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Marie-Luise Meyer

Keramikerin



Artist in Lab
Juni – August 2007

ARTIST IN LAB im Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben

Das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft neu auszuloten, nach gleichen oder konträren Interessen zu fahnden, sich gegenseitig Anregungen zu geben – das waren Ziele des ARTIST IN LAB-Programms. Der »fremde Blick« auf die jeweils andere Wissens- und Erkenntnisform sollten neue Arten der Reflexion auf beiden Seiten anregen. Dazu begleiteten Künstlerinnen und Künstler drei Monate lang die Forschung in Instituten von Weltrang. Marie-Luise Meyer war im Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung zu Gast. Dort werden neue Erkenntnisse über Struktur, Funktion und Evolution des Erbmaterials im Vorfeld der Pflanzenzüchtung erarbeitet. Gleichzeitig bemühen sich die Wissenschaftler um die Erhaltung, Erforschung und Erschließung der erblichen Vielfalt von Kulturpflanzen. Grundlage letzterer Arbeit ist eine der weltweit größten Lebendsammlungen von Kulturpflanzen (Genbank), die durch Archive mit Herbar- und Samenmaterial ergänzt wird. Aufgepropft Für die Keramikerin Marie-Luise Meyer standen die Türen des Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben drei Monate offen. Im Gespräch mit Wissenschaftlern und beim Blick durchs Mikroskop suchte sie Antworten auf Fragen wie: Gibt es buntkarierte Staubblätter oder belockte Blütenblätter? Können sie gezüchtet werden? Und zu welchem Zweck? Wo finden Natur und Naturwissenschaft ihre Grenzen? Was für eine Pflanze würde der Mensch schaffen– so fragte sich Marie-Luise Meyer – wenn er seiner Kreativität freien Lauf lassen könnte und dürfte? In schillernden Farben liegen auf einem großen Arbeitstisch alle Zutaten bereit: Staub-, Kelch- und Blütenblätter, Fruchtknoten, Griffel, Narben, Pollensäcke, Blütenstiele. Spielend leicht sind sie mit einem einfachen Stecksystem miteinander kombinierbar, werden aufeinander gepfropft, und eine neue »Spezies« ist geschaffen. Sie ragt als noch unvollendete Schöpfung in der Mitte des Labortisches auf. Ästhetisch – unästhetisch, sinnvoll – sinnlos, nützlich – gefährlich: Wie werden die Pflanzen sein, die solch einem Spiel entspringen? Alles ist hier machbar – ein schöner wie erschreckender Traum für Künstler und Wissenschaftler.
Arbeitsstipendium
Januar – Juni 2014

Bilder einer blauen Blume / Gegend

Während ihres Stipendiums befasste sich die Keramikerin Marie-Luise Meyer das erste Mal intensiv mit der Technik der Fotografie. Ihr Thema war die Welt der Modellbauer und sie entdeckte deren Charme: Sich wegzubeamen – einfach woanders, jemand anderes zu sein und die eigene Welt kurz ausblenden zu können. Zu sehen ist auf den Fotos gebaute Natur. Aus Ton stellte Marie-Luise Meyer ihr Motiv her, auf einer 2 x 1,5 m großen Platte fanden Berge, See, Mauern, Schwimmbad usw. ihren Platz. Es entstanden kleine Landschaften mit Licht, Schatten, Leitern und viel Wasser aus feuchtem, wieder lebendig gewordenem Tonschlicker, in dem sich Algen gebildet haben und Blasen, die das entstehende Gas formt.

Aufenthaltsstipendium Ahrenshoop
September 2009

Puppenhaus

Angelehnt an barocke Puppenhäuser, die schrankhoch mit einer Leiter zu besichtigen sind, ist eine großformatige Miniaturwelt entstanden. Die Welt der Puppenstubenbastler besteht aus Glück, Reichtum und Gemütlichkeit. Sie bauen Scheinwelten, in denen sie ein schönes Leben spielen. Das Puppenhaus, das die Keramikerin Marie-Luise Meyer gestaltet hat, erzählt vom Leben eines einsamen Mannes, der sich über viele Jahre hinweg mit seinen Eigenarten in diesem Haus eingerichtet hat. Die Künstlerin hat während ihres Aufenthaltes in Ahrenshoop das kleinteilige Inventar aus Keramik geschaffen. Die Arbeit wurde im November 2009 im Forum für zeitgenössische Keramik in Halle und 2010 in einer zweimonatigen Ausstellung mit dem Titel „heim – Das temporäre Haus“ im Neuen Künstlerhaus Ahrenshoop präsentiert.
Vita
1970 in Haselünne im Emsland geboren | 1990–1993 Töpferlehre in Kempten/Allgäu | 1993–1999 Studium an der Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle, Studienrichtung Plastik/Keramik; 1994 Arbeitsaufenthalt in Israel; 1996 Gaststudium an der Hochschule für angewandte Künste UMPRUM in Prag; 1999 Arbeitsaufenthalt in Kobe, Japan | seit 1999 zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland | 2000 und 2003 Keramikpreis der Frechener Kulturstiftung | 2003–2005 Lehrauftrag an der Burg Giebichenstein | 2007 Mitinitiatorin des Forums für zeitgenössische Keramik, Halle/Saale | 2009/10 Lehrauftrag an der Kunstuniversität Linz, Österreich | lebt und arbeitet als freischaffende Keramikerin in Halle (Saale)   Publikation: heim – Das temporäre Haus, Edition Hohes Haus Ahrenshof, 2010