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Du Dunkle Nacht

Ulrike Meyer beschäftigte sich während ihres Stipendiums intensiv mit der Zeit
der Frühromantik, insbesondere den Spuren, die der Kreis junger Literaten,
Künstler und Wissenschaftler um den Hallenser Komponisten und Musikkritiker
Johann Friedrich Reichardt hinterlassen hat. Fasziniert von
der „dunklen Seite“ der Frühromantik – dem Gefühlsbetonten, Fragmentarischen,
dem seelisch Abgründigen – beleuchtete die Künstlerin die kulturtheoretischen,
philosophischen, literatur- und naturhistorischen Hintergründe jener Zeit und
verarbeitete sie in raumgreifenden Installationen.

Entstanden sind dabei unter
anderem zwei großformatige Lichtkästen, die „Röntgenlandschaften“ (I und II). Sie
zitieren den Panoramablick des Reichardtschen Anwesens und erlauben zugleich
einen Blick auf unsichtbare Seelenlandschaften, die das Verhältnis von Ganzheitsideal und Fragment, von Mikro- und Makrokosmos,
von Innen und Außen spiegeln.

In den ebenfalls während des
Stipendiums entstandenen Haar-Spiegel-Objekten werden volkstümliche Bindezauber
thematisch verarbeitet. Haargeflechte werden hier zu Wortgeflechten und greifen
Zitate von bedeutenden Personen jener Zeit auf. Die Objekte verweisen auf eine einstmals beliebte Tradition, durch kunstvolle
Haargeschenke einem geliebten Menschen scheinbar näher zu sein.

Eine Raum-im-Raum-Installation illustriert das zu dieser Zeit populäre Phänomen
des Magnetismus nach Franz Anton Mesmer. Hier in Halle experimentierte Johann
Christian Reil auf der Grundlage der Erkenntnisse Mesmers mit dem Magnetismus
als therapeutischem Verfahren zur Bekämpfung seelischer wie physischer
Krankheiten. Auch Wilhelm Grimm, der im Hause Reichardts wohnte, unterzog
sich einer solchen von Reil verordneten Therapie über den Zeitraum mehrerer
Monate. Das Ereignis dieser Mesmerischen Sitzungen wird von ihm und anderen
Zeitgenossen als ein entrücktes, fast gespenstisch anmutendes Ereignis
beschrieben, welches in seiner Intensität durch die untermalende Musik der
Glasharmonika noch gesteigert wurde. Das Szenario einer solchen magnetistischen
Sitzung wurde in der Rauminstallation als synästhetisches Arrangement sichtbar
gemacht. Dabei bilden Raum, Licht, Objekte, Videoprojektion und Musik ein
atmosphärisches Ganzes. Die Ergebnisse des Stipendiums
wurden im September 2010 in den Räumen des Volksparks im Rahmen einer Ausstellung präsentiert.

 

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