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Anne Knödler

Bilderhauerin und Glaskünstlerin

Arbeitsstipendium März – Mai 2024

Glas auf Glas-Mosaik „Rosige Wangen“

Von den ursprünglich drei geplanten drei Glasmosaiken konnte Anne Knödler in ihrem Nachfolgestipendium wegen der stark gestiegenen Kosten lediglich „Rosa Wangen“ fortführen. Wie die pralle Backe eines Pfirsichs oder die errötete Wange eines strahlenden Kindergesichts reckt sich das Kuppel-Mosaik den Betrachtenden entgegen. Das Material ist mundgeblasenes Echt-Antikglas. Die Arbeit mit einem plastisch heißverformten Trägerglas ist ein neuer Ausgangspunkt für ihre Auseinandersetzung mit dem Glas-auf-Glas Mosaik. Die Ausdehnung in den Raum über die Wölbung der Platten verstärkt die Präsenz der Arbeit. Nachdem sie die Farbauswahl im Glasstudio Derix vorgenommen hatte, fuhr sie mit den Proben zur Glashütte Lamberts in Waldsassen, um die Originalauswahl an Echt-Antik Glastafeln zu treffen, denn eine jede ist einzigartig. Die Glastafeln haben z. B. verschiedene Strukturen wie Bläselung in unterschiedlichen Stärken oder auch Farbverläufe und Farbabrisse. Für dieses Mosaik wurden knapp 30 verschiedenfarbige Echt-Antik Gläser verwendet. Im Atelier schnitt sie Mosaiksteine per Hand. Das fertige Mosaik wird schätzungsweise aus ca. 5000 einzelnen Glassteinchen bestehen. Anne Knödler entwickelte ein Motiv, dass sie auf der Trägerscheibe anzeichnete und anschließend die Arbeit legte. Sukzessive erweiterte sie den Entwurf und passte ihn im Laufe des Prozesses an. Da dieses Mosaik nicht im Durchlicht präsentiert werden soll, sondern mit Abstand vor einer Wand installiert wird, war hauptsächlich das Auflicht, aber auch in geringem Maße das Durchlicht beim Farbentwurf und Legen zu berücksichtigen. Die losen Steine wurden auf einer Transferfolie fixiert, die dazu dient, die Steine in größeren Segmenten reinigen und verkleben zu können. Im Glasstudio Derix, Taunusstein, erhält die Künstlerin professionelle Unterstützung beim Verkleben des Kuppel-Mosaiks. Das Handling beim Verkleben auf der Kuppel ist deutlich komplexer und der Materialaufwand wesentlich größer als bei planen Flächen.
Internationales Arbeitsstipendium für Usbekistan März – Mai 2024

Brotaustausch

Gemeinsam mit Helmut Stabe bereiste Anne Knödler zwei Monate Usbekistan auf der Suche nach Bäckereien, Brot und Geschichten. Im Gepäck hatten sie einen Sauerteig (die Brotkultur), Kamera und Notizblock. Sie trafen Bäckerinnen und Bäcker, buken mit ihnen gemeinsam, tauschten Geschichten und Rezepte aus und schafften Raum für ein Miteinander. Dies dokumentierten sie per Video, Fotos und in Texten. Über das Brot als Kommunikationsschlüssel bekamen sie einen natürlichen und unverstellten Zugang zur usbekischen Bevölkerung, da es uns allen ein gemeinsamer Nenner ist. Das Brotback-Handwerk entstand bereits im Altertum, doch es ist weder antiquiert noch in Vergessenheit geraten, sondern ein lebendiges Zeugnis und eine Tradition, die eine jahrtausendealte Geschichte bis in die Gegenwart erzählt und an Relevanz nie verloren hat. Brot ist ein Kulturgut und eine Kunst und besitzt auch in Usbekistan einen sehr hohen Stellenwert. Es ist dort nicht nur ein Grundnahrungsmittel, sondern auch ein Medium, über das jede Region ihre eigene Identität ausdrückt. Der Brückenschlag gelang ihnen vielerorts erfolgreich. Reihenweise öffneten sich Türen und Tore, es tat sich eine Welt an Geschichten, Bildern und Themen auf. Brot wird in Usbekistan als kostbar angesehen – es bietet die Grundlage zum Leben und wird deshalb auch gern als Geschenk mitgebracht und auf Reisen ins Ausland mitgenommen. So entdeckten Helmut Stabe und Anne Knödler im Norden Taschkents an der Grenze zu Kasachstan einen ausladenden Brot-Basar mit üppig dekorierten Laibern, die zu Dutzenden davongetragen werden, um eine Kostprobe der heimischen Kultur andernorts auftischen zu können. Auch entdeckten sie, dass unterschiedliche Regionen Usbekistans unterschiedliche Brottypen zugeordnet werden. Jeder Bäcker und jede Bäckerin verziert und gestaltet außerdem seine bzw. ihre Brote auf ganz individuelle Art und Weise und unterschiedlich aufwendig. Dafür wird unter anderem eine Auswahl an Brot-Stempeln benutzt, die mit einer Matrize aus Stahlnägeln florale Muster im rohen Teig hinterlassen. Mit ihnen stempelt man das Zentrum des Fladens, der zusätzlich in unterschiedlicher Musterung eingeschnitten, mit Sesam und Schwarzkümmel bestreut und mit einer Streiche aus Sauerquark, Soda und Milchpulver bestrichen wird. Die Dokumentation ihrer Brotexkursion zeigten Anne Knödler und Helmut Stabe in einer Ausstellung zum Projekt im Goethe-Institut Taschkent und veröffentlichten sie auf Social Media. In Buchara gab es eine temporäre Pop-Up-Ausstellung der Fotografien des Projekts im öffentlichen Raum. Entlang der Gasrohre in einer Seitenstraße waren die Bilder der Bäckerinnen und Bäcker und ihrer Geschäfte für mehrere Tage für die passierende Bevölkerung zu sehen. Das Resultat war eine überaus anteilnehmende und wertschätzende Reaktion des Publikums. Geplant ist eine Publikation – nicht nur für die hiesige Seite des Dialogs in Deutschland, sondern durch Übersetzung ins Usbekische und Russische soll auch ein Rückfluss nach Usbekistan geschehen.
Arbeitsstipendium
März – August 2022

Glas-auf-Glas Mosaike (3-teilige Serie)

Die Glas-auf-Glas Mosaike (»Rosige Wangen«, »Goldener Rausch« und »Schwarzes Eis«) sind Ausschnitte - verschwommene Fragmente der Erinnerung. In ihrer Farbintensität und Vielschichtigkeit sind sie der Schlüssel zum emotionalen Spektrum einer Momentaufnahme. Wie Gerüche uns in eine vergangene Situation versetzen können, reproduzieren die Glas-auf-Glas Mosaike ein unscharfes Bild, dass sie zum Auslöser für verschiedene Erinnerungen und Sehnsüchte macht. Während des Stipendiums hat sich Anne Knödler fortlaufend Lichtstimmungen und -situationen studiert und dokumentiert, um die Motive der drei Glasbilder zu verdichten. Mit diesem Projekt setzte sie ihre Arbeit mit mundgeblasenem Echt-Antikglas fort und brachte sie zudem in eine dreidimensionale Form. Die Arbeit mit einem plastisch heißverformten Trägerglas ist ein neuer Ausgangspunkt für ihre Auseinandersetzung mit dem Glas-auf-Glas Mosaik. Die Ausdehnung in den Raum über die Wölbung der Platten verstärkt die Präsenz der Arbeit. Das große Format der Mosaike ist wichtig, um einen realen Größenbezug zu den Betrachtenden herzustellen. Auf diese Weise tauchen sie in den entstehenden Raum ein und können sich von ihm vereinnahmen lassen. Zu Beginn des Stipendiums wurden Proben erstellt, um das Verhalten und Verformen von kreisrunden Scheiben (Maßstab 1:3) zu testen. Die fertigen Trägerscheiben bestehen aus Optiwhite-Glas, das eine kristallklare Variante des herkömmlichen Floatglases ist. Ihm gegenüber hat Optiwhite-Glas einen wesentlich reduzierten Grünschimmer, was vor allem an den Schnittkanten wahrnehmbar ist und vermeidet, dass die Arbeit nach dem Verkleben unter einem vollflächigen Grünstich leidet. Im Glasstudio Derix hat Anne Knödler die Farbauswahl des mundgeblasenen Echt-Antik-Glases für die Bilder begonnen und hat Proben mit verschiedenen Farbkombinationen erstellt sowie mit der Verspiegelung der Mosaikteile experimentiert. Die Mosaikteilchen in dieser Arbeit sind alle handgeschnitten und -verlegt. Zurzeit arbeitet sie an der Fertigstellung des ersten Mosaiks »Rosige Wangen«. Die Umsetzung des Projekts begann im März 2022 - ist bisher aber noch nicht abgeschlossen, da aufgrund der Kriegssituation in der Ukraine und der damit verbundenen Energiepolitik seit Beginn des Stipendiums die Kosten für die Glasherstellung drastisch gestiegen sind und weiterhin steigen. Für ihre Arbeit, den Glas-auf-Glas Mosaiken, bedeutet dies, dass nicht nur ein Teil der Arbeit betroffen ist, sondern 95% des verwendeten Materials. Die Künstlerin wird die Arbeiten fertigstellen können, sobald deren Finanzierung gesichert ist.
Vita
1985 in Zeulenroda geboren | 2006 – 2008 Studium im Fachbereich Design an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle | 2011 – 2012 Studium der Bildhauerei an der Kunsthochschule Mimar Sinan in Istanbul (Türkei) | 2011 Istanbul-Stipendium der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und 1. Preis beim internationalen Glas-Skulpturen Wettbewerb, Zwiesel | 2008 – 2013 Studium der Bildenden Kunst an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle – Abschluss: Diplom | seit 2014 freischaffende Künstlerin | lebt und arbeitet in Halle (Saale)