Kunstparcours „Glühende Horizonte“ wird eröffnet

Der Kunstparcours „Glühende Horizonte“ der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt wird am Samstag in Allstedt eröffnet. Bis zum 5. Oktober 2025 werden im Stadtraum zahlreiche Skulpturen, Installationen und Kunstaktionen präsentiert, die sich dem Thema der dezentralen Landesausstellung „Gerechtigkeyt 1525“ widmen. „Vor 500 Jahren stand Allstedt im Zentrum einer Debatte um Gerechtigkeit. Auch heute, 500 Jahre später, ist Gerechtigkeit eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Mit unserem Kunstparcours schlagen wir eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart “, sagte die Direktorin der Kunststiftung, Manon Bursian. „Die Künstler und Künstlerinnen haben sich vielfältig mit der Bedeutung von Gerechtigkeit, von Heimat, mit Zeiten des Umbruchs, Veränderungen, mit Neuanfängen, Sehnsüchten und Anführerschaften auseinandergesetzt. Sie haben Allstedt zu einem bemerkenswerten und inspirierenden Ort der zeitgenössischen Kunst gemacht.“
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, der bei der Eröffnungsfeier die Begrüßungsrede halten wird, sagte vorab: „Der Bauernkrieg hat das kollektive Gedächtnis vor allem im deutschsprachigen Raum über viele Generationen hinweg geprägt. Wie man sich diesem Ereignis künstlerisch nähern kann, zeigt der Kunstparcours. Er ist ein wichtiger und origineller Beitrag zum Gedenkjahr 2025. Die Ausstellung bietet ihren Besucherinnen und Besuchern neue Perspektiven, sie regt zum Nachdenken an und erweitert den Horizont.“
Auf der etwa einem Kilometer langen Route durch die Innenstadt können insgesamt zehn Kunstwerke betrachtet werden. Neben zahlreichen Installationen aus Keramik, Holz, Plexiglas oder Styropor sind an mehreren Standorten auch große Banner mit Porträts von Allstedtern zu sehen. Der Fotograf Matthias Ritzmann präsentiert mit „All you can meet“ mehr als 100 strahlende Gesichter, von Jung bis Alt, aus Allstedt.
Am Vorwerksteich sind gleich mehrere Kunstwerke zu entdecken: Der Treppensteg „sandoo“ der Berliner Architekten Peter Arnke und Brigitte Häntsch führt in einer besonderen Konstruktion über und durch das Wasser. Von einem Plateau am Ende des Stegs geht die Blickachse zum Schloss Allstedt, wo Thomas Müntzer am 13. Juli 1524 in seiner „Fürstenpredigt“ die sozialen Missstände gegenüber der Obrigkeit anprangerte. Die Skulpturengruppe „Justitia“ von Luzia Werner auf einer Verkehrsinsel nahe des Vorwerksteiches greift die Frage nach der Gerechtigkeit direkt auf. Die Distel-Bepflanzung um die verschiedenen Neuinterpretationen der Göttin der Gerechtigkeit nimmt Bezug auf eine Passage aus Müntzers „Fürstenpredigt“.
Neben den zahlreichen Künstlern aus Sachsen-Anhalt gibt es auch eine internationale Position: Die renommierte kanadische Künstlerin Rebecca Belmore hat sich von den Fenstern im Schloss Allstedt inspirieren lassen, hat mit ihrer Installation ein solches nachempfunden, das den Blick in den Himmel öffnet und durch das der Wind rauscht. Dabei hat sie auch altes Holz verwendet, das bei den laufenden Sanierungsarbeiten am Schloss entfernt werden musste.
Um die Rolle eines Anführers geht es bei der Wand-Installation von Hermann Grüneberg. Sein Kunstwerk mit einer großen Keramik-Figur trägt den Titel „Seyt noer keck!“, ein Satz aus der „Fürstenpredigt“. Lisa Reichmann hat in Anlehnung an die zu Beginn des Bauernkrieges nahe Allstedt niedergebrannte Mallerbacher Kapelle eine hölzerne „Kapelle der Sehnsucht“ errichtet. Im Inneren befindet sich ein gesticktes Triptychon.
Die Abraumhalden in der Region haben Daniela Schönemann inspiriert, sich mit dem Begriff Wahrheit auseinanderzusetzen. Ihre aus Holz gefertigten Halden stehen auf geschnitzten Füßen und bieten Raum zur Interaktion. Michael Krenz hat einen alten Kleinwagen in ein Kunstwerk verwandelt, eine Mischung aus Kampfmaschine und Andachtsraum. Paula Wolber hat auf einem alten Garagenkomplex ein Streitgespräch „NeinDoch“ aus Plexiglas-Buchstaben installiert.
Zum Kunstparcours gehören auch zahlreiche Kunstvermittlungsaktionen. So entwickelte Lucie Göpfert ein Comic über das Leben von Thomas Müntzer, in Abstimmung mit Schülern und Schülerinnen aus Allstedt. Unter der Überschrift „Der Balkon zu Allstedt – das Fenster zur Welt“ befasst sich Rebekka Rauschhardt mit ihren Angeboten mit berühmten Balkon-Momenten in der Geschichte, von Rapunzel über Romeo und Julia, Marilyn Monroe bis zu Hans-Dietrich Genscher.
Stiftungsdirektorin Bursian sagte: „Allstedt ist es wert, entdeckt zu werden. Uns alle hat das gute Miteinander vor Ort beeindruckt. Wir wurden herzlich aufgenommen und sind mit unseren künstlerischen Ideen stets auf große Offenheit gestoßen. Das ist das Besondere an diesem Projekt: Die Menschen in Allstedt sind in das Projekt einbezogen worden, von Anfang an, und sie sind selbst Teil des Kunstparcours geworden. Es ist ein Kunstparcours für Allstedt und mit Allstedt.“
Die Kulisse für die Eröffnungsfeier auf dem Platz am Vorwerk bildet die Installation einer riesigen Wolke von Julia Schleicher. Unterschiedliche „Kunst-Paten“ aus Politik und Gesellschaft werden die einzelnen Kunstwerke am Samstag vorstellen. Zum Kunstparcours gehört auch ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen, Theater und Kreativ-Workshops.
Der Kunstparcours „Glühende Horizonte“ ist ein Beitrag der Kunststiftung zur dezentralen Landesausstellung „Gerechtigkeyt 1525“, mit der Sachsen-Anhalt an das Wirken von Thomas Müntzer und den Bauernkrieg vor 500 Jahren erinnert. Neben der Kunststiftung beteiligen sich die Stiftung Luthergedenkstätten, die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, das Landesmuseum für Vorgeschichte Halle sowie die Werkleitz Gesellschaft an der Landesausstellung mit Präsentationen an mehreren Standorten. Die Ausstellung wird von Bund und Land gefördert.
Unter folgendem Link finden Sie eine Foto-Auswahl und die Übersicht über die beteiligten Kunstschaffenden mit ihren Kunstwerken. Bei einer Verwendung der Fotos geben Sie bitte den Fotografen: Matthias Ritzmann/ Kunststiftung an.
