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Katharina Gahlert

Malerin und Textilkünstlerin

Internationales Arbeitsstipendium: Pond Farm Oktober 2025

DRIFTEN

Wie lässt sich ein Ort in Stoff übersetzen? Wie können Licht, Luft und Zeit nicht nur dargestellt, sondern als materielle Spuren eingeschrieben werden? Das Projekt verstand das Driften als künstlerische Strategie: nicht ziellos, sondern aufmerksam, konzentriert und offen angelegt. Ausgangspunkt war das Textile als Denk- und Arbeitsraum: als Struktur, als Sprache, als gelebtes Archiv. Mit Cyanotypie – einem Verfahren, das Sonnenlicht auf Stoff sichtbar macht – verband Katharina Gahlert Zeit und Materie, Spur und Oberfläche. Der Ort wurde dabei nicht als Hintergrund verstanden, sondern als aktiver Bestandteil des Prozesses: Lichtverhältnisse, Wetterlagen und natürliche Materialien wirkten unmittelbar auf die Arbeit ein. Nach ersten Versuchen auf dem Pond-Farm-Gelände begann Katharina Gahlert, nach mobileren Varianten zu suchen. Sie wollte den Aspekt der Momentaufnahme, den die Cyanotypie als Belichtungsverfahren bietet, stärker entwickeln und herausarbeiten. So entstand die Idee eines mobilen Studios. Die Künstlerin bereitete die Trägermaterialien auf Pond Farm vor, indem sie im letzten Dämmerlicht die Stoffe mit der lichtempfindlichen Lösung beschichtete und sie über Nacht trocknen ließ. Morgens vor Sonnenaufgang sammelte sie die getrockneten Stoffstücke wieder ein und verpackte sie lichtdicht und möglichst knickarm in mehrere Lagen Papier und Decken. Damit ausgestattet konnte Katharina Gahlert die Gegend erkunden und interessante Formen oder Schattenbilder direkt einfangen. Nach der Belichtung wurden die Stoffe entweder direkt im Ozean ausgewaschen oder erneut lichtdicht verpackt und erst bei der Rückkehr am Haus gewaschen und getrocknet. Danach wurden die blauen Lichtbilder bestickt und mit Fäden zu erzählerischen Formen verdichtet. Die gegenläufigen Prozesse – zum einen das Licht arbeiten lassen und konkrete Formen von realen Dingen der Umgebung nach einem technisch festgelegten Prozedere abbilden – aktiv, unterwegs, draußen, zum anderen die Linien beim langsamen Lauf von Nadel und Faden frei fließen lassen und den Gedanken folgen, reflektieren und im geschützten Raum kreieren – ergänzten sich und verliehen den kleinen Formaten Tiefe und Entwicklung. Die daraus entstandenen Arbeiten sind weniger abgeschlossene Werke als offene Konstellationen, die sich weiter verändern und als Zwischenstände einer fortlaufenden Materialforschung lesbar bleiben. Parallel dazu entwickelte die Künstlerin eine zweite Werkgruppe, die weniger aus dem Außenraum als aus sozialen und kulturellen Begegnungen hervorging. Es entstand eine Serie von neun Collagen, die aus der Erfahrung hervorging, in den USA mit einer ostdeutschen Sozialisierung in Berührung zu kommen, die sich in kleinen Situationen und Begegnungen beiläufig und zugleich deutlich spiegelte.
Arbeitsstipendium Dezember 2022 – Mai 2023

Kontaktfelder

Katharina Gahlerts künstlerisches Interesse gilt Landschaften. Dabei interessieren die Künstlerin besonders Orte, an denen sich die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Materie offenlegen. Während die Bedeutung der heutigen Landschaft vor allem in ihrem Nutzwert liegt, erzählen die archäologischen Funde, die während der Bodenbearbeitung zum Vorschein kommen, noch von anderen Funktionen: In ihnen vermittelt sich ein Bild der mitteldeutschen Landschaft als Schauplatz von Mystik und Ritualen. Die Faszination, die von den Artefakten ausgeht, offenbart auch eine tiefliegende spirituelle Sehnsucht nach einer Landschaft als Projektionsfläche für Wünsche, Ängste und Magie. Ein Imaginationsraum, in dem sich das menschliche Selbst zu verorten und definieren sucht. Katharina Gahlerts Arbeiten nehmen darauf Bezug, indem die empfundene Fragmentierung im Material wiedergegeben. Mit dem Anliegen, die spirituelle Leerstelle neu zu besetzen, verwendet die Künstlerin mythologische Symbole und Symmetrie als Gestaltungsmittel. Auf der Suche nach einer geeigneten textilen Technik ist sie auf die koreanische Patchwork-Technik Bojabi gestoßen. Die Besonderheit der Technik liegt in der doppelten Versäuberung der Nähte, sodass keine „unsaubere“ Rückseite entsteht und die Arbeiten frei im Raum installiert werden können. Die im Stipendium entstandenen keramischen Objekte nehmen in ihrer Materialität Bezug auf archäologische Funde. Sie greifen archaische Formen auf, bleiben aber hinsichtlich einer möglichen Funktion vage. Dabei bilden sie formal einen Kontrast zu den textilen Objekten, die eher an Fliesen, Ketten und Mauersteine erinnern. Durch gezielte Anordnung im Raum gehen die Objekte Beziehungen zueinander ein und es entstehen dynamische Interaktionen zwischen Form, Farbe und Textur. Die Ergebnisse des Arbeitsstipendiums wurden in der Ausstellung „TWIST“ im Frühjahr 2026 ausgestellt.
Vita
1986 in Annaberg-Buchholz geboren | 2011 Studium der Kunstpädagogik an der Universität Leipzig – Abschluss: Bachelor of Arts | 2011 – 2021 Studium der Malerei/Textile Künste an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle | 2013 – 2016 Kunstsommer Luplow/ interdisziplinäres Kulturprojekt im ländlichen Raum, Mecklenburg-Vorpommern | 2021 Kunstpreis der Stiftung der Saalesparkasse | 2022 Stipendiatin des Residenzprogramms für Bildhauerinnen mit Kindern am Künstlergut Prösitz | 2023 Nominierung für den Bernhard-August-von-Lindenau-Preis | seit 2021 Honorardozentin an der Akademie für zeitgenössische Kunst Tübingen | 2024 Mitbegründerin der Künstlergruppe Stella Matko | lebt und arbeitet in Halle (Saale) - Stand: September 2026