Glaswettbewerb „Weltkulturerbe trifft auf Immaterielles Kulturerbe“

Die Kunststiftung hat mit der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt am 19. Februar 2020 einen Zuwendungsvertag geschlossen, der die Bereitstellung von Fördermitteln in Höhe von 79.301,00 Euro für den Wettbewerb vorsieht. Die Mittel wurden am 30. April 2020 überwiesen. Der Vorstand hat insgesamt fünf Glasmanufakturen angeschrieben und die Durchführung von Workshops inklusive u. a. der fachlichen Betreuung der Künstlerinnen und Künstler bei den Entwürfen, der Formenkosten, der Hüttenkosten und Zuarbeiten von anderen Glasgewerken wie Apparate-Glasbläser, Glasschleifer und Glasgraveure sowie die Produktion bzw. Delegation der Produktion der einzelnen Projekte ausgeschrieben. Den Zuschlag hat die Glasmanufaktur Harzkristall GmbH erhalten.
Die fünf zum Wettbewerb eingeladenen Künstler, Aneta Koutná, Johannes Nagel, Sebastian Richter, Judith Runge und Julia Schleicher sollten sich zu ihrem Objekt vom gesamten Welterbe in Sachsen-Anhalt inspirieren lassen, jedoch in ihrer Arbeit nicht nur eines oder mehreres bei der UNESCO Verzeichnetes reflektieren, sondern den Welterbegedanken allgemein.
Ursprünglich war der Start des Wettbewerbes für den April 2020 geplant, musste jedoch wegen der Corona-Pandemie auf den Spätsommer verschoben werden. So fand vom 31. August 2020 bis 2. September 2020 ein erster Workshop der Künstlerinnen und Künstler mit dem versierten Glasmacher Peter Kuchinke in der Glasmanufaktur Harzkristall in Derenburg statt. Der aus Schweden angereiste „Maestro“, wie er von dem Geschäftsführer der Glasmanufaktur, Otto Sievers, genannt wird, führte die Teilnehmenden theoretisch und praktisch in das Material ein – erste Versuche wurden unternommen und alle waren zutiefst beeindruckt von der handwerklichen Kunstfertigkeit Peter Kuchinkes. Am 2. September 2020 fand eine Pressekonferenz statt, an der auch Herr Dr. Gunnar Schellenberger, Staatssekretär für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, teilnahm. Die Medien waren zahlreich vertreten.
Anschließend begann die eigenständige Entwurfsphase der Künstlerinnen und Künstler, bei der sie vom Glasmacher Peter Kuchinke via Mail und Telefon begleitet wurden. Bis zum 25. September 2020 waren die Entwürfe für die Objekte, die zum Wettbewerb eingereicht werden, abzugeben. Alle Beteiligten taten dies pünktlich und die Unterlagen wurden an die Glasmanufaktur weitergeleitet, die Formenbauer beauftragt. Folgendes wurde ersonnen: flache Schalen in amorphen Formen, Vasen – eckig und rund, eine Gefäßserie aus fünf Zylinderformen, eine Schale bzw. Leuchtobjekt, sowie eine Schale, die von Händen gehalten wird.
Die Objekte wurden während eines zweiten Workshops, der vom 12. bis zum 18. Oktober 2020 stattfand, umgesetzt, so dass jeder Teilnehmende mindestens vier Exemplare herstellte. Die Künstlerinnen und Künstler waren an bestimmten Tagen – je nach den Erfordernissen im Herstellungsprozess (z. B. Kühlung unter Beachtung der vorhandenen Betriebsmittel) – in der Glasmanufaktur. Am 15. Oktober fand ein weiterer Pressetermin unter Anwesenheit von Herrn Dr. Gunnar Schellenberger, Staatssekretär für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, statt, in dem die Medienvertreter auch Einblick in den Umsetzungsprozess der Entwürfe erhielten.
Nach der Endbearbeitung der Objekte wurden diese ab dem 26. Oktober 2020 nach Halle transportiert, wo schließlich am 13. November 2020 die Jury (Manon Bursian, Direktorin der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt, Ingolf Kern, Direktor der Abteilung Medien und Kommunikation, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin, Dr. Wita Noack, Museumsleiterin des Mies van der Rohe Hauses, Berlin, Prof. Barbara Schmidt, Professorin an der Weißensee Kunsthochschule, Berlin; ehemalige Designerin bei KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH und Dr. Gunnar Schellenberger, Staatssekretär für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt) die Siegerin bzw. den Sieger des Wettbewerbs küren wollten. Der Termin wurde Corona-bedingt abgesagt.
Die Jury kürte dann am 19. März 2021 den Siegerentwurf; den mit 5000 Euro dotierten 1. Preis hat „Outline“ von Aneta Koutná gewonnen. Ihre Entscheidung begründet die Jury so: „Die Schalen ,Outline‘ von Aneta Koutná, inspiriert durch die Seenlandschaft Sachsen-Anhalts, die vielerorts durch geflutete Tagebaue entstand, stellen sowohl einen Gebrauchsgegenstand als auch ein Kunstwerk dar – eine gelungene Kombination. Das Thema des Wettbewerbs erarbeitete sie mit einem ungewöhnlichen und aktuellen Ansatz: Für sie ist ebenso wie die manuelle Glasfertigung, die seit 2015 immaterielles Kulturerbe ist, auch die erfolgreiche Renaturierung aufgegebener Tagebauten ein Symbol modernen Denkens im Umgang mit Altbewährtem geworden. Das zukunftsgerichtete Denken spiegelt sich bei ihr in einer zeitgemäßen Form wider, die mit hoher Sensibilität für Material und Farbe erschaffen wurde. Die Schalen haben durch die breite Materialstärke eine hohe physische Präsenz, die einen ansprechenden Objektcharakter vermittelt. Das Thema ,Glas‘ an sich ist selbst in der Gestaltung des Objekts präsent durch die organische, amorphe Form – diese ,erzählt‘ von der heißen zähen Masse. Verschiedene Blickwinkel auf die Schalen, die sich durch ein Spiel von Transparenz und Opazität auszeichnen, lassen einen diese immer wieder neu entdecken. Sie sind vielschichtig im wahrsten Sinne des Wortes und eine gelungene Gegenwartsinterpretation des Welterbegedankens.“
"Outline" von Aneta Koutná
