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Gobelinzyklus ungewebt

Ausgehend von ihrer Arbeit an Entwürfen für Gobelin-Zyklen gestaltete Josefine Cyranka Teppiche aus Papier, versehen mit Pflanzenfragmenten. Gobelinzyklus – ungewebt beschreibt für sie ein ambivalentes Verhältnis: Auf der einen Seite steht die Bildweberei als Prozess der langsamen, hingebungsvollen Bildentstehung, Symbol für Wert, Bestand und Tiefe. Auf der anderen steht der Künstlerin Zeitverständnis und Ausdrucksdrang, ihr Wunsch nach Verbildlichung von Schnelligkeit und Wandel, dem die Langsamkeit der Bildweberei widerspricht. So wählte die Künstlerin das Papierschöpfen, eine Technik, bei der sich das Bild – wie in der Weberei – aus der Substanz und nicht aus der Oberfläche entwickelt. Dabei integrierte sie Pflanzenteile, die als schattenartige Fragmente erscheinen und an die Flora mittelalterlicher Mille fleurs-Teppiche erinnern. Die Arbeiten sind mit einer in das Papier geprägten metallischen digitalen Struktur überzogen, die von den Lochkarten eines mechanischen Webstuhls übernommen ist. Dieser ungewebte Zustand in Papier steht im Kontrast zu aufwändig gewebten mittelalterlichen Gobelins.

Die Arbeiten stellte Josefine Cyranka im Historischen Waisenhaus in den Franckeschen Stiftungen zu Halle in der Ausstellung „Am Weg. Arbeiten aus Papier“ von Juni bis September 2010 aus.

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