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Ein neuer Sarg für die Ewigkeit: Otto der Große wird am 1. September 2026 im Magdeburger Dom wiederbeigesetzt

Silke Trekels Entwurf kommt zur Ausführung

Kaiser Otto I. hat als historische Figur Kunstschaffende über Jahrhunderte immer wieder herausgefordert – von mittelalterlichen Herrscherdarstellungen wie dem Magdeburger Reiter bis in die Gegenwartskunst. Auch der neue Sarg von Silke Trekel ist eine solche Suche nach Otto mit den Mitteln von Kreativität, Können und Fantasie. Notwendig wurde die Neugestaltung eines Sarges für die Gebeine des Kaisers, weil sich bei der Öffnung des Steinsarkophags im Jahr 2025 zeigte, dass der darin befindliche historische Holzsarg in seinen unteren Bereichen weitgehend zersetzt war. Von Beginn an war klar: Die Neugestaltung eines neuen Sarges für die Gebeine würde eine Aufgabe von außergewöhnlicher historischer wie symbolischer Tragweite sein, in der sich Geschichte, Gegenwart und künstlerische Imagination in einzigartiger Verdichtung begegnen.

Genau für solche Aufgaben steht die Arbeit der Kunststiftung: Sie fördert zeitgenössische Kunst im Land unter anderem durch Stipendien, Projektfördermittel und, wie im Fall des Otto-Sarges, durch Wettbewerbe, in denen sie die bedeutendsten Künstlerinnen und Künstler des Landes zum Beispiel bei historisch bedeutsamen Anlässen zusammenbringt. Die Umsetzung der Kunstwerke begleitet sie gemeinsam mit exzellenten Werkstätten und Produzenten aus Sachsen-Anhalt. Für den Otto-Sarg wurden zehn ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten aus den Bereichen Schmuck, Bildhauerei, Installation, Glaskunst und Design eingeladen, ihre künstlerischen Positionen in einen Dialog mit einer der bedeutendsten Gestalten des europäischen Mittelalters zu bringen – konzipiert in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt sowie der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt. Im September 2025 kamen die Künstlerinnen und Künstler zu einem Kolloquium im Magdeburger Dom zusammen, bei dem Fragen von Konstruktion, Material und technischer Realisierbarkeit im Austausch mit Archäologie und Materialwissenschaft verhandelt wurden. Auch die lateinische Inschrift des neuen Sarges wurde dort besprochen. Der Typograf Erik Spiekermann führte in die Tiefe typografischer Entscheidungen ein.

Im November 2025 kürte eine Jury aus Kunstwissenschaft, Archäologie, Denkmalpflege und Kirche den Entwurf „Torsion und Konsolidierung“ der Schmuckkünstlerin Silke Trekel zum Sieger. Der aus Titan, Feinsilber, Feingold und Blattgold gefertigte Sarg verbindet historische Symbolik mit technischer Innovation und einer klaren, aufsteigenden Formensprache – bewusst nicht historisierend, sondern als eigenständige künstlerische Antwort auf Ottos Erbe. Den zweiten Platz belegte Michael Krenz, den dritten Anette Groschopp.

Mit dem neuen Sarg setzt die Kunststiftung eine Reihe von Projekten fort, in denen Vergangenheit nicht museal erstarrt, sondern in zeitgenössischer künstlerischer Sprache neu sichtbar wird – so bereits 2009/10 beim Wettbewerb zur Neugestaltung des Sarges der Königin Editha, den die Bildhauerin Kornelia Thümmel mit einem an einen Bergkristall erinnernden, polygonalen Entwurf gewann. Wie Trekels Sarg für Otto setzte auch Edithas Sarg auf reduzierte, klare Formen. Zwei Werke, die das mittelalterliche Erbe des Doms nicht konservieren, sondern es in einen lebendigen Resonanzraum der Gegenwart überführen.

Als die Anfrage kam, dass wir uns um die Gestaltung eines Sarges für diesen großen Kaiser kümmern sollten, wurde man fast schon ehrfürchtig – das ist eine einmalige Aufgabe im Leben. Mit dem neuen Sarg-Entwurf zeigt sich, wie lebendig unser kulturelles Erbe wird, wenn wir es mit den Mitteln der Gegenwartskunst neu befragen.Manon Bursian, Direktorin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Ablauf der Wiederbeisetzung am 1. September 2026:

Am 1. September 2026 wird Otto der Große in dem neugestalteten Sarg im Rahmen einer feierlichen Zeremonie im Magdeburger Dom wiederbeigesetzt. Der Programmablauf im Überblick:

  • 9.15 Uhr – Einlass
  • 10.00 Uhr – Gottesdienst unter Leitung der Bischöfe Dr. Gerhard Feige und Friedrich Kramer
  • 10.45 Uhr – Begrüßung durch Dr. Christian Philipsen, Generaldirektor der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, und Prof. Dr. Harald Meller, Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
  • Grußworte von Sven Schulze, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Rainer Robra, Staatsminister und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, sowie Simone Borris, Oberbürgermeisterin der Stadt Magdeburg
  • Festansprache von Staatsminister Dr. Wolfram Weimer, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien
  • 11.30 Uhr – Feierliche Beisetzung: Der von Silke Trekel gestaltete Titansarg mit den Gebeinen Ottos des Großen wird im Steinsarkophag im Hohen Chor eingesenkt.
  • Ort: Dom St. Mauritius und St. Katharina zu Magdeburg, Am Dom 1, 39104 Magdeburg
  • Die Veranstaltung ist öffentlich.
  • Medien werden um Anmeldung bei der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt gebeten: presse@kulturstiftung-st.de
  • Eine Akkreditierung vor Ort ist erforderlich.

Die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt versteht ihre Tätigkeit als kulturelle Übersetzungsarbeit von besonderer Verantwortung: Sie fördert künstlerische Positionen, initiiert Projekte und eröffnet Räume, in denen historisches Erbe nicht abgeschlossen erscheint, sondern immer wieder neu in die Gegenwart hineinwirkt. Ein besonderer Dank gilt allen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern für ihre mutigen und eigenständigen Beiträge sowie den Expertinnen und Experten aus Archäologie, Denkmalpflege und Materialwissenschaft für ihre inspirierende Begleitung.



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