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Yvonne Most

Fotografin

Arbeitsstipendium
Oktober 2017 – März 2018

Die Erinnerung der Anderen. In Transition – Menschen und Orte in Veränderung. Die 3. Generation Vertreibung auf Ahnenforschung im Sudetenland.

„Wer seine Wurzeln nicht kennt, kennt keinen Halt.“ (Stefan Zweig) Menschen, Landschaften, Stillleben – den Erinnerungsorten und Wurzeln fotografisch nachgehen, ist Anliegen der Arbeit von Yvonne Most. Als Enkelin einer vertriebenen Familie aus dem Sudetenland war es ihr ein besonderer Wunsch, ihren familiären Wurzeln fotografisch nachzugehen. Über 3 Millionen Sudetendeutsche sind nach dem 2. Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben und über die ganze Welt verstreut worden. Über die Flucht und ihre Familie wollte Yvonne Most mehr erfahren. Ziel war die Verbindung kollektiver Erfahrungen der Vertreibung, aus Spuren der Erinnerung, historischer Recherchen und ein neuer Blick auf eine Gegend, eine Landschaft, die verwachsene Narben hat. Die Herausforderung bestand darin, eine Mischform aus einer dokumentarischen fotografischen Erzählweise mit Fragmenten der Jetztzeit inhaltlich und formal zu kombinieren. Das Unfertige ist von Interesse, die Fehlstellen, was am Rand, an Grenzen passiert oder auch nicht passiert. Die Tiefe der Stille, das Unausgesprochene der Motive, zieht die Fotografin an. Die Fotoserie eröffnet den Betrachtenden einen Zugang zur eigenen Biografie, soll identitätsstiftend wirken, die Wurzeln stärken. Eine Reflexion zum Bedürfnis nach neuer und alter Heimat anregen.    
Arbeitsstipendium
Januar – Juni 2014

Fotografien aus der Lausitz

Der kleinen ethnischen Minderheit der Sorben gelang es bis in die 1960er Jahre, ihre Eigenständigkeit durch traditionelle Bräuche und Trachten zu bewahren. Dann kam der Braunkohleabbau, ungefähr 136 Orte verschwanden ganz oder teilweise von der Landkarte – bis heute. Den Verlust der ehemaligen sozialen Gemeinschaft beschreibt ein sorbisches Sprichwort: „Gott hat die Lausitz erschaffen, der Teufel die Kohle daruntergelegt.“ Bisher überlebte dennoch das kulturelle Selbstbewusstsein – das zeigt die Fotoserie von Yvonne Most. Heimat: Copy und Paste? Die Künstlerin interessiert sich vor diesem Hintergrund für die Kultur der Sorben und deren Heimatbegriff. Nachdem sie schon vor einigen Jahren im Rahmen der Arbeit an einem Dokumentarfilm mit den Träumen und Ängsten der Bewohner und deren Bedrohung durch die Braunkohle konfrontiert war, zieht es sie erneut in die Gegend um Jänschwalde an der polnischen Grenze. Fasziniert von den farbenprächtigen und aufwändig bestickten Stoffen, portraitiert sie sorbische Frauen, die im Alltag oder zu bestimmten Festlichkeiten ihre Tracht anlegen, eine Kleidung, die für Tradition und Identität steht, den Stolz und das Bedürfnis des Bewahrens vermittelt. In einer ganz eigenen Bildsprache offenbaren die Arbeiten den Schmerz, die Trauer, die Stille und die Sehnsucht, die entsteht, wenn man an einer Tagebaukante steht: schwarze Löcher in der Landschaft, soweit kein Auge reicht. Nicht weit von uns entfernt verschwinden immer noch Dörfer, die dem Braunkohle-Abbau weichen müssen. Was bleibt, sind Narben in der Landschaft - die Sorben haben ihre Lieder und die Trachten in den Truhen.
Vita
1981 in Sondershausen/Thüringen geboren | 2005 – 2006 DAAD Stipendium Auslandsstudium Academy of Fine Arts Wroclaw, Polen | 2007 CreativeVillage, Scholz & Friends, taz, UFA Entertainment, Berlin | 2008 B. A. Cultural Engineering, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und Gruppenausstellung „In Berlin-15 Positionen“, Europäischer Monat der Fotografie, Berlin | 2008 – 2010 Seminar Sibylle Bergemann, Ostkreuzschule für Fotografie und Gestaltung Berlin | seit 2009 Dozentin für analoge und digitale Fotopraxis Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg/ MSA Medienkompetenzzentrum Halle/Martin-Luther-Universität Halle und Teilnahme am Internationalen Programm, 52. Internationales Festival für Animations- und Dokumentarfilm, Leipzig | 2010 Nominierung für „Heimat auf Zeit“, 31. Filmfestival Max Ophüls Preis 2010, Saarbrücken und seit 2010 Jurytätigkeit, Gesellschaft für Fotografie e. V. | 2010 – 2012 Studium M.A. Photography Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle |  2011 Gewinnerin dieHO-Kunstpreis | 2013 Lehraufträge Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Dozentin diploma private Hochschule Fachbereich Grafik Design Standort Leipzig sowie 2013/14 Stipendium Mentoring Programm Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und 2013 European Newspaper Award/ Award of Excellence Kategorie Foto-Reportage | 2015 Berufung als ordentliches Mitglied in dieDeutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) | seit 2016 Jurytätigkeit beim internationalen „Portraits – Hellerau Photography Award“, Dresden und Dozentin für Fotografie beim Berlin education Programm | seit 2017 Dozentin für Fotografie, Stiftung Bauhaus Dessau, „Bauhaus Agenten“ | lebt in Halle (Saale)