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Do we already know who did it?

Im Zentrum des Projekts steht die Person des sogenannten Naumburger Meisters – ein mittelalterlicher Bildhauer, der trotz oder gerade wegen seiner Anonymität zu einer fast mythischen Gestalt der Kunstgeschichte avanciert ist.

In der heutigen Zeit, in der Fragen nach künstlerischer Identität, Originalität und Autorenschaft durch digitale Reproduzierbarkeit und KI-gesteuerte Bildproduktion neu verhandelt werden, gewinnt die historische Leerstelle um den Naumburger Meister besondere Relevanz. Seine Werke, insbesondere die Stifterfiguren im Naumburger Dom, verweisen auf eine ausgeprägte Individualität und stehen somit im Spannungsverhältnis zu seiner anonymen Autorschaft. Diese Diskrepanz zwischen künstlerischer Signatur und fehlendem Namen bildet das theoretische Spannungsfeld, das in der Recherchephase eingehend untersucht wurde.

Christian Holze unternahm eine fundierte Recherche, die sowohl kunsthistorische als auch gesellschaftlich-mediale Aspekte beleuchtet. Neben dem Studium einschlägiger Literatur zur mittelalterlichen Kunstproduktion wurden auch zeitgenössische Theorien zur Autorschaft – etwa von Michel Foucault oder Roland Barthes – in die Analyse einbezogen. Der Austausch mit Experten erweiterten die Perspektive und lieferten wesentliche Impulse für die künstlerische Reflexion.

Ein weiterer Meilenstein war die Umsetzung erster 3D-Scans architektonischer und figürlicher Elemente des Naumburger Doms, darunter die ikonischen Stifterfiguren und die expressiv gestaltete Pietà. Diese digitalen Modelle wurden nicht nur als dokumentarisches Material erfasst, sondern experimentell bearbeitet, um ihre formale Sprache in neue visuelle Kontexte zu überführen. Hier eröffnen sich Perspektiven für hybride Präsentationsformate, die den Diskurs zwischen Vergangenheit und digitaler Gegenwart sichtbar machen können – etwa durch animierte Renderings, multimediale Installationen oder digitale Rekontextualisierungen.

Christian Holze gewann die Erkenntnis, dass der Naumburger Meister als Projektionsfläche für gegenwärtige künstlerische und gesellschaftliche Fragestellungen dient. Die theoretischen und technischen Vorarbeiten während des Stipendiums bilden das Fundament für eine weiterführende künstlerische Auseinandersetzung, deren Ziel es ist, die historische Leerstelle, um die Autorschaft nicht aufzuklären, sondern sie in ihrer Ambivalenz produktiv zu nutzen. Die geplante Überführung der digitalen Entwürfe in physische Objekte oder immersive Installationen würde nicht nur eine künstlerische Synthese ermöglichen, sondern auch die Diskussion um Autorschaft, Reproduktion und kulturelles Gedächtnis auf eine sinnlich erfahrbare Ebene bringen. Geplant ist, das Thema angemessen weiterzuentwickeln und im Rahmen einer öffentlichen Ausstellung zugänglich zu machen.



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