Lost Paradises

Die vier während Stipendiums entstandenen großformatigen, experimentellen Bildgewebe entstanden als Gemeinschaftsarbeit von Andreas Köppe und seiner Partnerin Katharina Stark am eigenen Flachwebstuhl. Jedes Gewebe ist in Ausführung und Technik eigenständig, da jeweils bestimmte Ideen zum Gewebeaufbau und der Webtechnik sowie zum verwendeten Garnmaterial im Sinne der Verbindung von Malerei und Weberei umgesetzt bzw. ausprobiert wurden.
Die vier Gewebe sind Prototypen als Grundlage für weitere Umsetzungen in der jeweiligen Technik. Die Arbeiten sind gewebte Bilder, welche gleichzeitig gewebt und gemalt sind. So sind Malerei und Weberei sowohl im fertigen Werk als auch in der Herstellung nicht voneinander zu trennen.
Die Webkette wurde auf dem Atelierboden ausgelegt, gespannt und mit Textilfarben bemalt. Die später einzuwebenden Schussgarne wurden ebenfalls bündelweise bemalt und/oder in Farbe getaucht, um partielle und mehrfarbige Einfärbungen zu erzeugen. Nach der Bemalung wurde die Webkette auf den Kettbaum gewickelt, der dann in den Webstuhl eingehängt wurde. Im Webstuhl wird die Webkette unter Spannung wieder vom Kettbaum abgewickelt, sozusagen durch den Webstuhl „gezogen“ und auf der gegenüberliegenden Seite des Webstuhls durch den Eintrag der Schussgarne zu einem Gewebe verwebt. Im Webstuhl ist immer nur ein begrenzter Teil der Webkette und somit des zukünftigen Formats/Motivs sichtbar, insgesamt ca. 100 cm (davon 60 cm unverwebt und 40 cm verwebt). Der Rest ist noch auf dem Kettbaum aufgewickelt oder nach der Eintragung der Schüsse, also dem Prozess des Verwebens, ebenfalls wieder aufgewickelt, diesmal auf dem Warenbaum. Beide Partien sind nicht einsehbar, ohne die gespannte Kette zu lösen und das Gewebe abzuwickeln bzw. herauszuziehen. Während des Webens geht das nur bedingt, sodass kein Überblick über die gesamte zu bearbeitende Bildfläche möglich ist wie etwa der Maler beim Bearbeiten einer Leinwand. Deshalb macht Andreas Köppe und Katharina Stark viele Fotos während des Webens, um sich an die verschwindenden Bildbereiche zu erinnern und auf das Hergestellte zu reagieren. Reizvoll war für sie aber auch, nicht alles überblicken zu können. Spontanität und Freiheit in der Umsetzung sind ihnen wichtig. Deshalb wurde auch die bereits bemalte und in den Webstuhl gespannte Webkette weiterbemalt und unmittelbar darauf verwebt. Auch die farbigen Schussgarne ermöglichten es, den Bildeindruck und die Stofflichkeit / die Materialität des Gewebes zu beeinflussen.
