreiben oder Kaffeetrinken oder Ihr-bei-der-Arbeit-Zusehen ist. Das war in Zeiten, da Corona nur ein Bier war, an dem ich mit großem Abstand im Supermarkt vorbeigegangen bin.

Nun hatten wir also diesen Garten, der Winter verging, ich hatte unsere Parzelle fast schon vergessen, als mich Susann darauf aufmerksam machte, dass wir nun so langsam mit der Arbeit beginnen müssten: Die Hütte muss entrümpelt werden, das stinkende Chemieklo aus dem Anbau – schnell weg damit! Das mannshohe Schilf, das inmitten der Wiese wuchert: raus, alles! Ebenso die Blumen, die giftig sind, wie uns eine Gartennachbarin am Zaun stehend sagte – dabei unheilvoll auf unsere Kinder blickend, die gerade an Steinen leckten und dumm grinsten. Die maroden Latten des Baumhauses müssen ausgetauscht werden. Die Hütte? Pfui, wie das aussieht! Streichen! Sichtschutz? Am Zaun brauchen wir einen Sichtschutz! Die Erdbeerpflanzen sind alt, die tragen nicht mehr. Raus damit, neue rein. Überhaupt: Zeit, die Samen in die Anzuchterde zu bringen, damit Mitte Mai alles in die Beete kann. Beete? Betonplatten weg, umgraben, alles! Und so weiter, und so weiter.

Es gibt Leute, die sagen, die Pandemie, die fehlende Kinderbetreuung, all das habe ihr Liebesleben ins Wanken gebracht. Trennung, Scheidung, böse Briefe. Wenn es bei uns eine Krise gab, dann ganz sicher ein paar Wochen, bevor alles von Corona sprach. Genauer gesagt an jenem Zeitpunkt, da ich feststellen musste: Susann hatte mich an der Nase herumgeführt. Ich kann mich doch nicht vor der Arbeit drücken. Ich redete ein paar Tage kein Wort mit ihr. Zumindest hatte ich es mir vorgenommen.

Dann verbreitete sich der Virus, schließlich kamen die Kontaktverbote, die Kita meines Sohnes machte zu, die Leute hamsterten, mein Nachbar, ein seriös aussehender, gutmütiger Mann mittleren Alters, kaufte sechsundzwanzig Dosen Hundefutter – irgendwann werde ich ihn fragen, was er, haustierlos wohlgemerkt, damit eigentlich wollte – und wir waren in unserer Wohnung gefangen, hatten miese Laune, waren genervt von unseren immer weinenden, immer unterforderten YouTube-Kinderfilm-süchtigen Kindern und schlidderten schnurstracks auf eine Ehekrise zu.

Dieser Zustand hielt ungefähr fünfzehn Minuten an. Dann sagte ich etwas, das selbst mich überraschte: Lasst uns den Garten auf Vordermann bringen! Und das machten wir auch. Laut Verordnung des Freistaats Sachsen war das legal, ein triftiger Grund also, das Haus zu verlassen, jedenfalls solange wir dort für uns waren. Das roch nach Freiheit, irgendwie, immerhin, und überhaupt. So zupfte ich Unkraut, anstatt mit anderen Fußball zu spielen, schnitt Büsche zurück, anstatt mit Freunden zusammen zu sein, und so weiter, und so weiter.

Eine wundersame Verwandlung hat da begonnen. Ich bin innerhalb weniger Tage vom Kleingartenmuffel zum Auberginenvorzieher und Gewächshausbauer geworden.

Vor ein paar Tagen regnete es heftig, Susann und die Kinder saßen im Wohnzimmer, tranken lauwarmen Tee und puzzelten. Obwohl an Gartenarbeit nicht zu denken war, habe ich mich aufs Rad geschwungen und bin zu meinen Jungpflanzen gefahren – Tomate, Paprika, Aubergine, Kürbis, Bohne, Süßkartoffel und vieles mehr – und habe sie mir angesehen, nichts weiter gemacht als genau das, wurde von Kopf bis Fuß nass dabei, und bin dann euphorisiert über das Wachstum, für das ich (und Susann, zugegeben) verantwortlich waren, wieder nach Hause gefahren.

Covid-19, nein, da gibt es nichts schönzureden, das ist und bleibt großer Mist, das verändert die Welt sicher nicht zum Positiven. Aber ich, immerhin, habe mich verändert, bin endlich kein Stubenhocker mehr, sondern das, wovon meine Mutter immer schon geträumt hat, als sie mich im Kindesalter zum Unkrautzupfen verdonnert hat: ein Kleingärtner.

Susanne Wiermann – Grenzerfahrungen

Früher überschritt ich ständig Grenzen. Auch erzieherische, klar, mit sechs Geschwistern und einem Pulk von Freunden eroberten wir den Wald hinter unserem Haus, bauten schwankende Buden in Baumwipfeln, zwängten uns in ehemalige Abwasserrohre voller Krötenschleim und übertrumpften uns mit Mutproben: eine fast senkrechte Kante quasi im freien Fall herunter radeln, in der Dämmerung alleine durch einen langen, dunklen Tunnel laufen, verbotenerweise über den Bahndamm klettern, weil auf der anderen Seite die schönsten Margeriten wuchsen. Den Margeritenstrauß schenkte ich meiner Mutter.

Aber ich meine richtige Grenzen, Ländergrenzen, die täglich überschritten wurden. Im Wald stromernd verließen wir gelegentlich unabsichtlich deutsches Territorium und betraten schweizerischen Boden. Ich bin in Weil am Rhein aufgewachsen, von meinem Elternhaus aus waren es Luftlinie 500 m bis zur Grenze nach Basel und einen Kilometer nach Frankreich.  Damals gab es noch keine Fußgängerbrücke über den Rhein, dafür eine Fähre. Aggressive Schwäne kontrollierten den Zugang zur Fähre, aber waren sie erfolgreich ausgetrickst, konnten wir Kinder den ganzen Sonntagnachmittag zwischen zwei Ländern hin und her fahren. Der Fährmann war gutmütig. Nur einmal hat er mich verpfiffen, als ich – noch im Kindergartenalter – mit meinem Tretroller auf eigene Faust Frankreich erkunden wollte. Ein paar Kilometer habe ich immerhin geschafft, bevor meine alarmierten Eltern mich wieder einsammelten. Schade, das Elsass war und ist reizvoll. Auf der anderen Rheinseite sprachen die Leute anders (wie meine Oma, aber das habe ich erst kapiert, als ich in der Schule Französisch lernte), kauften Baguette und Croissants, Meerfisch und Muscheln, tranken Wein oder einen Café au lait.

Wollten wir als Jugendliche ins Kino oder ins Theater, Schlittschuhlaufen oder Tanzen, war Basel die nächste – und in meinen Augen ausgesprochen liebenswerte – Stadt. Die Zöllner an der Grenze kannten uns und kontrollierten kaum. Später arbeitete ich mehrere Jahre in Basel. Viele Deutsche arbeiten als Grenzgänger  in Basel, und wenn sie, wie ich, den hiesigen Dialekt sprechen, der dem Schweizerdeutschen sehr ähnelt, fallen sie noch nicht mal als „Uusländer“ auf.

Heute treffen in der kleinen Alterswohnung meiner Mutter drei Telefonnetze aufeinander. Im Schlafzimmer hat sie das deutsche Netz, in der Wohnküche das französische und auf dem Balkon das schweizerische Netz.

Mit den Grenzschließungen zwischen Deutschland, der Schweiz und Frankreich aufgrund der Corona-Pandemie stockt das funktionierende wirtschaftliche, kulturelle und zwischenmenschliche Geflecht im Dreiländereck. Das hat vielfältige Konsequenzen. Mein Neffe forscht in der Uni in Basel und lebt grenznah in Weil am Rhein. Seine schweizerische Freundin dürfte, wenn sie aus ihrer Basler Wohnung Kleidung und Bücher holen wollte, nicht mehr zurück zu ihrem Liebsten, der gerade wegen einer akuten Augenerkrankung in einer deutschen Klinik liegt. Glücklicherweise durfte eine Nichte, die im Elsass lebt, trotz der strikten Corona-Regeln in Frankreich grenzüberschreitend ihre Krebsbehandlung in einem deutschen Krankenhaus abschließen.

Meine Mutter spaziert – Corona hin oder her – weiter zweimal am Tag über das ehemalige LAGA-Gelände „Dreiländergarten“, das an unseren früheren Kinderwald, die Margeritenwiese und an die Schweiz grenzt.

 

Klaus Rüdiger Mai – Vom beglückenden Finden

 

Auch wenn man in Gefahr gerät, sich zu verzetteln, besteht doch das wahre Abenteuer der historischen Recherche nicht darin, den Hauptwegen zu folgen, konzentriert, ohne nach links oder rechts zu blicken, forsch voranzuschreiten, sondern sich gelegentlich der Verführungskraft von Nebenwegen, von durchscheinenden Lichtungen hinzugeben.  Ist die historische Recherche in Wahrheit nicht eine einzige Abschweifung?

Mitten in einer eher nebenbei unternommenen und eigentlich nicht notwendigen Überprüfung eines Umfeldes, das in meiner damaligen Arbeit bestenfalls eine quartäre Bedeutung besaß, stieß ich auf ein im Umfang geradezu monströses Tagebuch.

Von Fürst Christian II. von Anhalt sind über 17 400 Seiten, die in 23 Foliobänden gesammelt sind, überliefert. Sie lagern im Landesarchiv von Sachsen-Anhalt in Dessau. Von 1621 bis zu seinem Tode führte der Fürst über 35 Jahre lang Tagebuch – und es verging kein Tag ohne eine Notiz. Wenn man sich daran erinnert, dass von 1618 und 1648 in Deutschland der Dreißigjährige Krieg tobte und Christian II. nicht nur das Fürstentum Anhalt regierte, sondern enge Beziehungen zur Kurpfalz unterhielt, schließlich wurde er auch dort geboren, und einem die Tatsache nicht verborgen blieb, dass Mitteldeutschland und die Kurpfalz heftig unter dem Krieg litt, so wird sofort deutlich, was für eine einzigartige historische Quelle dieses Tagebuch bieten muss. Es eröffnet die Möglichkeit, die Zeit aus der Zeit heraus zu sehen, aus der Perspektive eines Zeitgenossen zu betrachten, als unternähme man eine Zeitreise.

Der Dreißigjährige Krieg ist Urkatastrophe, Epochenbruch und Beginn des modernen Europas. Zwei Drittel der Deutschen fanden in diesem Krieg den Tod. Die Konfrontation von Katholizismus und Protestantismus war auf ihrem Höhepunkt angekommen. Unter religiösem Deckmantel wurden rücksichtslos machtpolitische Ziele verfolgt.

Doch einmal auf der Spur, verführt von den Abwegen und Abschweifungen, konnten weitere Quellen ausfindig gemacht werden, die bisher kaum ausgewertet worden waren, wie das Journal der Reise Christians I. von Anhalt 1610 nach Frankreich und England oder der Briefwechsel Christians I. und Christians II..

In der Arbeit rückte ein weiterer Schwerpunkt, der bisher wenig dargestellt wurde, für mich in den Mittelpunkt, nämlich der lange Weg in den Krieg, die politischen Ereignisse, die zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges führten.

So begann ich, den hochkomplexen Krieg aus den Biographien von Christian I. und Christian II.  heraus zu erzählen, aus mitteldeutscher Sicht, aus der Sicht meiner Heimat. Natürlich wusste ich einiges über die Zerstörung Magdeburgs durch Tilly. Aber diese Katastrophe aus dem Erleben der Zeitgenossen nachverfolgen zu können, war doch etwas ganz anderes. Nicht vom Krieg als Krieg wollte ich berichten, sondern von Menschen im Krieg. Das Tagebuch Christians II. und weitere autobiographische Quellen ermöglichten, den Weg in den Krieg, den Ausbruch des Krieges und den Krieg selbst aus der Perspektive der Zeit zu rekonstruieren.

Zu den Protagonisten, mit denen ich in die Zeit vor 400 Jahren tauchte, zählen Fürst Christian I. von Anhalt (1568 in Bernburg – 1630 in Bernburg), Vater Christians II.. Er leitete die Politik der Kurpfalz. Sein Wirken trug entscheidend zum Ausbruch des Krieges bei. Als Politiker von europäischem Rang verkehrte er mit allen protestantischen und katholischen Herrschern, als Landesfürst wurde er mit den grausamen Folgen des Krieges, die er im Alltag für seine Untertanten zu lindern suchte, konfrontiert. Im Leben von Vater und Sohn verbindet sich beeindruckend Mikrokosmos und Makrokosmos, kleine Welt und große Welt. Hatten die beiden Anhaltiner als Politiker Umgang mit den Großen ihrer Zeit, mussten sie als Fürsten einer mittleren Herrschaft für ihre Untertanen sorgen und Entscheidungen auf Leben und Tod fällen. Schließlich der Verfasser des monumentalen Tagebuchs selbst, Fürst Christian II. von Anhalt (geboren 1599 in Amberg, gestorben 1656 in Bernburg). Er verbrachte den größeren Teil seines Lebens im Krieg, erst als Begleiter und Mitarbeiter seines Vaters, dann als kühner Truppenführer, als Gefangener des Kaisers, schließlich als regierender Fürst von Anhalt-Bernburg. An allen wichtigen Ereignissen war er beteiligt, denn er war der Sohn des wichtigsten Politikers der Protestanten.

Nach Abschluss der Arbeit bin froh und dankbar, dass die Kunststiftung half, aus dem Nebenweg, auf den ich mich eingelassen hatte, einen Hauptweg zu machen.

 

 

Valentin Moritz: „Kein Held“ erscheint

KEIN HELD – ERINNERUNGEN

Ein Plädoyer für die Empörung – und eine Einladung zur Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft.

Nur weg, egal wohin! Hauptsache raus aus dem Dorf. Wie so viele junge Leute zieht es Valentin Moritz aus der Enge seiner südbadischen Heimat in die Ferne. Nach Stationen rund um den Globus landet er in Berlin. Neukölln und Niederdossenbach – dazwischen liegen Welten. Der Kontakt zur Heimat – eher sporadisch.

Das ändert sich mit dem 90. Geburtstag von Valentins Großvater Josef Mutter schlagartig: Der Alte möchte die eigene Lebensgeschichte aufschreiben und bittet seinen Enkel um Unterstützung. Und so wird der gemeinsame Blick in die Vergangenheit des Landwirts, der bäuerlichen Großfamilie und des Dorfes auch für den Enkel zum Anlass, sich wieder seiner Herkunft zuzuwenden. Wie sein Großvater begibt sich auch Valentin Moritz auf Spurensuche und zeichnet in eindrücklichen Bildern und authentischer Sprache nach, was seine Kindheit

und Jugend auf dem Land ausmachte.

KEIN HELD ist bewegendes Generationenbuch über das, was uns alle prägt – von Anfang an, ob wir wollen oder nicht. Darüber hinaus ist KEIN HELD ein engagiertes Zeitzeugnis gegen Krieg und Faschismus – und für das Erinnern.

 

 

Fragen, die uns immer wieder gestellt werden

Rund um die Förderanträge erreichen uns immer wieder Fragen, die wir an dieser Stelle gebündelt und beantwortet haben.

 

Wie viele Anträge auf Förderung gehen pro Runde  bei der Stiftung ein?

Zwischen 80 – 150.

 

Wie viele davon werden bewilligt?

In der Regel mehr als ein Drittel.

 

Aus welchen Kunstgenres kommen die meisten Anträge?

Aus dem gesamten Spektrum der bildenden und angewandten Kunst.

 

Welche Stipendien sind die begehrtesten?

Die internationalen Aufenthaltsstipendien. Die sind allerdings leider im Moment noch nicht wieder in Sicht.  Wir planen, 2021 das Los Angeles-Stipendium nachzuholen und zwei Stipendien für Vietnam auszuschreiben.

 

Gibt es bei der Bewilligung Prioritäten nach Genres?

Nein, alle Genres haben die gleiche Prioriät.

 

Wie genau ist das Vorgehen, wenn ein Antrag auf ein Stipendium bei der Kunststiftung eingegangen ist?

Nach der Registrierung und Prüfung auf Vollständigkeit berät der künstlerische Beirat alle eingereichten Anträge und unterbreitet dem Stiftungsrat ein Fördervotum. Dieser entscheidet dann in seinen zweimal jährlich stattfindenden Sitzungen über die Förderung.

 

Was sagen die Mitarbeiter der Stiftung den Bewerbern, die abgelehnt wurden? Sollten sie es noch einmal versuchen?

Unbedingt wieder bewerben! Die Stiftung kann viele Beispiele vorzeigen, wo es Künstler im zweiten oder gar dritten Anlauf geschafft haben, Beirat und Stiftungsrat mit ihrem künstlerischen Konzept zu überzeugen.

Rolf Müller – ein Neuanfang mit 75 Jahren!

Von seinem internationalen Arbeitsstipendium, das ihn nach Armenien führte, zehrt Rolf Müller immer noch – auch heute noch entstehen Bilder, die auf den 2015 gezeichneten Skizzen beruhen. Armenien war das Traumziel Rolf Müllers, der Höhepunkt seiner vielen Reisen. Der Maler und Graphiker hat sich, damals 75jährig, mit diesem Stipendium noch einmal neu finden können, wie er sagt.

„Ich bin der Kunststiftung dankbar, dass sie, obwohl sie vor allem die jungen Künstler fördert, mir diesen Aufenthalt ermöglicht hat.“ Und dankbar sei er auch dafür, sagt Rolf Müller, dass ihm die organisatorischen Belange abgenommen wurden und er jegliche Freiheit genießen konnte. So wandelte er unter anderem, unterstützt von einem Einheimischen, auf den Spuren des Zeichners Heinrich Theodor Wehle, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts gemeinsam mit Wissenschaftlern zur Erkundung von Bodenschätzen im kaukasischen Raum aufgebrochen war.

Die Ideen für seine Skizzen waren alle schon in seinem Kopf, als Rolf Müller sich um das Stipendium bewarb. Armenien hatte er, der sich für die Osten der Welt interessiert und bereits viele der ehemaligen Sowjetrepubliken bereist hatte, kurz nach der Wende das erste Mal besucht. Das Land hat ihn verzaubert: mit seiner Landschaft, ihrer ganz eigenen und teilweise vom Orient beeinflussten Architektur, dem sich seiner Wurzeln so bewussten Volk. Armenien sei das erste Land mit dem Christentum als Staatsreligion gewesen, noch acht Jahre vor Rom, und gleichzeitig vom Einfluss der Seidenstraße geprägt. „Diese Überschneidung der Kulturen ist heute noch sichtbar.“ Rolf Müller hat genau diese Überschneidungen, diese vielfältigen Eindrücke, festgehalten in seinen Zeichnungen.

Ausgerüstet mit seinem Skizzenbuch, Stiften, manchmal etwas Farbe, ist er gewandert. Fünf Uhr am Morgen ging er los, meist allein. Fand uralte Kirchen, nach armenisch-christlicher Tradition nicht ausgemalt, sondern innen und außen mit Reliefs geschmückt. Lernte Menschen kennen, die ihn in ihrer Freundlichkeit und Aufmerksamkeit zutiefst beeindruckten. Sah Landschaften „wie bei Homer“ und einen Himmel mit Farben, die er so noch nie gesehen hatte. Täglich zeichnete er ein Tagebuch-Blatt, 32 wurden es insgesamt. Seine Bilder spiegeln seine Eindrücke und Erlebnisse wider. Die Collage zum Beispiel, die aus in einer Pfütze schwimmenden Papierschnipseln entstanden ist und den Charakter des Regentages festhält. Oder das Blatt, auf dem er seine Eindrücke aus dem Museum festhielt, das Kinderzeichnungen aus aller Welt sammelt. Auf seinen Skizzen, sagt Rolf Müller, seien zeichnerische Organismen entstanden, angeregt durch die Landschaft und die damit verbundenen kulturellen Erfahrungen.

Außerdem hat sich der Stipendiat in Armenien mit dem Dichter und Übersetzer Hakob Movses beschäftigt. Ihn traf er in Armenien, und ihm verdankt Rolf Müller die Inspiration zur Einheit von Schrift und Bild, die sich auf vielen seiner Blätter findet. Eine gemeinsame Ausstellung von beiden Künstlern fand vor einigen Jahren bereits in Jerewan statt.

Zurückgekehrt aus Armenien ist Rolf Müller mit einem dicken Skizzenbuch und einem Bündel von Zeichnungen. Noch im vergangenen Jahr sind auf dieser Grundlage Pastellzeichnungen entstanden. 120 seiner Bilder, die der Künstler nach seinem Arbeitsstipendium gemalt hat, sollten in Kürze in der Galerie des Kulturhauses Leuna ausgestellt werden. Die Ausstellung konnte nun nicht stattfinden, wird aber im Frühjahr kommenden Jahres nachgeholt. Ein Neuanfang, so sieht es Rolf Müller, wieder einmal. So wie das Stipendium der Kunststiftung!

Ausstellung „Geschmeide“ wird verlängert

Die aktuelle Ausstellung „Geschmeide“, die wegen der Pandemie-Maßnahmen bereits kurz nach ihrer Eröffnung schon wieder schließen musste, wird nicht nur wieder eröffnet, sondern sogar verlängert. Zwar hat die Kunststiftung viele der Exponate sowohl auf ihrer Homepage als auch bei einem virtuellen Ausstellungsrundgang präsentiert, aber am schönsten ist doch die unmittelbare Betrachtung in den Räumen selbst. Bis zum 31. Mai noch werden die Werke von 17 Stipendiaten der Kunststiftung gezeigt. Sie alle haben sich zu unterschiedlichen Themen mit der Gestaltung von Exponaten in ihren jeweiligen Genres auseinandergesetzt. Schmuckelemente sind im engeren oder auch weiteren Sinne entstanden, denn in der Ausstellung werden nicht nur Arbeiten von Schmuckgestaltern präsentiert, sondern auch Bilder, Plastiken und Kleider.

Die Ausstellungsräume der Kunststiftung sind nun wie gewohnt wieder mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, selbstverständlich unter Einhaltung sämtlicher Hygienemaßnahmen.

 

 

 

Kunststiftung vergibt Förderung

Bei der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt können für die nächste Förderrunde Arbeitsstipendien und Projektmittel beantragt werden. Unterstützt werden sämtliche Kunstsparten: angewandte und bildende Kunst, Film, Fotografie, Literatur, Musik, Tanz, Theater und interdisziplinäre Projekte sowie Kunstvermittlung. Darüber hinaus gibt es weitere Sonderförderprogramme wie für Film: „wage-mutig“; für Ausstellungen: „frei-raum“ sowie für Kunstankauf und die Produktion von Publikationen.
Arbeitsstipendien, die mit 1000 Euro monatlich bedacht sind, können für drei oder sechs Monate beantragt werden und dienen der Förderung künstlerischer Einzelleistungen. Durch die Vergabe von Arbeitsstipendien soll insbesondere das konzentrierte Arbeiten an einem neuen Vorhaben ermöglicht werden.
Die Kunststiftung ermutigt die Künstler ausdrücklich, neue digitale Vermittlungskonzepte und Inhalte auszuprobieren. Die Bewerbung ist für Künstler jeden Alters und jeden Abschlusses möglich. Abgabeschluss ist der 1. Juli 2020. Nähere Informationen finden Interessierte auf der Homepage: www.kunststiftung-sachsen-anhalt.de/foerderung/.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

03. Mai 2020
Kunststiftung Sachsen-Anhalt
——————————————-
Neuwerk 11
06108 Halle (Saale)
——————————————-
Anja Falgowski
Tel.: 0345 29897297
Fax: 0345 29897295
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TYPO UTOPIA gewinnt European Design Award

Den renommierten European Design Award haben in diesem Jahr Anja Krämer und Claudia Dölling vom halleschen Grafikbüro „Sisters of Design“ in der Kategorie Digitale Installation gewonnen. Ausgezeichnet wurde TYPO UTOPIA, eine raumfüllende Medieninstallation, die die Kunststiftung Sachsen-Anhalt im Rahmen des 100jährigen Bauhausjubiläums im vergangenen Jahr initiiert und produziert hat und die im November 2019 im Haus der Kunststiftung im Neuwerk 11 in Halle (Saale) zu sehen war.
Claudia Dölling und Anja Krämer, beide Absolventinnen der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, haben ihr Designbüro 2004 in Halle gegründet. In TYPO UTOPIA wandten sie sich dem Bauhaus zu, das auch in Sachen Grafikdesign Pionierarbeit geleistet hat: bei der collageartigen Gestaltung seiner Drucksachen zum Beispiel oder dem für damalige Verhältnisse radikalen Umgang mit Typografie, dem Ausbrechen der Buchstanden in die Weiten der Flächen oder den fast unlesbaren Experimenten mit neuen Buchstabenformen und ihrer Inszenierung mittels elementarer Typografie. Untermalt wurde die Projektion von dem Klangkünstler Alexander Nickmann.
Im Jubiläumsjahr 2019 hat sich die Kunststiftung Sachsen-Anhalt in acht eigenen Projekten mit dem Bauhaus und seiner Bedeutung für die zeitgenössische Kunst im 21. Jahrhundert auseinandergesetzt. Für TYPO UTOPIA wurden in einer Rundumprojektion auf Böden und Wände des großen Galerieraums der Kunststiftung zehn auswählte Zitate von Bauhauskünstlern typografisch inszeniert und so eine dreidimensionale Performance von Schwarz und Weiß, Licht und Schatten, Bewegung und Klang geschaffen. Die verschiedenen Animationen bezogen sich dabei auf den jeweiligen Inhalt, ganz im Bauhaus-Sinn: Form folgt Funktion!
Die Kunststiftung dankt den Mitgliedern des Stiftungsrates sowie dem Land Sachsen-Anhalt für die großzügige finanzielle Unterstützung von TYPO UTOPIA.
Die European Design Awards sind jährliche Auszeichnungen, die europäischen Designern für herausragende Arbeiten im Bereich Kommunikationsdesign verliehen werden. Der Wettbewerb ist eine Initiative von Designmagazinen aus ganz Europa.
Rainer Robra, Stiftungsratsvorsitzender der Kunststiftung, Staatsminister und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, sprach nach der Preisverkündung seine Anerkennung aus: „Ich gratuliere der Kunststiftung, den Grafikerinnen Claudia Dölling und Anja Krämer sowie dem gesamten Team von TYPO UTOPIA zu dieser hohen Auszeichnung. Das Bauhaus lehrt uns bis heute, dass Avantgardebewegungen Mut, Leidenschaft und Energie hatten, auch in schwierigen Zeiten Neues zu wagen. Die Produktion der Kunststiftung zum Bauhausjubiläum hat uns weit getragen und gezeigt, dass Sachsen-Anhalt heute ein Land mit vielen Ideen und klugen Köpfen auch im Grafikdesign ist. Es lohnt sich, hier zu arbeiten. Das Umfeld für Kreative ist gut.“

 

Die prämierte 360-Grad-Videodokumentation der gesamten Installation TYPO UTOPIA ist im Internet unter https://www.youtube.com/watch?time_continue=3&v=gMCi0Iu11iQ&feature=emb_logo abrufbar. Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.kunststiftung-sachsen-anhalt.de/bauhaus/typoutopia/ sowie unter: https://europeandesign.org/submissions/typo-utopia/

 

 

 

TYPO UTOPIA- Eine Produktion der Kunststiftung des Landes Sachsen – Anhalt  im Rahmen des 100jährigen Bauhausjubiläums im Haus der Kunststiftung, Neuwerk 11

Produktionsleitung: Manon Bursian, Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Produktionsassistenz: Sophia Katharina Nietsch

Musikalische Beratung: Henry Mex (Mitglied des künstlerischen Beirates der Kunststiftung)

Künstlerische Leitung, Grafische Gestaltung: Claudia Dölling und Anja Krämer (Sisters of Design)

Komposition und Sound:  Alexander Nickmann

Technische Produktion: Oscar Loeser und Clemens Kowalski

Geräteverleih:  BPE BeamAround Projection and Event GmbH

Einrichtung des Ausstellungsraums: Matthias Kaßner (Ltg.) und Michael Kasper

Erstellung 3D Modell: Julia Hanke

Gestaltung Drucksachen: Claudia Dölling und Anja Krämer (Sisters of Design)

Finanzen und Controlling: Kristin Heckl, Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Öffentlichkeitsarbeit: Kathrin Westphal, Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Pressetexte: Ingolf Kern

Konzeption und Produktion Begleitprogramm: Manon Bursian, Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Kinderkunstnachmittage: Anne Deuter

Vortrag: Elke Blauert, Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin

Buchvorstellung „Alles Bauhaus“: Ingolf Kern, Werner Möller, Kitty Kahane, Conrad und Cathy Feininger, Glomy Railly

Gestaltung Drucksachen „Alles Bauhaus“: Benjamin Kräher

Ausstellungs- und Veranstaltungsfotografie: Marco Warmuth

Ausstellungsplots: Schrift und Symbol GmbH

Druck Drucksachen: Print 24

Plakatierung: Stroer Media

Versicherung: ÖSA Sachsen-Anhalt

Ansprechpartner Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt: Ulrike Reichmann und Julia Enderwitz

Ansprechpartner Ministerium für Kultur: Ingo Mundt und Rhoda Riccius

Juristische Beratung: Kai Welkerling, GÖHMANN  Rechtsanwälte Abogados Advokat Steuerberater Partnerschaft mbB

Unterstützung bei der Recherche der Zitate: Manon Bursian (Kunststiftung Sachsen-Anhalt) Dr. Fabienne Eggelhöfer, Michael Freitagn (Lyonel Feininger Galerie), Kristin Heckl (Kunststiftung Sachsen-Anhalt), Christin Irrgang (Bauhaus Dessau), Ingolf Kern(Stiftung Preussischer Kulturbesitz), Dr. Annelie Lütgens, Dr. Wita Noack (Mies van der Rohe Haus), Susanne Radelhof

TYPO UTOPIA wurde produziert und finanziert mit Mitteln der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt und des Landes Sachsen-Anhalt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

03. Mai 2020
Kunststiftung Sachsen-Anhalt
——————————————-
Neuwerk 11
06108 Halle (Saale)
——————————————-
Anja Falgowski
Tel.: 0345 29897297
Fax: 0345 29897295
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TYPO UTOPIA gewinnt European Design Award

Den renommierten European Design Award haben in diesem Jahr Anja Krämer und Claudia Dölling vom halleschen Grafikbüro „Sisters of Design“ in der Kategorie Digitale Installation gewonnen. Ausgezeichnet wurde TYPO UTOPIA, eine raumfüllende Medieninstallation, die die Kunststiftung im Rahmen des 100jährigen Bauhausjubiläums im vergangenen Jahr initiiert und produziert hat und die im November 2019 im Haus der Kunststiftung zu sehen war.

Claudia Dölling und Anja Krämer, beide Absolventinnen der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, haben ihr Designbüro 2004 in Halle gegründet. In TYPO UTOPIA wandten sie sich dem Bauhaus zu, das auch in Sachen Grafikdesign Pionierarbeit geleistet hat: bei der collageartigen Gestaltung seiner Drucksachen zum Beispiel oder dem für damalige Verhältnisse radikalen Umgang mit Typografie, dem Ausbrechen der Buchstanden in die Weiten der Flächen oder den fast unlesbaren Experimenten mit neuen Buchstabenformen und ihrer Inszenierung mittels elementarer Typografie. Untermalt wurde die Projektion von dem Klangkünstler Alexander Nickmann.

Im Jubiläumsjahr 2019 hat sich die Kunststiftung Sachsen-Anhalt in acht eigenen Projekten mit dem Bauhaus und seiner Bedeutung für die zeitgenössische Kunst im 21. Jahrhundert auseinandergesetzt. Für TYPO UTOPIA wurden in einer Rundumprojektion auf Böden und Wände des großen Galerieraums der Kunststiftung zehn auswählte Zitate von Bauhauskünstlern typografisch inszeniert und so eine dreidimensionale Performance von Schwarz und Weiß, Licht und Schatten, Bewegung und Klang geschaffen. Die verschiedenen Animationen bezogen sich dabei auf den jeweiligen Inhalt, ganz im Bauhaus-Sinn: Form folgt Funktion!

Die Kunststiftung dankt den Mitgliedern des Stiftungsrates sowie dem Land Sachsen-Anhalt für die großzügige finanzielle Unterstützung von TYPO UTOPIA.

Die European Design Awards sind jährliche Auszeichnungen, die europäischen Designern für herausragende Arbeiten im Bereich Kommunikationsdesign verliehen werden. Der Wettbewerb ist eine Initiative von Designmagazinen aus ganz Europa.

Die prämierte 360-Grad-Videodokumentation der gesamten Installation TYPO UTOPIA ist im Internet unter https://www.youtube.com/watch?time_continue=3&v=gMCi0Iu11iQ&feature=emb_logoyoutube abrufbar.

 

 

TYPO UTOPIA- Eine Produktion der Kunststiftung des Landes Sachsen – Anhalt  im Rahmen des 100jährigen Bauhausjubiläums im Haus der Kunststiftung, Neuwerk 11

Produktionsleitung: Manon Bursian, Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Produktionsassistenz: Sophia Katharina Nietsch

Musikalische Beratung: Henry Mex (Mitglied des künstlerischen Beirates der Kunststiftung)

Künstlerische Leitung, Grafische Gestaltung: Claudia Dölling und Anja Krämer (Sisters of Design)

Komposition und Sound:  Alexander Nickmann

Technische Produktion: Oscar Loeser und Clemens Kowalski

Geräteverleih:  BPE BeamAround Projection and Event GmbH

Einrichtung des Ausstellungsraums: Matthias Kaßner (Ltg.) und Michael Kasper

Erstellung 3D Modell: Julia Hanke

Gestaltung Drucksachen: Claudia Dölling und Anja Krämer (Sisters of Design)

Finanzen und Controlling: Kristin Heckl, Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Öffentlichkeitsarbeit: Kathrin Westphal, Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Pressetexte: Ingolf Kern

Konzeption und Produktion Begleitprogramm: Manon Bursian, Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Kinderkunstnachmittage: Anne Deuter

Vortrag: Elke Blauert, Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin

Buchvorstellung „Alles Bauhaus“: Ingolf Kern, Werner Möller, Kitty Kahane, Conrad und Cathy Feininger, Glomy Railly

Gestaltung Drucksachen „Alles Bauhaus“: Benjamin Kräher

Ausstellungs- und Veranstaltungsfotografie: Marco Warmuth

Ausstellungsplots: Schrift und Symbol GmbH

Druck Drucksachen: Print 24

Plakatierung: Stroer Media

Versicherung: ÖSA Sachsen-Anhalt

Ansprechpartner Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt: Ulrike Reichmann und Julia Enderwitz

Ansprechpartner Ministerium für Kultur: Ingo Mundt und Rhoda Riccius

Juristische Beratung: Kai Welkerling, GÖHMANN  Rechtsanwälte Abogados Advokat Steuerberater Partnerschaft mbB

Unterstützung bei der Recherche der Zitate: Manon Bursian (Kunststiftung Sachsen-Anhalt) Dr. Fabienne Eggelhöfer, Michael Freitagn (Lyonel Feininger Galerie), Kristin Heckl (Kunststiftung Sachsen-Anhalt), Christin Irrgang (Bauhaus Dessau), Ingolf Kern(Stiftung Preussischer Kulturbesitz), Dr. Annelie Lütgens, Dr. Wita Noack (Mies van der Rohe Haus), Susanne Radelhof

TYPO UTOPIA wurde produziert und finanziert mit Mitteln der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt und des Landes Sachsen-Anhalt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausstellung „Geschmeide“ wird verlängert

Die aktuelle Ausstellung „Geschmeide“, die wegen der Pandemie-Maßnahmen bereits kurz nach ihrer Eröffnung schon wieder schließen musste, wird verlängert. Bis zum 31. Mai noch werden die Werke von 17 Stipendiaten der Kunststiftung gezeigt. Sie alle haben sich zu unterschiedlichen Themen mit der Gestaltung von Exponaten in ihren jeweiligen Genres auseinandergesetzt. Schmuckelemente sind im engeren oder auch weiteren Sinne entstanden; in der Ausstellung werden nicht nur Arbeiten von Schmuckgestaltern präsentiert, sondern auch Bilder, Plastiken und Kleider.

Die Ausstellungsräume der Kunststiftung sind nun wie gewohnt wieder mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, selbstverständlich unter Einhaltung sämtlicher Hygienemaßnahmen.

 

 

 

Internationales Arbeitsstipendium Tharangambadi – Stefan Schwarzer

Stefan Schwarzer: „Tharangambadi Reports“ und „200 Postcards for Halle“

 

Anlässlich des Tharangambadi-Arbeitsstipendiums der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt und der Franckeschen Stiftungen reiste Stefan Schwarzer auf Spurensuche zu den einstigen Orten der Dänisch-Halleschen-Mission nach Indien.

Wie einst der deutsche Missionar, Bartholomäus Ziegenbalg, suchte er den Dialog mit den dort lebenden Menschen. Gespräche und Beobachtungen wurden dabei direkt vor Ort in Tagebuchberichten und in individuellen Zeichnungen dokumentiert. Das war im vergangenen Jahr, und Stefan Schwarzer war wirklich produktiv in dieser Zeit. Zwei Projekte hat er verwirklicht: Als „Tharangambadi Reports“ hat er seine in Indien angefertigten Zeichnungen und Tagebuchtexte in einer Collage mit ausgewählten Briefen, Berichten und Kupferstichen aus den „Halleschen Berichten“ aus dem 18. Jahrhundert sowie Interviews mit den Einwohnern in einem Künstlerbuch vereint.

Als zweites hat Stefan Schwarzer den Workshop „200 Postcards for Halle“ realisiert, basierend auf der 300 Jahren alten Tradition, Wissen und Kultur auszutauschen. Schließlich hatten im Verlauf der fast 150jährigen Missionsgeschichte Missionare regelmäßig Briefe und ausführliche Berichte zu August Hermann Francke, seinen Mitarbeitern und Nachfolgern nach Halle geschickt. In dem Workshop konnten Kinder und Jugendliche aus Indien ihre eigene Postkarte individuell mit Buntstiften gestalten und auf der Rückseite eine Botschaft an einen Adressaten in Halle hinterlassen.

 

Stefan Schwarzer ist in Tharangambadi vielen Menschen begegnet. Eine Menge Freunde hat er gefunden; den Bewohnern der von ihm festgehaltenen Häuser hat er Kopien seiner Bilder geschenkt. Er hat sich viel erzählen lassen und war erstaunt, mit welch großer Freundlichkeit und Offenheit ihm begegnet wurde. Meistens jedenfalls – er berichtete auch von Schulkindern, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, ihm seine Buntstifte zu mausen. Auch das, fand Stefan Schwarzer, gehört aber dazu, lebt man für eine Weile in einer fremden Kultur. Überhaupt fiel der Zeichner dort auf – als Europäer, als Deutscher gar erregte er Aufmerksamkeit.

Die Erfahrungen mit den Einwohnern vor Ort, aber auch mit den Umständen – bei 35 Grad im Schatten draußen zu sitzen, die Gerüche, die Intensität, die Menschen – sind genau die Gründe, aus denen er gerne reist. Und die seine Bilder prägen. Seine Wahrnehmungen, sagt er, übertrügen sich immer auch auf seine Zeichnungen. Dass diese eines Tages doch noch im Ziegenbalg-Museum in Tharangambadi ausgestellt werden können, ist seine große Hoffnung.

 

 

Auf den Spuren Bartholomäus Ziegenbalgs

 

Als „Tharangambadi Reports“ werden Stefan Schwarzers in Indien angefertigte Zeichnungen und Tagebuchtexte in einer Collage mit ausgewählten Briefen, Berichten und Kupferstichen aus den „Halleschen Berichten“ aus dem 18. Jahrhundert sowie Interviews mit den Einwohnern in einem Künstlerbuch vereint. Dieses wird voraussichtlich im Mai im Verlag der Franckeschen Stiftungen veröffentlicht.

 

 

In den sogenannten „Halleschen Berichten“, 188 an der Zahl und archiviert in den Franckeschen Stiftungen, schrieb Bartholomäus Ziegenbalg seine Erfahrungen nieder; Tagebucheintragungen finden sich darin, Abhandlungen, statistische Größen, Briefe, Nachrufe. Die protestantische Missionszeitschrift mit für die damalige Zeit hoher Auflage brachte, einfach gesagt, die indische Gesellschaft, ihre Kultur, ihre Religionen, nach Europa. Immerhin ist die Rede vom 18. Jahrhundert, eine Zeit also, in der es den wenigsten Menschen vergönnt war zu reisen. Zu Ziegenbalgs Aufgaben gehörte auch die „Malabarische Korrespondenz“: Hallenser stellten Fragen, die der Missionar in Südindien beantworten ließ und veröffentlichte. Was essen die Einwohner? Was trinken sie? Wie sind sie gekleidet? Wie wohnen sie?

Die Korrespondenz und die „Halleschen Berichte“ hatte Stefan Schwarzer bei sich, als er im vergangenen Jahr im Rahmen des Indien-Stipendiums der Kunststiftung nach Tharangambadi, dem ehemaligen Tranquebar, reiste. Die Berichte hatten ihn interessiert, ja inspiriert, nun wollte er den Spuren Bartholomäus Ziegenbalgs folgen. Mehrere Projekte hat der Künstler innerhalb der Stipendienzeit realisiert, eines davon ist sein Buch „Tharangambadi Reports“, das voraussichtlich im Mai im Verlag der Franckeschen Stiftungen Halle erscheint.

Stefan Schwarzer hat zuvor bereits viele Projekte im Ausland durchgeführt; er ist viel gereist, hat unter anderem eineinhalb Jahre in Havanna gelebt, hat bereits Bücher veröffentlicht. In Tharangambadi wollte er in einen Dialog mit den Einwohnern und der Geschichte treten, gerade auch mit dem Subtext Kolonialisierung und Missionierung.

In dem Künstlerbuch nun führt er seine Erfahrungen und die des Missionars zusammen – anhand angefertigter Zeichnungen und Tagebuchtexten in einer Collage mit ausgewählten Briefen, Berichten und Kupferstichen aus den „Halleschen Berichten“ aus dem 18. Jahrhundert sowie Interviews mit den Einwohnern. Thematisch widmet er sich dabei zwei Feldern: zum einen den Menschen, zum anderen ihren Häusern. Bei ersterem greift er die oben erwähnten Fragen auf, zwei bis drei stellt er jeweils zufällig ausgewählten Intervierpartnern. Mit Gebäuden beschäftigt sich Stefan Schwarzer hingegen schon lange; in Tharangambadi fand er die Häuser besonders interessant, weil diese stark an Religionen ausgerichtet sind – Kreidezeichnungen auf dem Boden vor den Eingängen der Behausungen hinduistischer Bewohner zum Beispiel oder mit Gottheiten verzierte Fassaden. Starke Kontraste prägen die Architektur, die Häuser sind sehr bunt, mitunter nur bruchstückhaft gebaut. Stefan Schwarzer hat sie gezeichnet aus verschiedenen Perspektiven, hat sie nach seiner Wahrnehmung künstlerisch verarbeitet. Und er hat die Bewohner befragt, nach ihrer Lebensweise, nach dem Erbauer ihres Hauses.

Stefan Schwarzer macht mit seinem Buch das alte Tranquebar lebendig, gleichzeitig holt er das heutige Tharangambadi in unser Bewusstsein. Samt dem Missionar Bartholomäus Ziegenbalg. Denn während heute in Deutschland kaum jemand diesen Namen kennt, ist er in Südindien nahezu allgegenwärtig. Die Stadt, hat Stefan Schwarzer erfahren, ist geprägt von Ziegenbalg, es gibt Monumente und Statuen; der Missionar ist eine Art Volksheld, selbst unter Hindus und Muslimen. Das Buch „Tharangambadi-Reports“ dürfte also auch für die Inder interessant sein. Über eine entsprechende Übersetzung des Werkes wird bereits nachgedacht.

„Wie geht es Ihnen?“, III

Was bedeutet die derzeitige Lage für uns? Lähmung? Bereicherung? Angst? Die Kunststiftung will es ein bisschen genauer wissen und fragt einige Künstler nach ihrer ganz persönlichen Lage und ihrer Stimmung. Heute erzählen uns die beiden Künstler Christine Bergmann und Stefan Schwarzer von ihrem aktuellen Befinden. Beide weilten im vergangenen Jahr im südindischen Tharangambadi im Rahmen eines internationalen Arbeitsstipendiums der Kunststiftung. Jasmin Eppert wiederum, Kuratorin des Ziegenbalg-Museums in Tharangambadi, lebt in dort, hält sich aber gezwungenermaßen derzeit in Deutschland auf. Von ihr wollten wir wissen, wie sie die Situation in Indien einschätzt.

 

 

 

27. April 2020

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„In meine eigene Welt eingetaucht“ – Interview mit Stefan Schwarzer

„In meine eigene Welt eingetaucht“

Stefan Schwarzer, Grafiker, Maler, Weltreisender

 

Kunststiftung: Herr Schwarzer, wie geht es Ihnen?

Stefan Schwarzer: Mir geht es gut. Ich bin seit Beginn der Quarantäne permanent am Arbeiten, ich mache einfach das Beste daraus.

Womit sind Sie denn beschäftigt?

Ich bin gerade in meine eigene Welt eingetaucht. Ich arbeite an verschiedenen Serien: Bilder, die ich von meiner Indien-Reise male.

Haben Sie Einbußen aufgrund der Pandemie?

Ja, mir sind verschiedene Jobs weggebrochen. Ende April wäre ich in Luxemburg gewesen für eine Performance; im März hätte ich einen Zeichnerjob gehabt bei einer Konferenz in Dresden. Und zwei geplante Ausstellungen, darunter die der Kunststiftung zum Indien-Stipendium, sind ebenfalls verschoben worden.

Was bedeutet Ihnen Heimat in diesen Zeiten?

Keine Ahnung. Ich bin in Leipzig geboren, lebe seit zehn Jahren in Halle, bin in ganz Mitteldeutschland vernetzt. Ich habe längere Zeit im Ausland gelebt, meine Frau ist Kubanerin… Ich habe überall gelernt zu leben, Heimat ist ein schwieriger Begriff. Wahrscheinlich ist das dort, wo die Familie ist.

Glauben Sie, dass sich für Sie etwas ändert nach dieser Aus-Zeit?

Es wird sich viel ändern, die Frage ist, wie. Die Existenz von Hunderttausenden Künstlern ist bedroht. Ich persönlich denke, dass es in diesem Jahr keine Ausstellungen mit Vernissagen und vielen Kontakten mehr geben wird. Das sind aber existentielle Dinge für Künstler: Workshops, Ausstellungen, Netzwerke. Klar, man kann seine Werke oder Tutorials auch im Internet zeigen, aber damit verdient man kein Geld!

 

Stefan Schwarzer hofft, dass die Wirtschaftskrise nicht so extrem wird, dass er und andere Künstler weiter existieren können. Er hat die Sorge, dass die Menschen zunächst andere Sorgen haben werden, als sich ein Bild zu kaufen. „Kunst ist Luxus“, sagt er. Alles also nicht so einfach, aber Stefan Schwarzer produziert trotzdem viele Arbeiten momentan. Er will vorbereitet sein auf die Zeit, wenn wieder alles besser wird.

 

Vita:

1984 in Leipzig geboren | 2005 Arbeiten im öffentlichen Raum; Gründung Atelier Nawrotzki in Leipzig; Schulische Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten | 2007 Arbeit als Videoperformer | 2008 Studium Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Studiengang: Malerei / Grafik) | 2011 Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes | 2012 Gastsemester, Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart (Studiengang: Bildhauerei Fachgebiet: Video/Performance/Installation) | 2013 Auslandsstudium am Instituto Superior de Arte, Havanna | Ausstellungen u.a. in Berlin, Chemnitz, Havanna | lebt und arbeitet in Halle (Saale)

Wie geht es den Menschen in Indien zur Zeit?

Das wollten wir von Jasmin Eppert wissen. Sie ist Kuratorin des Ziegenbalg-Hauses in Tharangambadi, ehemals Tranquebar. In dem einstigen Wohnhaus Ziegenbalgs ist ein Museum für den interkulturellen Dialog zwischen Indien und Europa entstanden, der vor über 300 Jahren seinen Anfang nahm: 1706 ließen sich die lutherischen Missionare Bartholomäus Ziegenbalg und Heinrich Plüschau dort in Südindien nieder.

 

Bartholomäus Ziegenbalg und seine Frau Maria Dorothea nutzten das Grundstück für persönliche Zwecke, bevor es 1731 in den Besitz der Dänisch-Halleschen Mission überführt wurde und Teil eines umfangreichen Missions- und Bildungscampus‘ wurde. Daraus entstanden die Ziegenbalgschen Plätze, auf denen auch heute noch neben dem Museum eine Schule unter lutherischer Trägerschaft betrieben wird. Das Museum ist ein Gemeinschaftsprojekt der Franckeschen Stiftungen in Halle und der Tamilisch Evangelisch-Lutherischen Kirche sowie vieler weiterer Partner. Es ist seit dem 15. Juli 2017 für eine breite Besucherschaft geöffnet.

 

Frau Eppert, was ist Ihre Aufgabe als Kuratorin im Ziegenbalg-Haus?

Ich leite die Mitarbeiter im Museum an, kuratiere die Ausstellungen, kümmere mich um die Sicherheit der Ausstellungsprojekte, plane neue Projekte, formuliere Förderanträge, treffe finanzielle Absprachen mit der Trägerkirche. Das ist das wichtigste.

Sie leben in Indien?

Ja, seit 2016. Ich habe eine schöne Zwei-Zimmer-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, mit großer Veranda, direkt am Meer.

Aber im Moment sind Sie in Deutschland?

Ja, ich habe an einer Konferenz hier teilgenommen und bin nicht mehr zurückgekommen. Mein Auslands-Visum hätte eine Rückkehr trotz der Schließung der indischen Grenze zwar möglich gemacht, aber es gingen keine Flugzeuge mehr dahin. Jetzt verbringe ich die Tage in Südbrandenburg bei meiner Mutter. Das ist auch schön.

Das Museum in Tharangambadi ist sicher geschlossen?

Ja, laut offizieller Regelung bis 3. Mai. Aber dort gibt es häufig Ad-hoc-Aussagen von einem Tag auf den anderen, daher weiß ich nicht, ob wir danach wieder öffnen dürfen.

Wie geht es den Menschen in Indien gerade?

Bis 3. Mai herrscht dort Ausgangssperre. Die Gesamtsituation ist so, dass es für die Mittelschicht mit verlässlichem Einkommen okay ist, eigentlich nicht anders als bei uns. Schwierig ist es für Leute ohne ein festes Einkommen. Sie haben oft kein eigenes Konto, und sie kommen deshalb nicht an Unterstützung ran. Und da sie keine Rücklagen haben, ist die Situation tatsächlich schwierig.

Gibt es regionale Unterschiede?

Ja, Indien ist ein föderaler Staat. Der Süden, wo ich lebe, ist relativ einkommensreich und hat eine starke Agrarwirtschaft. Die Armutsbekämpfung funktioniert gut. Aber auch hier gibt es einzelne Bevölkerungsgruppen, Volksstämme, die aus dem Raster fallen, für die ist es schwer. Zwar gibt es NGOs, die sich dieser Menschen annehmen, aber auch diese Organisationen können ja im Moment nur eingeschränkt arbeiten.

Und wie geht es Ihren Mitarbeitern?

Sie können gehören zur unteren Mittelschicht und können sich noch über Wasser halten. Ein Monat ohne Einkommen ist gerade so verkraftbar für sie.

 

Die Kunststiftung wünscht Jasmin Eppert und Ihren Mitarbeitern, dass sie die Zeit gut überstehen! Und dass eines Tages doch noch die während ihres Aufenthaltes entstandenen Arbeiten unserer beiden Stipendiaten Christine Bergmann und Stefan Schwarzer im Museum ausgestellt werden können!

Der Missionar Bartholomäus Ziegenbalg

Eine kurze Biografie …

(aus: „THARANGAMBADI-REPORTS – Auf den Spuren von Bartholomäus Ziegenbalg in Südindien“ von Stefan Schwarzer)

 

Bartholomäus Ziegenbalg wurde im Jahre 1682 in Pulsnitz geboren und war bereits im Alter von zwölf Jahren Vollwaise. Nach einer unglücklichen Kindheit studierte er Theologie an der Universität Halle als Schüler von August Hermann Francke, der in Halle eine Bildungseinrichtung für elternlose Kinder gegründet hat. Bereits im Jugendalter von Krankheiten gezeichnet, konnte er das Studium nicht abschließen und arbeitete als Lehrer in verschiedenen Privatschulen.

Im Jahre 1705 wurde Ziegenbalg zum Dienst in die Dänisch-Hallesche-Mission berufen und später vom dänischen König Friedrich IV. und dessen Hofprediger, Franz Julius Lütkens, in die dänische Kolonie Tranquebar an die Südostküste Indiens entsandt, wo er im Jahre 1706 eintraf. Als Pastor der ersten deutschen, evangelischen Mission in Indien erlernte Ziegenbalg die tamilische Sprache. Sein Verdienst war es, das Neue Testament und größere Teile des Alten Testaments ins Tamilische übersetzt zu haben. Die „Tranquebar-Bibel“ konnte im Jahre 1713 mit einer aus Halle eingeführten Druckmaschine hergestellt werden. Umgekehrt übertrug Ziegenbalg auch Bücher aus dem Tamilischen ins Deutsche. In seinem nur kurzen Aufenthalt von 13 Jahren in Südindien gründete er Schulen, ein Kinderheim und die erste evangelisch-lutherische-tamilische Gemeinde (TELC) in Tranquebar, wo er auch die Kirche „Neu Jerusalem“ erbauen ließ.

Seine Tätigkeit übte er unter großen Schwierigkeiten und Anfeindungen durch die bereits ansässigen Europäer aus. Widerstand brachte seiner Arbeit vor allem die Dänische Ostindien-Kompanie entgegen, die ihre Handelsinteressen bedroht sah. Zudem geriet er auch in Konflikt zur „unchristlichen“ Lebensweise der Europäer in Tranquebar. Dafür wurde er für mehrere Monate in Gewahrsam genommen. Die Strapazen seiner vielfältigen Arbeit, die ungewohnten Lebensumstände und das Klima schwächten den ohnehin kränklichen Missionar so weit, dass er mit nur 36 Jahren im Jahre 1719 in Tranquebar verstarb.

 

… und einige Zitate

(zur Verfügung gestellt von Dr. Klaus Veltmann, Kustos der Franckeschen Stiftungen in Halle)

 

Aus einem Brief von Bartholomäus Ziegenbalg, Tranquebar, 1. Oktober 1706

 

„Es sind aber diese malabarischen Heiden ein sehr kluges und verständiges Volk, welche da mit großer Weisheit wollen gewonnen werden. Sie haben eben eine so akkurate Analogie in ihren Glaubenssachen, als wie wir Christen wohl haben mögen. Sie sind von dem zukünftigen Leben weit kräftiger überzeugt als die atheistischen Christen. Sie haben sehr viele Bücher, von welchen sie sagen, daß sie selbige gleichfalls von ihren Göttern empfangen haben als wie wir die heilige Schrift. In selbigen sind lauter lustige Historien von ihren Göttern und sehr annehmliche Dinge von der zukünftigen Welt enthalten, als daß ihnen hingegen unser Wort Gottes lauter verdrießliche Sachen vorzutragen scheint. Sie führen dabei ein sehr stilles, ehrbares und tugendsames Leben, darinnen sie es aus ihren bloß natürlichen Kräften den Christen zehnfältig zuvortun.“

 

 

Aus einem Brief von Bartholomäus Ziegenbalg, Tranquebar, 27. August 1709

 

„Tranquebar ist ehemals ein kleiner Flecken gewesen; nachmals aber, als es der König von Dännemarck durch einen gewissen Contract von dem damals allhier regirenden malabarischen Käyser überkommen, und es mit Europäern besetzet, ist es nach und nach zu einer feinen Stadt, so mit einem festen Castell versehen angewachsen. […] In der Stadt sind drey Kirchen der Christen, als nemlich die Dänische, welche Zion genennet wird, unsere, welche Jerusalem heisset, und die Papistische. Hiernebst ist auch eine grosse Mohrische oder Mahometanische Kirche, und unter den malabarischen Heyden sind fünf grosse Pagoden. Die Einwohner bestehen theils in weissen Europäern, theils in halbweissen Portugisen, theils in gelben Mohren, meistentheils aber in schwartzbraunen Malabaren.“

 

 

Aus einem Brief von Bartholomäus Ziegenbalg und Johann Ernst Gründler, Tranquebar, 9. September 1713

 

„Wir halten es auch nicht vor eine geringe Frucht unserer Mission, daß wir jährlich unser geliebtes Europa mit allerlei schriftlichen Relationen aus dieser ostindischen Welt versehen können. […] Hinführo soll es in diesem Stück gleichfalls an uns nicht ermangeln, also daß nach und nach durch unsern geringen Dienst das geliebte Europa mit seinen heiligen Gesetzen und Statuten der ostindischen Welt, und diese hinwiederum in ihren innerlichen und äußerlichen Beschaffenheiten der europäischen Welt besser kund und offenbar werde.“

 

Internationales Arbeitsstipendium Tharangambadi – Christine Bergmann

Über ihren Aufenthalt und ihre Arbeit schreibt Christine Bergmann:

 

Mein fast zweimonatiger Aufenthalt in Südindien in Kooperation mit dem Ziegenbalghaus Tharangambadi war eine intensive Reiseerfahrung, geprägt von vielen Begegnungen, damit verbundenen Gesprächen und unerwarteten Einblicken in die südindische Kultur und Gesellschaft sowie in sehr unterschiedliche Gesellschaftskreise, von Dorfbewohnern über die indische Mittelschicht, Künstlern und Kulturschaffende. Überall wurde mir dank der guten Kontakte und des Engagements der Museumsleiterin Jasmin Eppert Tür und Tor geöffnet. Ich meine, einen besseren Einblick gewonnen zu haben, als es einem Touristen möglich wäre. Ich habe die Zeit genutzt, um viel zu reisen und mir diverse Kulturstätten anzusehen, z.B. das Weltkulturerbe aus dem 7. Jahrhundert in Mamalapuram. Zudem besuchte ich die Kunsthochschule in Chennai und verbrachte einige Tage in der Künstlerkolonie Cholamandal. September bis Oktober in Südindien ist keine Touristenzeit. Damit avancierten wir unfreiwillig zu einer „weißen Attraktion“ und wurden überall zu Fotoshootings angehalten. Witzig: Die Inder nannten uns „farbig“!

 

Aus künstlerischer Sicht besonders angetan haben es mir die jugendlichen Schulmädchen mit ihren Uniformen, Zöpfen und bunten Schleifen. Ich war immer mit der Kamera bewaffnet, um Schnappschüsse von den Mädels zu machen. Aus Zwecken der künstlerischen Betriebsspionage besuchte ich dann auch die ortansässige Mädchenschule in Tharangambadi mit 1500 Schülerinnen. Das ist nun auch das Hauptthema der Malerei – abgesehen von ein paar Kühen und Ziegen.

Bei diesem neuen Thema ist mir aufgefallen, dass dunkelhäutige Menschen im Kanon der Malerei ein eher seltenes Sujet sind. In Indien, hat man mir erklärt, wird traditionell und alternativ eine bestimmte Farbe, z.B. blau, statt der naturalistischen Hauptfarbe verwendet. Das ist also eine malerische Herausforderung für mich, für die es vor allem im europäischen Kontext kaum Vorbilder gibt.

 

Auch hat mir das Klima zu denken gegeben: krasse Sonne, Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit, Starkregen. Erst vor Ort wird einem bewusst, dass im Prinzip nur bestimmte traditionelle Techniken bzw. Materialien, beispielsweise Textilkunst, Färberei oder Steinmetzarbeiten, den Herausforderungen des Klimas gewachsen sind. Meine Arbeiten mit Papier, aber auch die von mir verwendete Leimfarbe für Leinwandmalerei, sind für die klimatischen Bedingungen in Südindien ungeeignet und daher leider auch für die geplante Ausstellung in Tharangambadi. Zum aktuellen Zeitpunkt plane ich, stattdessen Arbeiten in Emaille bzw. Keramik anzufertigen, die neben dem Klima auch den Transport besser überstehen dürften.

 

Für meinen Kinderworkshop in Indien hatte ich mir einen Klassiker ausgesucht und ein Medium, das langsam aus der Mode gerät, mir aber immer noch viel bedeutet: Wir schreiben Briefe. Um die Sprachbarriere zu umgehen, bestanden die Briefe jedoch aus relativ wenig Text. Stattdessen bastelten wir Pop-Up-Karten. So nahm ich 11 Briefe der Kinder aus der Francke-Schule mit nach Indien, und 14 Kinder-Briefe schickten wir aus Indien per Post zurück nach Halle. Was eigentlich nur als Kinderprojekt gedacht war, hat sich in der Zwischenzeit zu einer neuen künstlerischen Leidenschaft weiterentwickelt.

 

So plane ich die Pop-up-Karten zu Pop-Up-Büchern (Künstlerbücher als Einzelstücke) weiterzuentwickeln. Das Medium scheint mir für die Verarbeitung bestimmter Reiseeindrücke, z. B. die indischen Häuser oder die allerorten anwesenden Haustiere, besser geeignet. An dieser Stelle hat mir nun der „Corona-Shutdown“ vorübergehend einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht, und ich muss mich noch etwas gedulden, bis ich alle Materialien, zum Beispiel die bunten Papiere aus Indien, beisammenhabe.

 

 

 

 

 

Die Indienbeziehungen der Franckeschen Stiftungen und ihre Wiederbelebung nach der deutschen Wiedervereinigung

Allen Widrigkeiten zum Trotz kamen die weltweiten Beziehungen der Franckeschen Stiftungen über dreihundert Jahre hinweg nie ganz zum Erliegen. Daran konnten weder die wechselhaften Konjunktu­ren der Stiftungsgeschichte selbst noch die politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen etwas ändern, denen die Stiftungen immer wieder und vor allem im 20. Jahrhundert in rascher Abfolge ausgesetzt waren. Selbst in der DDR-Zeit kamen oft ausländische Gäste in die Stiftungen, nicht selten aus einem starken Traditionsbewusstsein heraus oder vor dem Hintergrund einer historisch gewachsenen Verbundenheit der Stiftungen mit dem eigenen Herkunftsland. Jürgen Storz, der bis zum Ende der DDR als Archivar und Bibliotheksleiter die Quellenschätze der Stiftungen hütete, wurde immer wieder von Wissenschaftlern aus zahlreichen Ländern der Erde besucht und um Unterstützung bei deren Recherchen in den einzigartigen Quellenbeständen der Stiftungen gebeten. Denn gerade die kulturhistorischen Bestände der Stiftungen legen ein besonders beredtes Zeugnis von dem weltweiten Netzwerk des Halleschen Pietismus ab, das August Hermann Francke mit der Gründung seiner An­stalten seit dem Ende des 17. Jahrhundert vor allem über das protestantische Europa gespannt hatte und das darüber hinaus bis in entfernte Winkel Russlands, bis nach Nordamerika und sogar nach Süd­indien reichte.

So umfassen allein die Überlieferungen im Stiftungsarchiv aus der ersten protestantischen Mission, die 1706 auf Geheiß des dänischen Königs mit zwei Studenten Franckes an der  Ostküste Südindiens be­gann und bis in das 19. Jahrhundert hinein von Halle aus organisiert sowie theologisch, personell, materiell und logistisch unterstützt wurde, über 30.000 Manuskripte. Sie sind das Ergebnis eines wohlorganisierten Kommunikationssystems, in dem Berichte, Briefe, Stellungnahmen, Memoranden und andere Dokumente ein fein aufeinander abgestimmtes Informationsgeflecht bildeten. Diese Hand­schriften wurden schon im 18. Jahrhundert sorgsam in eigens dafür angefertigten Archivtruhen auf­bewahrt. Und dort lagen sie auch noch in kleinen wabenartigen Fächern hinter soliden klappbaren Holzladen, als die Rettung und der systematische Wiederaufbau der Stiftungen nach der deutschen Wiedervereinigung an Fahrt gewann. Dem Verfasser dieser Zeilen, der als frisch gebackener Archivar von Jürgen Storz die Hoheit über das Archiv in Form mehrerer beeindruckender Schlüsselbunde erhielt, kam es damals vor, als hätte seit mindestens hundert Jahren niemand mehr die barock verzier­ten Archivtruhen geöffnet, die in dem niedrigen und eigenartig dämmrigen Zwischengeschoss der alten Mädchenwaisenanstalt am Lindenhof standen. Die Manuskripte lagen bündelweise, mit ihrer originalen Signatur versehen, von dickem Staub bedeckt und wirkten, als wären sie seit Ewigkeiten unberührt geblieben. An anderer Stelle im Archiv schlummerten zusätzlich Hunderte von Palmblattmanuskripten, die in den südindischen Sprachen Tamil und Telugu von dem traditionsreichen Kulturaustausch zwischen Indien und Europa zeugten.

Als das Archiv als wichtiger Arbeitszweig der neu formierten Stiftung für die öffentliche Nutzung wieder geöffnet wurde, setzte umgehend ein großer Zulauf ein. Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Westen Deutschlands reisten mit dem Gefühl nach Halle, nun erstmals nach vielen Jahrzehnten ohne Einschränkungen die Bestände nutzen zu dürfen und ihren wissenschaftlichen Fragestellungen frei nachgehen zu können. Auch aus dem Ausland regte sich ein starkes Interesse an den Beständen. Bereits kurz nach der Wende kam ein junger tamilischer Wissenschaftler in die Franckeschen Stiftungen, der sich dort mit seiner kleinen Familie niederließ und über mehrere Jahre hinweg das Stiftungsarchiv und insbesondere die Indienbestände beforschte, um seine Dissertation an der theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität zu schreiben. Daniel Jeyaraj, heute ordentlicher Theologieprofessor in Liverpool und ein Wissenschaftler von Weltruf, stellte damals auch den Kontakt zwischen dem Stiftungsdirektorium und der Tamil Evangelical Lutheran Church (TELC) her, jener Kirche, die aus der alten Dänisch-Halleschen-Mission hervorgegangen ist. Daraufhin erschien Mitte der 1990er Jahre in den Franckeschen Stiftungen eine kleine Delegation aus Südindien unter der Leitung von Dr. Rajaratnam, dem Direktor eines lutherischen College in Chennai, der Hauptstadt des südindischen Bundesstaates Tamil Nadu. Die indischen Besucher brachten, so wie zahlreiche nach ihnen, ihre große Hochachtung vor den Franckeschen Stiftungen als der geistigen und geistlichen Wurzel ihrer eigenen Kirche zum Ausdruck. Dr. Rajaratnam, ein resoluter älterer Herr von schmaler Statur und beeindruckender Ausstrahlung, meldete aber umgehend bei dem erstaunten Stiftungsdirektor Prof. Dr. Paul Raabe seinen Anspruch auf alle indienbezogenen Quellenbestände an, die im Stiftungsarchiv aufbewahrt werden. Seinen Anspruch begründete er damit, dass die unzähligen Manuskripte schließlich ihre indische Geschichte enthielten, deswegen für die indischen Christen von identitätsstiftender Bedeutung seien und insofern nach Indien gehörten. Der Forderung wurde durch das bevorstehende 300. Gründungsjubiläum der Dänisch-Halleschen-Mission, das man zusammen vorbereiten und 2006 als internationales Ereignis begehen wollte, zusätzlicher Nachdruck verliehen.

Prof. Raabe war sich der Bedeutung der neu gespannten Beziehungen nach Indien für die Stiftungen bewusst. Deswegen erwog er, Kopien des Indienarchivs anfertigen zu lassen, um sie in dem College in Chennai, dem Dr. Rajaratnam vorstand, fortan auch der indischen Wissenschaft ohne umständliche Reisen zugänglich zu machen. Der Stiftungsarchivar schlug dagegen vor, zunächst die mehreren zehn­tausend Handschriften systematisch zu inventarisieren und inhaltliche Zusammenfassungen jedes einzelnen Manuskripts anzufertigen. Es gelang dann tatsächlich, von der Deutschen Forschungs­gemeinschaft hierfür die notwendigen Mittel einzuwerben. Als Glücksfall kam noch hinzu, dass sich das Leipziger Missionswerk damals dazu entschloss, sein historisches Missionsarchiv künftig in den Franckeschen Stiftungen aufbewahren und fachlich verwalten zu lassen, das ergänzende Quellen­bestände enthielt. Das Ergebnis war eine Datenbank mit Inhaltsangaben und zahlreichen Register- und Suchfunktionen zu insgesamt 35.000 Manuskripten, die seitdem weltweit im Internet zugänglich ist. Zusätzlich wurden Mikrofilmkopien von weiten Teilen des Indienarchivs angefertigt und an das Partnercollege in Chennai übergeben. Auf dieser Grundlage konnte das Jubiläum 2006 in Halle und anderen Orten Deutschlands ebenso wie in Südindien, aber auch in Dänemark mit zahlreichen Ausstel­lungen, Publikationen und Festveranstaltungen begangen werden. Das festigte die neu gewonnene Partnerschaft nachhaltig, aus der seitdem zahlreiche Folgeprojekte in der Tradition eines echten inter­kulturellen Austauschs hervorgegangen sind.

Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke
Direktor der Franckeschen Stiftungen

Künstler kochen für Künstler

Künstler haben gewöhnlich kein Problem damit, sich allein und für längere Zeit zu beschäftigen. Dennoch – die Tage und die Abende können schon lang werden ohne soziale Kontakte, kulturelle Angebote oder auch mal ein schönes Essen auswärts. In Zeiten der Corona-Krise funktioniert das alles nicht, also müssen sich die Menschen auf sich selbst besinnen und das Schöngeistige zu sich nach Hause holen! Damit auch der Magen nicht zu kurz kommt, veröffentlichen wir auch heute wieder ein Rezept unter der Rubrik „Künstler kochen für Künstler“. Jasmin Eppert, die Kuratorin des Ziegenbalg-Museums in Tharangambadi und seit vielen Jahren dort lebend, hat uns erklärt, wie Joghurtreis zubereitet wird. Wir wünschen gutes Gelingen!

 

Herzhafter Joghurtreis für 2 Personen

1 Tasse = 250ml

Die Essentials:

  • ½ Tasse Reis oder Beutelreis je nach Angabe für 2 Personen
  • 1 ½ – 2 Tassen Wasser
  • 1- 1 ½ Tassen sahniger Naturjoghurt
  • ¼ Tasse Milch
  • Salz – nach Bedarf
  • Öl – nach Bedarf

Für die indische Note:

  • 1 Teelöffel Ghee (zerlassene und wieder gehärtete Butter)
  • ½ Teelöffel Schwarze Senfkörner – eine große Prise
  • ½ Teelöffel Kümmelsamen
  • 1 große Prise klassische indische Gewürzmischung (Curry oder Garam Masalla)
  • 1 handvoll Curryblätter
  • 1 halben Teelöffel Ingwer

Für die Schärfe:

  • 1-3* kleine grüne Chilischote oder
  • 1 getrocknete rote Chilischote+ oder
  • eine kleine Prise rotes Chilipulver+

*       1 Chilischote für Anfänger, 2 Chilischoten für Liebhaber, 3 Chilischoten für absolute Experten

+        Entspricht der Dosis für Anfänger und Liebhaber: Kinder mögen es eher nicht.

Für den Pepp

  • 1 mittlere Mohrrübe geraspelt
  • ½ rote Paprika in kleinen Stücken
  • ⅓ oder ½ kleine Gurke in kleinen Stücken
  • ¼ Granatapfel
  • 8 Cashewkerne – halbiert

Bei diesem Gericht gilt: Alles kann, nichts muss, außer Reis, Joghurt, Milch und Salz

Den Reis NICHT waschen. Die Stärke macht ihn sehmig und klebrig – ideal für dieses Gericht. Den Reis mutig salzen und in 1 ½ bis 2 Tasen Wasser 10-30 Minuten in einem Topf einweichen. Anschließend die Portion mit geschlossenem Deckel bei starker Hitze zum Kochen bringen, dann bei schwacher Hitze köcheln lassen (gelegentlich umrühren) und weich kochen. Am Ende öfter umrühren. Sollte das Wasser verkocht, der Reis aber noch nicht ganz weich sein, eine halbe Tasse heißes Wasser aus dem Wasserkocher hinzufügen. In Indien wird für das Reiskochen in vielen Küchen ein Schnellkochtopf genutzt: Der Reis ist fertig, wenn der Topf vier mal Dampf abgelassen hat, damit das den Kochenden erspart bleibt. Etwas Öl oder Butter und tapferes Rühren sollten auch dabei helfen, dass der Reis im gewöhnlichen Topf nicht anbrennt.

Die Zutaten „Für den Pepp“ nach Belieben einzeln, in Kombination oder gar nicht verwenden. Hierfür das Gemüse schälen. Die Mohrrübe raspeln. Paprika und Gurke in kleine Stückchen schneiden, NICHT raspeln. Geduldig und geschickt ¼ Granatapfel entkernen und die Cashews halbieren – es lohnt sich.

Die Zutaten „Für die indische Note“ und „Für die Schärfe“ nach Verfügbarkeit einzeln, in Kombination oder gar nicht verwenden und in einem großen Topf anbraten. Zunächst das Ghee in Öl etwas erhitzen und schwarze Senfsamen und Kümmel darin anbraten, bis sie tanzen. Dann die Cashews und die anderen Gewürze dazugeben. Solange braten bis die Cashews etwas anbräunen und die Augen vom Chili tränen. Möhren und Ingwer machen den Vorfreudengeruch komplett. Das Gemüse dazugeben und bei kleiner Flamme kurz erwärmen – NICHT dünsten. Mit der Milch ablöschen und diese vorsichtig erwärmen, nicht kochen.

Den Joghurt und den indisch-scharfen Milchmix unter den Reis rühren. Joghurt je nach Bedarf dosieren: flüssig, cremig, saucig oder trocken. Das Gericht kann lauwarm oder kalt serviert werden. Den Reis nicht noch ein zweites Mal erwärmen, sondern lieber essen.

 

 

 

 

„Ich genieße, dass alles ein bisschen ruhiger ist“ – Interview mit Christine Bergmann

Christine Bergmann, Malerin, Reisende

 

Frau Bergmann, wie geht es Ihnen?

Christine Bergmann: In der Kunst lebt man oft auf der Überholspur. Deadline immer zu vorgestern. Ich kann es durchaus genießen, dass alles ein bisschen ruhiger geworden ist.

Sind Ihnen Aufträge weggebrochen?

Eigentlich sollten Anfang Mai die Bilder von Stefan Schwarzer und mir in den Franckeschen Stiftungen ausgestellt werden, die nach unserem Indien-Stipendium entstanden sind. Die Ausstellung hat sich nun verschoben. Ähnlich ist es mit anderen Projekten. Ich arbeite seit 20 Jahren für das Krankenhaus St. Elisabeth hier in Halle, da musste erstmal geklärt werden, was jetzt noch erlaubt ist an Besucherverkehr. Im Dezember 2019 habe ich einen Kunst am Bau Wettbewerb für das Bundesministerium für Gesundheit in Berlin gewonnen. Man kann sich vorstellen, dass das Bundesministerium gerade andere Problem hat.

 

Arbeiten Sie trotzdem an etwas?

Ja, an der Ausstellung – dann eben für später. Ich bin viel gereist während meines Aufenthaltes in Indien, und von den dabei entstandenen Fotos male ich nun Bilder. Sonst muss ich mich zum Malen regelrecht abkapseln, kein Telefon, möglichst keine Termine. Das geht jetzt natürlich einfacher als im Normalbetrieb. Hätte die Ausstellung wie geplant stattgefunden, wären die Bilder jetzt schon fertig. Nun nehme ich mir mehr Zeit, probiere mehr aus, denke auch mehr darüber nach.

Was bedeutet Ihnen Heimat in dieser Zeit?

Ostern ist ein gutes Beispiel: Familie und Freunde, bestimmte Rituale, ein Ort, an dem man sich zu Hause fühlt. Sonst war ich Ostern immer an der Ostsee bei meinen Eltern. Zwischen Fisch am Karfreitag und Süßigkeiten am Ostersonntag gucken wir alle zum tausendstenmal die alten Sandalenschinken im Fernsehen und verbessern per Fernzauber aus Rom unser Seelenheil. Das hat mir dieses Jahr alles sehr gefehlt.

 

Wird sich für Sie etwas verändern nach dieser Zeit?

Unplanbarkeiten und finanzielle Ausnahmesituationen gehören ja quasi zum Berufsprofil. Neu ist, dass es plötzlich allen so geht. Ich hoffe nicht, dass sich für mich gravierend etwas ändert, wenn die Normalität zurückkehrt. Aber ich befürchte, dass die Wirtschaft stark beschädigt wird. Künstler brauchen nunmal Käufer, und Käufer brauchen Geld. Man kann nur abwarten.

 

Christine Bergmann genießt es durchaus, jetzt noch mehr Zeit zu haben für ihre Kunst. Aber produziert sie nun mehr als sonst? Nun ja … Sie zitiert an dieser Stelle Neo Rauch, sinngemäß: Ein Bild sei dann fertig, wenn der Transporteur komme, um es abzuholen.…

 

 

 

Vita

 

1976 in Dessau geboren | 1996 Abitur in Bremen | 1996 – 2003 Studium der Malerei und Textilen Künste an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle | 2003 – 2018 freie Mitarbeiterin der Fachklasse Malerei/Textile Künste der HKD Halle mit Lehrtätigkeit Kunst am Bau | seit 2000 Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen u. a. in Halle, Leipzig, Magdeburg, Berlin, Klagenfurt sowie 16 realisierte Projekte Kunst am Bau | 2009/2010 Aufenthalt im Atelierprogram „Pilotenkueche“, Baumwoll-Spinnerei, Leipzig | 2011 Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreis „Bauwerk des Jahres“ | 2017 Heimatstipendium der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt I 2010 Erster Platz des Wettbewerbs Kunst am Bau für das Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Magdeburg | 2019 Erster Platz des Wettbewerbs Kunst am Bau Bundesministerium für Gesundheit Berlin | Seit 2019 Mitglied im Beirat für Stadtgestaltung der Stadt Dessau I lebt und arbeitet in Halle (Saale)

 

 

HEIMATSTIPENDIUM#2 in den Startlöchern: Zehn Künstlerinnen und Künstler ausgewählt

Die zehn Stipendiaten und Stipendiatinnen für die zweite Runde des HEIMATSTIPENDIUMs der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt stehen fest. Sie wurden aus einer Vielzahl von Bewerbungen ausgewählt. Insgesamt lagen 66 Anträge von Künstlerinnen und Künstlern aller Sparten mit 88 Projektskizzen vor. Die Preisträger erhalten für ihr auf ein Jahr angelegtes Projekt ein Stipendium in Höhe von je 12.000 Euro.

 

Folgende Künstlerinnen und Künstler wurden mit ihrem für ein bestimmtes Museum konzipiertes Projekt ausgewählt:

 

Mareen Alburg Duncker – Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ Bernburg

 

Julia Rückert – Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau

 

Thomas Jeschner – Regionalgeschichtliche Sammlung der Lutherstadt Eisleben

 

Petra Reichenbach – Schloss und Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin in Kooperation mit der Stadt Annaburg (Landkreis Wittenberg)

 

Etienne Dietzel – Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel (Altmarkkreis)

 

Annette Funke – Salzlandmuseum Schönebeck (Salzlandkreis)

 

Julia Himmelmann – Börde-Museum Burg Ummendorf (Börde)

 

Nora Mona Bach – ErlebnisZentrum Bergbau Röhrigschacht Wettelrode (Mansfeld-Südharz)

 

Julia Schleicher – Museum Schloss Moritzburg Zeitz – Deutsches Kinderwagenmuseum (Burgenlandkreis)

 

Lucie Göpfert – KULTURQUADRAT Schloss Zörbig – Museum (Anhalt-Bitterfeld)

 

 

Mit dem HEIMATSTIPENDIUM#2 gibt die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt Künstlerinnen und Künstlern die Gelegenheit, sich mit ausgewählten musealen Sammlungen des Bundeslandes auseinanderzusetzen, und ermöglicht ihnen dort den Zugang und die künstlerische Arbeit. Sie können sich mit den Sammlungen und Schätzen der Häuser befassen und, davon inspiriert, neue Arbeiten entwickeln, die das kulturelle Erbe reflektieren. Die Kunststiftung gibt mit diesem Programm auch den Museen die Möglichkeit, sich der zeitgenössischen Kunst zu öffnen, um ein neues Publikum an diese spannenden Orte zu locken und öffentliches Interesse zu wecken. Zum Abschluss des Programms wird die zeitgenössische Kunst mit den Schätzen der unterschiedlich ausgerichteten Sammlungen in Sonderausstellungen zusammengebracht. So gibt es in den Präsentationen nicht nur den „Blick zurück“, sondern auch Positionen aus der Gegenwart.

 

Das Gesamtbudget für das HEIMATSTIPENDIUM#2 beläuft sich auf rund 300.000 Euro und wird vollständig von der Kloster Bergesche Stiftung finanziert. Im Laufe des Jahres wird das Projekt von weiteren Aktionen flankiert. Damit sollen immer wieder Anreize geschaffen werden, um ein breites Publikum in die Museen zu locken.

Der genaue Termin für den Start vom HEIMATSTIPENDIUM#2 ist noch offen. Er hängt von der weiteren Entwicklung der Corona-Lage ab und wird vorab bekannt gegeben.

 

 

17. April 2020

Kunststiftung Sachsen-Anhalt

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Mareen Alburg Duncker – Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ Bernburg

Mareen Alburg Duncker – Gedenkschmuck

Mareen Alburg Duncker war nach eigenem Bekunden tief bewegt, als sie die Bernburger Gedenkstätte zum ersten Mal besuchte. Die Wucht der Emotionen, die sie in den Räumen überfiel, veranlasste sie zu ihrem Projekt. In den Gaskammern der damaligen „Euthanasie“-Anstalt, die sich auf dem Gelände eines psychiatrischen Krankenhauses befand, wurden zwischen 1940 und 1943 etwa 14.000 Menschen wegen körperlicher oder geistiger Einschränkungen ermordet. Im hinteren Teil der Tötungsanstalt befindet sich heute eine beleuchtete Foto-Wand mit den Bildern einiger Opfer. Der Blick in diese Gesichter schafft Nähe und Betroffenheit zugleich, und es scheint, als werden die Menschen dadurch ein wenig aus der Anonymität herausgeholt. Ein wünschenswerter Prozess, den Mareen Alburg Duncker weiter vorantreiben möchte. Deshalb will sie für diese Ermordeten individuellen Gedenkschmuck herstellen. Dazu wird sie sich intensiv mit den einzelnen Lebensläufen beschäftigen. Der Gedenkschmuck wird als Titel den Namen des jeweiligen Opfers tragen. Auf diese Weise sollen diese Menschen ein Stück ihrer Würde zurückerhalten, die man ihnen in der Anstalt vor 80 Jahren genommen hat.

Vita: geboren 1975 in Hennigsdorf bei Berlin, Absolventin der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein, Fachrichtung Schmuck. Sie war bereits mehrfach Stipendiatin der Kunststiftung des Landes, ist Mitbegründerin der Schmuckkantine und seit 2011 Dozentin an der Kreativwerkstatt in Aschersleben. Sie lebt als Freie Schmuckgestalterin in Halle.

 

Gedenkstätte für Opfer der NS-Euthanasie Bernburg

Die Gedenkstätte auf dem Gelände des psychiatrischen Fachklinikums Bernburg erinnert am authentischen Ort an die massenhafte Ermordung von kranken, behinderten und sozial auffälligen Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus („Euthanasie“). Die Einrichtung verfügt über einen kleinen Sammlungsbestand, vor allem in Form von Texten und Fotos. Das einzige dreidimensionale Exponat, das auch im Sinne der Ausstellungsgestaltung genutzt wird, sind die baulichen Reste der ehemaligen Vernichtungsanlage. Gaskammer, Sektionsraum, Leichenraum und Krematorium haben eine hohe emotionale Ausstrahlung.

www.gedenkstaette-bernburg.sachsen-anhalt.de

 

 

 

Julia Rückert – Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau

Julia Rückert – Phantasie-Exponate

Die tief empfundene Nähe, die Julia Rückert zu den Naturwissenschaften spürt, hat wohl damit zu tun, dass sie vor dem Start ihrer Künstlerkarriere einst Medizin studierte. Insbesondere die Anatomie und die Funktionsweise des menschlichen Körpers haben es ihr angetan. Was liegt da näher, als sich dieses spezielle Interesse für ihr Projekt zu Nutze zu machen? Noch dazu, wo allein die bloße Idee vermuten lässt, dass das Ergebnis im höchsten Maß unterhaltsam sein dürfte. Im Zuge ihrer Arbeit will Julia Rückert die naturwissenschaftliche Sammlung in Dessau gewissermaßen aufstocken. In diesem Prozess sollen neue, phantasievolle Exponate entstehen, die dann unter die echten „gemischt“ werden. So entstehen neue Tier- oder Dinosaurierarten oder eigenartige Mischwesen, die bei den Besuchern durchaus für Irritation sorgen dürfen. Augenzwinkern inklusive. Ein Projekt, das dem großen Loriot sicher gefallen hätte: Der erfand 1977 seine berühmte Steinlaus und beschrieb und zeichnete sie detailreich – wenige Jahre später erhielt das Tier einen eigenen Eintrag in einem der wichtigsten Medizinischen Wörterbücher, dem Pschyrembel, und ist dort bis heute zu finden.

Vita: geboren 1980 in München, hat sie nach einer Ausbildung zur Rettungssanitäterin zunächst Medizin studiert. Nach dem Praktikum bei einem Goldschmied in Göttingen studierte sie Kunst an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle. 2015 gründete sie das Label MONJU Keramik. Im gleichen Jahr waren ihre Werke unter anderem anlässlich der Ausstellung nominierter Wettbewerbsbeiträge beim Internationalen Lucas-Cranach-Preis in Wittenberg und Kronach zu sehen. Sie lebt als freie Künstlerin in Halle.

Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau

Das Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau bietet seinen Besuchern Dauerausstellungen zu Landschaftsgeschichte und Biodiversität in Anhalt. Sonderausstellungen widmen sich auch überregionalen und aktuellen Fragen. Das Museum beherbergt mit rund eine Million Exemplaren die umfangreichsten naturkundlichen Sammlungen in Anhalt, sowie zahlreiche bedeutsame vorgeschichtliche Exponate. Es sind die Fachbereiche Vor- und Frühgeschichte, Geologie, Paläontologie, Botanik, Wirbellose und Wirbeltiere vertreten. Eine umfangreiche Fachbibliothek mit mehr als 32.000 Medieneinheiten steht der Öffentlichkeit und Fachbesuchern zur Verfügung. Aktuelle wissenschaftliche Arbeit findet in den Abteilungen Paläontologie, Entomologie und Botanik statt. Hierzu steht das Museum in vielfältigen Kooperationsbeziehungen und gibt eine eigene Fachzeitschrift heraus.

http://www.museum-digital.de

 

 

 

Petra Reichenbach – Schloss und Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin

Petra Reichenbach – Schloss und Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin in Kooperation mit der Stadt Annaburg (Landkreis Wittenberg)

Projekt: Ein Frauenort. Starke Frauen in den Frauengemächern – Erst Schloss, dann Konzentrationslager. – Die wechselhafte Nutzung der weitläufigen Anlage in Prettin könnte verstörender nicht sein. Die vorgefundene Diskrepanz zwischen Renaissance-Schloss und KZ-Gedenkstätte hat Petra Reichenbach sofort in ihren Bann gezogen. So entstand der Wunsch, eine Brücke zwischen beiden Bereichen zu schlagen. Als Verbindung der Ebenen soll eine Zimmerflucht dienen, die die so genannten Frauengemächer beherbergte. Sie erzählen Frauengeschichte(n) von der Frührenaissance bis zur heutigen Zeit. In diesen Räumen werden derzeit alte Wandmalereien schichtweise freigelegt. Sie inspirierten die Künstlerin zu einer Installation, die sie dort umsetzen möchte. Auf Stoffbahnen sollen großformatige Frauenporträts entstehen. Überlappende Gewebebahnen fungieren dabei als zeitgeschichtliche Überlagerung – wie in den Wandmalereien. Auf diese Weise sollen die toten Räume zum Leben erweckt werden. Außerdem sollen Informationen zu den Personen erarbeitet und zugänglich gemacht werden. Sie werden unter Einbeziehung von Schülerinnen und Schülern des örtlichen Gymnasiums entstehen.

Vita: geboren in Aachen, studierte in München Modegrafik, war als Artdirectorin bei der Berliner Werbeagentur Scholz & Friends und als Editorial Artist beim New York Times Sunday Magazine tätig. 2013 erhielt sie den Preis der Klassik Stiftung Weimar. 2014 gründete sie das Book Art Center Halle. Sie lebt seit 1999 als freie Grafikdesignerin und Buchgestalterin in Halle.

Lichtenburg Schloss und KZ Gedenkstätte Prettin

Der Renaissanceschlosskomplex Lichtenburg ist als einzigartiges Ensemble in seiner historischen Bausubstanz erhalten. Zum Museum Schloss Lichtenburg gehören unter anderem die Schlosskirche sowie die sogenannten Frauengemächer. Zum Sammlungsprofil gehört die Stadtgeschichte Prettins. Die Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin erinnert an die mehr als 10.000 Menschen, die in den Konzentrationslagern im Schloss Lichtenburg inhaftiert waren. Sowohl das Museum als auch die Gedenkstätte befinden sich im Schlosskomplex Lichtenburg. Dieser wurde in der Geschichte ganz unterschiedlich genutzt. Er war Antoniterkloster, Nebenresidenz und kurfürstlicher Witwensitz, Strafanstalt, Konzentrationslager, Standort der LPG „Geschwister Scholl“, Lehrlingswohnheim. Damit wurde das Areal auch zu einem Brennglas der Geschichte, einem Ort großer Spannungsbögen und Gegensätze.

gedenkstaette-lichtenburg.sachsen-anhalt.de

 

 

 

Etienne Dietzel – Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel (Altmarkkreis)

Etienne Dietzel –  Erratischer Block

Gesteinsablagerungen, die nicht in das geologische Bild einer Region passen, und deswegen einen vermeintlichen Fremdkörper darstellen, werden als Erratiker bezeichnet. Solche Findlinge irritieren. Ihr Auftauchen am vermeintlich falschen Ort wurde früher mit Geschichten erklärt, die von Hexen oder Riesen handelten. In diesen alten Erzählungen steckt gewissermaßen ein „Gegengift“ zu den Mythen der Gegenwart. Umso bedeutsamer sind für Etienne Dietzel jene Orte, an denen solche Geschichten stattfinden können. Einen hat er mit dem Danneil-Museum in Salzwedel identifiziert. Dort stieß er auf die Geschichtensammlung „Sagenhafte Steine in der Altmark“. Darin werden Fragen nach Herkunft und Bestimmung als identitätsstiftende Elemente aufgeworfen, durch die die Steine zu einem Sinnbild des modernen Lebens in einem globalisierten Netz des steten Rauschens werden. Ausgangspunkt seiner Arbeit bildet ein Katalog aus Fototexturen von Steinen aus der Sagensammlung. Diese Texturen werden auf ein generiertes, soll heißen fiktives 3-D-Modell eines Steins projiziert. So, wie die Findlinge auf die Mythen gelegt wurden, legt sich das Bild der Steine auf die fiktive Form und schreibt ihr eine vermeintliche Entstehungsgeschichte ein. Als großformatige Prints sollen die Bilder mit der Monumentalität der eigentlichen Steine kokettieren, vor allem aber die Fehlstellungen und Verschiebungen sichtbar machen. Um eine Auseinandersetzung über die Grenzen der eigenen künstlerischen Arbeit hinaus führen zu können, möchte der Künstler im Anschluss eine öffentliche Wanderung zu den Orten führen, die in der Sagensammlung des Dannail-Museums eine Rolle spielen.

Vita: geboren 1986 in Bad Salzungen, absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Steinbildhauer und war bis 2012 in diesem Beruf tätig. Im Anschluss studierte er an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle. 2019 erhielt er ein Graduiertenstipendium des Landes Sachsen-Anhalt und erhielt den 1. Preis im Wettbewerb zur Gestaltung des neuen Planetariums in Halle. Dietzel lebt als freier Künstler in Halle.

 

Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel

Das nach dem Historiker Johann Friedrich Danneil benannte Regionalmuseum zeigt Exponate aus der Geschichte der westlichen Altmark und der Hansestadt Salzwedel. Ein Anziehungspunkt ist die Salzwedeler Madonna. Und auch der Weinbergaltar von Lucas Cranach dem Jüngeren ist ein überregional bekanntes Werk. Historische Möbel, Waffen, altes Zunfthandwerk, Meisterwerke der Kirchenkunst und andere Objekte zeugen von der Kunstfertigkeit altmärkischer Handwerker und Künstler. Besucher können außerdem die Geschichte des Salzwedeler Baumkuchens erkunden. Traditionell bedeutsam ist die auf Johann Friedrich Danneil zurückgehende Sammlung archäologischer Funde. Das Museumsgebäude ist ein eindrucksvoller Renaissancebau, ein ehemaliger Stadtsitz der hier ansässigen Adelsfamilie von der Schulenburg. Zum Museum gehört das Jenny-Marx-Haus, das einen Sonderbereich zur Person der in Salzwedel geborenen Sozialistin und Ehefrau des Kommunisten Karl Marx beherbergt, und außerdem die Langobardenwerkstatt in Zethlingen, die als museumspädagogisches Zentrum genutzt wird.

www.museen-altmarkkreis.de

 

 

 

 

 

 

 

 

Annette Funke – Salzlandmuseum Schönebeck (Salzlandkreis)

Annette Funke – Be-Tracht-ungen

Die Tradition der Feste des Kirchenjahres, die sie als Kind im katholisch geprägten Eichsfeld erlebt hat, sind Annette Funke noch heute innere Heimat. In ihrer künstlerischen Arbeit sucht sie immer wieder nach Antworten auf die Frage, welche Rolle Traditionen in modernen Gesellschaften noch einnehmen können. Nicht zuletzt deshalb möchte sie die im Fundus des Salzlandmuseums Schönebeck lagernden Bördetrachten neu präsentieren. Als Träger von Erinnerungen sollen sie so positioniert werden, dass sie die heutige Zeit berühren. Dafür hat es sich Annette Funke zur Aufgabe gemacht, ein gleichermaßen fundiertes wie erzählerisch lebendiges Ausstellungskonzept zu entwickeln. Es soll alte Geschichten, Mundart und andere Besonderheiten geschickt in die Präsentation mit einbeziehen. Die Bördetrachten sollen dabei in den herausgearbeiteten Kontexten inszeniert, und in großformatigen Porträts und Stilleben im klassischen Papierschnitt festgehalten werden. Mit besonderem Blick auf die Stickereien der Gewänder sollen kleine, plastische und farbige Faltgrafiken als Zwischenspiele entstehen, die die Bewegtheit des getragenen Stoffes thematisieren. Das Zusammenspiel von Bördetrachten, Papierschnitten und Grafiken aus gefaltetem Papier soll den Betrachter auf zu jeder Zeit aktuelle Aspekte menschlichen Zusammenlebens verweisen.

Vita: geboren 1974 in Thüringen, nach einer Ausbildung zur Sozialpädagogin studierte sie Spielmitteldesign an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle. Seit 2008 ist sie aktives Mitglied des KinderKunstForum e.V.. 2012 erhielt sie den 1. Preis des bundesweiten Ideenwettbewerbs der Initiative der Bürgerstiftungen zum Thema „Brücken bauen über soziale Milieus“ der Herbert Quandt-Stiftung Hamburg. Annette Funke lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin und Kunstpädagogin in Halle.

 

Salzlandmuseum Schönebeck (Salzlandkreis)

Seit 2011 trägt das Kreismuseum Schönebeck den Namen Salzlandmuseum. In einem neuen Multimediaraum besteht die Möglichkeit, den Landkreis auf einer vier Meter großen Leinwand virtuell zu bereisen. 2014 wurde eine neue Dauerausstellung zur Salzgeschichte eröffnet. 2015 konnte die Ausstellung zur Binnenschifffahrt auf Elbe, Saale und Bode übergeben werden. Als Abschluss des Umgestaltungsprozesses wurde 2016 ein Ausstellungsraum zum Ringheiligtum Pömmelte im Salzlandmuseum eröffnet. Im Depot des Museums ruhen zudem viele Bördetrachten. Diese speziellen Gewänder, darunter der Tausendfaltenrock oder die Schnabelhaube, entwickelten sich, als die Industrialisierung der Landwirtschaft die Region im 19. Jahrhundert reich machte.

www.museum.salzlandkreis.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Julia Himmelmann – Börde-Museum Burg Ummendorf (Börde)

Julia Himmelmann: Die Börde im Wandel

Der Fundus des Börde-Museums in Ummendorf deckt facettenreich die Geschichte der Region ab. Die umfangreiche Sammlung birgt ein großes Potenzial, dem sich Julia Himmelmann mit einem ebensolchen Konzept nähern will. Ihr Ausgangspunkt: die fruchtbare Börderegion und ihre Kulturgeschichte, wie sie sich im Fundus des Börde-Museums nachvollziehen lässt. Auch dort spiegelt sich exemplarisch der kulturelle Wandel. Diese Ablagerung und Überlagerung kultureller Prozesse möchte sie aufgreifen und reflektieren. Im Mittelpunkt stehen sehr verschiedene Aspekte: die Fruchtbarkeit des Bodens, die Geschlechterrolle der Frauen und das kraftvolle Wirken von Mensch und Erde. Zu all diesen Bereichen gibt es umfangreiches Material, das Julia Himmelmann in einer ersten Phase sichten, erschließen und dokumentieren möchte. Dazu zählen Keramiken aus vielen Zeitepochen, Trachtenkleidung aus dem 19. Jahrhundert und eine umfangreiche Fotosammlung des Künstlers F. Giesecke, die Einblicke in den Alltag des Lebens in der Börde gewähren. Darüber hinaus möchte die Künstlerin an der Ausarbeitung eines neuen Ausstellungskonzepts mitarbeiten. Neuer Bestandteil soll auch die Vielschichtigkeit weiblicher Identität in der Börde werden. In einer zweiten Schaffensphase sollen Julia Himmelmanns Eindrücke in die Gestaltung keramischer Plastiken einfließen, die die Rolle der Frauen und die Fruchtbarkeit der Region gleichermaßen aufgreifen. Darüber hinaus wird eine Videoarbeit entstehen. Kurze Sequenzen sollen dabei von der Kraft und dem Wandel erzählen.

Vita: geboren 1984 in Leverkusen; nach einer Ausbildung zur Keramikerin und einer Studienreise nach Kanada studierte sie Bildende Kunst im Fachbereich Keramik an der Hochschule für Kunst und Design in Halle. 2018 wurde sie für den 11. Kunstpreis der Stadt Wesseling nominiert; 2019 erhielt sie den 8. Kunstpreis der Stadt Schwarzenberg, Art Figura. Julia Himmelmann lebt und arbeitet als Keramikkünstlerin in Halle.

 

Börde-Museum Burg Ummendorf (Börde)

Als kulturgeschichtliches Regionalmuseum der Magdeburger Börde blickt das Börde-Museum schon auf eine bald hundertjährige Geschichte zurück. Dort existieren eine Dauerausstellung und regelmäßig wechselnde Sonderschauen. Ein Sammlungs- und Ausstellungsschwerpunkt ist die Landwirtschaft. Highlight der Außenanlage ist ein vollständiger Dampfpflugsatz. Herausragende Sammlungsbestände sind zudem der große Fundus an historischer Kleidung, das Fotoarchiv sowie diverse künstlerische Nachlässe. Voraussichtlich noch bis Ende 2021 sind die Innenräume der Burg aufgrund umfangreicher Sanierungsmaßnahmen für den Besucherverkehr geschlossen. Im Zuge dessen wird auch die Dauerausstellung grundlegend neu gestaltet.

www.boerde-museum-burg-ummendorf.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nora Mona Bach – ErlebnisZentrum Bergbau Röhrigschacht Wettelrode (Mansfeld-Südharz)

Nora Mona Bach: Eine Reflexion des Bergbaus

Schon als Kind suchte Nora Mona Bach, gemeinsam mit ihrem Vater, Achate und andere Steine. Und sie hat die Erzählungen ihres Großvaters noch lebhaft im Ohr, der als Bergmann unter Tage gearbeitet hat. Bei ihren Recherchen im Vorfeld der Bewerbung fand sie eine Vielzahl spannender Weggabelungen, die sie gern in und mit ihrer Arbeit im Röhrigschacht Wettelrode ablaufen möchte. Dabei soll die Arbeit explizit auf mehreren Ebenen stattfinden. So wird sie das Gelände und auch die heute noch in Wettelrode wahrnehmbaren Zeugnisse des Bergbaus erkunden und ihre Eindrücke anschließend in großformatigen Kohlezeichnungen umsetzen. Darüber hinaus ist es ihr wichtig, am und mit dem Ort des Museums direkt gestalterisch tätig zu werden. Eine Idee ist das „Durchsetzen“ des Wanderpfades und des Schachtganges mit künstlerischen Interventionen (Spiegel, Pigment, Glas). Sie sollen beim Betrachter für Irritation sorgen, und leise auf die der Landschaft eingeschriebenen Änderungen aufmerksam machen. Darüber hinaus soll ein dichtes szenisches Stück entstehen. Ein Text, der Bezug nimmt, auf die synergetischen Momente des Bergbaus, auf den Alltag und auf vor Ort aufgenommene Geschichten und Erzählungen. All das soll einer breiten öffentlichen Reflexion des Bergbaus und der durch ihn beeinflussten Landschaft dienen.

Vita: geboren 1988 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), studierte Kunst an der Hochschule für Kunst und Design in Halle. Nach einer Studienreise nach Damaskus absolvierte sie einen Aufbaustudiengang, ebenfalls an der Kunsthochschule in Halle. 2009 erhielt sie ein Stipendium der Wilhelm und Lotte Neufeld Stiftung am Klingspor Museum Offenbach. 2012 verbrachte sie eine Zeit als Artist in Residence am Bodensee. Nora Mona Bach lebt als freie Künstlerin in Halle.

 

ErlebnisZentrum Bergbau Röhrigschacht Wettelrode

Das ErlebnisZentrum Bergbau Röhrigschacht Wettelrode gehört heute zu den wichtigsten Zeugnissen der Industriekultur in Sachsen-Anhalt. Es befindet sich inmitten der historischen Bergbaulandschaft des südöstlichen Harzvorlandes. Markantes Wahrzeichen ist eines der ältesten stählernen Schachtfördergerüste Europas 1987 wurde der übertägige Bereich der Öffentlichkeit als Bergbaumuseum zugänglich gemacht. Die Dauerausstellung „Dies und anderes mehr kommt alles vom Bergbau her“ zeigt heute in den drei großen Themenkomplexen „Der Berg“, „Der Bergbau“ und „Der Bergmann“ unter Beachtung des Zeitbezugs die 800jährige Geschichte des Kupferschieferbergbaus im Mansfelder- und Sangerhäuser Revier. Seit 1991 ist der Bereich unter Tage als Schaubergwerk für Besucher erschlossen. Dort wird in einem Abbaufeld aus dem 19. Jahrhundert die Entwicklung des Kupferschieferbergbaus von den Anfängen bis zur Neuzeit gezeigt.

www.roehrigschacht.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Julia Schleicher – Museum Schloss Moritzburg Zeitz – Deutsches Kinderwagenmuseum (Burgenlandkreis)

Julia Schleicher: Fatschenkinder

Ein kleines, eher unscheinbares Exponat fiel Julia Schleicher gleich zu Beginn ihres Besuchs im Zeitzer Kinderwagenmuseum auf: Die winzige Darstellung eines so genannten Fatschenkindes hinter Glas. Sie zeigt das Andachtsbild eines Jesuskindes. Der Ausdruck „fatschen“ bedeutet „eng wickeln“, heute kennt man ihn auch als „pucken“. Diese Fatschenkinder waren früher weit verbreitet. Häufig wurden sie in kleine Objektrahmen oder in ein Kästchen gebettet und mit Schmuck verziert. Novizinnen erhielten sie beim Eintritt ins Kloster, auch Hochzeitspaare bekamen sie geschenkt. Lange dienten sie zudem als Andachtsbild für den Hausgebrauch. Besonders angetan war Julia Schleicher von der Vielfalt der Darstellungen dieser Fatschenkinder. Und so lieferte ihr die Entdeckung im Zeitzer Museum zugleich die tragende Idee für ihr Projekt. Sie möchte sich mit verschiedenen Aspekten dieser Darstellungen befassen. Die liebevolle Fertigung und Präsentation reizen sie dabei besonders. Sie sollen ihr zugleich als Anregung für die Herstellung eigener Fatschenkinder dienen. Diese eigenen Plastiken sollen später gemeinsam mit Exponaten aus der Sammlung gezeigt werden.

Vita: geboren 1984 in Köln, studierte sie zunächst Theaterplastik in Dresden. Es folgte der Studiengang Bildhauerei an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle. 2014 erhielt sie den Gustav-Seitz-Preis für zeitgenössische figürliche Bildhauerei. Sie lebt als freischaffende Bildhauerin in Halle.

 

Museum Schloss Moritzburg Zeitz

Schloss Moritzburg Zeitz ist heute ein etabliertes touristisches Zentrum und das kulturelle Herz der Stadt Zeitz. Die dreiflügelige Schlossanlage beherbergt seit 1932 das Museum der Stadt Zeitz. Aufgrund seiner Entstehungsgeschichte verfügt das Museum über sehr umfangreiche, heterogene Sammlungsbestände. Zum Beispiel die Archäologischen Sammlungen zur Ur- und Frühgeschichte mit rund 12.000 Objekten, die Naturkundlichen Sammlungen zu Zoologie, Botanik und Geologie, Sammlungen zum Thema Wohnen, zur Postgeschichte, zur Verwaltung, sowie zur Numismatik und Architektur. Einzigartig ist die Sammlung von mehreren hundert Kinder-, Sport- und Puppenwagen, deren schönste Stücke im Deutschen Kinderwagenmuseum zu sehen sind. Weitere Spezialsammlungen befassen sich mit Uhren, dem Zeitzer Klavierbau, Fototechnik und Ethnografie sowie mit historischer Drucktechnik in einer funktionsfähigen Werkstatt. Innerhalb der Gemäldesammlung nimmt der Bestand von 14 Totenbildnissen der Herzogsfamilie von Sachsen-Zeitz einen besonderen Platz ein.

http://www.zeitz.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lucie Göpfert – KULTURQUADRAT Schloss Zörbig (Anhalt Bitterfeld)

Lucie Göpfert: Durch das Jahr mit Victor Blüthgen

Zu den berühmtesten ehemaligen Einwohnern der Gemeinde Zörbig zählen der Kinderbuchautor Victor Blüthgen und seine Frau Clara. Ihnen ist in der Sammlung im Schloss Zörbig ein ganzes Zimmer gewidmet. Als Lucie Göpfert dort auf Blüthgens Nachlass stieß, war sie sofort elektrisiert. Als Kinderbuchautorin fühlte sie sich von seiner liebevollen Sprache angezogen, und das, obwohl seine Texte bereits mehr als 100 Jahre alt sind. Blüthgens Themen sind durchaus zeitlos, oft geht es um Tiere, das Wetter oder die Jahreszeiten, kurz gesagt: um Dinge, die den Alltag von Kindern damals wie heute durchwirken. Lucie Göpfert möchte den Autor Victor Blüthgen ganz neu entdecken und ihn und sein Schaffen heutigen Kindern näher bringen. Unter dem Titel „Durch das Lahr mit Victor Blüthgen“ soll ein Buch für junge Leser entstehen, für das seine alten Texte neu illustriert werden. Der so entstehende Sammelband soll heutige Kinder durch die Jahreszeiten, und die damit verbundenen Kalenderfeste leiten. Außerdem wird er auf Blüthgens Leben und Gesamtwerk eingehen. Lucie Göpfert möchte das Manuskript einem Verlag zur Veröffentlichung anbieten. Mit etwas Glück könnte es später als fertiges Buch im Museum zum Verkauf angeboten werden.

Vita: geboren 1983 in Weimar, studierte sie an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle Spiel- und Lernmitteldesign. Während dieser Zeit verbrachte Lucie Göpfert ein Jahr in Indien, wo sie am National Institute of Design (NID) in Ahmedabad „Toydesign“ studierte. 2012 nahm sie als Stipendiatin an einem Mentoring-Programm der halleschen Kunsthochschule teil. Im gleichen Jahr veröffentlichte sie ihr erstes Kinderbuch. Seit 2010 arbeitet sie als selbständige Illustratorin in Halle.

 

KULTURQUADRAT Schloss Zörbig (Anhalt Bitterfeld)

Im Museum Zörbig werden Objekte der Stadt- und Regionalgeschichte bewahrt und ausgestellt. Der Sammlungsbestand umfasst rund 15.000 Objekte. Die derzeitige Ausstellung mit Objekten der Ur- und Frühgeschichte und der slawischen Besiedlung, der Stadtgeschichte von 961 bis 1900, zu Handwerk und Industrie, Feierabend- oder Morgensteinen, zum Leben und Werk des Kinderbuchautors Victor Blüthgen (1844–1920) und anderem, soll bis 2023 gänzlich neu präsentiert werden. Das vormalige Zörbiger Heimatmuseum besitzt noch eine Dauerausstellung, deren Präsentationsform seit Jahrzehnten nahezu unverändert geblieben ist und nun von einer modern gestalteten und auf Schwerpunkten eingegrenzten Ausstellung abgelöst wird. Nicht mehr einem oft schillernden Heimatbegriff gilt die Orientierung, sondern der Auseinandersetzung mit der Stadt- und Regionalgeschichte im Kontext des historischen wie landschaftlichen Umfelds. Das Zörbiger Schloss soll sukzessive einer Nutzung als „KULTURQUADRAT Schloss Zörbig“ (KQZ) zugeführt werden.

http://www.museum-digital.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Thomas Jeschner – Regionalgeschichtliche Sammlung der Lutherstadt Eisleben

Thomas Jeschner – Eine Sammlung zieht um

Thomas Jeschner möchte die Regionalgeschichtliche Sammlung in Eisleben mit neuem Leben füllen. Dazu sollen einzelne Exponate aus dem Fundus, der derzeit größtenteils nicht öffentlich zugänglich ist, zeitweise an einem anderen Ort ausgestellt werden – von Partnern, die Jeschner vor Ort suchen und ansprechen möchte. So werden diese Personen, Institutionen oder Einrichtungen für einen Tag selbst zum Museum. Die bei dieser Auseinandersetzung neu entstehenden Einzelbeiträge sollen anschließend gebündelt werden. Das Ergebnis: Ein neues Ganzes, das im Ort im besten Fall diskutiert werden kann und soll. Am Ende des Projekts soll eine Performance stehen, bei der Bürger und Institutionen in der Stadt im Rahmen eines Sternmarschs zusammenkommen. Dies wiederum nimmt die im Mansfelder Land bestehende Tradition von Bergmanns-Umzügen wieder auf, die Jeschner als gebürtiger Eisleber selbst noch aus Kindertagen gut kennt.

Vita: geboren 1967 in Eisleben, hat an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Deutsch und Geschichte studiert. Er trat bei zahlreichen Film- und Videoprojekten als Creative Producer in Erscheinung. Seit 2015 ist er zudem als Dozent am Institut für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften der MLU tätig. Von 2015 bis 2017 war er Koordinator der Filmkunsttage Sachsen-Anhalt. Jeschner lebt als freier Autor und Filmproduzent in Halle.

 

Regionalgeschichtliche Sammlung der Lutherstadt Eisleben

Die Lutherstadt Eisleben besitzt eine umfangreiche regionalgeschichtliche Sammlung mit einer bemerkenswerten Entstehungsgeschichte. Zum heutigen Bestand gehören die ur- und frühgeschichtlichen Sammlungen, die zusammen mehr als 6.000 (Ausgrabungs-)Funde aus den Orten der ehemaligen Grafschaft Mansfeld zählen, darunter ein 250.000 Jahre alter Faustkeil, eines der ältesten Werkzeuge des Mansfelder Landes. Beeindruckend anzuschauen, mit Sicherheit ein zentrales Motiv und den älteren Einwohnern der Lutherstadt noch bekannt, ist ein 1894 aus dem Salzigen See geborgenes Fischerboot (Einbaum). Die naturkundlichen Sammlungen mit Fossilien und einer komplett erhaltenen Geschiebesammlung ist nahezu einzigartig in Deutschland. Zum Bestand gehört aber auch beachtliche Sammlungen von Vogelpräparaten sowie Insekten (Tag- und Nachtfalter). Die regionalgeschichtliche Sammlung mit etwa 10.000 Exponaten unterschiedlicher Art besteht aus Münzen, Keramiken, Grafiken, Gemälden, Uniformen, die im Zusammenhang mit der Bergbaugeschichte der Stadt stehen. Seit Februar 2020 steht mit der „Markthalle“ im Katharinenstift wieder eine Ausstellungsfläche zur Verfügung.

www.museum-digital.de

 

 

 

 

 

HEIMATSTIPENDIUM#2 in den Startlöchern: Zehn Künstlerinnen und Künstler ausgewählt

Die Stipendiaten und Stipendiatinnen für die zweite Runde des HEIMATSTIPENDIUMs der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt stehen fest. Sie wurden aus einer Vielzahl von Bewerbungen ausgewählt. Insgesamt lagen 66 Anträge von Künstlerinnen und Künstlern aller Sparten mit 88 Projektskizzen vor. Die Preisträger erhalten für ihr auf ein Jahr angelegtes Projekt ein Stipendium in Höhe von je 12.000 Euro.

 

Folgende Künstlerinnen und Künstler wurden mit ihrem für ein bestimmtes Museum konzipiertes Projekt ausgewählt:

 

Mareen Alburg Duncker – Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ Bernburg

 

Julia Rückert – Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau

 

Thomas Jeschner – Regionalgeschichtliche Sammlung der Lutherstadt Eisleben

 

Petra Reichenbach – Schloss und Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin in Kooperation mit der Stadt Annaburg (Landkreis Wittenberg)

 

Etienne Dietzel – Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel (Altmarkkreis)

 

Annette Funke – Salzlandmuseum Schönebeck (Salzlandkreis)

 

Julia Himmelmann – Börde-Museum Burg Ummendorf (Börde)

 

Nora Mona Bach – ErlebnisZentrum Bergbau Röhrigschacht Wettelrode (Mansfeld-Südharz)

 

Julia Schleicher – Museum Schloss Moritzburg Zeitz – Deutsches Kinderwagenmuseum (Burgenlandkreis)

 

Lucie Göpfert – KULTURQUADRAT Schloss Zörbig – Museum (Anhalt-Bitterfeld)

 

„Heimat bedeutet Geborgenheit an einem Ort, an dem man sich gut behütet fühlt. Auch in der zweiten Runde dieses Programms werden sich Museen und Künstler im Land zusammentun, um dieses Gefühl auf vielfältige Art künstlerisch zu interpretieren. Ich bin mir sicher, die Stipendiaten werden zusammen mit den Museen unter dem Eindruck der Corona-Krise neue Antworten finden. Vom Programmstart zum jetzigen Zeitpunkt soll dabei auch ein Zeichen des Mutes und Zuversicht ausgehen. Auf die Ergebnisse bin ich sehr gespannt“, sagt Staatsminister Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei und Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt.

 

Der genaue Termin für den Start vom HEIMATSTIPENDIUM#2 ist noch offen. Er hängt von der weiteren Entwicklung der Corona-Lage ab und wird vorab bekannt gegeben. Geplant ist, dass er mit dem Zeitpunkt der Wiedereröffnung der Museen zusammenfällt. Nur dann haben die Stipendiatinnen und Stipendiaten die Möglichkeit, vor Ort in die Sammlungen einzutauchen und sich intensiv mit ihnen zu befassen.

 

Mit dem HEIMATSTIPENDIUM#2 gibt die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt Künstlerinnen und Künstlern die Gelegenheit, sich mit ausgewählten musealen Sammlungen des Bundeslandes auseinanderzusetzen und ermöglicht ihnen dort den Zugang und die künstlerische Arbeit. Sie können sich mit den Sammlungen und Schätzen der Häuser befassen und davon inspiriert, neue Arbeiten entwickeln, die das kulturelle Erbe reflektieren. Die Kunststiftung gibt mit diesem Programm auch den Museen die Möglichkeit, sich der zeitgenössischen Kunst zu öffnen, um ein neues Publikum an diese spannenden Orte zu locken und öffentliches Interesse zu wecken. Zum Abschluss des Programms wird die zeitgenössische Kunst mit den Schätzen der unterschiedlich ausgerichteten Sammlungen in Sonderausstellungen zusammengebracht. So gibt es in den Präsentationen nicht nur den „Blick zurück“, sondern auch Positionen aus der Gegenwart.

 

„Bereits die erste Runde des HEIMATSTIPENDIUMs hat gezeigt, wie viele ungehobene Schätze in den Sammlungen der teilnehmenden Museen lagern. Oft sind es Dinge, die die Alltagskultur prägen und somit auch einen Teil der Lebenswelten in unserem Bundesland widerspiegeln. Sie zu entdecken bedeutet auch, das Heimatgefühl und die Verbundenheit mit dem kulturellen Leben in Sachsen-Anhalt zu stärken“, sagt Manon Bursian, Direktorin der Kunststiftung des Landes.

 

Das Gesamtbudget für das HEIMATSTIPENDIUM#2 beläuft sich auf rund 300.000 Euro und wird vollständig von der Kloster Bergesche Stiftung finanziert. Im Laufe des Jahres wird das Projekt von weiteren Aktionen flankiert. Damit sollen immer wieder Anreize geschaffen werden, um ein breites Publikum in die Museen zu locken.

 

 

17. April 2020

Kunststiftung Sachsen-Anhalt

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„So stelle ich mir eine Kur vor“ – Interview mit Sebastian Gerstengarbe

Sebastian Gerstengarbe, Grafiker, im Nebenberuf Dozent, Kurator, Texteschreiber

 

Kunststiftung: Herr Gerstengarbe, wie geht es Ihnen zur Zeit?

Sebastian Gerstengarbe: Eigentlich ganz gut. Jetzt ist ja viel Zeit, allerdings fallen die vielen kleinen Sachen, die man sonst so zwischendurch machen konnte, weg. Man will irgendwo einen Kaffee trinken – geht nicht. Man will ins Kino – geht nicht. Man will die Stadt verlassen – geht auch nicht.

 

Woran arbeiten Sie denn gerade?

Ich zeichne kleine Porträts von Romantikern, die später einmal in ein großes Bild eingefügt werden als Teil der Neugestaltung der Oberburg Giebichenstein und des Amtsgartens. Ich schreibe dafür auch Texte, die eigentlich schon längst hätten fertig sein sollen. Für mich persönlich ist die derzeitige Ruhe ganz gut, ich hatte mir zu viel vorgenommen und kann das jetzt mit Zeit zum Denken abarbeiten.

 

Woran denken Sie als erstes, wenn Sie morgens aufwachen?

Erst  ist da das blöde Triumphgefühl, nicht aufstehen zu müssen, denn an den zwei Tagen in der Woche, an denen ich unterrichte, hätte ich um diese Zeit ja so tun müssen, als wäre ich schon wach. Aber dann setzt der Verstand ein und ich verstehe, dass ich dafür jetzt kein Geld bekomme.

 

Was ist Ihnen denn weggebrochen?

Ich gestalte immer den Titel für das Puschkino, fällt in diesem Monat aus. Das Plakat für die Literaturnacht der Kunststiftung durfte ich zeichnen, die wurde aber – wie alles – auf unbestimmte Zeit verschoben.

 

Was macht die allgegenwärtige Situation mit Ihnen?

Als Künstler hockt man sowieso viel rum und grübelt, das hat sich nicht so verändert. Aber jetzt sitzen die ganze Zeit noch andere Menschen im Nebenraum, die auch grübeln oder Playstation spielen. Beim Einkaufen führt man plötzlich so eine Art Ballett auf, weil man schnell zur Seite springt, wenn sich jemand nähert. Das ist nicht normal. Das Vertrauen, das man eigentlich gegenüber den Mitmenschen grundsätzlich aufgebaut hat, wird gerade im Eiltempo abgebaut.

 

Was bedeutet Ihnen Heimat momentan?

Ach, das große, böse Wort. Natürlich fühlt man sich gewissen Orten verbunden, aber die geistige Heimat kann überall auf der Welt und alles Mögliche sein. Leute, die man gut findet. Zum Beispiel ist der tolle amerikanische Songschreiber John Prine im kritischen Alter, hat schon zweimal Krebs überstanden und wird jetzt wegen  Covid 19 beatmet. Da mache ich mir unbekannterweise Sorgen. Prinzipiell fühle ich mich der Stadt Halle verbunden, bin aber kein Lokalpatriot.

 

Ein Blick in die Zukunft: Wird sich für Sie etwas ändern?

Das weiß ich nicht. Im Idealfall macht man etwas ganz Neues, was man schon immer tun wollte, wofür aber nie Zeit war.

 

Auch Sebastian Gerstengarbe erlebt plötzlich die Situation, dass tagsüber alle Familienmitglieder zuhause sind. Unerwartet viele und lange Spaziergänge unternähme er gerade, sagt er. Zusammen mit seinem Sohn, der diese Abwechslung allerdings nur mäßig spannend findet. Und neue Rituale haben Einzug gehalten: Das Abendessen wird immer wichtiger und danach das Fernsehen zu dritt. So stelle er sich eine Kur vor, sagt Sebastian Gerstengarbe, oder das Rentnerdasein. Hauptsache, man fände da auch wieder raus!

 

 

1973 in Halle (Saale) geboren | 1992–2000 Studium und Aufbaustudium an der Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle, Studiengang Malerei/Grafik | 2001 Ausstellung in der Blauen FABRIK, Dresden | 2005 Stipendium des Künstlerhauses Salzwedel, 2006 Ausstellung ebd. im Danneil-Museum | 2005 Kunstpreis Energie, 2006 Preisträgerausstellung in Cottbus und Dessau | seit 2006 vertreten auf der Art Cologne | 2007 Einzelausstellung in der Galerie Wilma Tolksdorf, Frankfurt (Main); 2008 in deren Berliner Dependance | freischaffend in Halle (Saale) tätig

 

„Als ob jeder Tag ein Sonntag wäre“ – Interview mit Nina Naußed

 

Nina Viktoria Naußed, Keramikerin, junge Mutter, Sammlerin und Archivarin

 

Kunststiftung: Frau Naußed, wie geht es Ihnen?

Nina Naußed: Gut. Ich bin sowieso in einer besonderen Situation, da ich eine drei Monate alte Tochter habe. Ich befinde mich gerade in einer Babyblase. Nur meine sozialen Kontakte vermisse ich. Ich bin deshalb sehr froh, dass es moderne Kommunikationsmittel gibt.

 

Woran denken Sie als erstes, wenn Sie morgens aufwachen?

Die Maus hat Hunger, das ist jetzt immer mein erster Gedanke. Und dann fällt mir ein, und darüber freue ich mich, dass ich keine anderen Verpflichtungen habe.

 

 

Also leiden Sie unter der gegenwärtigen Krise nicht allzusehr?

Ich habe da vielleicht Glück mit meiner Situation. Da ich in der Elternzeit bin, bin ich finanziell abgesichert. Ich kann mir ein bisschen Gelassenheit leisten. Aber mir tun die anderen leid, denen es nicht so geht.

 

 

Was bedeutet Ihnen Heimat momentan?

Hauptsächlich Familie und geliebte Menschen. Wenn man die nicht sehen kann wegen der aktuellen Situation, ist das traurig. Ich bin froh, dass mein Partner, ich und das Kind zusammensein können.

 

Woran arbeiten Sie gerade?

Ich dachte bei der Frage zuerst: an nichts. Aber das stimmt gar nicht. Ich beschäftige mich viel mit analoger Großformatfotografie, entwickle die Filme zuhause und mache dann Kontaktabzüge als Cyanotypien von den großen Negativen. Außerdem pflege ich täglich mein Archiv produzierter Erinnerungen.

 

Wie das?

Ich sammle seit acht Jahren täglich einen Gegenstand und bewahre ihn auf. Die Sachen finde ich unterwegs oder auch im Umgang mit meinen Mitmenschen. Man kann an ihnen unterschiedliche Lebenssituationen ablesen. Momentan fällt mir auf, wieviele Schnuller oder kleine Handschuhe auf der Straße liegen! Und besonders in dieser Zeit: Atemschutzmasken.

 

Haben Sie die Stücke schon einmal ausgestellt?

Ja, im „Kunst- und Projektraum hr.fleischer Kiosk am Reileck e.V.“ zum Beispiel, jedes in einer kleinen Plastiktüte, mit Funddatum und -ort beschrieben. Der Ort war dafür perfekt geeignet, weil man durch die großen Glasscheiben alles gut sehen konnte.

 

 

Ein Blick in die Zukunft: Wird sich für Sie etwas ändern?

Mit Kind sowieso. Es ist spannend, alles wieder wie beim ersten Mal wahrzunehmen und die Welt mit Kind zu entdecken. Ich habe die Hoffnung, dass sich die Menschen auch nach dieser Krise das Innenhalten bewahren können; dass nicht alles so weitergeht wie bisher. Und ich freue mich darauf, wieder andere Leute treffen zu können.

 

 

Momentan nimmt Nina Naußed ihre Wahlheimat Halle mit anderen Augen wahr. Das ging ihr schon einmal so, nach ihrem Arbeitsstipendium in Tel Aviv. Deshalb ist ihre Babypause – und natürlich die derzeitige Ausnahmesituation – wie geschaffen für das Fotografieren draußen. In Halle sähe es aus, sagt sie, als ob jeder Tag ein Sonntag wäre. Diese besondere Stimmung versucht sie einzufangen. Das klingt ganz so, als ob auch diese Bilder einmal archiviert würden.

 

 

1987 in Berlin geboren | 2007 – 2013 Studium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Studiengang Plastik/Keramik | 2011-12 Studienaufenthalt an der HDK, School of Design and Crafts Göteborg | seit 2013 freiberuflich in Halle (Saale) tätig | 2015-16 Seminar bei Sibylle Fendt, Ostkreuzschule für Fotografie, Berlin | seit 2017 künstlerische Mitarbeiterin an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle im Fachgebiet Keramik | 2017 Arbeitsaufenthalt im Benyamini Contemporary Ceramics Center in Tel Aviv, Israel | 2013 Richard-Bampi-Reis, 3. Preisträgerin | Teilnahme an diversen Ausstellungen u.a. in Halle, Berlin, Paris, Washington und Tel Aviv

Künstler kochen für Künstler

Künstler haben gewöhnlich kein Problem damit, sich allein und für längere Zeit zu beschäftigen. Dennoch – die Tage und die Abende können schon lang werden ohne soziale Kontakte, kulturelle Angebote oder auch mal ein schönes Essen auswärts. In Zeiten der Corona-Krise funktioniert das alles nicht, also müssen sich die Menschen auf sich selbst besinnen und das Schöngeistige zu sich nach Hause holen! Damit auch der Magen nicht zu kurz kommt, veröffentlichen wir ab jetzt regelmäßig ein neues Rezept unter der Rubrik „Künstler kochen für Künstler“. Den Anfang machen heute die Designerin Barbara Schmidt und die Autorin Ursula Kollritsch  mit ihren Herzwaffeln. Wir wünschen gutes Gelingen!

 

 

7. April 2020

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Herzwaffeln von Barbara Schmidt und Ursula Kollritsch

Im Jahr 2018 hat die Kunststiftung mit Barbara Schmidt eine Landeskunstpreisträgerin in einer eigenen Ausstellung in der Kunststiftung vorgestellt, in der ausgiebig gekocht wurde. Der Grund dafür ist sicherlich, dass das Thema Essen im Werk von Barbara Schmidt eine große Rolle spielt. Wenn es nach ihr geht, dann sollte ein gutes Essen auf einem schönen Teller serviert werden. Kochen heißt für Barbara Schmidt, andere zu umsorgen. Großzügige wie gastfreundliche Gesten verstärken für sie soziale Bindungen und sind Ausdruck von Ideen, bei denen es nicht nur um das Essen an sich geht, sondern auch um das Geben und Teilen. Darauf mit einer Gestaltung zu reagieren, die einer inneren Stimmigkeit folgt, die einfach und gleichzeitig schön ist, das macht das zeitlose Design von Barbara Schmidt aus.

 

Aus dem KochKunstKatalog, der zur Ausstellung erschien, haben wir für Sie zum Osterfest die Herzwaffeln, angerichtet auf der Serie O von Kahla, herausgesucht. Die Waffeln sind ein Familienrezept der Schriftstellerin Ursula Kollritsch. Ihr aktueller Roman „ Coco, Sophie und die Sache mit Paris“, den sie zusammen mit Stephanie Jana geschrieben hat, erscheint im Mai im Goldmann Verlag. Das ebook ist bereits ab 21. April erhältlich.

Und nun zu den Herzwaffeln (für vier Personen). Wir wünschen gutes Gelingen! Мan nehme:

250 g Butter

5 Eier

250–300 g Mehl,

150 g Zucker

1 Päckchen Vanillezucker

Abgeriebene Schale einer Zitrone

Milch

 

Schritt für Schritt:

Die weiche Butter verrühren. Nach und nach Eier, Zucker, Vanillezucker und Milch zugeben. Der Teig soll nicht zu dünn sein. Zum Schluss die Zitronenschale mit feiner Reibe reinreiben. Dann einen großen Löffel in die Mitte des Waffeleisens geben und backen.
Nach Geschmack mit Vanilleeis oder Obst servieren.

 

 

 

 

Workshop digital, Teil 2

Wenn die Kinder, ihre Eltern und überhaupt alle Kunstinteressierten nicht in die aktuelle Ausstellung „Geschmeide“ kommen können und demnach auch nicht in den Genuss des Kinderkunstnachmittags „klein-fein-mein“, nun, dann kommt eben die Veranstaltung zu Ihnen nach Hause. Diesmal zeigt uns die Mode und Lernmitteldesignerin Anne Sommer, wie Blumenbilder in wenigen Schritten selbst gestaltet werden können. Es braucht nur wenige Materialien, um diese frühlingshafte Collage selbst zu gestalten. Auf einer kleinen Entdeckungsreise durch die Heimat können dafür Frühblüher gesammelt werden.

Wir freuen uns schon auf die Ergebnisse. Teilt sie gern mit uns auf Facebook & Co! Oder unter unserer Adresse: oeffentlichkeitsarbeit@kunststiftung-sachsen-anhalt.de

 

Und nun: Viel Spaß beim Schauen und gutes Gelingen beim Gestalten!

www.vimeo/com/404549196

 

Liebe Lehrer, bitte nutzen Sie auch weiterhin unser Kunstvermittlungsprogramm „kinder-leicht“. Wenn der aktuelle Stillstand aufgrund der Einschränkungen vorüber ist, werden wir mit neuer Kraft neue interessante Projekte initiieren.

 

7. April 2020

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Nofretete – Nicole Bauer: Halsschmuck

Nicole Bauer: Halsschmuck

Architektur, Kunst und Design – alles muss erst entworfen werden, bevor es Gestalt annimmt. Diesem Prozess und der Verbindung zwischen den Genres hat sich Nicole Bauer in ihrer Arbeit gewidmet. Sie wollte sich formal-ästhetisch auseinandersetzen mit geometrischen Grundprinzipien, um für sich selbst herauszufinden, wie sich eingeübte Stilmuster der eigenen künstlerischen Arbeit auf die Probe stellen lassen. Besondere Aufmerksamkeit schenkte sie bei ihren Recherchen den Architekten Tadao Ando und Richard Buckminster Fuller. Bei ersterem faszinierte die Künstlerin an seinen überwältigend einfachen, jedoch geometrisch genau durchdachten Bauten das Besondere der minimalistischen japanischen Architektur. Bei Fuller wiederum war sie gefesselt von seinem schier endlosen Erforschen von Strukturen geometrischer Figuren und seiner Methode, auf allen hinderlichen Ballast zu verzichten, um zu völlig neuen Mustern und Prinzipien zu gelangen. Berühmt ist Fullers Verwendung flexibler Knoten zur Bildung von starren Körpern auf Grundlage beweglicher Konstellationen.

Nach ihren umfangreichen Recherchen hat Nicole Bauer ihren Halsschmuck gefertigt. Sie hat dafür mit Aluminiumröhrchen gearbeitet, wie sie auch für den Architekturmodellbau verwendet werden. Sie sind goldfarben eloxiert und weisen ein extrem geringes Gewicht auf. So liegen die fertigen Stücke trotz ihrer raumgreifenden Präsenz bei einem Gesamtgewicht von nur 20 Gramm. Die Verwendung der Illusion Cord und Elastic-Cord ermöglichte es der Künstlerin, auf alle additiven und sichtbaren Verbindungselemente zu verzichten, ähnlich den „flexiblen Knoten“ von Buckminster Fuller. Damit erhalten die Stücke eine besondere Form der Flexibilität. So sind Objekte von größtmöglicher Formbarkeit entstanden, die dadurch auf eine besondere Weise in den Dialog mit ihrer Trägerin treten.

 

Den Schmuck von Nicole Bauer trägt die Büste der Nofretete, Kalkstein, um 1355 v. Chr., Staatliche Museen zu Berlin (Gipsabguss)

Nofretete, der Name ist Programm und mit dem Hauch von geheimnisvollem Mythos umgeben, der bis heute Millionen Besucher am Standort der gleichnamigen Büste im Berliner Neuen Museum in ihren Bann zieht. Vergleichbares wird wohl nur Leonardo da Vincis „Mona Lisa“ zuteil, wenngleich die Büste der Nofretete auf ungleich mehr Jahre ihres Daseins zurückblicken kann; die beiden Schönen trennen rund 3.000 Jahre.

Doch wer war diese Frau, deren Abbild uns bis heute so verzaubert? Ob Tocher eines Königs oder die eines Bürgerlichen, da gehen die Meinungen auseinander, war die gerade einmal 15jährige Taduschepa auserkoren worden, den ebenso jungen Pharao Amenophis IV zu heiraten. Der später als Nofretete bekannten jungen Frau eilte ihr Ruf als atemberaubende Schönheit voraus. Nicht nur Amenophis IV, besser bekannt unter dem Namen Echnaton, verehrte sie sehr, auch das ägyptische Volk zollte ihr großen Respekt. Sie gebar ihrem Gemahl sechs Töchter, war jedoch alles andere als nur schmückendes Beiwerk ihres königlichen Gatten. Vielmehr wurde sie zu dessen Beraterin und auch Mitregentin.

Echnaton hatte den Entschluss gefasst, sein Land zu reformieren und vor allem der Vielgötterei ein Ende zu setzen. Dazu schuf er den Sonnengott „Aton“, der sich einzig dem Pharaonenpaar zeigte und von diesem dem Volk nähergebracht wurde. Der Pharao, fortan bekannt unter dem Namen „Echnaton“ – zu Deutsch „Er, der Aton nützlich ist“ –  und seine Frau unter „Nofretete“, galten somit als Mittler zwischen dem Göttlichen und der Welt.

Die Gesellschaftsreform Echnatons hatte zur Folge, dass alle anderen Gottheiten obsolet wurden. Man kann sich denken, dass dies bei den ehrwürdigen Priestern des Landes nicht gerade auf Begeisterung stieß. Dennoch führte Echnaton sein Programm unbeirrt fort, die simple Formel alles Menschwerdens lautete fortan: Die Entstehung des Lebens erfolgt aus dem Licht der Sonne und somit durch „Aton“.

Es folgte eine beispiellose Marketingkampagne des Pharaos und seiner schönen und auch klugen Gattin, die als erste ihresgleichen von ihrem Mann mit auf den Thron gehoben wurde. Manche Gelehrte gehen sogar so weit zu behaupten, dass Nofretete die eigentliche Ideengeberin hinter den Reformen Echnatons war. Eines scheint ihr jedenfalls als erste Frau gelungen: nicht nur den Thron als Pharaonin zu besteigen, sondern auch noch zur lebendigen Gottheit zu avancieren. So zumindest lautet eine der Thesen in der Geschichtsschreibung. Taucht man ein in die Schriften um dieses sagenumwobene Paar, so scheint man auf die Kennedys der Antike zu treffen.

Geschichten und Mythen, zahllose wissenschaftliche Untersuchungen, Thesen und deren Widerlegungen – kaum eine andere Frau beschäftigt die Männer- und auch Frauenwelt so beständig und nachhaltig. Einzig die Büste der schönen Ägypterin hat Bestand und gibt seit ihrer Entdeckung im Jahr 1912 bis heute so manches Geheimnis nicht preis.

Dennoch, ihre makellose und vollkommene Schönheit, Eleganz, Anmut und Eros fasziniert Gelehrte wie Interessierte bis heute gleichermaßen. Selbst ihr Entdecker, der erfahrene Ägyptologe Ludwig Borchardt, verlor die sachlich-wissenschaftliche Distanz, als er am 6. Dezember 1912 in seinem Tagebuch notierte: „Farben wie eben aufgelegt, Arbeit ganz hervorragend. Beschreiben nützt nichts, ansehen.“

 

 

 

 

 

Junge Römerin – Heike Becker: Brautkleider

Heike Becker: Brautkleider

Für manche sind sie schwulstig und unmodern, für viele aber immer noch wesentlicher Bestandteil des Hochzeitrituals: Brautkleider. Sie sind für Frauen und Männer immer ein Blickfang. Nicht nur, weil das „Prinzessinnenkleid“ als etwas Urweibliches empfunden wird, sondern weil diese Art Kleid immer auch ein prägnantes Identifikationsmodell ist. Eine Braut möchte an ihrem schönsten Tag im Leben nicht nur die Schönste sein, sondern zugleich unverwechselbar und einmalig.

Auf der anderen Seite hat das „Große Weiße“, wie Heike Becker es nennt, einen uniformierenden Charakter. Der Anlass, aus dem es einzig getragen wird, ist stets der Gleiche. Und es ist fast immer weiß und lang und macht sich damit – und die Trägerin – mit allen anderen vergleichbar. Dabei ist die Farbe weiß natürlich variabel, es gibt sie in Hunderten verschiedenen Nuancen, und auch „lang“ ist variantenreich. Durch den Verzicht auf Farbe konzentriert sich die Aufmerksamkeit des Betrachters zwangsläufig auf Form, Silhouette und Proportion. Hinzu kommen die Wahl des Materials und sein Einsatz sowie die Dosierung von Details. Die Art der Verarbeitung ist eine weitere Gestaltungsebene, die dem Einzelstück seinen Charakter verleiht.

Heike Becker hat eine Kollektion an Kleidern geschaffen, die trotz ihrer Uniformität individuell markant sind und modern wirken, ohne den zeremoniellen Hintergrund zu vernachlässigen. Der Variantenreichtum des Ausdrucks innerhalb des klar begrenzten Rahmens und das augenscheinlich Kitschig-Mädchenhafte sind die beiden Aspekte, die die Designerin bei der Gestaltung besonders interessiert haben. Sie reizten vor allem die Facetten jenseits der vielgesehenen, tortenartigen Korsagen-Ensembles. Was aber nicht bedeutet, dass ihre Kleider nicht wuchtig, opulent oder ausufernd sein dürfen.

Ihr gerüschtes Brautkleid besteht aus einem Unterkleid aus Softmesh; dieses Material wird häufig als Futter für Sportjacken oder -hosen verwendet. Darauf drapierte heike Becker dann gerafften und gerüschten Tüll. Die Fäden wollte sie nicht abschneiden, sie entstehen beim Raffen und Aufnähen. So bleibt in ihren Augen die Poesie des Unfertigen, Unvollkommenen erhalten und damit indirekt die Behauptung von etwas „noch Größerem“.

Das Oberteil des Zweiteilers ist aus Spitze, auch gefüttert mit Mesh. Der Rockbund ist aus Neopren, auf den die Künstlerin etwa 50 laufende Meter gerafften Tüll in mehreren Stufen aufgenäht hat. Die Säume sind unterschiedlich lang und erzählen so von dieser Schichtung. Der Rock wird lediglich am Bund verschlossen und ist sonst von oben nach unten offen, wie ein viel zu langer Schlitz– eigentlich etwas frivol, aber so viel Tüll gibt den Blick nicht frei auf Popo und Beine.

 

Die Brautkleider von Heike Becker trägt eine junge Frau, röm. Marmorkopie nach Original des 4. Jh. v. Chr., Vatikanische Museen (Gipsabguss)

Über der Stirn des eindrucksvollen Kopfes türmt sich eine weibliche Frisur, wie wir sie von Skulpturen der Aphrodite kennen. Das Haar ist leger in zwei breiten Zöpfen über dem Kopf geknotet. Der sinnliche Ausdruck wird durch den halb geöffneten Mund, aber auch durch die pathetische Wendung des Kopfes betont.

Der „Kopf einer jungen Frau“ kommt so arglos daher, hat es aber tatsächlich in sich. Denn antike Porträt-Köpfe sind nicht bloße Abbildungen einer Person, sondern sie enthalten viele Details und Hinweise, die auf Ort, Zeit, Stand, Status, Zugehörigkeit, Geschmack und Moden verweisen oder gar ganze Geschichten erzählen, sofern man den Code lesen kann.

Zunächst einmal wurden auch in der Antike vor allem Personen des öffentlichen Lebens porträtiert. Allen voran natürlich die Regenten, aber auch Gottheiten, Dichter und Denker sowie später auch deren weibliche Pendants. Machen bei manchen Porträts Inschriften die Deutung des Abgebildeten leicht, so bedarf es beim Fehlen selbiger anderer Indikatoren zur Identifikation. Die sogenannten Attribute sind ein wichtiges Indiz, seien es bestimmte Kleidung, Schmuck oder auch andere Accessoires. Nun ist diese Form von Gestaltungsmittel bei reduzierter Darstellungsform, wie etwa einer Büste, leider nur schwer unterzubringen. Somit wurde das entscheidende Mittel zum Ausdruck die Haarpracht. Und in der Tat herrschte nicht nur im antiken römischen Reich ein wahrer Frisurenkult rund um Looks und Stylings.

So mussten beispielsweise Frauen im antiken Griechenland, die in der Öffentlichkeit eine unordentliche Frisur trugen, Geldstrafen zahlen. Aber es scheint vor allem auch der Gefallen an immer neuen Erscheinungsformen gewesen zu sein, der einen regelrechten Boom an schmückendem Haarzubehör hervorrief. „Von raffinierten Frisuren werden wir (die Männer) betört; kein Haar sei kunstlos gelegt“, wusste der Dichter Ovid zu berichten und lieferte in seiner „Ars amatoria“ gleich auch noch wertvolle Hinweise in Sachen Typberatung: „Ein rundes Gesicht verlangt, dass ein niedriger Knoten über der Stirn bleibt, so dass man die Ohren noch sieht.“

Wenngleich die Herren zunehmend zu Kurzhaarmoden übergingen, so waren Haare und deren Frisur auch in der Männerwelt ein wichtiges Thema, der Verlust der Pracht kam einem Weltuntergang gleich. Damals wie heute kann dies jedoch jeden treffen, und so blieben davon auch Prominente nicht verschont; sehr zu seinem Leidwesen soll auch Kaiser Ceaser unter Haarausfall gelitten haben, den er durch geschicktes Legen des spärlichen Restes zu kaschieren versuchte.

Trendsetter in Sachen Frisurenmoden war im römischen Reich das Kaiserhaus.  Und das wollte es zunehmend pompöser! Ein regelrechter Wettstreit in der Kunst des Haartoupierens brach aus –  ob gelockt oder geglättet oder hochgesteckt, der Fantasie schien keine Grenze gesetzt. Ebenso bei der Wahl des Färbens, Bleichens bis hin zum Parfümieren.

Was nun unsere junge Römerin anbelangt, so zeigt diese sich mit einer Frisur, die nicht dem Kaiserhaus, sondern vielmehr der Götterwelt entlehnt ist. Sie zeichnet sich durch gescheitelte Locken aus, die seitlich nach hinten geführt sind und in einem schleifenähnlichen Haarknoten auf dem Kopf enden. Auch die feinen Haarsträhnen, die bis auf die Schultern herabfallen, sind charakteristisch für diesen Frisurentyp. In der Götterwelt war diese markante Haartracht den Schönsten der Göttlichen vorbehalten, Apollon und Aphrodite. Schön, unisex und unverkennbar zugleich, werden die beiden zu Markenbotschaftern dieses markanten und raffinierten Stylings.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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7. April 2020

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Kleopatra – Bernhard Elsässer: Halsschmuck

Bernhard Elsässer: Kette aus der Serie „Blow up“

Die „Poesie der Dinge“ ergibt sich für Bernhard Elsässer vor allem aus ihrer Ästhetik. Nicht, wie sonst meist, aus Funktion und Form, Material und Herstellungsverfahren und vor allem aus ihrer Verwendung. Der Designer wollte eine zeitgenössische Schmuckserie unter Verwendung innovativer Fertigungsprozesse schaffen. Alltagsgegenstände sollten durch die geänderte Bedeutung in einem neuen Kontext erscheinen; Bernhard Elsässer wollte dechiffrieren, manipulieren und interpretieren. Er verwies dabei auf Altes und schuf Neues, inhaltliche und formale Grenzen wurden von ihm ausgelotet.

Bernhard Elsässer stellte den Schmuck an sich in den Mittelpunkt der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Dingen. Schmuck wurde so selbst zum Gegenstand seiner Überlegungen. Nicht Dinge sollten zu Schmuck werden, sondern Schmuck wird als Ding zu Schmuck – Schmuck wird zu Schmuck.

Für die Umsetzung legte der Künstler zunächst seine „Bibliothek der Dinge“ an, als Feldforschung sozusagen. Die ausgewählten Objekte waren zumeist Fundstücke oder Geschenke, die wenigsten von ihnen hatten einen hohen materiellen Wert. Dafür aber eine bestimmte Farbe oder Form und Materialästhetik oder eine interessante Herkunft. Die Poesie der Dinge eben. Jeder Gegenstand bekam eine Zahl; durch den Zufall des Loses ließ Bernhard Elsässer drei Gegenstände ermitteln: eine Bierflasche, einen Einmachgummi und eine Sodakartusche. Sie wurden Objekte für die Umdeutung und Interpretation.

Drei Klassiker der Schmuckwelt dienten Bernhard Elsässer als Objekt der inhaltlichen und gestalterischen Verwandlung: die Gliederkette, die Perlenkette und das Collier. Diese drei sollten zur Übersteigerung ihrer ursprünglichen Bedeutung im wahrsten Sinne des Wortes ‚aufgeblasen‘ werden. Hierfür wurden die Archetypen des Schmucks piktogrammartig vereinfacht und in einem auf Vektoren basierenden Computerprogramm digital gezeichnet. Die Modellierung über Software-Tools ist dann auf einer CNC-gesteuerten Stepcraft-Maschine umgesetzt worden. Konkret wurden zwei Schichten einer metallisch bedampften Folie aus Polyester verschweißt, und so entstand die Serie ‚Blow-up‘. Ihre Stücke sind eindrucksvoll in ihrer Mächtigkeit und ihrem Glanz, dem Gold und der Üppigkeit. Und dabei so leicht wie … Folie eben.

 

Den Halsschmuck von Bernhard Elsässer trägt Kleopatra, genauer Kleopatra VII Philopator, denn um genau jene geht es in der Regel, wenn man sich mit der sagenumwobenen Ägypterin beschäftigt.

Geboren wurde das schöne Königstöchterchen 69 v. Chr.. Gerade einmal 18 Jahre jung, verstarb ihr Vater, der verfügt hatte, dass Kleopatra und ihr Bruder Ptolemaios XIII ihm auf den Thron folgen sollten. Dass es sich hierbei um den Beginn einer beispiellosen Regentschaft der berühmtesten und leider auch letzten ägyptischen Pharaonin handeln sollte, war seinerzeit sicher nicht absehbar. Ägypten war in einem katastrophalen Zustand und abhängig von der Weltmacht Rom, der hohe Abgaben zu entrichten waren.

Ob die junge Königin tatsächlich so schön war, wie ihr nachgesagt wurde, darüber scheiden sich die Geister. Jedenfalls herrscht weitestgehend Einigkeit darüber, dass es sich um eine Ausnahmepersönlichkeit gehandelt haben muss. So schreibt der griechische Schriftsteller Plutarch: „Im Umgang hatte sie einen unwiderstehlichen Reiz, und ihre Gestalt, verbunden mit der gewinnenden Art ihrer Unterhaltung und der sie umspielenden Anmut, hinterließ ihren Stachel“.

So ist sicherlich auch zu erklären, dass es ihr gelang, gleich zwei der mächtigsten Männer Roms und damit der damaligen Welt zu betören. Beim mächtigen Regenten Caeser verschaffte sie sich Gehör, indem sie sich in einen Teppich gewickelt ihm als Geschenk darbringen ließ. Und in der Tat, der Kaiser war beeindruckt und fortan der Geliebte der Pharaonin. Schon bald gebar sie den gemeinsamen Sohn Kaisarion – was so viel wie „Sohn des Caesars“ oder auch „kleiner Caesar“ bedeutet –, was sowohl ihr als auch ihrem Land die Gunst des Regenten nachhaltig sicherte Mit dem Kind brach Kleopatra nach Rom auf und lebte dort einige Zeit als „befreundete Königin“ in einer Villa Caesars am Fuß des Tiber, gut fußläufig für den Machthaber zu erreichen. Caesar, fortan zwischen zwei Frauen stehend, blieb eine Entscheidung durch den Mord an seiner Person erspart.

Marcus Antonius, quasi Nachfolger Caesars, übernahm nicht nur dessen Stellung im Reich, sondern auch gleich die Geliebte, woran Kleopatra alles andere als unschuldig war. Der Erzählung nach reiste sie mit ihrem Schiff nach Tarsos in Kleinasien, wo der Feldherr sich gerade nach gelungener Schlacht als Gott Dionysos feiern ließ. Sie lud ihn auf ihr Schiff ein und soll ihn dort, so Plutarch, empfangen haben, „wie man Aphrodite gemalt hat“. Demnach mit nicht mehr als einer goldenen Krone, einer Perlenkette und – vielleicht noch – einem Perlentanga bekleidet. Wer sollte es Marcus Antonius verdenken, dass er schwach wurde? Das Glamourpaar der Antike ward geboren, mit allen Exzessen, die man sich vorstellen kann. Ob politisches Kalkül oder wahre Liebe, man weiß es nicht genau. Jedenfalls schenkte Kleopatra Marcus Antonius drei Kinder, er wiederum sicherte ihr mit der Ernennung  zur „Königin der Könige“ die Macht. In Rom wurde der Unmut über den Regenten und dessen ausschweifendes Leben mit der Ägypterin immer lauter. Zum Tode der beiden gibt es verschiedene Varianten, in jedem Fall scheint die nach dem Tod des Marcus Antonius zurück Gebliebene ihrem Leben ein Ende gesetzt zu haben durch einen Schlangenbiss, um nicht als Trophäe nach Rom verschleppt zu werden. „Sie fanden Kleopatra schon tot im königlichen Schmucke im Bett liegen,“ wusste Plutarch zu berichten. Es war das tragische Ende einer erfolgreichen Frau zwischen Macht und Kalkül.

 

Hilfe für Künstler und Selbständige

Das Land Sachsen-Anhalt und der Bund bemühen sich derzeit, die durch die Einnahmeausfälle entstandenen Verluste auch bei Künstlern, Selbständigen und Soloselbständigen zu minimieren. Erste Anträge sind bereits durch das Landesverwaltungsamt bewilligt und Gelder überwiesen worden.

Aktuelle Maßnahmen und hilfreiche Links finden Sie untenstehend.

 

Der extra zu stellende Antrag zur Förderung von Künstler/innen (400 Euro/1-2 Monate) durch das Land Sachsen-Anhalt findet sich derzeit hier: https://lvwa.sachsen-anhalt.de/das-lvwa/kultur-denkmalschutz/kultur/.

 

LOTTO Sachsen-Anhalt hat einen Hilfsfonds für gemeinnützige Vereine, Träger, Verbände und Organisationen eingerichtet, die finanzielle Ausfallbelastungen durch die Corona-Pandemie haben. Über unseren Lotto-Hilfsfonds werden bis zu 1 Million Euro bereitgestellt. Nähere Informationen finden Sie unter: https://www.lottosachsenanhalt.de/lotto-hilfsfonds?gbn=11

 

Seit dem 30.3.2020 können Sie die Gelder des Bundes und des Landes Sachsen-Anhalt bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt (https://www.ib-sachsen-anhalt.de/) beantragen. Eine spätere Antragstellung mindestens bis 30.4.2020 wird möglich sein, falls zwischenzeitlich die Server zusammenbrechen sollten.  Es gibt nur einen Antrag. Vereinfacht gesagt, wird für die kleinen Unternehmen das Geld des Bundes verwendet, für alle anderen Unternehmen das Geld des Landes Sachsen-Anhalt. Ausgabestelle ist in jedem Fall die IB Sachsen-Anhalt. Hier dazu die Pressemitteilung des Landes und der Link zur Pressekonferenz des Landes Sachsen-Anhalt.

 

ALGII: Das Sozialschutzpaket des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 23.03.2020 sieht unter anderem einen vereinfachten Zugang zur Grundsicherung und zum Kinderzuschlag für den Zeitraum 1.3.20 bis 30.6.20 vor. Dieses Paket finden Sie nun auch auf den Webseiten des Jobcenters Halle, hier: https://www.jobcenter-hallesaale.de/Aktuelles. Bitte stellen Sie ggf. einen Antrag so schnell wie möglich (im März).

 

Die Bundesregierung verspricht unbürokratische Soforthilfe zugunsten von Kleinunternehmern und Soloselbständigen aus allen Wirtschaftsbereichen, die in der Regel keine Kredite erhalten und über keine Sicherheiten oder weitere Einnahmen verfügen.

https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/coronavirus.html#id1694894

 

Bei der Kunststiftung Sachsen-Anhalt bleibt der Abgabetermin für die Projektförderungen, die Arbeitsstipendien sowie die Sonderförderprogramme „wage-mutig“ und „frei-raum“ bestehen.

https://www.kunststiftung-sachsen-anhalt.de/foerderung/

 

Um die Film- und Medienbranche mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln bestmöglich zu unterstützen, haben die Bundes- und Länderförderer ein gemeinsames Hilfsprogramm mit Maßnahmen für die Bereiche Produktion, Verleih und Kino entwickelt, das schnell und unbürokratisch umgesetzt werden soll.

http://www.mdm-online.de/index.php?id=9&L=1%20AND%201%3D1-%3Famp%3Famp%3BL%3D1%20AND%201%3D1-.&tx_ttnews%5Btt_news%5D=2205&cHash=b49c5fa0783e28d22bcf24f4ae7be9e8

 

INFOPORTAL CORONAVIRUS: Die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau hat ein Infoportal für betroffene Unternehmen eingerichtet und Antworten auf die aus ihrer Sicht wichtigsten Fragen für die Firmen zusammengestellt. Das Onlineportal ist unter der Adresse  www.halle.ihk.de/coronavirus veröffentlicht. Sie finden dort hilfreiche Informationen von Sofortmaßnahmen im Betrieb über mögliche finanzielle Überbrückungshilfen bis hin zu rechtlichen Fragen. Zugleich hat die IHK für Ihre Fragen unter der Telefonnummer 0345 2126-100 eine Hotline geschaltet.

Programm Sachsen-Anhalt ZUKUNFT – Corona-Soforthilfe
Mit diesem Programm unterstützen der Bund in Verbindung mit dem Land Sachsen-Anhalt Unternehmen bei der Überbrückung von akuten Liquiditätsengpässen auf Grund der Corona-Krise seit dem 11. März 2020. Der Zuschuss (Einmalzahlung) stützt die fortlaufenden Betriebs- und Sachaufwände eines Unternehmens für drei Monate. Wird durch den Vermieter ein Mietnachlass von mindestens 20 Prozent gewährt, können fünf Monate in die Berechnung einbezogen werden.

Bei der Förderung handelt sich um eine unternehmensbezogene Leistung, die nicht zurückgezahlt werden muss. Hat ein Unternehmer mehrere Unternehmen, so kann er für jedes Unternehmen die Soforthilfe beantragen.

Der Zuschuss ist nach Mitarbeiteranzahl gestaffelt. Unternehmen mit
•        bis zu 5 Mitarbeitern erhalten bis zu 9.000 Euro,
•        6 bis 10 Mitarbeitern bis zu 15.000 Euro,
•        11 bis 25 Mitarbeitern bis zu 20.000 Euro,
•        26 bis 50 Mitarbeitern bis zu 25.000 Euro.

Ausgeschlossen von der Soforthilfe sind Unternehmen:
– die vor dem 31. Dezember 2019 in wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren,
– der privaten und gewerblichen Vermietung und Verpachtung von Immobilien,
– die nebenberuflich eine selbstständige Tätigkeit ausüben.

Was ist betrieblicher Sach- und Finanzaufwand netto, z. B.:
1.        Abfallentsorgung
2.        Beiträge (IHK, Handwerkskammer etc.)
3.        Beratungsausgaben (laufende Rechtsanwalts- und             Unternehmensberaterkosten)
4.        Betriebliche Versicherungen (BG, Betriebshaftpflicht, Kfz …)
5.        Abo: Literatur, Zeitschriften
6.        Buchführungskosten/Steuerberatung
7.        Büro- und Verpackungsmaterial (laufende Kosten)
8.        Kraftfahrzeugausgaben (laufende Kosten)
9.        Kontoführungs- und GEMA-Gebühren
10.      Leasinggebühren (Raten inkl. Tilgung)
11.      Mieten (inkl. Nebenkosten und Energie)
12.      Rundfunkbeitrag
13.      Reparatur/Instandhaltungsverträge (laufend)
14.      Sonstige Ausgaben (laufende Kosten)
15.      Telefon, Fax, Handy, Internet (laufende Kosten)
16.      Werbung und Vertriebsausgaben (laufende Kosten)
17.      Zinszahlungen Kredite
18.      Tilgung Darlehen

Nicht förderfähig über dieses Programm sind:
– Umsatzausfälle
– Material- und Warenlager
– Personalkosten, nutzen Sie dafür die verbesserten Möglichkeit der Kurzarbeit über Ihre Agentur für Arbeit
https://www.arbeitsagentur.de/news/kurzarbeit-wegen-corona-virus
– Unternehmerlohn, nutzen Sie dafür den vereinfachten Zugang zur Grundsicherung bei Ihrem Jobcenter
https://www.arbeitsagentur.de/datei/grundsicherung-deutsch_ba044789.pdf

Wichtige Hinweise beim Ausfüllen des Corona-Soforthilfe-Antrages:
– Punkt 2.2: Schildern Sie bitte hier, dass Ihre Branche auf Grund der Anordnung des Landes oder Ihrer Stadt / Kommune direkt von der Geschäftsschließung betroffen ist bzw. sofern Sie noch geöffnet haben sollten, Ihnen ein erheblicher Einbuch der Kundennachfrage bzw. Auftragsstornierung eingetreten ist.
– Punkt 2.4.2: Mit Versicherungsleistungen ist eine Rückvergütung einer vorhandenen Betriebsschließungsversicherung gemeint. Unter sonstige öffentliche Hilfen ist u. a. eine Zuwendung Ihrer Stadt oder Kommune zu verstehen.

So nutzen Sie das Corona-Soforthilfe-Programm

1. Laden Sie alle Unterlagen bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt herunter https://www.ib-sachsen-anhalt.de/temp-corona-soforthilfe.html

2. Lesen Sie sich das Merkblatt, die FAQs, die Richtlinie, die EU-rechtlichen Bestimmungen sowie den Antrag auf Corona-Soforthilfe gut durch.

3. Füllen Sie den Antrag und ggf. die Erklärung über die beantragten/erhaltenden Kleinbeihilfen (z. B. Ihrer Stadt oder Kommune) vollständig aus.

4. Unterschreiben Sie den Antrag/die Anträge und überprüfen Sie diese bitte nochmals auf Vollständigkeit, um Bearbeitungsverzögerungen zu vermeiden.

5. Reichen Sie den Antrag bis 31. Mai 2020, eingescannt per E-Mail mailto:soforthilfe-corona@ib-lsa.de oder per Online-Antrag bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt ein.

6. Die Auszahlung erfolgt nach Prüfung innerhalb von fünf Werktagen nach Eingang des Förderantrages. Die letzte Auszahlung erfolgt am 31. Juli 2020.

Das sollten Sie außerdem beachten:
– Eine Kumulierung mit anderen öffentlichen Hilfen ist zulässig (z. B. Ihrer Stadt oder Kommune).
– Die Soforthilfe ist als Einnahme zu versteuern.
– Die Verwendung der Mittel ist innerhalb von sechs Monaten nach Auszahlung der Soforthilfe gegenüber der Investitionsbank nachzuweisen, spätestens bis 31. Dezember 2020.
– Alle Unterlagen sind bis 31.12.2030 aufzubewahren.

Bei Fragen zur Beantragung helfen Ihnen die Mitarbeiter der Investitionsbank Sachsen-Anhalt unter der kostenfreien Hotline weiter 0800 56 007 57, zusätzliche Service-Nummern Tel. 0391 589 1766, Tel. 0391 589 8528

Gern können Sie dafür auch die IHK-Hotline 0345 2126-100 nutzen.

 

Kürzlich gestartet ist die Initiative #beyondcrisis – Zeit für neue Lösungen. Die Agentur „Land der Ideen“ sucht nach neuen Geschäftsmodellen, die aus der Corona-Krise etwas für die Zukunft bauen. Dafür benötigt das Unternehmen Unterstützer und Multiplikatoren.

Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt: Mit welchen neuen Geschäftsideen geben Unternehmen und Gründer Impulse für die Arbeitswelt und das Zusammenleben? Mit welchen Ideen schaffen insbesondere Sozialunternehmer ein neues Wirgefühl und sorgen damit für wichtigen gesellschaftlichen Zusammenhalt? Welche Lösungen geben Hoffnungsschimmer für den Alltag in der Krise: von Nachbarschaftshilfen und psychosozialen Beratungsangeboten über digitale Sport- und Kulturformate bis zu kreativen Tipps gegen den Lagerkoller zu Hause – gute Ideen sind jetzt gefragt.

Ziel von #beyondcrisis ist es, den Teilnehmenden eine attraktive Plattform zu bieten, auf der ihre Einreichungen überregional wahrgenommen werden und sie mit potenziellen Unterstützern zu vernetzen, damit die Ideen weiter erfolgreich umgesetzt werden und ihre Wirkung deutschlandweit entfalten können.

Hier finden Sie alle notwendigen Informationen:

https://land-der-ideen.de/wettbewerbe/beyond-crisis

 

7. April 2020

Kunststiftung Sachsen-Anhalt

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Erste Live-Ausstellungsführung in Halle

Als erste Kultureinrichtung in Halle (Saale) bietet die Kunststiftung Sachsen-Anhalt eine Live-Führung durch ihre aktuelle Ausstellung an, die im Internet besucht werden kann. Die Stipendiatenausstellung „Geschmeide“  kann  aufgrund der aktuellen Coronasituation derzeit nicht besichtigt werden.

Die Leiterin der Kunststiftung, Manon Bursian, wird gemeinsam mit Georg Dobler, einem der renommiertesten deutschen Schmuckkünstler, während des virtuellen Rundgangs jedes einzelne der Ausstellungsstücke vorstellen. Darunter sind nicht nur Schmuckstücke, sondern auch Bilder und Plastiken. Zuschauer, die sich während der Führung über die Seite www.livestream.kunststiftung-sachsen-anhalt.de zugeschaltet haben, können live Fragen stellen. Die Führung findet am Donnerstag, dem 9. April, um 19 Uhr statt.

Beteiligt an der Schau sind 18 Stipendiaten der Kunststiftung, kuratiert wurde sie von Christin Irrgang.

 

 

6. April 2020

Kunststiftung Sachsen-Anhalt

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