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Roland Köhler

Installationskünstler

Arbeitsstipendium
August 2024 – Januar 2025

Tribut an einen Ort

Roland Köhlers Arbeit setzt dort an, wo ein Stück Industriegeschichte zu verschwinden droht: auf dem ehemaligen Gelände des VEB GRAVO-Druck am Reileck in Halle (Saale). Nach dem Abriss der Verwaltungsgebäude 2010 und dem vollständigen Restabriss des Geländes 2022 barg Köhler Materialien, Bauteile und Gebrauchsgegenstände aus den Fabrikgebäuden und überführte die materiellen Spuren des Ortes in eine künstlerische Installation. Köhler versteht seine Arbeit als eine Art Denkmal für den einstigen, nicht nur architektonisch bedeutenden Bau. Zu den geborgenen Objekten gehören Getriebeteile, Werkzeuge und verschiedene Gebrauchsgegenstände aus der Druckerei. Eine zentrale Rolle spielt die Transportmaschine „SCHLOMA003“, die Köhler auseinandernahm und deren Getriebe er eingehend untersuchte. Teile der Maschine finden sich auch in weiteren Arbeiten, unter anderem in „Flutterwolf threaded“. Durch die Bearbeitung und Kombination von Holz und Metall fügt Köhler einzelne Bauteile zu neuen Konstruktionen zusammen. Aus der Vielzahl der einzelnen Objekte entsteht eine zusammenhängende Installation, in der die Spuren des ehemaligen Druckereibetriebs bewahrt und neu miteinander in Beziehung gesetzt werden. Die Arbeit gleicht einer Schatzkammer materieller Erinnerungen: Sie macht die Überreste des einstigen Graphischen Volksbetriebs zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Ort, seiner Geschichte und seinem Verschwinden.

Arbeitsstipendium
Januar – Juni 2011

Friss oder Stirb

Roland Köhlers künstlerische Arbeit ist inspiriert von leerstehenden Häusern und deren Abbruch. Er entfernt Dinge aus ihrem Kontext und verarbeitet sie unter neuen Verweisen weiter. So auch in den drei Arbeiten, die während seines Stipendiums entstanden sind. 
Für das Objekt „Tier im Zwischenraum“ errichtete er aus alten MDF-Platten und Vollholzplättchen einen Korpus, der durch die rötliche Färbung des Mahagonie-, Meranti- und Elsbeere-Holzes an eine gewöhnliche Backsteinmauer erinnert. Entstanden ist ein absurd winziger Raum mit einem Grundriss von 77x42 cm und einer Höhe von ca. 2,1 Metern. Die 56 cm schmale und 1,90 m hohe Tür, die den Raum verschließt, ist eine ehemalige Küchentür und stammt aus einem Eckhaus der Nachbarschaft, das inzwischen abgerissen ist. Aus dem Inneren sind Tierstimmen zu hören, aufgenommen im Hallenser Zoo. Mit seiner Installation nimmt Roland Köhler direkt Bezug auf die Arbeit „Silent Factory“ des Niederländers Mark Manders, einem von ihm hoch geachteten Künstler.
Der „Futtertrog“, ein Fundstück aus einer leerstehenden Fabrik, tritt dem Betrachter mit schallender Ironie entgegen. Seine Präsentation im Innenraum führt den eigentlichen Zweck ad absurdum – kein Tier wird durch seinen Inhalt genährt werden. Die Oberfläche des Troges ist abgebeizt und geschliffen, das innere mit Schaumstoff und feinem Leim gepolstert. Das weich gebettete Futter (Dinkel) im groben Gegenstand soll zugleich daran erinnern, dass Tiere in hohen Gebirgslagen verhungern können. Neben dem Trog hängt ein scheinbar alltägliches Arbeitsgerät, dessen Nutzen sich dem Betrachter jedoch nicht erschließt. Die „Tiermastschule“ bewegt sich in einem ähnlichen Themenkreis. Ein grüner Bretterverschlag auf Holzbeinen mit einer scheinbar ins Innere führenden Treppe. Das Objekt kommt zunächst anheimelnd und komisch daher, entpuppt sich jedoch als durchaus brutal: Das durch ein Gitter im Inneren zu sehende Tier wird allein zum Mästen in diesem Stall gehalten. Mit der „Tiermastschule“ thematisiert Roland Köhler die industrialisierte Tierhaltung zum menschlichen Nahrungsgewinn.

Vita
1977 in Nördlingen geboren | 1994–1997 Ausbildung zum Tischler | 2001–2009 Studium der freien Kunst, Studiengang Malerei, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle | lebt und arbeitet in Halle (Saale)