Aufenthaltsstipendium in Usbekistan

Ausgehend vom Interesse daran, das Fremde in der usbekischen Monumentalkunst und im überall präsenten Kunsthandwerk genauer zu betrachten, studierte Barbara Dimanski die Stadtlandschaft in Samarkand eingehend.
Sie lernte bei einem Meister die Federführung in der arabischen Kalligrafie und das auf Quadraten beruhende System, nach dem sich jeder einzelne Buchstabe ausrichtet. Ihr wurde bewusst, dass all den frei geschwungen wirkenden Formen ein strenges konstruktiv gedachtes Gerüst zugrunde lag. Durch das beständige Schauen verinnerlichte sie Figuren, die sie später eher absichtslos in ihre „Schriftteppiche“ integrierte.
Täglich entstanden Freiluft-Aquarelle, die sie auf Leinwände mit Acrylfarben in schnellen Pinselstrichen übertrug: Ulugbek-Medrese, Sherdor-Medrese, Bibi-Khanum-Moschee und Shahisinda. Darüber legte sie erfundene Zeichen, angelehnt an die geometrische Schrift in den Majolika-Fliesen, die in ihrer Farbigkeit und Fülle das Auge betören.
In Taschkenter Museen begegnete sie weiteren Aspekten des historischen als auch modernen kulturellen und künstlerischen Ausdrucks. Neben den traditionellen, an einen Kanon angelehnten ornamentalen Bildern gab es eine unüberblickbare Menge kampfbeschreibender Monumental- und Miniaturmalereien, die dem Volkshelden Amir Temur gewidmet sind. Die Künstlerin ließ sich zu den Klassikern der Baukunst Taschkents führen, vom Hotel Uzbekistan als Beispiel des sowjetischen Brutalismus zu weiteren Bauwerken des „Karimow-Empire“ – inspiriert von Le Corbusier oder Oscar Niemeyer. Sie stellte fest, dass sich Formen moderner orientalischer Architektur mit den gesammelten optischen Eindrücken in den weiteren Arbeiten verwoben.
Sie begann auch mit Flechtarbeiten aus verschiedenen Materialien, nutzte gefundene Stoffreste sowie Einkaufstüten aus Papier. Aus den Papiertragetaschen schnitt sie orientalische Formen und nutzte diese als Schablonen für eine Arbeit mit Textilfarben auf Nessel.
Die zentrale Arbeit aus ihrem Samarkand-Aufenthalt ist „Colors and Lines“, ein Fries bestehend aus vier einzelnen Leinwänden. Die Bilder sind inspiriert von der Leuchtkraft der Farben an den Fassaden, aber auch vom textilen und keramischen Kunsthandwerk. Für die Bewohner von Samarkand gehören diese zum Alltag. Die Künstlerin suchte Spuren des Erlebten auf und verband Farbe mit kalligrafisch anmutendem Ornament. In der Grundierung wurde jeweils ein historisch bedeutsames Gebäude Samarkands farbig skizziert und auf einer zweiten Ebene abstrakte Zeichen darübergelegt. Da diese meist mit einem Pinsel der gleichen Stärke gemalt wurden, lassen sich auch Vergleiche zu dem im übertragenen Sinne nimmer endenden Faden der Weberinnen oder Stickerinnen herstellen. Auch bietet sich das Bild der von Generation zu Generation weitergegebenen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kunsthandwerker.
In drei großen Räumen der Art Residenz, einem alten Industriegebäude, wurde ihr Schau präsentiert.
Abschließend betrieb sie Miniaturmalerei bei einem Meister in Bukhara. Es entstand „Zwischen Orient und Okzident“.
