Loading...

Zeitgenössische Erinnerungen an 1945

„Zeitgenössische Erinnerungen an 1945“ befasst sich mit der Flucht zweier Geschwister und deren befreundeten Spielkammeraden aus Niederschlesien im Jahr 1945. Dem Projekt liegt dabei eine besondere Motivation zu Grunde, da es sich bei den Geschwistern um die Großtante und den an Alzheimer erkrankten Großvater der Künstlerin handelt. Während des Stipendiums hat Anne Baumann mit ihnen Interviews über die Erinnerungen an die Flucht aus dem Geburtsort Großhartmannsdorf (Kreis Bunzlau) geführt, die per Audio- und Videoaufnahme festgehalten wurden. Die wenigen persönlichen Erinnerungsstücke aus dieser Zeit wurden fotografisch dokumentiert. Dank des virtuellen Kartenforums 2.0 der Sächsischen Landesbibliothek Dresden konnten erste Entwürfe der damaligen Fluchtroute Karten skizziert werden. Um ein lückenloses Bild der Erinnerungen an 1945 zu zeichnen, wurden Erinnerungsorte besucht. Die Rekonstruktion der Fluchtroute fiel jedoch auf Grund der fehlenden Erinnerungen an konkrete Ortsnamen schwer, so dass sich die Künstlerin auf Suche nach dem Tagebuch des Großvaters, in welchem er jede Station der Flucht genau notiert hatte, begab. Während des Stipendiums wurde durch Zufall ein weiterer Interviewpartner im Fernsehen gefunden und zu ihm Kontakt aufgenommen, so dass ein Treffen der Großtante mit dem ehemaligen Spielkameraden des Großvaters stattfinden konnte. Die beiden hatten sich das letzte Mal im Februar 1945 irgendwo kurz hinter Großhartmannsdorf gesehen, als ihre beiden Treks aufeinander stießen. Ihre damalige Verabschiedung lautete „Bis bald!“. 73 Jahre später trafen sie sich wieder und erinnerten sich gemeinsam an die Flucht und das Neuankommen in Sachsen als Flüchtling. Eine gemeinsame Reise entlang der ehemaligen Fluchtroute ist für 2019 geplant, um diese in einem filmischen Format zu verarbeiten. Zur Aufbewahrung und Präsentation der persönlichen Erinnerungsstücke sowie der aufgezeichneten Erinnerungen wurde ein Schrank im Stile der Schrankwand des Großvaters gebaut. Zur Aufbewahrung der Karten und anderer Papiere wurden große Schiebefächer beigefügt. Der Schrank soll Teil einer Installation sein, in welcher der geplante Film gescreent und die Audioaufnahmen wiedergegeben werden. Dadurch soll ein komplexer Bildraum entstehen, in dem die Besucher eintauchen können und der es ihnen ermöglicht, Verknüpfungen zu den persönlichen Erfahrungen zu schaffen, die ein Bild zeitgenössischer Erinnerungen an 1945 erzeugen.

Zurück zur Übersicht