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Franca Bartholomäi

Grafikerin

Internationales Arbeitsstipendium: New York
Februar – Mai 2006

Stilles Volk

Drei Monate verbrachte Franca Bartholomäi in New York. Vermittelt durch die Kunststiftung konnte sie ein Atelier des renommierten International Studio and Curatorial Program (ISCP) mit Panoramablick auf Manhattan beziehen. Stipendiaten aus aller Welt können dort jeweils für ein paar Monate arbeiten und sich von der faszinierenden Stadt inspirieren lassen. Das Team des ISCP organisiert für die Künstler Kontakte zu Kuratoren, Museen, Galerien und Presse. Franca Bartholomäi, die wegen der heutzutage selten verwendeten, von ihr aber bevorzugten Technik, dem Holzschnitt, unfreiwillig in die Rolle einer Exotin rutschte, knüpfte Kontakte und verkaufte einige Arbeiten an die New York Public Library. Franca Bartholomäi beherrscht die Holzschnitttechnik mit außergewöhnlicher Brillanz und Perfektion. Spielend gelingt es ihr, einen Bogen zwischen der Tradition europäischer Druckgrafik und der Gegenwart zu schlagen, indem sie sich direkt oder indirekt auf die Malerei des Mittelalters, auf die frühe Druckgrafik und den deutschen Expressionismus bezieht. Vielfältig sind Symbole, Anspielungen und Querverweise. In diese vertraut wirkenden Szenarien brechen Elemente aus Comic, Fantasy, Science Fiction und Versatzstücke aus der Popkultur ein: Ein verwirrendes Nebeneinander von Altem und Neuem, von Zeitlosem und Vergänglichem, von Stillstand und Bewegung. Gegensätzliches wird auch in ihrem Grafikzyklus »Stilles Volk« konfrontiert, der in New York entstand. Mit Naturmystik und Romantik suchte die Künstlerin bewusst einen Gegenpol zur prosaischen Geschäftigkeit der Metropole, denn: »stilles Volk« wird in Island die Schar der Elfen genannt. Ihre heimliche Wirksamkeit bezeugt sich in Franca Bartholomäis Bildern vor allem im »Weben« einer oftmals heiteren, manchmal melancholischen, mitunter bedrohlichen assoziativen Kette, die von einem Bildraum in den nächsten führt.
Aufenthaltsstipendium
Wiepersdorf
Juni, September, Oktober
2011

Allegorien Null Elf

„Das sind die Letzten“, dachte Franca Bartholomäi oft bei ihrer Arbeit in Wiepersdorf, „die letzten ihrer Art“, denn ihre Arbeit war in der jüngsten Vergangenheit geprägt von der Suche nach etwas Neuem innerhalb der Grenzen, die Papier- und Holzschnitt abstecken. Die Suche bedingt nicht nur die Unterschiedlichkeit der einzelnen Figuren, sondern auch deren „Beschädigungen“: Körperteile, mitunter der ganze Körper, gingen im Schaffensprozess verloren. Am Ende blieben oft nur Fragmente. Franca Bartholomäi setzte sich in ihrer Arbeit intensiv mit Allegorien auseinander. Einstmals ein weit verbreitetes Genre in der Kunst, hat sich ihre Bedeutung heute stark geändert, da die alten Bilder und Entsprechungen einfach nicht mehr den Kern der Sache treffen. Mit ihren Holz- und Scherenschnitten sucht Franca Bartholomäi mögliche Allegorien für heutige Situationen. In der Reduktion überlagern und durchmischen sich Erzähl- und Bedeutungsebenen auf vielschichtige Weise. Ein Teil der Wiepersdorfer Ergebnisse wurde im Rahmen der Ausstellung „Von hier aus“ in den Ausstellungsräumen der Kunststiftung präsentiert.
Arbeitsstipendium
September 2008 – Februar 2009

Pages - Holzschnitt-Diptychen

Während ihres Stipendiums entstanden große Holzschnitt-Diptychen: Horizont (Der Tag danach) I und II, extrabreite Querformate, sowie Zwischen den Zeilen (Am Fluss) I und II. Diese Hochformate sind von waagerechten Linien überzogen, die an den geschwärzten Text in einem aufgeschlagenen Buch erinnern. Zwischen den Zeilen bewegen sich die Motive, in der Sub- oder Meta-Ebene eines unleserlichen Textes: Sagen und Legenden, alte und neue Schauergeschichten, der Schutt der Geschichte sind der Nährboden dieser geheimnisvollen Bildwelten. Franca Bartholomäi hat für ihre Holzschnittserie „Pages“ den 1. Preis der Hauptjury der 16. Internationalen Grafik-Triennale in Frechen erhalten. Die international renommierte Auszeichnung ist mit einem Preisgeld in Höhe von 2.500.- Euro verbunden und wird am 04.09.2011 in Frechen durch den Stifter des Preises überreicht.
Vita
1975 in Hohenmölsen geboren | 1994 – 2003 Studium und Aufbaustudium an der Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle, Studienrichtung Grafik | 2000 Ars Halensis-Preis | 2003 Stipendium für das Virginia Center for the Creative Arts, USA | 2005 Schleswig-Holstein-Stipendium GEDOK-Haus, Lübeck | seit 2005 Mitglied der Vereinigung Internationaler Holzschneider XYLON | 2008 Kügelgen-Stipendium Bernburg | 2009 ebd. Salzstipendium der ESCO-Werke; Röderhof-Stipendium, Sachsen-Anhalt; Stipendium des Künstlerhauses Lukas in Ahrenshoop, Land Mecklenburg-Vorpommern | 2009 Siegerin im Wettbewerb zur Neugestaltung des Katharinenaltars im Dom zu Magdeburg, ausgeschrieben durch die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt | 2011 Erster Preis der Hauptjury der 16. Internationalen Grafik-Triennale in Frechen | 2012 Förderpreis der Merkel Collection and Foundation | neben zahlreichen Ausstellungsbeteiligungen u. a. 2010 im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigsburg u. a. folgende Einzelausstellungen: 2007 im Forum für Malerei, Halle; 2008 in der Galerie am Domplatz, ebd., 2010 in der Stage Back-Gallery in Shanghai (China), in der Galerie Gates of Eden, Collection Merkel, Mannheim | 2013 Kunstpreis des Landes Sachsen-Anhalt | Mainzer Stadtdruckerpreis 2016/17 | lebt und arbeitet als Grafikerin in Halle (Saale)   Publikationen: Franca Bartholomäi. Holzschnitte, vorgestellt von Manon Bursian (Signifikante Signaturen), Dresden, 2007 Franca Bartholomäi. Kulissenkinder (Backstage Children), Katalog zur Ausstellung in der StageBack-Gallery, Shanghai, 2010