Loading...

Friss oder Stirb

Roland Köhlers künstlerische
Arbeit ist inspiriert von leerstehenden Häusern und deren Abbruch. Er entfernt
Dinge aus ihrem Kontext und verarbeitet sie unter neuen Verweisen weiter. So auch
in den drei Arbeiten, die während seines Stipendiums entstanden sind. 
Für das Objekt „Tier im
Zwischenraum“ errichtete er aus alten MDF-Platten und Vollholzplättchen einen
Korpus, der durch die rötliche Färbung des Mahagonie-, Meranti- und Elsbeere-Holzes an eine gewöhnliche Backsteinmauer erinnert. Entstanden ist ein absurd winziger
Raum mit einem Grundriss von 77×42 cm und einer Höhe von ca. 2,1 Metern. Die 56
cm schmale und 1,90 m hohe Tür, die den Raum verschließt, ist eine ehemalige
Küchentür und stammt aus einem Eckhaus der Nachbarschaft, das inzwischen
abgerissen ist. Aus dem Inneren sind Tierstimmen zu hören, aufgenommen im
Hallenser Zoo. Mit seiner Installation nimmt Roland Köhler direkt Bezug auf die
Arbeit „Silent Factory“ des Niederländers Mark Manders, einem von ihm hoch
geachteten Künstler.
Der „Futtertrog“, ein
Fundstück aus einer leerstehenden Fabrik, tritt dem Betrachter mit schallender
Ironie entgegen. Seine Präsentation im Innenraum führt den eigentlichen Zweck
ad absurdum – kein Tier wird durch seinen Inhalt genährt werden. Die Oberfläche
des Troges ist abgebeizt und geschliffen, das innere mit Schaumstoff und feinem
Leim gepolstert. Das weich gebettete Futter (Dinkel) im groben Gegenstand soll
zugleich daran erinnern, dass Tiere in hohen Gebirgslagen verhungern können. Neben
dem Trog hängt ein scheinbar alltägliches Arbeitsgerät, dessen Nutzen sich dem
Betrachter jedoch nicht erschließt. Die „Tiermastschule“ bewegt
sich in einem ähnlichen Themenkreis. Ein grüner Bretterverschlag auf Holzbeinen mit einer
scheinbar ins Innere führenden Treppe. Das Objekt kommt zunächst anheimelnd und
komisch daher, entpuppt sich jedoch als durchaus brutal: Das durch ein Gitter im Inneren
zu sehende Tier wird allein zum Mästen in diesem Stall gehalten. Mit der „Tiermastschule“
thematisiert Roland Köhler die industrialisierte Tierhaltung zum menschlichen
Nahrungsgewinn.

Bildergalerie »

Zurück zur Übersicht