Washing Plates in New York City

Der Aufenthalt in New York bot Hermann Grüneberg die Möglichkeit, Abstand von bestehenden Verpflichtungen zu gewinnen und den Schwerpunkt auf Wahrnehmung, Recherche und künstlerische Reflexion zu legen. Eine bewusste Entscheidung bestand daher darin, die unmittelbare Werkproduktion zunächst zurückzustellen. Statt sich in der Abgeschlossenheit eines Ateliers zurückzuziehen, erkundete der Künstler die Stadt zu Fuß. Er durchstreifte unterschiedliche Stadtteile, nahm urbane Räume, soziale Situationen und kulturelle Angebote wahr und sammelte Eindrücke, die später in seine keramische Arbeit einfließen sollten. Im Zentrum seines Vorhabens stand die Auseinandersetzung mit den brüchigen transatlantischen Beziehungen. New York verstand er dabei als lebendigen Archivraum, in dem sich soziale, politische und kulturelle Schichten überlagern. Die Stadt sollte nicht lediglich betrachtet, sondern durch eine künstlerische Handlung – das metaphorische Tellerwaschen – körperlich und sinnlich erfahren werden. Diese Erfahrungen bildeten die Grundlage für eine neue Serie keramischer Teller. Die Teller bzw. Platten fungieren dabei als Träger und Speicher der gesammelten Stadteindrücke. Aus den Erkundungen entstanden neue Zeichen und Ornamente, die als Abdrücke, Reliefs und Formen in den keramischen Rändern sichtbar werden.
