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Reizen

Das Unbekannte, Irrationale und Unkontrollierbare – die
Beschreibung von Naturphänomenen geht oftmals über die Beobachtung des
vermeintlich Sichtbaren hinaus und nicht alle Fragen können mit wissenschaftlichen
Kategorien hinreichend beschrieben werden. In ihrem Experimentalfilm „Reizen“
beschäftigt sich Dagmar Varady mit dem Spannungsverhältnis von Natur und Seele
und den Möglichkeiten der Erkenntnis über intuitive Wahrnehmung. Die Idee zu
dem Video resultierte aus einer längeren Phase der Beschäftigung der Künstlerin
mit der Person Johann Christian Reil (1759-1813) und seinen unterschiedlichen
Denkansätzen als Mediziner der Gehirnanatomie einerseits und seinen
philosophischen Spekulationen über die menschliche Seele und die Grenzen des
Verstehens andererseits. Grundlage der filmischen Auseinandersetzung bilden
dessen „Rhapsodien“ –  ein 500-seitiges
literarisches Werk, in dem Reil die Grade der geistigen Verwirrung analysiert.

Im Film werden Auszüge aus den Rhapsodien
in siebzehn Blöcke zusammengefasst und von der Schauspielerin Jutta Hoffmann vor
dem Hintergrund der Naturkulisse im Wörlitzer Park gesprochen. Die erste Szene
beginnt mit „Ohnmacht des Verstandes“ – eine Person verliert die Orientierung in einer sie
reizüberflutenden Umgebung. Gezeigt werden fragmentarische Eindrücke der Natur: vorbeifließende Bäume und Sträucher, ferne
und nahe Menschen, grelles Sonnenlicht. Licht und Dunkelheit, Schärfe und Unschärfe
wechseln sich ab und lösen Verwirrungszustände aus. Ein kontrastreicher Rhythmus. Nach Reil sind
es eben diese Reize, welche die Seele des Menschen in außergewöhnliche, sich an
der Grenze zu den logisch-kausalen Zusammenhängen in der Natur befindlichen Wahrnehmungszustände
versetzen. Die Grenzen zwischen
Natur und Seele verschwimmen, ein Geistesblitz eröffnet unerwartete Erkenntnisse.

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