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Christine Matzke

Grafikerin

Arbeitsstipendium
Dezember 2010 – Mai 2011

Nur rückblickend komme ich weiter

Christine Matzke arbeitet an der Nahtstelle zwischen Erinnerung und Geschichte. Ausgangspunkt ihrer Zeichnungen sind Schwarz-Weiß-Fotografien, Dokumente und erzählte Geschichten, auf die sie im Fundus ihrer eigenen Familie stößt. Dabei bewegt sich die Künstlerin stets an der Grenze der Erinnerung, begegnet Leerstellen und nicht dokumentierten Zeitabschnitten, an denen ihre künstlerische Arbeit ansetzt. Gleich einem in Kunst übersetzten Gedächtnis stellen ihre Arbeiten neue Verbindungen zwischen den überlieferten Fragmenten her. Immer wieder greift Matzke dabei auf Interviews mit Zeitzeugen zurück. So entsteht zwischen Recherche und Fiktion ein unscharfes Bild der Vergangenheit. Die Künstlerin versteht die Arbeit am Bild nicht als kausalen Vorgang, sondern als beweglichen und immer neuen Regeln unterworfenen Prozess, der sich im besten Fall nicht zur Gänze entschlüsseln lässt. Häufig begleiten sie Ideen über Jahre und tauchen in unterschiedlicher Gestalt immer aufs Neue in ihren Zeichnungen auf. Das geeignete Medium für jenes Moment der Vagheit findet Matzke in der Kohlezeichnung, die in der Reduzierung auf Schattierungen und Kontraste den Stil der zugrundeliegenden Fotografien aufgreift. "Wie weit lässt sich die eigene Vergangenheit zurückverfolgen? Welcher abgelichtete Moment zeigt den Ursprung des eigenen Familiengedächtnisses? Wo lässt sich der Anfang der eigenen Geschichte finden? Eine Frage, die wie die Künstlerin wohl jeden bewegt. Sie begab sich auf die Suche im Familienarchiv, sichtete mit ihrer Großmutter Schwarz-Weiß-Fotografien, Dokumente, ließ sich Vergangenes erzählen, spürte nach, wie sich Privates und der Gang der Weltgeschichte verschränkten. Ihre Serie ist ein in Kunst übersetztes Gedächtnis, das auf dem Pfad zwischen Gewusstem, verfälschter Erinnerung und Vergessenem wandelt. Sind die Fotografien authentisch? Zeigen sie im vordigitalen Zeitalter nur die Festtage der Vorfahren? Wie viel Wirklichkeit zeigt ein von Amts wegen gefertigtes Passbild? Ein vages Bild der Vergangenheit entsteht, ambivalent bleibt das Gefühl von Nähe und Distanz – kongenial ausgedrückt in den auf Schattierungen und Kontraste reduzierten Kohlezeichnungen." Ines Janet Engelmann, Kuratorin der Stipendiatenausstellung "Follow the Lines!"
Internationales Arbeitsstipendium: Los Angeles
März 2014

Stechpalmenwald

Die Berühmtheit Hollywoods ist wohl eher der Filmindustrie geschuldet, als der Stechpalme. Wörtlich übersetzt bezeichnet „Hollywood" nämlich eigentlich genau das: Stechpalmenwald. In dem immergrünen Laubbaum, an dessen Blättern Stacheln wachsen, erkannte Christine Matzke eine Analogie zum immergrünen Nadelwald der Landschaft ihrer Kindheit. Vor diesem Hintergrund machte sie sich in Los Angeles auf die Suche nach den landschaftlichen, geschichtlichen und symbolischen Besonderheiten des Ortes und ging der Frage nach, inwieweit er Einfluss nimmt auf ihre europäisch geprägte Bildsprache, gewohnte Blickwinkel und die erlernten, künstlerischen Mittel. Hierfür umfuhr sie das ursprüngliche Gebiet Hollywoods, wie es auf der ersten offiziellen Karte eingezeichnet ist, vorbei am bekannten Hollywood-Schild, über den Walk of Fame bis zum Wilcox-Platz, der dem Begründer der Stadt gewidmet ist. Entstanden sind dabei Fotografien und Kohlezeichnungen von kargen, verschwommenen Landschaften, die in bewusstem Kontrast stehen zur Schnelllebigkeit und Bilderflut der Stadt.
Vita
1979 in Sangerhausen geboren | 2001 – 2009 Studium an der an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Fachgebiete Buchkunst und Grafik | 2005 – 2006 Auslandsstudium an der Kunsthochschule Bergen (Norwegen) | Beteiligung an zahlreichen Ausstellungen (Auswahl): 2009 Gemeinschaftsausstellung in der Galerie salonfähig | 2009 Diplomausstellung Burg Giebichenstein, Volkspark, Halle (Saale) | 2008 Ausstellung „Grafisch“ LIA (Leipzig International Art Programme) | 2007/08 Deutsch-Dänische Galerie „Bog Kunst“ | lebt und arbeitet in Halle (Saale)