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Timm Höller

Kunstpädagoge und Streetart-Künstler

Internationales Arbeitsstipendium: Dakar Mai – Juni 2019

Spirituell Grapp

Der Graffiti-Künstler und Kunstpädagoge hat sich mit dem Umgang mit Graffitis im urbanen Raum in Dakar beschäftigt und ist der Frage nachgegangen, ob diese Kunstform dort erwünscht ist. Dazu hat er sich auf die Suche nach freien gestaltbaren Wänden im öffentlichen Raum begeben und Interessierte spontan in die Gestaltung miteinbezogen. Der Motivwahl ging ein Diskurs mit den Eigentümern voraus. Im Anschluss wurden die Wände fotografisch dokumentiert. Die Fotos wurden neben Zeichnungen in einer Ausstellung im Goethe Institut Dakar. Dort leitete er auch einen Workshop. Im Gegensatz zu Deutschland gilt das Sprühen von Graffitis im Senegal nicht als Straftatbestand. So war es für Timm Höller ohne große Schwierigkeiten möglich, Wände zu finden, auf denen er sich ausdrücken konnte. Der Künstler war überrascht von der durchweg positiven Resonanz, die er von Passanten oder Hausbesitzern erhielt, welche ihm jedes Mal erneut sehr dankbar für seine Arbeiten waren. Er fand heraus, dass Graffiti im Senegal als eine Möglichkeit gilt, Farbe in die Stadt zu bringen und nicht als ein Akt des Vandalismus oder einer Beschädigung von fremdem Eigentum angesehen wird. Dieser Aufenthalt ermöglichte es ihm daher, seine Kunst zu "legitimieren“. Timm Höller bemerkte, dass es im Senegal ein echtes soziales Bewusstsein unter Graffitikünstlern gibt. Ihre künstlerische Herangehensweise und ihre Werke sind sehr beliebt. Die Ich-Zentriertheit ist weniger präsent als in Europa. Dies fällt besonders auf, weil Künstler nicht überall ihren Namen hinterlassen, sondern Botschaften vermitteln, Beispielsweise indem sie Worte wie: Frieden, Respekt... malen. Dies veranlasste ihn zu einem Nachdenken über die Wirkung seiner Kunst. Neben der kreativen Gestaltung von vielen Mauern in der Stadt teilte Timm Höller zusätzlich sein Wissen im Rahmen eines Workshops an der PA 13 Schule im Stadtteil Parcelles Assainies. Dort arbeitete er zusammen mit einer fünften Klasse und gestaltete mit ihnen den Schriftzug „Willkommen bei P.A. 13!“ an der Schulwand. Zum Abschluss seines Aufenthaltes organisierte Timm Höller in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut eine Ausstellung im Centre Culturel Blaise Senghor. In Form von Fotos, Texten und Zeichnungen präsentierte er alle Arbeiten, die er während seines Besuches gestaltet hatte. Zugleich bot diese Ausstellung auch die Gelegenheit, alle Menschen, die er während dieser Zeit kennen gelernt hatte, zusammenzubringen. Hierzu gehörten auch die Graffiti-Künstler rund um die RBS-Gruppe, mit denen zusammen er viele Wände verziert hatte. In seiner Kunst konzentriert sich Timm Höller üblicherweise darauf, an Formen zu arbeiten. So lässt er beispielsweise gerne Buchstaben tanzen. Während der Ausstellung fand eine überraschende Performance statt, zusammen mit dem Graffiti-Künstler Diabloss (RBS) malte Timm ein Live-Fresko, begleitet von Text- und Tanzpassagen des Künstlers Bay Dame Kassé.
Vita
1992 geboren | 2013 – 2018 Studium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle– Fachbereich Kunstpädagogik– Diplomabschluss | lebt und arbeitet in Halle (Saale)