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Ersatzheilige. SaintDonna & SaintGeorge

„Fangemeinden erinnern in ihrer Struktur zuweilen an Orden oder Bünde, die Stars nicht selten wie säkulare Ersatzheilige benutzen.“1 Heilige sind „religiöse Ausnahmemenschen“ – aus kirchlicher Sicht sind sie „repräsentative Christen, lebendige Denkmäler der christlichen Idee“, womit ihnen pädagogische Bedeutung und Vorbildfunktion zugeschrieben wird.2 Auch beliebte Schauspieler, Musiker und Models werden zu Ausnahmemenschen dieser Art: Aus Sicht der Fans sind ihre Stars Leitfiguren, Vorbilder, Helden, sie dienen zur Orientierung für Leben und Werte. Charisma, Aura, Verehrung – Begriffe, die in der Madonnenverehrung ebenso auftauchen wie im heutigen Kult um Stars und Sternchen. Werden „Kirchenheilige“ ersetzt durch „Medienheilige“?

Hinter dem Titel Ersatzheilige SaintDonna & SaintGeorge steht eine konzeptionelle Arbeit, in der sich Anna Herrgott mit dem Starkult der heutigen Zeit beschäftigt hat. Um die offensichtliche Verschiebung der Kultpersonen (von kirchlichen Heiligen zu weltlichen Stars) darzustellen, hat die Künstlerin hierfür die Sängerin Madonna und den Schauspieler George Clooney in eine Bleiverglasung einbezogen, die optisch an ein klassisches Kirchenfenster erinnern soll. Dieser „Marienersatz“ steht stellvertretend für einen gesellschaftlichen Wertewechsel, für eine Öffentlichkeit, die auf Ikonen nicht verzichten kann.

1) Michael Rappe, Dozent für Poptheorie, Universität Kassel
2) Wolfgang Beinert, Grafikdesigner und Typograf, Berlin

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