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Jury empfiehlt Entwurf von Silke Trekel für neuen Sarg Ottos des Großen!

Umsetzung beginnt 2026

Die Gebeine Ottos des Großen, der das römische Kaisertum wiederbelebte und damit den Grundstein für das spätere Heilige Römische Reich legte, ruhen seit über einem Jahrtausend im Magdeburger Dom. Nach seinem Tod im Jahr 973 wurde Otto an der Seite seiner bereits 946 verstorbenen ersten Frau Editha bestattet. Mit dem Domneubau nach dem Brand 1207 wurde sein Grab an jene Stelle im Hohen Chor des Gotteshauses verlegt, an der es sich noch heute befindet.

Im Jahr 2024 wurden jedoch erhebliche Schäden an seinem Grabmal festgestellt. Der Kalksteinsarkophag erwies sich als instabil und musste für umfangreiche Sanierungsarbeiten geöffnet werden. Dabei zeigte sich, dass auch der hölzerne Innensarg, der die sterblichen Überreste enthielt, in weiten Teilen zerfallen war. Da der historische Holzsarg nicht mehr verwendbar war, initiierte die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt einen Wettbewerb unter ehemaligen Stipendiatinnen und Stipendiaten zur Neugestaltung eines würdigen neuen Sarges.

Die Aufgabe war, einen Entwurf vorzulegen, der dem Rang des Kaisers gerecht wird und dem historischen Anlass in würdiger wie zeitgenössischer Form Ausdruck verleiht. Am 25. November 2025 tagte die hochkarätig besetzte Jury, der Prof. Dr. Charlotte Klonk (Professorin für Kunst und neue Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin), Prof. Dr. Harald Meller (Landesarchäologe und Direktor des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt), Klára Němečková (Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden), Dr. Wita Noack (langjährige Direktorin des Mies van der Rohe Hauses, Kuratorin, Architektur- und Kulturwissenschaftlerin), Dr. Christian Philipsen (Generaldirektor der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt), Oberkirchenrat Albrecht Steinhäuser (Beauftragter der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung Sachsen-Anhalt) sowie Prof. Dr. Sabine Thümmler (ehemalige Direktorin des Kunstgewerbemuseums Berlin, Kunsthistorikerin) angehörten.

Das Gremium empfahl den Entwurf „Torsion und Konsolidierung“ von Silke Trekel zur Realisierung. Diesem „gelingt eine überzeugende Synthese aus historischer Symbolik, technischer Innovation und ästhetischer Klarheit, die Ottos Herrschaft würdig reflektiert“, so die Jury. Die Materialien Titan, Feingold und Blattgold vereinen Stabilität, Langlebigkeit und ästhetische Noblesse. Die Inschrift und die dieser angepassten abstrahierte Kaiserkrone schaffen eine harmonische Verbindung von Typografie, Symbolik und Materialkontrasten. Gleichzeitig vermittelt die aufsteigend wirkende Form Dynamik, Modernisierung und Fortschritt im Sinne Ottos. Den zweiten Platz belegte Michael Krenz, den dritten Anette Groschopp.

Der Staatsminister und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt äußerte sich so: „Die Gelegenheit, einen Sarg für einen Kaiser zu gestalten, wird kaum jemals Künstlerinnen und Künstlern zuteil. Nach der konservatorisch notwendigen Öffnung des Sarges nun ein neues, seiner Bedeutung angemessenes Bestattungsbehältnis für Kaiser Otto den Großen entwerfen zu dürfen, ist eine ganz besondere künstlerische Herausforderung. Umso mehr freut es mich, dass im Rahmen des Wettbewerbs der Kunststiftung Sachsen-Anhalt eine Vielzahl von Entwürfen eingereicht wurde, deren künstlerische Klasse herausragend ist. Silke Trekel gratuliere ich herzlich und freue mich auf die Umsetzung in den kommenden Monaten. Die Kunststiftung unseres Landes unter Leitung von Manon Bursian beglückwünsche ich, dass sie nach dem Behältnis für die Wiederbestattung von Editha, der ersten Frau Ottos I., es abermals vermocht hat, unsere Künstlerinnen und Künstler für die Teilnahme an der Ausschreibung zu gewinnen.“

Die sterblichen Überreste Ottos des Großen verbleiben während der Arbeiten in Magdeburg. Nach Abschluss der laufenden wissenschaftlichen Untersuchungen und der Sanierung des Sarkophags sollen sie im Sommer 2026 wieder im sanierten Sarkophag im Magdeburger Dom beigelegt werden.

Die Kunststiftung Sachsen-Anhalt schreibt jährlich Stipendien und Förderungen aus, um Kunst und Kultur in Sachsen-Anhalt gezielt und nachhaltig zu unterstützen. In Wettbewerben und Initiativprojekten knüpft die Kunststiftung an die kulturhistorischen Traditionen Sachsen-Anhalts an. Das reiche kulturelle Erbe der Region bietet dafür vielfältige Anlässe.

So hat die Kunststiftung bereits 2009/10 die erfolgreich einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Sarges der Königin Editha durchgeführt. Als Siegerin ging damals die Bildhauerin Kornelia Thümmel hervor, deren facettenreicher Entwurf aus unregelmäßigen Drei- und Vierecken an einen Bergkristall erinnert.

Auskunft zum Wettbewerb erteilt die Kunststiftung Sachsen-Anhalt, zu den Arbeiten am Grabmal Ottos des Großen die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt als Eigentümerin des Magdeburger Domes, das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt als zuständiger Fachbehörde sowie die Evangelische Domgemeinde und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland.



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