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Josefine Cyranka

Textilkünstlerin, Grafikerin und Kunstvermittlerin

Arbeitsstipendium
Januar – März 2018

Archaische Landschaften

Das Arbeitsstipendium aus Anlass des Brandes der Atelierräume in Halle-Ost im Dezember 2017 nutzte Josefine Cyranka, um sich einen provisorischen Arbeitsplatz einrichten zu können und an begonnen Papierarbeiten weiterzuarbeiten. Diese verfolgten Bildideen und Themen ihrer Studienreise nach Armenien im September 2017; konkret mit Eindrücken des rasanten Wandels der Stadtarchitektur in Jerewan und dem wahrgenommenen gesellschaftlichen erdrückendem Wartezustand. Dieser Gruppe von Scherenschnitten hatte sie den Titel gegeben „Warten auf den Frühling“. Zu dem Zeitpunkt ahnte die Künstlerin nicht, dass es wirklich einen Armenischen Frühling geben sollte – eine Zeit der großen Proteste und Veränderungen. Dennoch traten nach monatelanger Beschäftigung die ersten Reiseeindrücke in den Hintergrund und die Themen wandelten sich. So beschäftigte sie sich in den Monaten des Arbeitsstipendiums vor allem mit dem Thema „Archaische Landschaft“ als Wahrnehmung, Sehnsucht und Spiegelung. Als Reisende in Armenien suchte sie, wie viele andere Westeuropäer, nach den Spuren der Ur-atäer, der Ur-christen, nach den Ur-sprüngen als Gegensatz zu dem Ur-banen. Dabei wurde Josefine Cyranka fündig, aber auch enttäuscht und überrascht. Die armenische Landschaft wurde zum Gegenstand ihrer künstlerischen Auseinandersetzung und sie löste sich gleichzeitig von einer realen Landschaft. Nach fotografischen  Vorlagen fertigte sie Scherenschnitte und fragmentiere dabei die Einzelformen bis an den Rand der Erkennbarkeit. Diese losen Scherenschnitte sortierte die Künstlerin seitenverkehrt auf ein feuchtes Tuch und schöpfte eine Schicht weißes Papier darauf. So fügen sich die einzelnen Fragmente wieder zu einem Bild auf einer Oberfläche. Sie erscheinen fast wie ein Druck. Gleichzeitig zeichnete sie Gebirge und konzentrierte sich auf Räume und Strukturen.
Internationales Arbeitsstipendium: Armenien
September 2017

Aufenthaltsstipendium in Jerewan

Während ihres Aufenthaltes in Jerewan und während der mehrtägigen Reisen in den Süden und Norden Armeniens entstand eine Fülle von Aquarellskizzen. Die grandiose Landschaft und die einfachen Dörfer unterschiedlicher ethnischer Gruppen erfasste die Künstlerin in farbigen Skizzen, die unmittelbar vor Ort entstanden. In Jerewan selbst entstand der Zyklus „Stadtlandschaft Jerewan“, der die rasanten städtebaulichen Umwälzungen in der armenischen Hauptstadt dokumentiert. In Papierarbeiten, die unmittelbar nach der Reise entstanden, hat sich Josefine Cyranka mit Prozessen, die scheinbar nur mühsam vorwärts kommen, beschäftigt. In verwitterten Hinweistafeln, getrockneten Pflanzen und in Ornamenten der Kreuzsteine (Chatschkare) fand sie dazu erste Bilder, die sie in Scherenschnitte aus farbigem handgeschöpftem Papier, die wiederum in weißes Baumwollpapier geschöpft wurden, übersetzte. Für ihre textile Arbeit hat die Künstlerin viele Anregungen aus der reichhaltigen Fülle der Textilkunst der Kaukasus-Region sammeln können. Außerdem hat sie gemeinsam mit Annette Funke eine deutsch-armenische Kunstaktion für Kinder konzipiert. Die Arbeiten des Stipendiums verbrannten in den Atelierräumen der Künstlerin in Halle-Ost im Dezember 2017.
Arbeitsstipendium
September 2009 – Februar 2010

Gobelinzyklus ungewebt

Ausgehend von ihrer Arbeit an Entwürfen für Gobelin-Zyklen gestaltete Josefine Cyranka Teppiche aus Papier, versehen mit Pflanzenfragmenten. Gobelinzyklus – ungewebt beschreibt für sie ein ambivalentes Verhältnis: Auf der einen Seite steht die Bildweberei als Prozess der langsamen, hingebungsvollen Bildentstehung, Symbol für Wert, Bestand und Tiefe. Auf der anderen steht der Künstlerin Zeitverständnis und Ausdrucksdrang, ihr Wunsch nach Verbildlichung von Schnelligkeit und Wandel, dem die Langsamkeit der Bildweberei widerspricht. So wählte die Künstlerin das Papierschöpfen, eine Technik, bei der sich das Bild – wie in der Weberei – aus der Substanz und nicht aus der Oberfläche entwickelt. Dabei integrierte sie Pflanzenteile, die als schattenartige Fragmente erscheinen und an die Flora mittelalterlicher Mille fleurs-Teppiche erinnern. Die Arbeiten sind mit einer in das Papier geprägten metallischen digitalen Struktur überzogen, die von den Lochkarten eines mechanischen Webstuhls übernommen ist. Dieser ungewebte Zustand in Papier steht im Kontrast zu aufwändig gewebten mittelalterlichen Gobelins.

Die Arbeiten stellte Josefine Cyranka im Historischen Waisenhaus in den Franckeschen Stiftungen zu Halle in der Ausstellung „Am Weg. Arbeiten aus Papier“ von Juni bis September 2010 aus.

Vita
1968 in Annaberg-Buchholz geboren | 1989 – 1995 Studium Malerei/Textil an der Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle | 1995 – 1996 DAAD-Studienaufenthalt in Schottland, Dundee Duncan of Jordanstone College of Art, Diplom Textildesign | 1996 Simon Jersey Tapestry Award, London, 2. Preis | 1996 – 1997 Aufbaustudium Künstlerweiterbildung HdK Berlin | 2000 – 2006 künstlerische Mitarbeiterin Fach Malerei/Textil, Prof. Götze an der Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle | 2010 Arbeitsstipendium des Landes Thüringen | 2012 1. Preis beim Ideenwettbewerb der Initiative Bürgerstiftung der Herbert-Quandt-Stiftung | seit 1990 zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland u. a. in Halle, Hannover, Frankfurt/M., Halberstadt, Dundee, Edinburgh, London, Erfurt, Leipzig und Bremen | seit 1996 freischaffende Tätigkeit | seit 2008 kunst- und museumspädagogische Arbeit im KinderKunstForum | lebt und arbeitet in Halle (Saale)