back to the roots 2.0 (AT) / searching for silence
In ihrem Vorhaben hat die Malerin und Grafikerin ihre bereits existierende Fotoreihe „back to the roots“, in dieser sie mit Langzeitbelichtung, Bewegung des Models und der Bearbeitung der Negative mit einer Rasierklinge während des Entwicklungsprozesses gearbeitet hat, fortgeführt, wobei das Motiv des Kopfes weiter in den Hintergrund getreten ist und die Fotonegative nicht mit der Rasierklinge bearbeitet wurden. Einzelne Körperteile sind auf den schwarz-weißen Fotos erkennbar, doch größtenteils bestehen die Bilder aus schwarzen Flächen, sodass das Motiv des Kopfes nur erahnt werden kann. Dieses Erahnen wird zusätzlich verstärkt durch die Dimension von 1 x 1 m der finalen Abzüge und der Verwendung eines sehr lichtempfindlichen Filmes, der eine starke Körnung aufweist. Sie fotografierte mit einer analogen 6 x 6 Mittelformatkamera. Die Negative wurden entwickelt und danach digitalisiert, um bei den finalen Abzügen ein Endmaß von 1 x 1 m erreichen zu können. Die Fotoreihe besteht aus sieben Bildern, die auf mattes Fotopapier gedruckt und auf Alu-Dibond kaschiert wurden. Durch das matte Papier und die starke Körnung des Filmes erinnern die Fotos an eine Kohlezeichnung oder Druckgrafik. Der Arbeitstitel „back to the roots 2.0“ hat sich während des Arbeitsprozesses geändert. Der finale Titel lautet „searching for silence“ und stellt einen Bezug zur heutigen Sehnsucht nach Ruhe und Stille in einer überfordernden und lauten Welt dar. Die Bilder zeigen den Menschen im Mittelpunkt, aber kaum sichtbar. Der Körper, der Kopf umhüllt von schwarz, von Raum, von Ruhe - zu erkennen sind einzelne Ausschnitte der Körpers - nicht klar zuordenbar - wer sind wir, was brauchen wir, wo ist die Stille? Das Sichtbarmachen von Verletzlichkeit, Isolation und Einsamkeit. Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Sichtbarkeit.
Gestik und Struktur III
Für das Vorhaben rückte Hanna Sass das Medium der analogen Schwarzweißfotografie und das Motiv des Kopfes in den Mittelpunkt ihrer künstlerischen Arbeit. Das Motiv hat die Malerin und Grafikern bereits in den Drucktechniken der Radierung und des Holzschnitts bis zur kompletten Auflösung bearbeitet. Nun begann dieser Prozess im Medium der Fotografie von neuem. Für ihre Arbeit wählte sie eine 6 x 6 Mittelformatkamera aus. Das Fotonegativ zu einem männlichen Porträt wurde mit einer Rasierklinge bearbeitet, um eine zusätzliche Ebene zu öffnen. Durch diese soll das Wesen des Porträtierten entdeckt, betont oder versteckt werden. Zudem hat die Künstlerin mit unterschiedlichen Belichtungszeiten, unterschiedlichen Bewegungen und Hintergründen sowie Mehrfachbelichtung experimentiert. In den Fotografien hat Hanna Sass versucht, ihre frühere Arbeit mit ihrer neuen freien Arbeitsweise in Verbindung zu setzen und zusammen zu bringen. Die bewusste Entscheidung für die Schwarzweißfotografie lenkt die Formen und Strukturen in den Vordergrund und stellt zusätzlich einen Bezug zu ihren Druckgrafiken her, da diese auch in Schwarzweiß oder in monochromen Grautönen gehalten sind. Als Ergebnis ist eine Serie von 5 Fotografien, jeweils im Format 45 x 45 cm, als Handabzüge auf Barytpapier entstanden. Die Fotos wurden anschließend auf Alu-Dibond kaschiert.
1985 in Berlin geboren | 2006 – 2009 Ausbildung zur Tischlerin | 2011 – 2017 Studium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle im Fachbereich Malerei bei Prof. Thomas Rug – Diplomabschluss | 2015 Aufenthalt in St. Petersburg an der Stieglitz Akademie für Kunst und Design | 2017 – 2018 Graduiertenstipendium des Landes Sachsen-Anhalt | 2019 Vorstand und Mitbegründerin des Vereins "Raum für Kunst Halle e. V." | 2018 2. Platz Franz-Hecker-Stipendium | 2020 Nominierung Nordhäuser Grafikpreis | 2022 Arbeitsstipendium Stiftung Kunstfonds | 2023 Nominierung Merck-Preis | lebt und arbeitet in Halle (Saale) (Stand 2024)



