Keramische Impressionen aus Paris - Ein Mosaik der Stadt
Julia Rückerts Ziel war es, weggeworfenes Glas aus dem urbanen Raum als Rohstoff zu nutzen und mit Keramik zu kombinieren, um eine neue Form von Materialästhetik zu entwickeln. Zudem experimentierte sie während ihres zweimonatigen Aufenthalts in Paris mit Transferdruck auf Keramik, um grafische Elemente mit plastischen Strukturen zu verbinden.
Inspiriert von den Spaziergängen, den Fliesen in der Metro und der architektonischen Vielfalt der Stadt, sammelte sie fotografische Momentaufnahmen, Zeichnungen und Oberflächenabdrücke. In ihren detailreichen Arbeiten – es entstanden keramischen Skizzen, Fliesen und Reliefs – versuchte Julia Rückert, die surrealen, traumhaften Aspekte der Stadt einzufangen, die die für sie einzigartige Atmosphäre von Paris widerspiegeln. Diese Eindrücke und Träume fügten sich zu einem mosaikartigen Wandbild zusammen, das die vielfältigen Texturen, Farben und Alltagsszenen der Stadt vereint.
Die Arbeit mit gefundenem Glas stellte sich als technisch herausfordernd, aber auch experimentell ergiebig heraus. Die unkontrollierten Fließbewegungen des geschmolzenen Glases eröffneten ihr neue gestalterische Möglichkeiten. Auch der Transferdruck auf Keramik entwickelte sich weiter: statt nur fotografische Motive zu verwenden, begann die Künstlerin, grafische Elemente stärker in die Gesamtkomposition ihrer Arbeiten einzubinden.
Die Ergebnisse des Arbeitsstipendiums wurden in der Ausstellung „TWIST“ im Frühjahr 2026 ausgestellt.
Kinetische Keramikskulpturen und Animation – ein uraltes Material zum Leben erwecken
In ihrem Projekt erweckt Julia Rückert keramische Objekte durch Bewegung „zum Leben“. Dafür experimentierte sie mit Techniken nach dem Prinzip des Daumenkinos und des Zootrops, einem frühen Apparat zur Darstellung von Bewegung.
Seine Funktionsweise begründet sich im optischen Phänomen der „Trägheit des Auges“, wodurch im Gehirn einzelne Bilder zu einer fließenden Bewegung verschmelzen.
Zootrope sind mit Schlitzen versehen. Sie erlauben – analog einer Kamera – einzelne Bilder zu erzeugen, da sie sonst sie zu einer unscharfen Masse verschwimmen. Julia Rückert musste allerlei Experimente durchführen, um eine kontinuierliche Bewegung zu suggerieren. So war die Frage nach der optimalen Anzahl der kleinen Reliefs zu lösen, die Größe und Anordnung der Schlitze festzulegen uvm.
Bei der Suche nach Bewegungsabfolgen fokussierte sich die Keramikkünstlerin auf Tiere, die sie faszinieren: ein unermüdlich rennender Hund, ein schreitender Elefant. Aber auch ein schwimmender Mensch erscheint in einer der kurzen, traumartigen Sequenzen in einem Loop, der solange andauert, wie sich das keramische Objekt dreht. Ein kleiner Side-Fact: Das Wort „Zootrop“, altgriechisch für „Rad des Lebens“, hat eine Verwandtschaft zu den Sujets der Arbeiten, denn „zoon“ bedeutet „Lebewesen“, „zoe“ „Leben“.
Die auf der Töpferscheibe gedrehten Gefäße lehnen sich an klassische Gefäßformen der Antike an.
Durch die Kombination von traditionellen Keramiktechniken mit kinetischen Elementen erweiterte Julia Rückert die narrative und ästhetische Wirkung ihrer Arbeiten.
Fabelhafte Wesen
Es sind vor allem die Präparate bekannter und seltener Tierarten sowie die Modelle ausgestorbener Eiszeitbewohner, die Julia Rückert im Museumsbestand des Museums für Naturkunde und Vorgeschichte in Dessau faszinierten. Inspiriert durch das Aussehen und die Fähigkeiten dieser Wesen, erschuf sie keramische Plastiken von Geschöpfen, bei denen sich durch Versetzen einzelner Formen neue Körper ergeben. Im Rahmen eines Kreativ-Wettbewerbs rief sie Kinder in Sachsen-Anhalt dazu auf, eigene Wesen zu erschaffen. Rund 200 Bilder von Fantasiegeschöpfen erreichten die Künstlerin. Die drei Siegerwesen wurden von der Künstlerin in Ton modelliert und waren zusammen mit allen Zeichnungen in der Ausstellung zu sehen. Den kleinsten Ausstellungsstücken des Museums – in Bernstein eingeschlossene Insekten – widmete Julia Rückert besondere Aufmerksamkeit und setzte deren Erscheinung in stark verpixelten Vergrößerungen als keramische Mosaike um.
1980 in München geboren | 1998 Ausbildung zur Rettungssanitäterin | 2005 – 2006 Prakti-kum bei Caro Frank (Goldschmiedin)/ Atelier Silberstein in Göttingen | 2007 – 2012 Studium der freien Kunst an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bei Prof. Martin Neubert (Plastik/Keramik) – Abschluss: Diplom | 2015 - 2019 Kurse „Keramik“ und „kreatives Gestal-ten“ an der KGS Ulrich-von-Hutten in Halle (Saale) | 2015 Gründung des Labels „MONJU Keramik“ und Nominierung beim Internationalen Lucas-Cranach-Preis in Wittenberg | seit 2016 Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Sachsen-Anhalt | seit 2018 Vor-standsmitglied im Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Sachsen-Anhalt | seit 2012 frei-schaffend tätig | 2020 – 2021 Heimatstipendium der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt im Museums für Naturkunde und Vorgeschichte in Dessau | 2021/2022 1. Platz beim Wettbewerb „Einheit mit der Natur. Eine Installation für den Geburtsort des Novalis“ und Umsetzung des Entwurfs in Oberwiederstedt | 2023 Arbeitsstipendium der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt | lebt und arbeitet in Halle (Stand 2025)
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