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Friederike von Hellermann

Buchkünstlerin

Arbeitsstipendium
Juni – August 2021

BILINGUALes ANIMALisches ALPHABET

Die Idee, ein zweisprachiges Buch zu machen, begleitete die Künstlerin schon lange und das Arbeitsstipendium gab ihr die Gelegenheit, sich dieser Herausforderung zu stellen. Das Konzept klang zunächst simpel: ein Bilinguales Animalisches Alphabet-Buch. Friederike von Hellermann ist zweisprachig aufgewachsen und erzieht ihre Kinder, denen das Buch gewidmet ist, ebenfalls zweisprachig. Im Prozess der Umsetzung stieß sie auf manche Herausforderungen, von denen wiederum einige selbstverschuldet waren. Zum Beispiel hatte sie es sich zum Ziel gesetzt, dass sie nicht nur 26 Tiere finden und darstellen wollte, deren Namen in deutscher und englischer Sprache mit demselben Buchstaben beginnen, sie sollten auch im Mitteleuropäischen Raum zu finden sein. So schied beispielsweise der Löwe für den Buchstaben L aus und wurde durch den Luchs ersetzt. Um die Tiere darzustellen, entwickelte die Künstlerin eine Formsprache, die im Grunde genommen aus einem Baukasten von einfachen geometrischen Formen besteht; dem Quadrat, dem Kreis und dem Dreieck. Aus diesen Formen schuf sie, sich immer an einem Raster orientierend, 26 individuelle Porträts. Wichtig war ihr hierbei, dass jedes Porträt einen eigenen Charakter hat, die Bilder im Ganzen aber zusammen funktionieren und das Buch, trotz der Vorhersehbarkeiten, die ein Alphabet mit sich bringt, viele Überraschungen birgt. Ganz entscheidend ist für sie, dass jede Seite, jedes Bild, einzeln für sich funktioniert und wirkungsvoll ist, sie aber im Gegenüber auf einer Doppelseite wieder eine neue Geschichte erzählt, die im Umblättern noch vertieft oder durchbrochen wird. Ein wichtiger Aspekt in der Gestaltung des Buches ist die Typografie, die die Bilder begleiten wird. Sie sollte gut lesbar sein, aber auch grafisch interessant sein. Im Prozess des Zeichnens wurde für die Künstlerin immer ersichtlicher, dass sie nicht nur ein original-grafisches Buch für ein eher kleines Publikum kreieren möchte, sondern vielmehr ein Verlagsbuch in großer Auflage, um eine Großzahl an Menschen, sowohl Kinder als auch Erwachsene, erreichen zu können. Der Charakter ihrer original-grafischen Technik sollte aber unbedingt erhalten bleiben.
Heimatstipendium
Oktober 2017 - Oktober 2018

Allerlei

Das Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen beherbergt ca. 5,3 Millionen naturwissenschaftliche Objekte. Die Bestände haben ihren Ursprung in der Mitte des 18. Jahrhunderts, zeigen sich aber heute in einer Kombination aus historischen Schau- und modernen Forschungsmagazinen. Fünf der Sammlungen sind als national wertvolles Kulturgut geführt, viele der Objekte sind Unikate. Auf die weltbedeutende Vogeleierkollektion von Max Schönwetter im Zentralmagazin konzentrierte sich die Buchkünstlerin und Grafikerin Friederike von Hellermann. Im Rahmen des "Heimatstipendiums" untersuchte sie die Grenze zwischen Wissenschaft und Kunst. Nicht die naturwissenschaftliche Erkenntnis stand bei ihr im Vordergrund, sondern die ästhetische Anmutung der Objekte, die sie in ihren Arbeiten reflektiert. Hierbei entstanden, u. a. unter dem Titel "The Most Perfect Thing", großformatige Grafiken, die allerlei Dinge wiederum in eine eigenständige Ordnung bringen.
Aufenthaltsstipendium Ahrenshoop September 2011

Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop

Während des Arbeitsstipendiums in Ahrenshoop setzte sich die Buchgestalterin Friederike von Hellermann intensiv mit dem geschichtsreichen Ort und seiner Landschaft auseinander und ließ sich von diesen Inhalten inspirieren. Unter dem Titel „Regatta“ entstand eine Serie von zwölf, auf den Ort bezogenen Unikatgrafiken. Ein sensibles Schiffspanorama gibt entlang der Horizontlinie die Ereignisse auf elegante und reduzierte Weise wieder. Parallel dazu schuf die Künstlerin das Buch „Du bist die Ruh“, in dem sie ein Gedicht von Friedrich Rückert umsetzt und mit floralen Illustrationen, angeregt durch die botanischen Radierungen von Michael Landy, bebildert. Darüber hinaus bot das Arbeitsstipendium der Künstlerin Gelegenheit, die angewendete Schablonentechnik hinsichtlich der Mehrfarbigkeit weiterzuentwickeln und ihr für Folgeprojekte Anregungen besonders zu den Phänomenen Wahrnehmung, Illusion und Täuschung zu geben.
Arbeitsstipendium April – September 2013

VERA ICONA - Sein oder Schein. Eine Abhandlung über Wahrheit und Unwahrheit

Wie kann man als Buchkünstlerin die Wahrnehmung beeinflussen – das war die Frage, mit der sich Friederike von Hellermann auseinander setzte. Sie wird beim Buch maßgeblich beeinflusst durch das verwendete Papier und die Abfolge der gebundenen Seiten. Sie verfolgte dabei verschiedene Ansätze. Sie schnitt den Text manuell aus, so dass beim Blättern Licht durch ihn hindurchfällt und auf die folgende Seite geworfen wird. Das Erlebnis des Blätterns wird dadurch ein ganz anderes als bei einem gewöhnlichen Buch: Der Text ist nicht starr auf der Seite festgehalten, sondern in Bewegung. Dieses Prinzip des Lichtdurchfalls wurde auch bei einer weiteren Arbeit umgesetzt. Zu dem Gedicht „Tränen“ von Friedrich Hölderlin stanzte sie Sternenbilder in die blauschwarzen Seiten eines Buches. Durch den Wechsel der blauschwarzen und weißen Seiten wird das Sternenbild einmal als Standbild wahrgenommen, beim Umblättern jedoch als eine Art Sternschnuppengruppe auf der folgenden weißen Seite. Die Wirkung ist dreidimensional. Im Buch, das zu dem Gedicht „Träume“ von Mathilde Wesendonck entstand, nutzte die Buchkünstlerin transparentes Papier. Fünf Schmetterlinge trug sie auf sehr dünnes und durchscheinendes chinesisches Reispapier in der Technik des Schablonendrucks auf. Die Beschaffenheit dieses Papiers widerspiegelt zum einen die Eigenschaften der Schmetterlingsflügel und ermöglicht zum anderen einen Blick auf deren Unterseite. Die Zeilen des Gedichtes scheinen zunächst fast ein wenig verschwommen durch die Seiten des Reispapiers hindurch und verweisen damit die Besonderheiten des Träumens. Beim Blättern werden sie zunächst schärfer, um beim nächsten Umblättern wieder zu verschwimmen. Außerdem ergründete Friederike von Hellermann, verschiedene Arten der Wahrnehmung und der optischen Täuschung – bei Wende- und Schattenbilder sowie durch grafische Muster. Das Motiv der Grafikreihe sind ausgestorbene Vögel. Sie werden grafisch so umgesetzt, dass durch das grafische Muster eine räumliche Wirkung hervorgerufen wird. Das Flirren wegen der Kleinteiligkeit der Muster ist eine Anspielung auf eine Art Fata Morgana, eine Vision. Man hat das Gefühl, dass einem das, was man sieht, zu entfliehen droht – es bleibt eine Unsicherheit der Wirklichkeit des Eindrucks. Wie auch bei den anderen Arbeiten interagieren Inhalt und Form: Der Inhalt bestimmt die Form, die Form bestimmt die Wahrnehmung, die Wahrnehmung wiederum das Verständnis des Inhalts.
Vita
1984 geboren in Essen | 2002 – 2005 BA Book Arts and Crafts, London College of Printing | 2003 – 2005 Arbeit als Buchbindering in der Wyvern Bindery, London | 2004 Erasmusstipendium Typografie an der HGB sowie der HTWK in Leipzig | 2005 – 2010 Studium der Buchkunst, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle | 2007–2008 Wissenschaftliche Hilfskraft in der Siebdruckwerkstatt ebd. | 2009 Wissenschaftliche Hilfskraft im Fachgebiet Buch ebd. | 2010 Diplom | seit 2011 als freischaffende Künstlerin tätig | seit 2014 Lehrtätigkeiten an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und an der Kreativwerkstatt Aschersleben | lebt und arbeitet in Halle (Saale)