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Gezeichnete Erzählungen und erzählte Bilder

Die feinen Bleistiftzeichnungen von Sarah Deibele
erinnern an kurze Erzählungen, die mit einprägsamen Details ganze Geschichten
entfalten. Während ihres Arbeitsstipendiums hat sie ihre Bilder nun um tatsächliche
Textfassungen erweitert und sich damit auf die Suche nach einer eigenen
poetischen Sprache gemacht. Im Mittelpunkt ihrer Auseinandersetzung standen
dabei alltägliche Orte, die durch den Menschen geprägt und erst durch seine
Anwesenheit definiert sind, aber auch Orte, die ihre eigene Persönlichkeit
besitzen, ungeachtet menschlicher Aufmerksamkeit. Das Haus, der Stadtpark, der
Hinterhof, das Versteck lauten schließlich auch die Titel einiger Arbeiten. Die
begleitenden Texte erinnern in ihrer reduzierten Sprache an Gedichte ohne
Reimschema, die der Zeichnung eine Richtung geben. Doch die Fantasie des
Betrachters ist dennoch gefragt: Bewusst handelt es sich nicht um
Beschreibungen des Gesehenen, vielmehr entfalten die Worte ihre eigene
künstlerische Form, die nur einen Assozialtionsraum öffnet. Inspiration holte
sich die Künstlerin dafür bei den Erzählungen und Gedichten Herta Müllers und
Marion Poschmanns und deren bildhafter, eindringlicher Sprache.
Sarah Deibele arbeitet ohne Vorzeichnung und Vorlage.
Einflüsse aus der Druckgrafik treten in ihren Zeichnungen ebenso hervor, wie
ein bewusstes Spiel mit gegensätzlichen Stricheigenschaften (klar, unscharf,
breit, schmal). Ihre Werke zeichnen sich daher durch einen großen
Kontrastumfang aus. Ebenso wie in den begleitenden Texten ist auch in den
Bildern die Frage nach dem Format relevant: Größe und Maß erlauben der
gezeichneten Erzählung mal mehr, mal weniger Raum zur Entfaltung.

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