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Judith Runge

Keramikerin

Internationales Arbeitsstipendium: Vietnam
Mai – Juni 2023

Notes on Vietnam

Im Rahmen des Internationalen Arbeitsstipendiums in Vietnam verbrachte Judith Runge zwei Monate in Hanoi. Während dieser Zeit arbeitete die Künstlerin für ihr Projekt „Notes on Hanoi“ bei „Hien Van Ceramics“. Die Manufaktur fertigt in Kleinserien traditionelle und neue Alltagsgefäße sowie Tierplastiken an. Ihre Idee war es, die vorhandenen Gipsformen und somit die gegebene vietnamesische Formensprache zu nutzen. Die Künstlerin verwendete diese vietnamesischen Gipsformen und führte frei modellierte Elemente hinzu. Beim Einsatz von Farben (Grün – und Gelbtöne) setzte ich auf die vorhandenen Glasuren. So entstand eine Art Sammlung plastischer Objekte, die ihren gewonnen Eindruck der Kultur und Natur vor Ort einfangen.
Arbeitsstipendium
September 2018 – Februar 2019

Kreaturen, Mutanten, Chimären

Ausgangspunkt für das Projekt war die Beschäftigung mit Themen rund um das Verhältnis des Menschen zur Natur. Zwei Aspekte flossen in die Arbeit der Künstlerin ein: Zum einen die Vielfalt an Müll, insbesondere von Kunststoffen - Reste, die von Begegnungen des Menschen mit der Natur zeugen, und sich u. a. am Wegesrand, auf Grünanlagen und im Unterholz finden lassen. Zum anderen beeinflussten Judith Runge die zahlreichen Berichte über die Vermüllung der Weltmeere und die erschreckenden Bilder der verendeten oder verletzten Tiere. In ihr tat sich der Wunsch auf, diese mögen nicht nur leiden, sondern widerstandsfähig ihre Natur einsetzen und neue Formen zum Überleben entwickeln - eine adaptive Spezialisierung, die sich schneller vollziehen müsste als in vergangenen Zeiten, rief bei ihr Visionen von merkwürdigen, sich anpassenden Lebewesen hervor. Tiere, die dem Menschen in den Lebensraum Stadt folgen, sich integrieren und denen weitere invasive Arten folgen. Während des Stipendiums entstandenen keramische Skulpturen, die an Meeresbewohner, Reptilien oder an Vögel erinnern: Wesen, die Hypothesen sind – Fiktionen von Mutationen, die nicht oder noch nicht biologisch nachweisbar sind bzw. sich derzeit im metamorphen Zustand befinden. Wichtig bei der Umsetzung war ihr die Ambivalenz zwischen einer anziehenden Ästhetik und einem Schaudern über das Befremdliche. Aufgebaute keramische Körper und gesammelte Fundstücke aus Kunststoff bildeten den Ausgangspunkt für die Skulpturen. Durch Wärmebehandlung verformt, bekamen die verschiedenen Kunststoffmaterialien einen z.T. natürlich anmutenden Charakter. Dazu waren einige Versuche nötig, um die unterschiedlichen Reaktionen der Kunststoffe auf Hitzeeinwirkung zu testen und diese entsprechend einzusetzen. Wie eine Laborleiterin griff Judith Runge in den Prozess ein, lenkte die Mutation, traf ihre Wahl. Entstanden sind so 16 Kreaturen, Mutanten und Chimären.

Arbeitsstipendium
Juli – Dezember 2007

Spielraum

Monster zum Kuscheln, Beißringe, die eher als Schlagringe zu gebrauchen sind, reizend anzuschauende Pistolen – Parodien auf die quietschbunte Spielzeugwarenwelt, mit der die Jüngsten zugeschüttet werden. Phantasievoll ist der künstlerische Umgang Judith Runges mit den Objekten, die massenhaft oft am anderen Ende der Welt unter zweifelhaften Arbeitsbedingungen hergestellt werden, Spielzeuge, die die Kreativität, den kindlichen Entdeckungsdrang, die Phantasie töten, das immer-mehr-Haben-Wollen fördern, frühzeitig Konsumzwang erwachen lassen als Flucht vor tiefempfundener Langeweile.

Kritisch und dem Thema angemessen – nämlich spielerisch – setzt sich die Künstlerin mit dieser Problematik auseinander. Judith Runge übersteigert, veredelt »Spielzeuge«, verfremdet ihre Funktion – allein schon durch die Herstellung in Keramik. Eine Verwandlung, die neugierig macht, die irritiert, die abstößt und anzieht zugleich. Der Entdeckungsdrang der Erwachsenen erwacht beim Gang durch diesen Spielraum, ist eine Abenteuerreise wie für das Kind der Eintritt in den Spielzeugladen – auch wenn den Großen das Angebot noch so scheußlich scheinen mag ... 

Vita
1969 in Halle (Saale) geboren | 1985 – 1989 Lehre als Porzellanmalerin an der Staatlichen Porzellanmanufaktur in Meißen | 1991 – 1999 Studium und Aufbaustudium (Graduiertenstipendium) an der Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle, Studienrichtung Plastik/Keramik | 1996 Studienaufenthalt an der Hochschule für Kunst und Handwerk in Reykjavik, Island, ebd. Einzelausstellung | seitdem regelmäßig Ausstellungsbeteiligungen in Deutschland | 1998 Teilnahme am Internationalen Keramiksymposium in Honululu, Hawaii | 2002 Förderpreis Perron – Kunstpreis der Stadt Frankenthal (Pfalz) und Ausstellung im Pulverturm Oldenburg | 2005 Ausstellung im Kiew Art Center, Kiew, zusammen mit Christiane Jung | 2006 Teilnahme am Internationalen Keramiksymposium in Halle | 2007 Mitbegründerin des Forums für zeitgenössische Keramik Halle (Saale) | 2009 2. Platz beim Wettbewerb zur Neugestaltung des Katharinenaltars im Magdeburger Dom, ausgelobt von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt | 2014 Preis der Sparkasse Leipzig – Grassimesse | 2018 Arbeitsstipendium Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt | 2023 Internationales Arbeitsstipendium für Vietnam von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt | lebt als freischaffende Keramikerin in Halle (Saale)