Ein neuer Sarg für Otto den Großen im Magdeburger Dom
Wettbewerb mit zehn ehemaligen Stipendiatinnen und Stipendiaten

Die Gebeine des ersten Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, Ottos des Großen, der das römische Kaisertum wiederbelebte und damit den Grundstein für das spätere Reich legte, liegen seit mehr als einem Jahrtausend im Dom zu Magdeburg. Nach seinem Tod im Jahr 973 wurde er dort an der Seite seiner bereits 946 verstorbenen Frau Editha bestattet. Mit dem Domneubau ab 1209 wurde sein Grab an die Stelle im Hohen Chor des Gotteshauses verlegt, wo es sich noch heute befindet.
Im Jahr 2024 wurden erhebliche Schäden an seinem Grabmal festgestellt. Der Sarkophag aus Kalkstein muss nun aufwendig saniert werden, da er instabil geworden war. Dazu musste er zunächst geöffnet werden. Auch der in seinem Inneren befindliche hölzerne Sarg, der die sterblichen Überreste enthielt, war teilweise zerfallen und musste entnommen werden. Sämtliche Arbeiten am Grabmal Ottos des Großen erfolgen in Kooperation mit der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Eigentümerin des Magdeburger Domes, dem Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt als zuständiger Fachbehörde sowie in enger Abstimmung mit der Evangelischen Domgemeinde und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Die sterblichen Überreste Ottos des Großen verbleiben während der Arbeiten in Magdeburg und sollen nach Abschluss der derzeit laufenden wissenschaftlichen Untersuchungen und der Sanierung des Sarkophags wieder im Magdeburger Dom beigelegt werden.
Der Holzsarg aus dem Sarkophag Ottos des Großen kann wegen seines fragilen Zustandes nicht mehr verwendet werden. Daher hat die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt zehn ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten eingeladen, sich an einem Wettbewerb zur Neugestaltung eines Sarges zu beteiligen und ihre Entwürfe einzureichen.
Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra: „Otto der Große zählt zu den bedeutendsten Herrschergestalten der europäischen Geschichte. Seine Grablege im Magdeburger Dom ist ein zentraler Erinnerungsort, der unsere Wurzeln im Mittelalter bis heute sichtbar macht. Entsprechend historischer Überlieferung, die wir auch beim Editha-Grab beherzigt haben, gehört es sich, die Gebeine respektvoll nach einer Öffnung des Grabes wieder zu bestatten. Es ist aber auch ein wichtiges kulturpolitisches Anliegen, diesen Ort auch für die nächsten Generationen durch Gegenwartskunst neu zu reflektieren. Ich wünsche dem Wettbewerb inspirierende Beiträge und viel Erfolg.“
Die Gestaltung soll dem Rang des ersten römisch-deutschen Kaisers angemessen sein, der künstlerische Entwurf soll diesem historischen Anlass in würdiger wie zugleich zeitgenössischer Form Rechnung tragen. Stiftungsdirektorin Manon Bursian: „Wir haben zehn Künstlerinnen und Künstler eingeladen, ihre Entwürfe für einen neuen Sarg einzureichen. Sie alle können großartige Referenzen vorweisen und diese außergewöhnliche Aufgabe mit Sorgfalt, Kreativität und Fingerspitzengefühl bewältigen.“
Bis Mitte November 2025 können die Künstlerinnen und Künstler ihre Entwürfe einreichen, Ende November 2025 werden sie von einer hochkarätig besetzten Jury bewertet. Ein Entwurf wird zur Realisierung empfohlen und soll bis Mitte des Jahres 2026 umgesetzt werden. Eingeladen wurden Sawa Aso, Christiane Budig, Anette Groschopp, Hermann Grüneberg, Michael Krenz, Dana Meyer, Julia Schleicher, Stephan Schulz, Silke Trekel und Paula Wolber.
Bereits 2009/10 hatte die Kunststiftung erfolgreich einen Wettbewerb für die Neugestaltung des Sarges der Königin Editha durchgeführt. Als Siegerin ging die Bildhauerin Kornelia Thümmel hervor, die einen Sarg aus unregelmäßigen Drei- und Vierecken entworfen hatte, der an die Form eines Bergkristalls erinnert.
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Die zehn eingeladenen Künstlerinnen und Künstler für den Wettbewerb zur Neugestaltung des Sarges für Otto den Großen:
Sawa Aso, Schmuckkünstlerin
1983 in Tokio (Japan) geboren | 2002 – 2006 Studium der Interkulturellen Wissenschaften an der Seikei Universität Tokio | 2007 – 2014 Studium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle im Bereich Plastik/Schmuck – Diplom und Meisterschülerstudium ebd. bei Prof. Daniel Kruger | 2012 Anerkennung beim Kunstpreis der Stiftung der Saalesparkasse und Justus Brinckmann Förderpreis | seit 2012 Ausstellungen im In- und Ausland, u. a. in Halle, München, Lissabon, Amsterdam und Göteborg | 2013 1. Preis des Bayerischen Kunstgewerbevereins | 2019 Arbeitsstipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt
Christiane Budig, Glaskünstlerin
1969 in Luckenwalde geboren | 1994 – 1996 Studium Glas/Keramik/Design an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle | 1996 – 2002 ebd. Studium im Fachbereich Glas/Malerei/Grafik, Diplom | 2003 Internationaler Glaskunstpreis Jutta-Cuny-Franz-Award, Düsseldorf | 2005 Wilhelm von Kügelen-Stipendium der Kreissparkasse Bernburg | 2006 Einladung als Artlecture der Glass Art Society nach St. Louis (USA) | 2018 Preisträgerin des Halleschen Kunstpreises | 2019 Stahlplastik „Give me a shelter“ gemeinsam mit Bert Hafermalz anlässlich des Bauhausjubiläums, Diakonie-Krankenhaus Harz in Elbingerode, gefördert durch die Kunststiftung Sachsen-Anhalt | 2020/21 1. Platz des Kunstwettbewerbs zur Gestaltung des Radleuchters im Magdeburger Dom | zahlreiche Ausstellungen u. a. in Halle, Leipzig, Magdeburg, Berlin, Bornholm (Dänemark), Haacht (Belgien) und Prag
Anette Groschopp, Malerin, Grafikerin, Installationskünstlerin
1951 in Leipzig geboren | 1972 – 1977 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, Fachrichtung Grafik | 1998 Stipendium für das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, 2007 des Kunstvereins Röderhof | 2008 New York-Stipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt | 2021 Sonderpreis der Kunststiftung-Sachsen Anhalt auf der Kunstmesse HAL ART in Halle (Saale) | Beteiligung an Ausstellungen und Messen im In- und Ausland u. a. in Halle, Hamburg, Erfurt, New York, Magdeburg, und Wismar | zahlreiche Arbeiten in öffentlichen und privaten Sammlungen
Hermann Grüneberg, Keramiker
1983 in Weimar geboren | 2008 – 2015 Studium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle im Bereich Plastik/Keramik – Diplom und Meisterschülerstudium ebd. | 2013 erster Preis „Artist at Work“ – Skulpturen aus Beton, Insel Mainau und Arbeitsstipendium in der Majolika-Manufaktur Karlsruhe | 2015 Frechener Keramikpreis | 2016 Heitland Honneur, Stipendium der Heitland Foundation Celle und Keramikpreis der Stadt Oldenburg | 2022 und 2023 Stipendium der Stiftung Kunstfonds | 2025 „Seyt noer keck“, Keramikwandinstallation für den Kunstparcours „Glühende Horizonte“ der Kunststiftung Sachsen-Anhalt in Allstedt sowie New York-Stipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt | Kunst im öffentlichen Raum in Jena, Halle, Celle, Eisenach und Allstedt | Ausstellungen im In- und Ausland, u. a. in Solothurn (Schweiz), Heidelberg, München, Bochum, Kampen auf Sylt
Michael Krenz, Metallbildhauer
1974 in Eisenhüttenstadt geboren | 2000 – 2007 Studium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bei Prof. Irmtraut Ohme und Prof. Andrea Zaumseil, Diplom | 2001 und 2004 Kunstförderpreise der Stadtwerke Halle und Leipzig | 2007 Kunstpreis der Stiftung der Stadt- und Saalkreissparkasse Halle | seit 2009 Arbeiten im öffentlichen Raum u. a. in Altengrabow, Lutherstadt Wittenberg, Halle, Pöcking, Freiberg | 2010 Internationales Arbeitsstipendium für Shanghai der Kunststiftung Sachsen-Anhalt | 2025 „OFFROAD“ für den Kunstparcours „Glühende Horizonte“ der Kunststiftung Sachsen-Anhalt in Allstedt | Teilnahme an internationalen Gruppen- und Einzelausstellungen
Dana Meyer, Metallbildhauerin
1982 in Halle (Saale) geboren │ 2006 – 2011 Studium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle im Fachbereich Plastik/Metall, Diplom │ 2011 Anerkennung beim Kunstpreis der Stiftung der Saalesparkasse │ 2012 – 2014 Meisterschülerin an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule bei Prof. Bruno Raetsch | 2014 Kunstpreis der Stadt Limburg | 2015 Nordhäuser Grafikpreis | 2018 Arbeitsstipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt | 2021 Stipendium Alexander Tutsek- Stiftung/Pilchuck Glass School (USA) │ 2024 Kunst am Bau für das Foyer der Hochschule Zwickau │ seit 2010 Ausstellungsbeteiligungen u. a. in Halle, Hof, Coburg, Essen, Leipzig, Dresden, Katowice (Polen), Pécs (Ungarn), Eupen (Belgien), Frankfurt, Nizza (Frankreich), Erfurt, Köln und Paris
Julia Schleicher, Bildhauerin
1983 in Köln geboren | 2003 – 2007 Studium der Theaterplastik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, Diplom | 2007 – 2012 Studium der Bildhauerei an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bei Prof. Bernd Göbel und Prof. Bruno Raetsch, Diplom | 2014 Gustav-Seitz-Preis für zeitgenössische figürliche Bildhauerei | 2020/21 Heimatstipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt im Museum Schloss Moritzburg Zeitz | 2022 Residenzstipendium Künstlergut Prösitz (Sachsen) | 2023 Internationales Arbeitsstipendium für Vietnam der Kunststiftung Sachsen-Anhalt | 2025 „Wolke“ für den Kunstparcours „Glühende Horizonte“ der Kunststiftung Sachsen-Anhalt in Allstedt | seit 2015 Teilnahme an Ausstellungen u. a. in Halle, Leipzig, Herne, Hamburg und Berlin
Stephan Schulz, Designer
1983 in Schwerin geboren | 2003 – 2009 Industriedesignstudium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, 2007 – 2008 Erasmusstipendium an der Design Academy Eindhoven (Niederlande), 2008 Praktikum bei Mario und Claudio Bellini, Mailand | 2010 Gründung des eigenen Designstudios in Halle, Aufträge u. a. von Nils Holger Moormann, Betoniu, Calvin Klein Collection, Volkswagen AG, Geosheen, Stiftung Bauhaus Dessau | 2011 Arbeitsstipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt | seit 2011 – 2015 Lehrauftrag an der Burg Giebichenstein | 2013 Newcomer Finalist der German Design Awards | seit 2017 Professor an der Hochschule Wismar | 2022 Living like Dieckmann, Zimmer im Rahmen der Ausstellung „Stühle! Dieckmann“, gemeinsam mit Margit Jaeschke in der Kunststiftung Sachsen-Anhalt | Ausstellungsbeteiligungen u. a. in Nürnberg, Mailand, Weil am Rhein, München und Berlin
Silke Trekel, Schmuckkünstlerin
1969 in Rostock geboren | 1991 – 1998 Studium und Aufbaustudium an der Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle, Fachgebiet Schmuck bei Prof. Dorothea Prühl, Diplom | 1994 – 1995 Studium am LASALLE College of the Arts in Singapur | 2004 Gastdozentin am Jewellery Department, Royal College of Art, London | 2007 Artist in Residence der Jakob Bengel-Stiftung, Idar-Oberstein | 2010 New York-Stipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt | 2013 Grassipreis der Galerie Slavik Wien | 2015 Artist in Residence, Aichi University of the Arts | Ausstellungen u. a. in Nijmegen (Niederlande), Göteborg (Schweden), Wien, Zürich, Hanau, München, Halle und Leipzig
Paula Wolber, Bildhauerin
1987 in Berlin geboren | 2008 – 2011 Ethik-Studium an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Kunsterziehung an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle | 2014 Studium der Bildhauerei bei Helen Frik und Hans Hovy an der ArtEZ Enschede | 2008 – 2015 Studium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bei Prof. Una Moehrke im Fachbereich Kunstpädagogik, Diplom | 2025 „NEINDOCH: Ein Streitgespräch“ für den Kunstparcours „Glühende Horizonte“ der Kunststiftung Sachsen-Anhalt in Allstedt | Ausstellungen u. a. in Leipzig, Halle, Delmenhorst, Zofingen (Schweiz)
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Jury des Wettbewerbes:
Prof. Dr. Charlotte Klonk, Professorin für Kunst und neue Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin
Prof. Dr. Harald Meller, Landesarchäologe Sachsen-Anhalts und Direktor des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Klára Němečková, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Dr. Wita Noack, langjährige Direktorin des Mies van der Rohe Hauses, Kuratorin, Architektur- und Kulturwissenschaftlerin, Berlin
Dr. Christian Philipsen, Generaldirektor der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt
Oberkirchenrat Albrecht Steinhäuser, Beauftragter der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung Sachsen-Anhalt
Prof. Dr. Sabine Thümmler, ehemalige Direktorin des Kunstgewerbemuseums Berlin, Kunsthistorikerin
