Die Sommernacht

Anlässlich des 300. Geburtstags von Friedrich Gottlieb Klopstock, dem großen Dichter der Empfindsamkeit und Innerlichkeit, setzte sich Susanne Theumer intensiv mit seinem Werk auseinander. Nach der Lektüre seiner bildgewaltigen Verse begab sie sich an verschiedene Orte: in die Landschaften um Halle, in den Saalkreis, ans Meer und in den Wald – ein wiederkehrendes Motiv seiner Dichtung.
Vor Ort arbeitete die Künstlerin großformatig in Kohle und Kreide oder radierte direkt mit der Nadel auf Kupferplatten. Bei der unmittelbaren Arbeit in der Landschaft flossen neben dem Sehen auch Geräusche, Begegnungen mit Menschen und Tieren, Gerüche, Wetterstimmungen und Bewegungen der Luft in den künstlerischen Prozess ein – Erfahrungen, die sich auch in Klopstocks Dichtung wiederfinden.
Mit ihren Kaltnadelradierungen erprobte Theumer neue Ansätze: Sie überlagerte Orte und Perspektiven, ließ verschiedene Ebenen ineinandergreifen und schuf so vielschichtige Bildwelten – ein visuelles Eintauchen in die teils mystischen Sphären Klopstocks.
Im Atelier überarbeitete sie die Zeichnungen, druckte die Platten und bearbeitete sie weiter, bis das gewünschte Ergebnis erreicht war. Geplant ist ein originalgrafisches Mappenwerk, das die Radierungen mit Textauszügen von Klopstock verbindet.
