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Patina als Stilmittel – Textile Tapeten

Dass das Unvollkommene, mit Spuren des Lebens Behaftete interessanter ist als das Ebenmäßige, Glatte, Unbenutzte, wurde in der Ästhetik spätestens seit dem 20. Jahrhundert zum Gemeinplatz. Aber gilt dieses Diktum auch für Dinge aus der angewandten Kunst? Susan Kriegers prächtig-raffinierte Tapeten beweisen es. Als deren Untergrund und erste Ebene benutzt die Textildesignerin Dekorationsstoffe mit eingewebten oder eingestickten Mustern. Darauf bringt sie im Siebdruckverfahren Dekore. Die verwendeten Farben sind mit Metallpigmenten – von Kupfer, Messing, Bronze, Eisen – angereichert. Diesen Arbeitsgang wiederholt Susan Krieger mehrfach, wobei die Strenge der oftmals an klassische Tapetenmuster angelehnten Dekore aufgelockert und die Vielschichtigkeit natürlicher Spurenbildung betont wird. Die Metallpigmente beginnen schließlich – forciert durch ein Oxydationsmittel – zu reagieren und unterliegen einem beschleunigten Alterungsprozess. Es entsteht eine reizvolle, edle Oberfläche, die die Schönheit des Vergänglichen und Unvollkommenen feiert.

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