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„Ich genieße, dass alles ein bisschen ruhiger ist“ – Interview mit Christine Bergmann

Christine Bergmann, Malerin, Reisende

 

Frau Bergmann, wie geht es Ihnen?

Christine Bergmann: In der Kunst lebt man oft auf der Überholspur. Deadline immer zu vorgestern. Ich kann es durchaus genießen, dass alles ein bisschen ruhiger geworden ist.

Sind Ihnen Aufträge weggebrochen?

Eigentlich sollten Anfang Mai die Bilder von Stefan Schwarzer und mir in den Franckeschen Stiftungen ausgestellt werden, die nach unserem Indien-Stipendium entstanden sind. Die Ausstellung hat sich nun verschoben. Ähnlich ist es mit anderen Projekten. Ich arbeite seit 20 Jahren für das Krankenhaus St. Elisabeth hier in Halle, da musste erstmal geklärt werden, was jetzt noch erlaubt ist an Besucherverkehr. Im Dezember 2019 habe ich einen Kunst am Bau Wettbewerb für das Bundesministerium für Gesundheit in Berlin gewonnen. Man kann sich vorstellen, dass das Bundesministerium gerade andere Problem hat.

 

Arbeiten Sie trotzdem an etwas?

Ja, an der Ausstellung – dann eben für später. Ich bin viel gereist während meines Aufenthaltes in Indien, und von den dabei entstandenen Fotos male ich nun Bilder. Sonst muss ich mich zum Malen regelrecht abkapseln, kein Telefon, möglichst keine Termine. Das geht jetzt natürlich einfacher als im Normalbetrieb. Hätte die Ausstellung wie geplant stattgefunden, wären die Bilder jetzt schon fertig. Nun nehme ich mir mehr Zeit, probiere mehr aus, denke auch mehr darüber nach.

Was bedeutet Ihnen Heimat in dieser Zeit?

Ostern ist ein gutes Beispiel: Familie und Freunde, bestimmte Rituale, ein Ort, an dem man sich zu Hause fühlt. Sonst war ich Ostern immer an der Ostsee bei meinen Eltern. Zwischen Fisch am Karfreitag und Süßigkeiten am Ostersonntag gucken wir alle zum tausendstenmal die alten Sandalenschinken im Fernsehen und verbessern per Fernzauber aus Rom unser Seelenheil. Das hat mir dieses Jahr alles sehr gefehlt.

 

Wird sich für Sie etwas verändern nach dieser Zeit?

Unplanbarkeiten und finanzielle Ausnahmesituationen gehören ja quasi zum Berufsprofil. Neu ist, dass es plötzlich allen so geht. Ich hoffe nicht, dass sich für mich gravierend etwas ändert, wenn die Normalität zurückkehrt. Aber ich befürchte, dass die Wirtschaft stark beschädigt wird. Künstler brauchen nunmal Käufer, und Käufer brauchen Geld. Man kann nur abwarten.

 

Christine Bergmann genießt es durchaus, jetzt noch mehr Zeit zu haben für ihre Kunst. Aber produziert sie nun mehr als sonst? Nun ja … Sie zitiert an dieser Stelle Neo Rauch, sinngemäß: Ein Bild sei dann fertig, wenn der Transporteur komme, um es abzuholen.…

 

 

 

Vita

 

1976 in Dessau geboren | 1996 Abitur in Bremen | 1996 – 2003 Studium der Malerei und Textilen Künste an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle | 2003 – 2018 freie Mitarbeiterin der Fachklasse Malerei/Textile Künste der HKD Halle mit Lehrtätigkeit Kunst am Bau | seit 2000 Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen u. a. in Halle, Leipzig, Magdeburg, Berlin, Klagenfurt sowie 16 realisierte Projekte Kunst am Bau | 2009/2010 Aufenthalt im Atelierprogram „Pilotenkueche“, Baumwoll-Spinnerei, Leipzig | 2011 Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreis „Bauwerk des Jahres“ | 2017 Heimatstipendium der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt I 2010 Erster Platz des Wettbewerbs Kunst am Bau für das Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Magdeburg | 2019 Erster Platz des Wettbewerbs Kunst am Bau Bundesministerium für Gesundheit Berlin | Seit 2019 Mitglied im Beirat für Stadtgestaltung der Stadt Dessau I lebt und arbeitet in Halle (Saale)

 

 

Impressionen aus Indien von Christine Bergmann

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