Kinetische Keramikskulpturen und Animation – ein uraltes Material zum Leben erwecken

In ihrem Projekt erweckt Julia Rückert keramische Objekte durch Bewegung „zum Leben“. Dafür experimentierte sie mit Techniken nach dem Prinzip des Daumenkinos und des Zootrops, einem frühen Apparat zur Darstellung von Bewegung.
Seine Funktionsweise begründet sich im optischen Phänomen der „Trägheit des Auges“, wodurch im Gehirn einzelne Bilder zu einer fließenden Bewegung verschmelzen.
Zootrope sind mit Schlitzen versehen. Sie erlauben – analog einer Kamera – einzelne Bilder zu erzeugen, da sie sonst sie zu einer unscharfen Masse verschwimmen. Julia Rückert musste allerlei Experimente durchführen, um eine kontinuierliche Bewegung zu suggerieren. So war die Frage nach der optimalen Anzahl der kleinen Reliefs zu lösen, die Größe und Anordnung der Schlitze festzulegen uvm.
Bei der Suche nach Bewegungsabfolgen fokussierte sich die Keramikkünstlerin auf Tiere, die sie faszinieren: ein unermüdlich rennender Hund, ein schreitender Elefant. Aber auch ein schwimmender Mensch erscheint in einer der kurzen, traumartigen Sequenzen in einem Loop, der solange andauert, wie sich das keramische Objekt dreht. Ein kleiner Side-Fact: Das Wort „Zootrop“, altgriechisch für „Rad des Lebens“, hat eine Verwandtschaft zu den Sujets der Arbeiten, denn „zoon“ bedeutet „Lebewesen“, „zoe“ „Leben“.
Die auf der Töpferscheibe gedrehten Gefäße lehnen sich an klassische Gefäßformen der Antike an.
Durch die Kombination von traditionellen Keramiktechniken mit kinetischen Elementen erweiterte Julia Rückert die narrative und ästhetische Wirkung ihrer Arbeiten.
