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Fotografien aus der Lausitz

Der
kleinen ethnischen Minderheit der Sorben gelang es bis in die 1960er Jahre,
ihre Eigenständigkeit durch traditionelle Bräuche und Trachten zu bewahren.
Dann kam der Braunkohleabbau, ungefähr 136 Orte verschwanden ganz oder
teilweise von der Landkarte – bis heute. Den Verlust der ehemaligen sozialen
Gemeinschaft beschreibt ein sorbisches Sprichwort: „Gott hat die Lausitz
erschaffen, der Teufel die Kohle daruntergelegt.“ Bisher überlebte dennoch das
kulturelle Selbstbewusstsein – das zeigt die Fotoserie von
Yvonne Most.

Heimat: Copy und Paste? Die Künstlerin interessiert sich vor
diesem Hintergrund für die Kultur der Sorben und deren Heimatbegriff. Nachdem
sie schon vor einigen Jahren im Rahmen der Arbeit an einem Dokumentarfilm mit
den Träumen und Ängsten der Bewohner und deren Bedrohung durch die Braunkohle konfrontiert
war, zieht es sie erneut in die Gegend um Jänschwalde an der polnischen Grenze.
Fasziniert von den farbenprächtigen und aufwändig bestickten Stoffen,
portraitiert sie sorbische Frauen, die im Alltag oder zu bestimmten
Festlichkeiten ihre Tracht anlegen, eine Kleidung, die für Tradition und
Identität steht, den Stolz und das Bedürfnis des Bewahrens vermittelt. In einer ganz eigenen
Bildsprache offenbaren die Arbeiten den Schmerz, die Trauer, die Stille und die
Sehnsucht, die entsteht, wenn man an einer Tagebaukante steht: schwarze Löcher
in der Landschaft, soweit kein Auge reicht. Nicht weit von uns entfernt verschwinden
immer noch Dörfer, die dem Braunkohle-Abbau weichen müssen. Was bleibt, sind
Narben in der Landschaft – die Sorben haben ihre Lieder und die Trachten in den
Truhen.

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