Wellen lecken

Ziel des Stipendiums war die Erarbeitung eines Hörstücks, welches sich mittels poetischer Fragmente und Soundaufnahmen dem Küstenraum widmet. Entstehen sollte eine ortsspezifische literarisch-klangkünstlerische Arbeit, die von einer buchkünstlerischen Publikation begleitet wird. Die Künstlerin suchte dazu eine Sprache für die Erscheinungen, die sinnlichen Erfahrungen und Gedanken an der Ostseeküste. Ausgerüstet mit Aufnahmegerät, Notizbuch und Bleistift ging sie Tag für Tag nach draußen, erkundete die herbstliche Gegend und schrieb Gedichte, die sich im literarischen Feld des „Nature Writing“ verorten lassen. In der Landschaft suchte sie nach Worten für die Natur, in ihr und um sie herum. Durch das Schreiben versuchte Anna Egerter, intensiver zu sehen, zu hören, zu riechen. Merklich wurde dabei die Verwandtschaft mit allen lebenden Körpern. Das Schreiben empfand sie dabei wie ein Lecken über die Welt, ein Schmecken und Lieben. Als „Fühler“, um dem Ort nahe zu kommen und einen Materialfundus zu generieren, diente ihr nicht nur das Schreiben, sondern auch das Aufnehmen von Tönen mit einem Aufnahmegerät. Entstanden ist eine Sammlung von etwa 60 Gedichten/kurzen lyrischen Fragmenten, sowie zahlreiche Soundscapes. Zusätzlich hat die Künstlerin das Lecken der Wellen, das ein zentrales Motiv war, auch analogfotografisch festgehalten. Inwiefern sich der Fundus tatsächlich zu einem Hörstück verdichtet, ist noch offen. Momentan kommen Anna Egerter die Texte ohne Gegenüberstellung und Komposition mit naturalen Sounds stärker vor, weil es sich sonst leicht, wie eine Dopplung ausnehmen würde. Ob ein Hörstück oder aber ein klassischer Lyrikband als Künstlerbuch bzw. ggf. als Publikation über einen Verlag das Ergebnis des Stipendiums darstellt, wird zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.
