Loading...

Brotaustausch

Gemeinsam mit Anne Knödler bereiste Helmut Stabe zwei Monate Usbekistan auf der Suche nach Bäckereien, Brot und Geschichten. Im Gepäck hatten sie einen Sauerteig (die Brotkultur), Kamera und Notizblock. Sie trafen Bäckerinnen und Bäcker, buken mit ihnen gemeinsam, tauschten Geschichten und Rezepte aus und schafften Raum für ein Miteinander. Dies dokumentierten sie per Video, Fotos und in Texten.
Über das Brot als Kommunikationsschlüssel bekamen sie einen natürlichen und unverstellten Zugang zur usbekischen Bevölkerung, da es uns allen ein gemeinsamer Nenner ist. Das Brotback-Handwerk entstand bereits im Altertum, doch es ist weder antiquiert noch in Vergessenheit geraten, sondern ein lebendiges Zeugnis und eine Tradition, die eine jahrtausendealte Geschichte bis in die Gegenwart erzählt und an Relevanz nie verloren hat. Brot ist ein Kulturgut und eine Kunst und besitzt auch in Usbekistan einen sehr hohen Stellenwert. Es ist dort nicht nur ein Grundnahrungsmittel, sondern auch ein Medium, über das jede Region ihre eigene Identität ausdrückt.
Der Brückenschlag gelang ihnen vielerorts erfolgreich. Reihenweise öffneten sich Türen und Tore, es tat sich eine Welt an Geschichten, Bildern und Themen auf.
Brot wird in Usbekistan als kostbar angesehen – es bietet die Grundlage zum Leben und wird deshalb auch gern als Geschenk mitgebracht und auf Reisen ins Ausland mitgenommen. So entdeckten Helmut Stabe und Anne Knödler im Norden Taschkents an der Grenze zu Kasachstan einen ausladenden Brot-Basar mit üppig dekorierten Laibern, die zu Dutzenden davongetragen werden, um eine Kostprobe der heimischen Kultur andernorts auftischen zu können.
Auch entdeckten sie, dass unterschiedliche Regionen Usbekistans unterschiedliche Brottypen zugeordnet werden. Jeder Bäcker und jede Bäckerin verziert und gestaltet außerdem seine bzw. ihre Brote auf ganz individuelle Art und Weise und unterschiedlich aufwendig. Dafür wird unter anderem eine Auswahl an Brot-Stempeln benutzt, die mit einer Matrize aus Stahlnägeln florale Muster im rohen Teig hinterlassen. Mit ihnen stempelt man das Zentrum des Fladens, der zusätzlich in unterschiedlicher Musterung eingeschnitten, mit Sesam und Schwarzkümmel bestreut und mit einer Streiche aus Sauerquark, Soda und Milchpulver bestrichen wird.
Die Dokumentation ihrer Brotexkursion zeigten Anne Knödler und Helmut Stabe in einer Ausstellung zum Projekt im Goethe-Institut Taschkent und veröffentlichten sie auf Social Media. In Buchara gab es eine temporäre Pop-Up-Ausstellung der Fotografien des Projekts im öffentlichen Raum. Entlang der Gasrohre in einer Seitenstraße waren die Bilder der Bäckerinnen und Bäcker und ihrer Geschäfte für mehrere Tage für die passierende Bevölkerung zu sehen. Das Resultat war eine überaus anteilnehmende und wertschätzende Reaktion des Publikums.
Geplant ist eine Publikation – nicht nur für die hiesige Seite des Dialogs in Deutschland, sondern durch Übersetzung ins Usbekische und Russische soll auch ein Rückfluss nach Usbekistan geschehen.



Bildergalerie »

Zurück zur Übersicht