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Seid Ihr noch da?

Ramona Taterras Arbeiten vereinen in sich den eklatanten Widerspruch zwischen perfekter Oberfläche und dem kritischen Inhalt. Farbenfroh, fantasievoll, plakativ präsentieren sich ihre Werke unter Verwendung verschiedener Stilmittel. Die Bandbreite rangiert von filigranen Tusch- und Aquarellzeichnungen über opulent gestaltete Wandobjekte bis hin zu raumgreifenden Installationen. Während des Stipendiums wurde ein Ausstellungsprojekt für das Herzogliche Mausoleum in Dessau-Roßlau konzipiert und umgesetzt und die Arbeit an „Seid Ihr noch da?“, die ihren Ursprung im ersten Lockdown 2020 der Corona-Pandemie findet, erweitert. Die Ausstellung, die sich mit dem global dramatisch voranschreitenden Artensterben befasst, fand im Herzoglichen Mausoleum im Tier- und Pflanzenpark Dessau-Roßlau gelegen statt, einem unter Denkmalschutz stehenden Zentralkuppelbau von 1898, der normalerweise den Besuchern und Besucherinnen des Tierparks nur selten zugänglich ist. Die Vorbereitung der Ausstellung umfasste große zwei Aspekte. Zum einen entwarf und baute die Künstlerin ein großes, freitragendes modulares Ausstellungssystem mit den Maßen 6 × 13 × 7 m aus Holz und aus über 1.000 durch die Zootiere abgenagten Hölzern und Stöcken für die Apsis des Hauses, das zur Präsentation der kleinformatigen blattvergoldeten Tuschezeichnungen, Radierungen, Kunststoff- und Papierobjekte diente. Dieser Entwicklungs- und Herstellungsprozess dauerte mehr als einem Monat, um die 9 Einzelmodule aus Bauholz zu errichten und die Sichtflächen mit den gewundenen, schnörkeligen und gebogenen Hölzern zu bestücken. Der zweite zeitintensive und umfangreiche Aspekt des Arbeitsaufenthalts in Dessau bestand darin, ortspezifische Werke zu schaffen, die sich inhaltlich auf bedrohte Tierarten des Tierparks bezogen und sich formal an den Dimensionen des Mausoleums orientierten. Ramona Taterra erschuf zwei mittelformatige Zeichnungen im Maß von 3 × 1,5 m auf einem sehr leichten Vlies, welches sich wie Leinwand verarbeiten lässt, dabei aber viel leichter, wasserabweisend und feuerfest ist. Die beiden mittelgroßen Zeichnungen entwickelte sie für den Kuppelraum im Inneren des Hauses. Zudem entstanden vier großformatige Zeichnungen im Maß von 4 × 3 m für die gewaltigen und etwas bedrohlich wirkenden Säulen des Eingangsportals. Für diese Werkgruppe wählte sie Tierarten des Dessauer Tierparks, die laut IUCN (The International Union for Conservation of Nature‘s Red List of Threatened Species) als bedroht eingestuft werden, wie z.B. die Schneeleoparden, Kragenbären und Katas. Außerdem wollte sie mithilfe der „Säulenheiligen“ die Tierklassen präsentieren: Säugetiere, Vögel, Amphibien und Reptilien. Mithilfe eines QR-Codes auf den Einladungspostkarten hatten die Besucher und Besucherinnen Zugriff auf die Sammlung des „fließenden“ Wissens über die abgebildeten Tierarten, Zeitungsmitteilungen diverser Medien zum Thema Arten- und Umweltschutz, Verweise auf Tierschutzorganisationen und Projekte zum Artenschutz. Während der Ausstellungszeit im Herbst 2024 fertigte sie für die Besucher der Ausstellung sichtbar weitere Zeichnungen an, die im Laufe der Zeit in die Ausstellung integriert wurden. Der performative Aspekt des live-drawings erwies sich als Gesprächskatalysator, da es Menschen jeden Alters gut gefällt, anderen beim Zeichnen zuzuschauen und darüber in Kommunikation zu treten, generell über Kunst, insbesondere aber über Artenschutz, Bedrohung der Flora und Fauna und Möglichkeiten des Artenschutzes. Deshalb veranstaltete die Tierparkpädagogin während der Ausstellung auch einige Male Workshops mit Kindergarten- und Schulkindern. Für die Künstlerin war es eine einmalige Gelegenheit, ihr vielteiliges Werk an einem so außergewöhnlichen Ort ausstellen zu dürfen. Ein Mausoleum, ohnehin ein Ort der Trauer, des Abschieds und der Andacht, welches umgeben ist von einem Tierpark, konnte keine bessere Bühne sein, um auf das Thema der Artenbedrohung hinzuweisen.



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