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DRIFTEN

Wie lässt sich ein Ort in Stoff übersetzen? Wie können Licht, Luft und Zeit nicht nur dargestellt, sondern als materielle Spuren eingeschrieben werden? Das Projekt verstand das Driften als künstlerische Strategie: nicht ziellos, sondern aufmerksam, konzentriert und offen angelegt. Ausgangspunkt war das Textile als Denk- und Arbeitsraum: als Struktur, als Sprache, als gelebtes Archiv. Mit Cyanotypie – einem Verfahren, das Sonnenlicht auf Stoff sichtbar macht – verband Katharina Gahlert Zeit und Materie, Spur und Oberfläche. Der Ort wurde dabei nicht als Hintergrund verstanden, sondern als aktiver Bestandteil des Prozesses: Lichtverhältnisse, Wetterlagen und natürliche Materialien wirkten unmittelbar auf die Arbeit ein. Nach ersten Versuchen auf dem Pond-Farm-Gelände begann Katharina Gahlert, nach mobileren Varianten zu suchen. Sie wollte den Aspekt der Momentaufnahme, den die Cyanotypie als Belichtungsverfahren bietet, stärker entwickeln und herausarbeiten. So entstand die Idee eines mobilen Studios. Die Künstlerin bereitete die Trägermaterialien auf Pond Farm vor, indem sie im letzten Dämmerlicht die Stoffe mit der lichtempfindlichen Lösung beschichtete und sie über Nacht trocknen ließ. Morgens vor Sonnenaufgang sammelte sie die getrockneten Stoffstücke wieder ein und verpackte sie lichtdicht und möglichst knickarm in mehrere Lagen Papier und Decken. Damit ausgestattet konnte Katharina Gahlert die Gegend erkunden und interessante Formen oder Schattenbilder direkt einfangen. Nach der Belichtung wurden die Stoffe entweder direkt im Ozean ausgewaschen oder erneut lichtdicht verpackt und erst bei der Rückkehr am Haus gewaschen und getrocknet. Danach wurden die blauen Lichtbilder bestickt und mit Fäden zu erzählerischen Formen verdichtet. Die gegenläufigen Prozesse – zum einen das Licht arbeiten lassen und konkrete Formen von realen Dingen der Umgebung nach einem technisch festgelegten Prozedere abbilden – aktiv, unterwegs, draußen, zum anderen die Linien beim langsamen Lauf von Nadel und Faden frei fließen lassen und den Gedanken folgen, reflektieren und im geschützten Raum kreieren – ergänzten sich und verliehen den kleinen Formaten Tiefe und Entwicklung. Die daraus entstandenen Arbeiten sind weniger abgeschlossene Werke als offene Konstellationen, die sich weiter verändern und als Zwischenstände einer fortlaufenden Materialforschung lesbar bleiben. Parallel dazu entwickelte die Künstlerin eine zweite Werkgruppe, die weniger aus dem Außenraum als aus sozialen und kulturellen Begegnungen hervorging. Es entstand eine Serie von neun Collagen, die aus der Erfahrung hervorging, in den USA mit einer ostdeutschen Sozialisierung in Berührung zu kommen, die sich in kleinen Situationen und Begegnungen beiläufig und zugleich deutlich spiegelte.



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